Molekulargenetische Diagnostik

Kongenitale Muskeldystrophie mit primärem Merosin-Mangel
OMIM: 607855 (MDC1A), 156225 (LAMA2)

Hintergrund

Die kongenitalen Muskeldystrophien (CMD) stellen eine heterogene Gruppe autosomal-rezessiv vererbter Erkrankungen dar. Leitsymptome bei den elf bisher beschriebenen Untergruppen der CMD sind generalisierte Muskelhypotonie, Muskelschwäche, verzögerte motorische Entwicklung und variable Kontrakturen bei Geburt bzw. innerhalb der ersten sechs Lebensmonate. Anhand immunhistochemischer Muskel-Untersuchung können die verschiedenen Formen der CMD unterschieden und eine gezielte molekulargenetische Untersuchung durchgeführt werden.

Die kongenitale Muskeldystrophie mit primärem Merosin-Mangel (MDC1A; Merosinopathie) ist die häufigste CMD in Europa. Bei dieser klassischen CMD-Form fehlt in der Immunhistochemie α2-Laminin (Merosin) zumindest teilweise als Folge von Mutationen im α2-Laminin Gen (LAMA2). Betroffene Kinder zeigen schwere generalisierte Muskelhypotonie und Schwäche. Neonatal kann es zu Schluck- und Atemstörungen kommen. Freies Stehen/Laufen wir nur selten erlernt. Manchmal treten leichte mentale Entwicklungsstörungen und zerebrale Krampfanfälle auf. Zusätzlich können die Patienten an Leukenzephalopathie, Kardiomyopathie oder Epilepsie leiden. Häufig korreliert das Ausmaß des Laminin 2-Mangels mit der Schwere der Erkrankung. Andererseits lässt partieller Laminin 2-Mangel keine sichere Prognose zu. Bisher wurden >80 Mutationen im LAMA2-Gen (6q22-q23; 65 Exons; cDNA 9,4kb) nachgewiesen.

Erforderliches Probenmaterial

  • 5-10 ml EDTA-Blut (2 Proben)

EDTA-Blutproben für molekulargenetische Untersuchungen können in der Regel ungekühlt mit der Post verschickt werden.
Bitte beschriften Sie alle Probengefäße eindeutig mit Namen und Geburtsdatum des Patienten. Nicht eindeutig beschriftete Proben können nicht bearbeitet werden. Bitte benutzen Sie unsere Anforderungsscheine (incl. Patienteneinverständnis-Erklärung). Hier können alle erforderlichen Angaben zur Anforderung von Untersuchungen eingetragen werden.

Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG ist erforderlich!

Bei humangenetischen Untersuchungen ist wichtig, ob es sich um eine diagnostische Abklärung bei einem Erkrankten oder um (prädiktive) Testung einer Risikoperson auf Anlageträgerschaft für eine in der Familie bekannte Mutation handelt. Bei prädiktiven genetischen Untersuchungen ist gemäß GenDG eine vorherige genetische Beratung verpflichtend gefordert.

Methode

Aus der Blutprobe wird genomische DNA isoliert. Für Mutationsanalysen im LAMA2-Gen werden alle 65 Exons mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) amplifiziert und unter Einschluss der konservierten Exon/Intron Grenzen direkt sequenziert. Zusätzlich kann ein Duplikations- bzw. Deletions-screening mittels Multiplex ligation dependent probe amplification (MLPA) des LAMA2-Gens (MRC-Holland; P391-A1 und P392-A1) durchgeführt werden. Zusätzlich ist das Gen Bestandteil unseres NGS-Muskelpanels.

Dauer der Untersuchung: bis zu 6 Wochen nach Probeneingang
Kosten: auf Anfrage

Zusätzliche Information Kongenitale Muskeldystrophie:
[1] Allamand & Guicheney 2002 Merosin-deficient congenital muscular dystrophy, autosomal recessive (MDC1A, MIM#156225, LAMA2 gene coding for a2 chain of laminin) European Journal of Human Genetics
[2] Datenbank NCBI GeneReviews

Akkreditiertes Verfahren nach DIN EN ISO 15189:2014

 

Diagnostik

  • Dr. rer. nat. Gabriele Dekomien 
    Humangenetik
    Gebäude MA 5
    Ruhr-Universität
    Universitätsstraße 150
    44801 Bochum
    Germany

    Tel.: +49 (0)234/32-25764
    Fax: +49 (0)234/32-14196
    gabriele.dekomien@rub.de