Ruhr-Universität Bochum – Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaften

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inSTUDIES: Culture and Politics in Contemporary Egypt | 2012/13


Gruppenbild

Von Katarzyna Aleksandra Meyer-Hubbert(Kursleiterin)

Über das Projekt

Culture and Politics in Contemporary Egypt hieß ursprünglich das interdisziplinäre Modul, das ich im Rahmen des inSTUDIES-Projekts anbieten und auch durchführen durfte. Für das Wintersemester habe ich mir vorgenommen, mit meiner Gruppe die Geographie und Geschichte, die Religionen, Ethnien und Sprachen Ägyptens, den Nil mit all seinen Vor- und Nachteilen und auch die Unterschiede zwischen dem Leben auf dem Lande und dem in den Metropolen kennen zu lernen.

In der vorlesungsfreien Zeit war eine Reise in die ägyptische Hauptstadt geplant. Und es sollte ein richtiges ‚Highlight‘ sein. Eine unvergessliche Zeit, in der wir die Gelegenheit bekommen sollten, Orte wie die Azhar-Universität, das Ägyptische Museum, die ARD-Redaktion, die deutsche Botschaft, die Kairoer Altstadt und den Tahrir-Platz zu besuchen. Es waren Gespräche mit Studierenden und Dozierenden, mit Politikern, Journalisten, mit der Opposition, der neuen Regierung und Familienmitgliedern unseres Arabischlektors vereinbart. Ein Abendessen auf dem Nil und ein Sonnenaufgang bei den Pyramiden, ein Besuch des Zeltlagers der Mursi-Gegner und ein Tag am Roten Meer sollten das Programm abrunden. Eine Reise, die meine Studierenden prägen und zusammenschweißen sollte, das war mein Ziel. Und genau diese Reise hat meine Pläne durchkreuzt. Denn ich musste sie absagen.

Die Situation in Kairo und dann in allen großen Städten Ägyptens schien völlig aus den Fugen zu geraten. Politische Demonstrationen vermischt mit Kämpfen verfeindeter Anhänger unterschiedlicher Fußballvereine, Überfälle und Missbrauchsfälle von Frauen auf dem zentralen Platz der Hauptstadt, Blockaden der Nil-Brücken und der Flughafen-Straße, all das - im Kontext der dramatisch wachsenden Zahl der Verletzten und Verstorbenen - machte mir klar: Ich kann und ich darf meine Studierenden einer solchen Gefahr nicht aussetzen. Und ich will es auch nicht.

Die Stimmung in der Gruppe zeigte die ersten Risse. Wir alle verfolgten gespannt die Nachrichten aus Kairo, Port Said und Alexandria, leiteten sie uns gegenseitig weiter, sprachen darüber im Seminar, am Telefon, über Facebook. Und dann wurde auch die Stimme immer lauter: „Ich habe Angst, ich möchte nicht nach Kairo.“ Für mich war es klar – wir werden nicht fliegen.

Aber gar nicht?

Das fand ich ausgesprochen unfair. Wir haben doch auch fleißig gearbeitet, keine Sitzung im Wintersemester fiel aus, alle haben ihre Präsentationen pünktlich vorbereitet, auf Englisch vorgetragen und dann auch über das jeweilige Thema und noch weit darüber hinaus auf Englisch diskutiert. Wir haben gemeinsam den Plan unserer Exkursion erstellt und ja – wir haben uns sehr auf diese Reise gefreut! Genauso sehr, wie auch die Teilnehmer der anderen inStudies-Projekte, für die jedoch die Frage nach der Sicherheitslage im jeweiligen Zielland keine größere Relevanz hatte.

Gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Stefan Reichmuth, dem Leiter unseres Teilprojektes, habe ich also nach Alternativen gesucht. Die Zeit war knapp, das Geld auch und die Situation in den arabischen Ländern machte zu diesem Zeitpunkt die Aufgabe nicht grad einfacher. Aber wir gaben nicht einfach so auf. Ich rechnete das Geld hin und her, suchte Kontakte, stellte ein Programm für drei unterschiedliche Städte zusammen und diskutierte darüber erst mit Prof. Reichmuth und dann gemeinsam mit dem Management des inSTUDIES-Projekts.

Und dann war es soweit - ich schrieb eine e-Mail an meine Studierenden, in der ich ihnen mitteilte, dass wir nicht nach Kairo fliegen würden. Aber auch, dass wir nicht zu Hause bleiben müssten. Unser neues Ziel hieß Jerusalem. Die Reaktionen auf meine Nachricht zeigten ein besonders breites Spektrum menschlicher Psyche, doch ich blieb konsequent und so wussten alle ganz sicher: Entweder nach Jerusalem oder gar keine Reise.

Es war wie ein Sprung ins kalte Wasser – wir verbrachten eine Woche in Israel und in den Palästinensischen Gebieten, obwohl wir uns nur rudimentär mit dieser Region im Rahmen unseres Seminars beschäftigen konnten. Orte, Sprachen, Traditionen, Religionen, besondere Sicherheitsvorkehrungen, Gespräche, Eindrücke und immer mehr und mehr offene Fragen – all das schenkte uns diese Reise und ermöglichte, unseren Kurs, wenn auch mit verändertem Schwerpunkt, fortzusetzen.

Ich lade Sie herzlich ein, unsere Homepage zu besuchen, die Impressionen aus dieser beinah spontanen Studienreise nach Jerusalem, Bethlehem, Ramallah, Akko und Tel Aviv in Form von Blog-Einträgen, Fotos und Videosequenzen festhält. Zusätzlich finden Sie hier auch einige Einblicke in die besonderen Momente, die wir als Gruppe erlebt haben. Dazu gehört unser Treffen mit dem Leiter der Öffentlichkeitsarbeit in der Botschaft des Staates Israel in Berlin, die Impressionen aus der Internationalen Konferenz der Friedrich-Ebert-Sitiftung zum Thema Erwachen des politischen Islam in Folge des Arabischen Frühlings: Entwicklungen – Herausforderungen – Perspektiven sowie die Themen, die uns im zweiten Teil des Kurses besonders beschäftigt haben und die uns helfen sollten, eine Brücke zwischen dem revolutionären Kairo und dem konfliktreichen Nahen Osten zu schlagen.

Ein Projekt wie dieses wäre ohne Hilfe von vielen Menschen einfach nicht möglich. Daher verstehe ich diese Homepage auch als einen herzlichen Dank an alle, die meine Studierenden und mich sowohl während der Seminare in Bochum, als auch bei den Vorbereitungen und bei der Durchführung unserer Reise tat – und manchmal auch wortkräftig unterstützt haben.

Zunächst ist das Management des in-Studies Projektes zu nennen, denn ohne Sie alle würde unser Projekt gar nicht erst starten können. Herrn Prof. Dr. Stefan Reichmuth, der uns als Leiter des Teilprojektes Nahost mit seinem Wissen, seiner unerschöpftlichen Geduld und vielen Ideen begleitete, gebiet an dieser Stelle mein besonderer Dank. Herr Magdi Fouad, der Arabischlektor am Bochumer Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaft, half zunächst die Reise nach Kairo zu organisieren, nutzte seine Kontakte vor Ort, telefonierte, schieb Mails nur um dann – mit einem Lächeln und wahrhaft stoischer Ruhe – mit uns nach Tel Aviv zu fliegen und für uns alle immer da zu sein. Magdi – vielen herzlichen Dank!

Ich möchte mich auch bei meiner Gruppe dafür bedanken, dass ich eine faszinierende und so gut wie stressfreie Exkursion durchführen konnte, ein Seminar, das thematisch eine besondere Breite umfasste, mit Ihnen gemeinsam gestalten durfte und Sie alle in diesem gemeinsamen Jahr einfach ein gutes Team geworden sind.