Dr. Thöne-Otto

Alltagsorientierte neuropsychologische Therapie bei Störungen von Lernen und Gedächtnis

 

Datum Uhrzeit Dauer Teilnehmerzahl
10.11.2018
  1. 10:00 -18:00 Uhr
8 Stunden Max: 20

     

    Gedächtnisstörungen gehören neben Aufmerksamkeitsstörungen zu den häufigsten kognitiven Einbußen nach einer Hirnschädigung und sind für die Selbstständigkeit der Patienten im Alltag von großer Relevanz. Im Rahmen des Workshops wird ein Überblick über neuropsychologische Methoden der Gedächtnistherapie vorgestellt. Das vorhandene Methodeninventar untergliedert sich in Ansätze des Funktionstrainings, der Kompensationstherapie sowie der integrativen Behandlungsmöglichkeiten. Eine wichtige Rolle wird dabei die differentielle Indikations- und Zielstellung spielen, also die Frage, welche Therapieziele und Behandlungsmethoden für welche Patienten indiziert sind. Auch sollen sowohl einzel- als auch gruppentherapeutische Ansätze vorgestellt werden. Einen wichtigen Teil wird der therapeutische Umgang mit den emotionalen und behavioralen Folgen von Gedächtnisstörungen spielen und in diesem Zusammenhang auch Möglichkeiten der Angehörigenberatung. Darüber hinaus wird die Frage, wie moderne Medien wie Internet und Mobilfunkanwendungen in die neuropsychologische Therapie zu integrieren sind, diskutiert.
    Alle vorgestellten Methoden werden unter der Frage der Evidenzbasierung und Evaluation kritisch beleuchtet. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass die TeilnehmerInnen eigene Fallbeispiele mitbringen und gemeinsam diskutiert wird, wie die Anregungen des Workshops in die eigenen Arbeitsbedingungen übertragen werden können. Alltagsorientiert ist somit im doppelten Sinne gemeint. Geeignet für den klinischen Alltag der TeilnehmerInnen sowie für die Anwendung im Alltag der Patienten.


Literatur zur Vorbereitung
Jamieson, M. et al (2014). The efficacy of cognitive prosthetic technology for people with memory impairments: a systematic review and meta-analysis. Neuropsychological Rehabilitation, 24, 419-444.
Thöne-Otto, A., et al (in Vorbereitung). Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen. Vorrauss. Ab Mitte 2018 zu finden unter www.awmf.org
Thöne-Otto, A. (2016). E-Health in der neuropsychologischen Therapie: Aktuelle Entwicklungen in online- und Mobil-Geräte-Anwendungen. Nervenheilkunde, 35, 29-34
van Heugten C, Wolters Gregório G, Wade D.(2012). Evidence-based cognitive rehabilitation after acquired brain injury: A systematic review of content of treatment. Neuropsychol Rehabil. 2012 Oct;22(5):653-73. Epub 2012 Apr 27.
Werheid, K. & Thöne-Otto, A. (2010). Alzheimerkrankheit. Ein neuropsychologisch-verhaltenstherapeutisches Manual. Weinheim: Beltz-Verlag.
Weicker, J., Villringer, A. & Thöne-Otto, A. (2016). Can impaired working memory functioning be improved by training? A met-analysis with a special focus on brain injured patients. Neuropsychology, 30, 190-212 http://dx.doi.org/10.1037/neu0000227
Dr. Angelika Thöne-Otto Universität Leipzig Tagesklinik für kognitive Neurologie Alltagsorientierte neuropsychologische Therapie bei Störungen von Lernen und Gedächtnis


Gliederung
1. Einführung: Vorstellen / Kenntnisstand der Teilnehmerinnen
2. Methodenüberblick Neuropsychologische Therapie - Evidenzbasierung Funktions- und Kompensationstherapie
a. Training von Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnisleistungen
b. Methoden zur Reduzierung von Gedächtnisanforderungen
c. Auf dem impliziten Gedächtnis basierende Verfahren (errorless Learning / spaced retrieval)
d. Internale Enkodierungs- und Abrufstrategien
e. Der Einsatz externer Gedächtnishilfen
f. Neue Medien in der neuropsychologischen Therapie
3. Integrative Verfahren
a. Umgang mit Unawareness und Defensive Denial
b. Häufige Verhaltensstörungen bei Gedächtnisdefiziten
c. Selbstwertstabilisierende Verfahren
4. Therapie bei retrograden Gedächtnisstörungen
5. Angehörigenberatung
6. Fallarbeit / Supervision / Vertiefung


Methoden:
Die Vorgestellten Methoden werden in unterschiedlichen Settings (Selbsterfahrung; Rollenspiel, Kleingruppenarbeit; Videobeispiel; Modellrollenspiel) vertieft, so dass die Teilnehmenden neben dem Wissen über die Methoden auch praktische Kompetenzen im Umgang erwerben.