Mesotheliomdiagnose
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Mesotheliomdiagnose

Inzidenz und Lokalisation:

Die Diagnostik und die Therapie des malignen Mesothelioms stellen eine besondere Herausforderung dar. Bei sehr seltenen Tumorerkrankungen wie dem Mesotheliom ist sowohl die Diagnose, als auch die Behandlung in spezialisierten Zentren mit entsprechender Erfahrung anzustreben.

Die Prognose für einen Patienten mit einem malignen Mesotheliom ist trotz neuer Behandlungsansätze schlecht, die Überlebenszeit liegt im Mittel bei ein bis eineinhalb Jahren, die 5 Jahres Überlebensrate liegt hier unter 20 %. Häufig wird ein malignes Mesotheliom erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt, so dass bei Diagnosestellung vielfach ein kurativer Therapieansatz nicht mehr möglich ist.

Als Prognosefaktoren wurden beschrieben:

  • das Tumorstadium zum Zeitpunkt der Diagnose
  • der Allgemeinzustand (Leistungsindex nach Karnofsky)
  • der histologische Tumorsubtyp
  • der Lymphknotenstatus
  • das Alter
  • das Geschlecht
  • die Differenzierung

So haben Patienten mit einem malignen epithelioden Mesotheliom in der Regel eine längere Überlebenswahrscheinlichkeit als Patienten mit malignen biphasischen oder sarkomatoiden Mesotheliom.



Symptome:

Die Symptomatik einer malignen Mesotheliomerkrankung ist abhängig von der Primärlokalisation des Tumors.
Bei malignen Pleuramesotheliomen stehen Thoraxschmerzen, Dyspnoe und ggf. eine Hustensymptomatik im Vordergrund. Zumeist liegt ein Pleuraerguß vor. In seltenen Fällen tritt ein Pneumothorax als erstes Krankheitszeichen auf.
Bei Patienten mit malignen Peritonealmesotheliomen wird vielfach ein Aszites beobachtet. Es liegen abdominelle Beschwerden in Form unspezifischer Schmerzen, Druckgefühl und veränderter Darmaktivitäten vor.
Beim seltenen malignen Perikardmesotheliom treten Schmerzen hinter dem Brustbein, Herzrhythmusstörungen und ein Herzbeutelerguss auf.
Bei malignen Mesotheliomen der Tunica vaginalis testis werden rezidivierende Hydrocelen (Ansammlungen von seröser Flüssigkeit) beobachtet.
Zusätzlich zu den genannten Symptomen können - wie bei allen Tumorerkrankungen - Symptome wie Gewichtsverlust, Leistungsminderung, Fieber und Nachtschweiß auftreten.
In fortgeschrittenen Stadien kann es zu einer lymphogenen oder systemischen Metastasierung kommen.

Diagnose:

Die Diagnostik des Mesothelioms gehört mit zu den schwierigsten Fragestellungen innerhalb der Pathologie. Das Deutsche Mesotheliomregister steht als Referenzzentrum für die histologische Diagnose und/oder für eine Zweitbeurteilung der Gewebeprobe zur Verfügung.

Histologie:

Maligne Mesotheliome zeigen ein sehr variantenreiches feingewebliches Bild mit verschiedensten papillären, tubulären, adenomatoiden, azinären, kleinzelligen, spindelzelligen, lymphohistiozytoiden, deziduoiden, klarzelligen, siegelringzelligen oder adenoid zystischen Differenzierungen. Bei der Mehrzahl der Tumoren finden sich Kombinationen der verschiedenen Differenzierungsmuster. Entsprechend der WHO-Klassifikation von 2004 werden epitheloide, biphasische, desmoplastische und sarkomatoide Subtypen unterschieden.
Wegen dieses variantenreichen feingeweblichen Bildes - auch innerhalb kleinster Tumorbiopsien - ergeben sich bei der Diagnostik eine Vielzahl möglicher Differentialdiagnosen. Die Abgrenzung von noch benignen Veränderungen stellt unter dem Aspekt, dass ggf. nur Biopsien von wenigen Millimetern Größe vorliegen, eine Herausforderung dar. Die sehr heterogenen Differenzierungsmuster des malignen Mesothelioms und die große Anzahl von Tumoren, die in die Pleura metastasieren oder angrenzend entstehen können, sind ursächlich für die Schwierigkeiten der Mesotheliom-Diagnostik. Makroskopisch ist eine Pleurakarzinose nicht von einem malignen Mesotheliom zu unterscheiden. Mit einer relevant erhöhten Fehlerwahrscheinlichkeit (falsch-positiv und falsch-negativ) muss gerechnet werden.

Immunhistochemische Untersuchungen:

Immunhistochemische Untersuchungen sind ein Standardverfahren bei der differentialdiagnostischen Abgrenzung eines Mesothelioms gegenüber der metastatischen Absiedlung eines anderen Primärtumors.
Einen einzelnen spezifischen Marker gibt es nicht. Je nach Tumorsubtyp und differentialdiagnostischer Fragestellung müssen unterschiedliche Markerpanel eingesetzt werden. Für die Diagnostik von Mesotheliomen haben sich folgende Marker als besonders geeignet erwiesen:
Calretinin (positiver Marker), MOC31 (negativer Marker), BerEP4 (negativer Marker), D2-40 (positiver Marker), TTF-1 (negativer Marker), Zytokeratine (positive Marker) und WT-1 (positiver Marker).

Molekularpathologische Untersuchungen:

Auch molekularpathologische Analysen können bei der Abgrenzung von malignen Mesotheliomen gegenüber reaktiven Veränderungen, Vorläuferläsionen, Pleurakarzinosen oder Sarkomen helfen. So weisen fast alle malignen sarkomatoiden Mesotheliome der Pleura eine p16 Deletion auf. Bei den malignen epithelioden Pleuramesotheliomen beträgt die Deletionsrate allerdings nur zwischen 60 und 80 % und bei den peritonealen Mesotheliomen ist diese Deletion mit unter 40 % noch seltener.

Hoch differenzierte papilläre Mesotheliome (WDPM):

Eine Ausnahme unter den Mesotheliomen stellen die gut differenzierten papillären Mesotheliome (well differentiated papillary mesothelioma - WDPM) dar. Diese in der Regel gutartigen Läsionen werden als Zufallsbefunde im Rahmen einer Bauchoperation anderer Indikation vor allem bei (jungen) Frauen gefunden. Da das WDPM nur sehr langsam wächst, meist singulär auftritt, sehr klein ist und auch keine Metastasen bildet und nicht invasiv ist, kann es vollständig entfernt werden und die Prognose für die Patientin ist meist sehr günstig.

Antikörper WT1

Immunhistochemische Reaktion mit dem WT 1 Antikörper

Antikörper Calretinin

Immunhistochemische Reaktion mit dem Calretinin Antikörper