Prüfungsformen im Modellstudiengang

 

    Wie geprüft, so gelernt...

    Die Art und Weise wie nach entsprechenden Lehr- und Lerneinheiten Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten geprüft werden, haben ganz entscheidenden Einfluss auf das Lernverhalten und die spätere Reproduzierbarkeit des Erlernten. Daher überrascht es nicht, wenn in der Einführung neuer, realitätsnaher Prüfungsformen und -Situationen ein Schlüssel für das Erreichen der Reformziele im Studiengang liegt. Die englischen Namen der Tests deuten darufhin, dass insbesondere im englischsprachigen Ausland jahrezehntelange Erfahrungen mit diesen Prüfungsformen vorliegen.

    Diese Prüfungsformen sind im Einzelnen:

     

    Modified Essay Questions Tests (MEQ) 
    Objective Structured Clinical Examination (OSCE)
    Objective Structured Long Examination Record (OSLER) 
    Triple Jump Exercise (TJE)
    Multiple Choice Tests (MC)
    Progress Test
    Portfolio

     

Modified Essay Questions Tests (MEQ)

 

    MEQs sind strukturierte schriftliche Prüfungen, in denen in der Regel fächerübergreifend Fragen zu einer längeren Patientengeschichte frei und in Kurzform, oder mit der Auswahlmöglichkeit unter mehreren vorgegebenen Antworten, zu beantworten sind.

    Über mehrere DIN-A4-Seiten, die nacheinander zu bearbeiten sind, wird in Etappen jeweils am Seitenbeginn eine Fallgeschichte erzählt. Diesen einzelnen Textblöcken werden jeweils passende Fragen aus den verschiedenen Fachbereichen angeschlossen, die dann unmittelbar beantwortet werden müssen; etwa zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen, der Anamnese, den notwendigen Untersuchungen, der Diagnose oder den Differentialdiagnosen, aber auch bereits zur möglichen Therapie.

    Seite für Seite wird die Patientengeschichte fortgeführt, ein Zurückblättern ist nicht erlaubt. Im Verlauf werden die Fragen komplexer und detaillierter, wobei die Fallgeschichte in sich geschlossen ist und abschließend Informationen über den weiteren Krankheitsverlauf gibt.

    (Geeignet für die Überprüfung von Zusammenhängen)


    Objective Structured Clinical Examination (OSCE)

     

    Bei der OSCE-Prüfung durchlaufen die Prüflinge simultan im Rotationsverfahren eine Anzahl von bis zu 20 "Prüfungsstationen", an denen sie definierte Aufgaben lösen müssen.

    Zur Ausführung einer jeden Station ist eine fixe Bearbeitungszeit von 5 - 10 Minuten festgelegt. In den überwiegenden Fällen handelt es sich dabei um praktische Prüfungsstationen, die unter dem Einsatz von so genannten "SimulationspatientInnen" durchgeführt werden.

    Der Prüfer selbst greift als passiver Gutachter nicht in den Prüfungsverlauf ein, sondern bewertet die individuelle Leistung objektiv anhand einer festgelegten Checkliste. Auf diese Weise können neben dem medizinischen Wissen auch ärztliche Fähigkeiten (Problemlösestrategien) und vor allem praktische Fertigkeiten (z.B. Untersuchungsmethoden) geprüft werden.


    (Geeignet zur Überprüfung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten)

     


Objective Structured Long Examination Record (OSLER)

 

OSLERs sind Prüfungen am Krankenbett.

Der Prüfling erhebt eine Anamnese und führt eine körperliche Untersuchung durch. Nach einer Vorbereitungszeit stellt er den/die Patienten/-in zwei Prüfern vor, die um eine Wiederholung bzw. Demonstration von Teilen der Anamnese und Untersuchung bitten können.

Im Weiteren werden die Differentialdiagnostik und die mögliche Therapie anhand der konkreten Krankengeschichte und der Untersuchungsbefunde diskutiert. Der Prüfling kann dabei die Aufgabe erhalten, den Patienten über einzelne Untersuchungen oder Therapien aufzuklären und sie mit ihm zu besprechen.

Die Bewertung erfolgt nach einem festgelegten 10-Punkte-Schema unter Berücksichtigung der Anamnese, der Untersuchung, sowie des diagnostischen und therapeutischen Konzeptes.

(Geeignet zur Überprüfung von komplexem, fallbezogenem Wissen, praktischen Fertigkeiten und Handlungsstrategien)

 

Triple Jump Exercise (TJE)

 

Mit der TJE wurde eine standardisierte Prüfung entwickelt, die das methodische Vorgehen der Studierenden innerhalb des Problemorientierten Lernens evaluieren soll.

Hierbei müssen mit Hilfe von Kurz-Patientenfällen die einzelnen Schritte des POL unter Gutachteraufsicht vom jeweiligen Teilnehmer durchgeführt werden. Die Ausarbeitung der Lernziele unter Zuhilfenahme verschiedener Quellen und gegebenenfalls die Modifizierung der Hypothesen erfolgt allerdings in Abwesenheit eines Prüfers.Abschließend erörtert der Prüfling die ausgearbeiteten Lerninhalte und seine Bearbeitungsstrategie.

Die TJE wird als Feedback-Prüfung eingesetzt, um rechtzeitig mögliche Schwierigkeiten der Studierenden mit POL oder mit der Anwendung und Einschätzung des eigenen Wissens thematisieren zu können.

(Geeignet zur Überprüfung von komplexem anwendungsbezogenem Wissen und Fähigkeiten bei der Recherche.)

 

 

Multiple Choice Questions (MCQ) -Tests

 

Mehrfach-Auswahl-Tests sind Testformate mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten und einer oder mehreren richtigen Lösungen. Auch kann verlangt werden, aus einer Liste verschiedener Antworten die jeweils richtigen einer bestimmten Anzahl unterschiedlicher Fragestellungen zuzuordnen.

MCQ-Tests
können als einzelne Prüfung eines Fachgebietes eingesetzt werden, werden aber im Sinne der fächerübergreifenden, fallorientierten Lehre des Modellstudienganges in der Regel nur auf diese Weise Anwendung finden.

(Geeignet zur Überprüfung von kognitiven Wissens)

 

 

Progress Test

 

Der Progress-Test ist eine besondere Form der Multiple-Choice-Prüfung.

Dabei handelt es sich um einen Wissenstest, der einmal im Semester durchgeführt, regelmäßig mit gleich bleibendem Schwierigkeitsniveau klinisch relevante Inhalte des gesamten Studiums aus allen Gebieten der Medizin (Grundlagenfächer, klinisch-theoretische und klinische Fächer) mit festgelegter Gewichtung prüft. Eine gezielte Vorbereitung auf diesen Test entfällt dabei.

Am selben Test nehmen zeitgleich sämtliche Jahrgänge der Fakultät teil, wobei eine zusätzlich eingebrachte "Weiß-nicht-Option" fehlende Kenntnisse gerade der jüngeren Jahrgänge nicht sanktioniert. Andererseits führen Falschantworten zu einem Punktabzug, so dass eine ehrliche Selbsteinschätzung des eigenen Wissens erfolgt.

Der Test gibt den Studierenden regelmäßig und in kurzen Abständen sowohl Aufschluss über ihren aktuellen Wissensstand, als auch über den erreichten Wissenszuwachs im Verlauf ihres Studiums.

(Geeignet zur Überprüfung von Lernfortschritten)

 

 

Portfolio

 

Ein Portfolio bietet die Möglichkeit, eine Prüfungsleistung bzw. einen Leistungsnachweis durch das Erbringen mehrerer unterschiedlicher Teilleistungen zu erzielen.

Die Aufgabenstellungen der einzelnen Teilleistungen können dabei vielfältigster Natur sein. Es bieten sich hierzu beispielsweise das Verfassen von Protokollen, Fallgeschichten, Epikrisen, Anträgen, aber auch von thematischen Ausarbeitungen, sowie das Befunden einzelner Untersuchungen, wie z.B. EKG-Ableitungen an.


Im Portfolio erstellt der/die Studierende dann über einen definierten Zeitraum (z.B. während eines Blockpraktikums) eine Sammlung sämtlicher Ausarbeitungen und Ergebnisse der einzelnen Teilaufgaben.

(Geeignet zur Überprüfung der selbstständigen Projektarbeit)