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  Dr. Reinhard Senff
   
  Das Wohn- und Handwerksviertel am Südhang des Kalabaktepe 
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Der heute Kalabaktepe genannte ca. 50 m hohe Tafelberg liegt etwa 2 km südlich des Zentrums von Milet (Abb. 1), gehörte in archaischer Zeit jedoch zum Stadtgebiet, wie die am Südhang freigelegte Stadtmauer zeigt (Abb. 3). Hier liegt ein Wohn- und Handwerksviertel, das bisher die detailliertesten Informationen über Bauen und Wohnen in Milet zwischen dem frühen 7. und dem 5. Jh.v.Chr. geliefert hat (Abb. 3). Die Wände der Häuser bestanden aus Lehm auf einem niedrigen Steinsockel, der Festigkeit und Schutz gegen aufsteigende Bodenfeuchtigkeit bot (Abb. 4).

 

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Anfangs muss man mit Flach- oder Schilfdächern rechnen; am Ende des 6. Jh. waren manche Gebäude jedoch mit hochwertig dekorierten Ziegeln gedeckt (Abb. 5). Die ältesten Häuser bestanden nur aus einem nahezu quadratischen Raum von ca. 30 qm mit einer zentralen Feuerstelle. Erst im Laufe der Zeit kamen Anbauten für spezielle Funktionen, als Vorratsraum oder Küche hinzu. Die Lage am Südhang begünstigte eine terrassenartige Bebauung auf unter­schiedlichen Ebenen. Neue Gebäude entstanden über den Resten der älteren, wobei man nach Möglichkeit die vorhandenen Mauern als Fundamente verwendete (Abb. 6). Die Wohn- und Wirtschaftsräume wurden nach und nach mit Verbindungsmauern zu kleinen Hofkomplexen zusammengefasst.

 

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Das Viertel diente aber nicht nur zu reinen Wohnzwecken. Nach den Resten von Töpferöfen, Keramik- und Metall­schlacken, Gussformen und Abfällen der Knochenschnitzerei zu urteilen sind hier auch verschiedene Handwerke ansässig gewesen. Das wichtigste war sicher die Töpferei, die bis ins 7. Jh.v.Chr. zurückzuverfolgen ist (Abb. 7). Die Siedlungsschichten enthalten große Mengen von Scherben, die zu Gebrauchsgefäßen, aber auch zu den sehr qualitätvollen bemalten Trinkgefäßen der südionischen Vasengattungen des 7. und 6. Jh.v.Chr. gehören. Daneben begegnen Tonfiguren, wie sie in den milesischen Heiligtümern geweiht und auch in andere Orte exportiert wurden.Wie im restlichen Stadtgebiet, so endet am Kalabaktepe die Siedlungskontinuität abrupt in der Zeit des ionischen Aufstandes. Zwar gibt keine dicke Brandschicht einen direkten Hinweis auf kriegerische Ereignisse und eine Zerstörung durch Feuer, doch ist deutlich zu sehen, dass die Häuser ihrer Ziegeldächer beraubt wurden und verfielen. Nur für einen kurzen Zeitraum richtete man sich im 5. Jh.v.Chr. wieder in den Ruinen ein; auf der Ostterrasse des Berges wurden neue Häuser sogar über den Trümmern des Artemistempels errichtet. Als die neue ”hippodamische” Stadt in der Ebene entstand, gab man den Kalabaktepe aber endgültig als Wohngebiet auf.

 

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