Incerta

 

 

Fritz Hennenberg [Das Kantatenschaffen von Gottfried Heinrich Stölzel (= Beiträge zur musikwissenschaftlichen Forschung in der DDR, Bd. 8; Leipzig 1976] schreibt einige Kantaten, die vormals Stoelzel zugeordnet worden waren, dem Komponisten Johann Christoph Rödiger zu. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann nicht entschieden werden, ob diese Zuweisung korrekt ist; deshalb teilen wir an dieser Stelle auch die Informationen zu den fraglichen Kantaten mit.

 

 

Beschließet einen Rath / Mus A14:2

Aus Gnaden seÿd ihr seelig worden / Mus A14:1

Wir haben hier keine bleibende Stadt / Mus A14:3

 

 

 

 

Beschließet einen Rath / Beschließet einen Rat

(Neujahr, Nr. 2) [1. Januar 1729]

 

 

Fundort: Schlossmuseum Sondershausen Mus A14:2 / Hs M1 : XD

Umschlag: Stölzel \ [lt. Hennenberg: J. Chr. Rödiger] \ Kantate \ “Beschließet einen Rat...“         

Deckblatt: Dominica post Fest[o] Circumcis:[ionis] \ a 8 \ 4 Voci \ 2 Violini \ 1 Viola \ con \ L’Organo \ N. 2

Partitur: J.N.J. Dominica post Fest[o] Circumcis: [ionis] Christi \ N. 2

Material: Partitur und Partien

Partien: Canto, Alto, Tenor, Basso; Oboe 1, Oboe 2., Violino 1. [2x], Violino 2., Viola; Violoncello., Violon, Contineo [beziffert], Organo [beziffert, hoher Chorton]

Besetzung: S, A, T, B; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc [Vc, Violon, Continuo, Org]

Bemerkungen zu den Stimmen: Altstimme, Rez. Nr. 2:  Die ersten zwei Takte des Alts werden auf einer extra Seite am Schluß der Stimme nachgereicht.

 

1. [Choro] 4/4, A-Dur (tutti)

Beschließet einen Rath

und werde nichts draus

beredet eüch und es bestehe nicht

denn hier ist Imanuel.

[Jes. 8,10] 

 

2. Recitativo secco (S, A, B, T; Bc)

[S] Hier ist Imanuel

So muß was in dem bösen Rath

der Feind beschloßen hat zurücke gehn,

und deßen blutiges bereden,

wie Wachs am Sonnen Lichte stehn.

[A] sucht ein Herodes den Zu tödten

der aller Welt das Leben bracht;

so ist ein Engel gleich bedacht

den bösen Anschlag zu entdecken.

[B] Will er das Licht der Welt

ins Todes Meer verstecken,

so rettet er die dunkle Nacht.

[T] Und aller Feinde List

ob sie auch noch so wachsam ist,

schlägt ihnen schimpflich fehl

Hier ist Imanuel.

 

3. Aria Duetto 2/4, E-Dur (A, T; Bc)

Gottes Rath muß alleine feste stehen.         *

Aber daß Zu Grunde gehen

was der Feind beschloßen hat.                    da capo

 

4. Recitativ[o] secco (S, A, T, S; Bc)

[S] Zog einst der Bruder Neid,

den Joseph in Egÿpten

so kunte Gott doch mit der Zeit,

die Untreü welche sie an ihm Verübten,

zum guten Ende kehren.

[A] Sie hatten nicht gedacht,

daß dieser den ihr Haß und Geitz,

zum armen Sclaven macht

sie künfftig allerseits noch würd ernähren

[T So zieht mein Jesus jetzt

da schon ein Mord=Schwerdt blitzt

daß ihn zu tötden sucht,

Zwar nach Egÿpten hin,

doch Gott weiß ihn,

zu meinen Seegen draus zu ruffen

[S] Auf seiner Flucht,

baut er mir lauter Himmels Stuffen.

 

5. Aria Canto 2/4, A-Dur (S; 2 Ob, 2 Vl; Bc)

So stehet mir der Eingang wieder

zum schönen Paradiese frey.                         *

Weil Adam mußt aus solchen fliehen

will Jesus in das Elend ziehen

damit durch diese Flucht

ein jeder des freÿen Zutritts sicher seÿ.         da capo

 

6. Rec:[itativo] et accomp:[agnato] (T, A, a 4; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

[T] Mein Jesu wenn der Todt,

auf mich der einst das Mord=Schwerdt wetzet

so schick mir einen Engel zu,

der mir aus deinem Worte

den Ort der Sicherheit zu wißen thu

[A] Er öffne mir die Himmels Pforte

wenn einst mein Geist Von hinnen flieht

[a 4] Und bring ihn unVerletzt,

dahin wo alles Leid

auf ewig Von ihm flieht.

 

7. Choral 4/4, A-Dur (tutti)

Auf diß mein liebes Jesulein,

will ich für Gott selbst treten

Vor allen Feinden sicher seÿn,

mein Seele wohl zu retten

Zum Leben fein.

Zu gehen ein,

und lieblich an Zu schauen,

den Heÿland schön den ich gesehn,

allhier allein im Glauben.

 

 

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Aus Gnaden seÿd ihr seelig worden / Aus Gnaden seid ihr selig worden

(Sonntag nach Neujahr, Nr. 1) [4. Januar 1729]

 

Fundort: Schlossmuseum Sondershausen Mus A14:1 / Hs M1 : XC 

Umschlag: [lt. Hennenberg: Joh. Christoph Rödiger] \ Stöltzel \ Kantate \ "Aus Gnaden seid ihr \ herrlich..."

Deckblatt: Dominica post Fest[o] Circumcis[ionis] \ a 8 \ 4 Voci \ 2 Violini \ 1 Viola \ con \ L’Organo \ N: 1

Partitur: J.N.J. Dominica post Fest[o] Circumcis:[ionis] Christi N. 1

Material: Partitur und Partien

Partien: Canto, Alto, Tenor, Basso; Oboe 1, Oboe 2., Violino 1mo / Violino 1 [unterschiedliche Schreiber] , Violino. 2do, Viola.; Violoncello, Violon, Organo [2x: 1x beziffert; 1xbeziffert, hoher Chorton]]

Besetzung: S , A , T , B; Chor [SATB]; 2 Ob , 2 Vl, Va, Bc [Violoncello, Violon, Organo]

 

 

1. [Choro] 2/4, A-Dur (tutti)

Aus Gnaden seÿd ihr seelig worden

durch den Glauben und daßelbe nicht aus eüch,

sondern Gottes Gabe ist es.

[Eph. 2,8]

 

2. Recitativo secco (S, T, B; Bc)

[S] Elender Mensch

du kuntest zwar aus dir

den Todt dir leichtlich geben,

doch aber nicht das Leben.

[T] Es mögen deine Wercke sich,

auch noch so sehr beblümen,

so blickt das Schlangen Gifft herfür.

[B] O woltest du deßelben dich

Vielleicht noch rühmen.

 

3. Aria Basso 6/8, A-Dur (B; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

Schweig Von allen deinen Wercken

thu nur was du schuldig bist.                     *

Du mit alle deinem Recht

bist doch ein Unnützer Knecht

der noch Weit mehr schuldig ist

lerne die Vermahnung mercken.                da capo

 

4. Recitativo secco (A, T, A; Bc)

[A] O wäre Gottes Gnade,

dir nicht so freündlich auf gegangen,

es hätte dir der Höllen=Nacht

ein immer während Leid gemacht.

[T] O hättest du die Reinigung im Bade,

der heiligen Tauffe nicht empfangen

du wärst ein Greül,

in Gottes Augen blieben

dem Fluch und Todt Vor seiner Thüre ruhte.

[A] So aber steht dein Heÿl,

mit Jesu theürem Blute

im Buch des Lebens ein geschrieben.

 

5. Aria Alto 3/4, A-Dur (A; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

Größer noch als unsre Sünde

muß die Gnade Gottes seÿn.                      *

Statt daß er uns als Rebellen

solt ein blutig Urtheil fällen

setzt er uns in seinem Kinde

zu des Reiches Erben ein.                          da capo

Größer noch als unsre Sünde

muß die Gnade Gottes seÿn.

 

6. Rec:[itativo et] accomp:[agnato] (S, T, S; a 4; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

[S] Schreib diesen Trost mein Gott

mir in das Hertze,

laß deßen Honig sein,

mir hier das Leid versüßen.

[T] und mach mir ihn ein mahl

zu einer hellen Kertze,

wenn ich das finstre Todes Thal

durchwandern werden müßen.

[a 4] So wird mein Tod mir süß,

so geh ich gantz gewiß

zum Erbe meiner Hoffnung heim.

 

7. Choral 4/4, A-Dur (tutti)

Aus Gnaden will ich selig werden,

nur gieb mir einen Vorblick hier

nichts frag ich sonst noch Welt und Erden,

Vermache Du den Himmel mir

ohn ihn ist kein Verheißnes Land,

nur er Versüßt den Pilger=Stand.

 

 

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Wir haben hier keine bleibende Stadt

(Jubilate, Nr. 1) [8. Mai 1729]

 

Fundort: Schlossmuseum Sondershausen Mus A14:3 / Hs M5 : XXXVIC 

Umschlag: [Komponist:] \ R[ödiger, Johann Christoph] \ [= Ermittlung Fritz Hennenberg, vgl. \ Kantaten-Verz. Stölzel: KK.ap. / 3 ]

Deckblatt: Dominica Jubilate \ a \ 4 Voci \ 2 Violini \ 1 Viola \ con \ L’Organo \ N: 1 \ di \ R.

Partitur: J.N.J Dominica Jubilate N. 1

Material: Partitur und Partien

Partien: Canto, Alto, Tenor, Basso; Oboe 1, Oboe 2, Violino 1 / Violino Primo, Violino 2, Viola; Violon [2x], Organo [2x: 1x beziffert; 1x beziffert, hoher Chorton]]

Besetzung: S, A, T, B; Chor [SATB]; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc [Violon, Organo]

Allgemeine Bemerkungen in den Stimmen: Arie Nr. 5 ist für Tenor oder Sopran zu singen. In der Partitur, in der Alt- und der Baßstimme steht „Aria Tenor“; in der Tenor- und der Sopran-Stimme steht „Aria Canto“. Notiert ist die Arie in der Partitur (für Tenor) und in der Sopran-Stimme.

 

 

1. [Choro] 3/4, F-Dur (tutti)

Wir haben hier keine bleibende stadt

sondern die zuküfftige suchen wir.

[Hebräer 13,14] 

 

2. Recitativo secco (S, A, T, B; Bc)

[S Wir sind nur Fremblinge und Pilgrim auf Erden.

[A] Den endlich komt der Todt,

und stöst aus dem geborgten Hauß,

uns alle samt hinaus.

[T] Wohl denen, die nun so erfunden werden,

daß sie nach Göttlichen Geboth,

den Nächsten ihren Gott,

und auch der Obrigkeit zum Dienste sich geweÿht.

[B] Die wird der Abzug nicht,

wenn er sie rufft bekümmern

und ihrer Tugend Licht auch in dem Grabe schimmern.

 

3. Aria Alto 2/4, F-Dur (A; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

Jetzt sind wir noch auf unsrer Reise

jetzt währt des Lebens Wohlfahrt noch.                *

O so bemüh sich jeder doch

daß Gott sein guter Wandel preise.                       da capo

 

4. Recitativo secco (S, A, T, B, A, S; Bc)

[S] Die Fleisches Lust

muß aus der reinsten Brust

hinfort Verbannet seÿn.

[A] Hingegen ziehe da Treü und Gehorsam ein,

das jenige zu thun,

was Gott und auch die Obrigkeit,

an Gottes statt gebeüt.

[T] Ein wahrer Gottes Knecht Verliehret nie,

der Freiheit edles Recht.

[Bass] Doch läst er sie auch nicht

zum Boßheits Deckel werden.

[A] Er ist der Obrigkeit

gantz willig Unterthan,

und siehet ihren Stand

als Gottes Ordnung an.

[S] Den Nächsten reichet er auch seine Liebes Hand,

und wie sein Hertz,

in Gottesfurcht entbrandt,

so ehrt er auch

die Götter dieser Erden.

 

5. Aria Tenor 2/4, F-Dur (S oder T; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

Der zieht einmahl getrost von hinnen,

der hier auf solchen Wegen geht.                        *

Sein Pilger Stand Voll Von beschwerden,

muß ihm zu süßer Ruhe werden,

und wird zum Gnaden Lohn gewinnen

ein Hauß, das ewig feste steht.                           da capo

 

6. Choral  4/4, C-Dur (tutti)

Mach End o Herr mach Ende,

an aller unser Noth

Stärck unser Füß und Hände,

und laß bis in den Todt

uns allzeit deiner Pflege,

und Treu empfohlen seÿn,

so gehen unsre Wege

gewiß zum Himmel ein.

 

 

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