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PD.
Dr. Ünsal Yalçın,
Archäokeramologie
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Herkunftsbestimmung archaischer Keramik
Die Bedeutung Milets
als Handelsmetropole mit zahlreichen Kolonien im östlichen Mittelmeerraum
basierte auch auf einer umfangreichen lokalen Keramikproduktion. Sie wird
durch Funde von Brennöfen (1), von Ofenwandungen und von sog. Fehlbränden
belegt. Zu den Fragen der Milet-Archäologie, die nicht allein durch stilkritische Analyse gelöst werden können, gehören die technologischen
und wirtschaftlichen Faktoren des Töpferhandwerks. Welche Keramik wurde in
Milet produziert, wie ist sie hergestellt und wohin ist sie verhandelt
worden?
Hierzu wurden
Keramikfunde, Fehlbrände und lokal anstehende Tone nach mineralogischen, geochemischen und geologischen Kriterien analysiert. Besonders
aussagekräftig sind die Elementverteilungen von Chrom und Nickel, die als
weniger mobile "Leitelemente" vom Ausgangsgestein über die Tonlagerstätte
bis zum Fertigprodukt kaum verändert werden.
Untersucht wurden
Amphoren, für die allgemein eine lokale Fertigung angenommen wird. Das
Ergebnis (2) zeigt, dass das so definierte Amphorenfeld mit den Werten der
Fehlbrände, des Tons und der Ofenwandungen nahezu deckungsgleich ist, also
tatsächlich in Milet hergestellt wurde.
Dagegen lassen sich
z.B. die sogenannten "chiotischen" von den milesischen Scherben deutlich
trennen (3).Auf diese Weise ist also ein ortsspezifischer "geochemischmineralogischer
Fingerabdruck" erarbeitet worden, ein "Referenzmuster Milet", das als
Grundlage für weitere Provenienzstudien dienen kann.
Die geochemische
Übereinstimmung lässt sich auch in der Zusammensetzung der
Magerungsbestandteile beobachten, die aus Gesteinsbruchstücken wie Tuff,
Gneis, Schiefer und einzelnen Mineralien wie Quarz, Feldspat und
Karbonaten bestehen. Charakteristisch für Milet sind insbesondere
Tuffbruchstücke mit großen Sanidineinschlüssen, welche in den neogenen
Schichten in der Umgebung von Milet weit verbreitet sind (4).
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| 4-
Mikrogeflüge von einer
Amphorenscherbe aus Milet. Die für die Milet typischen
Magerungsbestandteile bestechen aus vulkanischen Gläsern mit
Sanidin-Einschlüssern. Länge der Bildkante: 1,2 mm. |
Nächste Aufgabe wird
sein, ein "Referenzmuster Milet" nicht nur für die Gebrauchskeramik,
sondern auch für die Feinkeramik zu bestimmen. Dazu haben wir
begonnen, sog. Knickrandschalen zu analysieren. Erste Untersuchungen
deuten auch hier auf zusammenhängende Gruppen hin, die in Milet produziert
wurden. Weitere Warengruppen wie Töpfe, Teller, Schalen und Terrakotten
werden ebenfalls untersucht. |
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1-
Reste eines Töpferofens aus der
Stadtgrabung am Kalabaktepe. Erhalten hat die zwischen Feuerraum und
Ofenkuppel liegende Lochtenne. |
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2a-
Cr/Ni Variationsdiagramm der Fehlbrande (Kreise), des Ofenmaterials
(gefüllte Kreise) und der Tonsedimente (gefüllte Vierecke). |
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2b-
Cr / Ni Variationsdiagramm der attischen Amphoren aus Milet; das Feld
der Fehlbrände ist farblich unterlegt. |
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3-
Darstellung milesiescher und "chiotischer" Amphoren aus Milet in den Cr / Ni und Rb / K2O
Variationsdiagrammen, in denen unterscheiden sich der sogenannten
chiotischer Amphoren deutlich von den milesischen Amphoren. |
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