Hunde gPRA

Diagnostik

PRA bei Weimaranern: validierter DNA-Test steht zur Verfügung

Die PRA (progressive Retinaatrophie) des Hundes kann sehr unterschiedliche genetische Ursachen haben, genauso wie eine verwandte erbliche Augenerkrankung, die Retinitis pigmentosa des Menschen. Beide Erbleiden zeigen bei Hunden und Menschen ähnliche Krankheitszeichen, zuerst Nachtblindheit, dann eingeschränktes Sehfeld bis hin zum Tunnelblick und letztendlich Blindheit. Je nach dem genetischen Defekt können die Veränderungen an der Netzhaut des Auges früher oder meist erst später im Leben auftreten. In den letzten 15 Jahren haben wir die genetischen Ursachen von verschiedenen PRA-Formen in mehreren Hunderassen aufgeklärt.

Da bei mehreren Welpen eines Weimaraner-Wurfs durch DOK-Augenspezialisten (DOK = Dortmunder Kreis; Gesellschaft für Diagnostik genetisch bedingter Augenerkrankungen) der PRA-Verdacht bestätigt war, wurde mit genetischen Untersuchungen begonnen. Erbmaterial von einiger dieser Weimaraner war in der DNA-Biobank vorhanden. Zunächst haben wir diejenigen Gene untersucht, die am häufigsten bei PRA verändert sind sowie die mitochondriale DNA (Mitochondrien ≈ „Kraftwerke der Zellen“). Hierbei ergaben sich keine Auffälligkeiten. Parallel wurde von zwei betroffenen Grauen (im Vergleich mit zwei gesunden Hunden) all‘ jene Abschnitte des Erbguts genau untersucht, die für die Herstellung von Eiweißstoffen (Proteinen) gebraucht werden, d.h. eine sog. Exom-Analyse durchgeführt.

Das Exom des Hundes umfasst Hundertausende von sog. Exons in seinen mehr als 20 000 Genen. Als Kandidaten für Mutationen wurden insgesamt 351 538 Austausche von einzelnen Basenpaaren bzw. Nukleotiden entdeckt. Zusätzlich identifizierten wir 341 größere, teilweise technisch bedingte Stückverluste (Deletionen) sowie 552 Verdopplungen (Duplikationen) im Erbgut der PRA-Weimaraner im Vergleich mit der noch unvollständigen DNA-Standardsequenz des Hundes in den Datenbanken. Die allermeisten dieser Abweichungen ergaben sich auch bei gesunden Grauen, sodass diese Veränderungen als PRA-Mutationen ausgeschlossen werden konnten. Die anderen Abweichungen wurden jeweils einzeln auf ihre Bedeutung für die PRA untersucht.

Hierbei diagnostizierten wir bei den beiden Weimaranern mit PRA und danach auch bei einigen weiteren sicher betroffenen Hunden einen gemeinsamen Erbdefekt (Mutation) in einem bestimmten Gen (Erbmerkmal). Diese Mutation betrifft ein bereits bekanntes Retinitis pigmentosa-Gen. Sie ist bei sehr vielen normalsichtigen Weimaranern erwartungsgemäß nicht nachweisbar. Die Mutation ist sehr komplex, sodass ein einfacher und aussagekräftiger DNA-Test erst neu entwickelt werden musste; dieser kann seit dem 11.11.2015 in Auftrag gegeben werden. Damit ist es nun aber auch möglich, dass sehr junge und (vorläufig) gesunde Hunde mit Sicherheit als Mutationsträger identifiziert werden - bzw. die Mutation kann auch sicher beim getesteten Weimaraner ausgeschlossen werden.

Auch für die Zucht können jetzt präzise Schlussfolgerungen gezogen bzw. die PRA-Mutation in den betroffenen Linien ausgemerzt werden. Der Vorstand des Weimaraner-Klubs ist immer entsprechend informiert. Eine experimentelle Therapie (z.B. mit chemischen Botenstoffen bzw. mit Gentherapie) ist im Ausland bereits mit unterschiedlichen Erfolgen versucht worden.
Weitere Auskünfte per email unter: joerg.t.epplen@rub.de

Bochum, 19.11.2015                                                         Jörg T. Epplen und Mitarbeiterinnen

Link für Einsendeformulare:                        

Begutachtungsauftrag Weimaraner

Auftrag zur Isolierung und Einlagerung von DNA aus Hundeblut

Kosten des Mutations-/DNA-Tests 60.- €
mit DNA-Biobank Einlagerung            90.- €
aus einer DNA-Probe in der Biobank     50.- €

Die DNA-Tests erfolgen sobald mehrere EDTA-Bluteinsendungen bzw. Untersuchungsaufträge der jeweiligen Halter eingegangen sind. Die DNA-Gutachten/Expertisen werden dann unmittelbar an den Auftraggeber gesandt; jeweils eine Kopie des Gutachtens wird dem Weimaraner-Klub zugestellt.

Direkter gPRA-Gentest bei Sloughis

Seit 2000 ist es möglich, eine direkte gPRA-Diagnostik für Sloughis in der Humangenetik der Ruhr-Universität Bochum durchzuführen. Es wurde eine Rasse-spezifische Mutation identifiziert, die durch PCR-basierte Tests direkt überprüft und somit ein nahezu 100%ig sicheres Ergebnis garantiert werden kann. Für die Zucht können mit Hilfe dieses Gentests heterozygote Hunde (asymptomatische Mutationsträger) zuverlässig von normalen (homozygoten Genotypen) und betroffenen Hunden (homozygoten Mutationsträgern) unterschieden werden. Der Gentest bei Sloughis ist in jedem Lebensalter möglich. Für weitere Informationen zu der identifizierten Mutation siehe Dekomien et al., 2000 in dem wissenschaftlichen Journal „Cytogenetics and cell genetics“.

Begutachtungsauftrag Sloughi

Kosten für den gPRA-Gentest bei Sloughis: 56€

Direkter gPRA-Gentest bei Schapendoes

In 2005 konnte in der Humangenetik der Ruhr-Universität in Bochum für die Rasse der Schapendoes ein Marker identifiziert werden, der auf Grund seiner Nähe zum gPRA-Lokus mit diesem gekoppelt vererbt wird (Lippmann et al., 2007). Dieser Marker zeigt eine Zustandsform (Allel), die Rückschlüsse auf den gPRA-Status des untersuchten Schapendoes erlaubt. Inzwischen haben wir in der gPRA-Region eine Mutation in einem Kandidatengen identifiziert und bieten seit 1. Oktober 2008 den direkten Mutationstest an. Bei diesem Test wird die Mutation direkt analysiert, die im homozygoten Zustand bei einem betroffenen Schapendoes zur gPRA führt.

Zwischen Diagnostik-Marker und der identifizierten Mutation liegen 1,6 Megabasen. Wie auch nach einschlägigen Erfahrungen nicht anders zu erwarten, wurden in dieser großen Region in ?1 % der untersuchten Hunde Rekombinationen zwischen Marker und Mutation identifiziert. Bei den bisher typisierten Hunden war ausschließlich das sog. b-Allel von der Rekombination betroffen. Deshalb empfehlen wir den direkten Gentest für alle bereits untersuchten Schapendoes, deren indirekter Markertest zumindest ein b-Allel aufweist.

Dafür ist es ausreichend, wenn die Besitzer uns einen Begutachtungsauftrag für den direkten Mutationstest zusenden. Das Testergebnis schicken wir dann zusammen mit der Rechnung über 30€ an die angegebene Adresse des Besitzers. (Hinweis: Eine Einsendung von Blutproben und Ahnentafel ist für bereits indirekt typisierte Schapendoes nicht erforderlich).

Begutachtungsauftrag Schapendoes

Kosten für den gPRA-Gentest bei Schapendoes: 60€

DNA-Risikotest für gPRA beim Irish Glen of Imaal Terrier

Nach 3 Jahren intensiver Forschung haben wir im Genom der Irish Glen of Imaal Terrier eine Mutation identifiziert, die im homozygoten Zustand, eng mit gPRA assoziiert ist. Der Krankheitsbeginn in dieser Rasse ist sehr variabel. Die gPRA-Diagnostik für Glens umfasst die Isolierung der DNA aus EDTA-Blutproben und eine aufwändige PCR-Analyse zur Identifizierung der Mutation. Das Testergebnis erhalten Sie inkl. Rechnung unter der Adresse des Besitzers. Der Begutachtungsauftrag für den DNA-Test kann von unserer homepage abgerufen werden!

Begutachtungsauftrag Glen of Imaal Terrier (MHG)

Begutachtungsauftrag Glen of Imaal Terrier (KFT)

Kosten für den gPRA-Gentest bei Irish Glen of Imaal Terrier: 70€