Seit Ende der 90`er Jahre haben Roboter und Computer
zunehmend die Operationssäle erobert. Diese Robotertechnologie wurde in der Form,
wie sie angeboten wurde, von uns nie eingesetzt. Die Orthopädische Universitätsklinik Bochum hat immer auf die Navigationstechnologie gesetzt, bei
der dem Operateur zusätzliche Bildinformationen zur genaueren Positionierung von
Instrumenten und Implantaten angeboten werden, der Operateur aber zu keiner Zeit
die Instrumente aus den Händen gibt. Er ist so von Beginn bis zum Ende der OP
Herr des Verfahrens, kann aber genauer arbeiten, da ihm zusätzlich zu seinen
menschlichen Sinnen, einer sechster Sinn, ein "Navigationssinn" durch die
Navigationsgeräte zur Verfügung gestellt wird. Die extrem hohe technische
Genauigkeit, die in der industriellen Massenproduktion schon seit Jahrzehnten
selbstverständlich ist, wird nun auch in medizinische Prozeduren eingeführt.
Seit März 1999 praktizieren wir als erste Klinik in Deutschland routinemäßig die
computerassistierte Implantation von Hüftgelenkspfannen. In vielen hundert
Operationen hat sich die Methode schon bewährt: Wir stellten durchweg eine
bessere Position der neuen Gelenkpfanne fest; Nachteile für den Patienten birgt
das neue Operationsverfahren nicht.
Seit Mitte 2001 führen wir auch den Kniegelenksersatz mit Computerunterstützung
durch. Die Vorteile der Technik im Einzelnen:
Längere Haltbarkeit und mehr Komfort:
Die richtige Positionierung einer Gelenkendoprothese beeinflusst das postoperative
Ergebnis der Implantation maßgeblich: Sitzt sie optimal, bedeutet das für den
Patienten neben einer längeren Haltbarkeit des Implantats auch einen größeren
Bewegungsumfang - ohne die Gefahr einer Aus- oder Verrenkung. Bei der
konventionellen Operationstechnik konnten wir die Positionierung der Implantate
zwar am Röntgenbild planen, konnten aber nicht sicher sein, dass die
Durchführung dieser Planung auch gelang - denn dem Operateur fehlten bei der
Arbeit die zur Orientierung wichtigen Informationen zur dreidimensionalen,
achsgerechten Positionierung des Implantates.
Millimetergenaue Einpassung:
Mit der neuen Methode ist die Vorausplanung der Implantation optimiert. Dabei
gibt es zwei Möglichkeiten der Planung. Die direkte intraoperative Planung.
Dabei wird während der Operation vom Computersystem bei jedem
Operationsschritt ein Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise gemacht und die
Position der Instrumente und der Gelenkprothese auf einem Bildschirm angezeigt.
Bei einer anderen Philosophie wird von dem Patienten eine Computertomographie
des zu operierenden Gelenkes angefertigt und anhand dieser Bilder eine
dreidimensionale Planung erzeugt. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. Bei
der VT-freien Navigation muss der Patient keiner Röntgenstrahlung durch die
CT-Untersuchung ausgesetzt werden. Die CT-basierten Verfahren sind in aller
Regel genauer und haben Reserven bei der Planung schwieriger
Versorgungssituationen, wie z.B. Wechseloperationen, kindliche Fehlanlagen von
Gelenken oder Gelenkteilen oder eine durch alte, verheilte Knochenbrüche
gestörte Anatomie. Die Darstellung der Gelenkprothesenposition auf dem Bildschirm ermöglicht eine intraoperative Umsetzung der Planung auf
bis zu zwei Grad und
bis zu einem Millimeter genau. So können auch Komplikationen, wie das Eindringen der
Fräsen oder des Implantates ins Becken sicher vermieden werden. Die Operationszeit verlängert sich nicht wesentlich.