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Gleiches Recht für alle EU-Bürger(innen)

Wie muss ein gerechtes Abstimmungsverfahren im Ministerrat aussehen?

Ein elementarer demokratischer Grundsatz ist, dass alle EU-Bürger(innen) den gleichen  Einfluss auf Entscheidungen des Rates haben sollten, unabhängig von ihrem Herkunftsland! Vermutlich hatte der Verfassungskonvent dies im Sinn, als er die Stimmen im Rat proportional zur Bevölkerung vorschlug.

Dieser Gedankengang klingt auf den ersten Blick plausibel. Er ist aber nachweisbar falsch!
Ein von Lionell Penrose bereits 1946 bewiesener mathematischer Satz besagt, dass gleicher Einfluss im Rat für alle Bürger nur gegeben ist, wenn der Einfluss eines Landes im Rat proportional zur Quadratwurzel aus seiner Bevölkerung wächst. D.h: die Stimmgewichte im Rat sollten so gewählt werden, dass die Machtindices der Länder proportional zur Wurzel der Bevölkerungszahlen wächst.  (Quadratwurzelgesetz von Penrose)

Wählt man die Stimmgewichte im Rat proportional zur Quadratwurzel der Bevölkerung, dann sind die Machtindices nicht automatisch auch proportional zur Bevölkerung. Dies ist allerdings dann der Fall, wenn das Quorum in diesem Fall gleich 62 % gewählt wird. (Voting in the EU - a scientific approach)

Mit diesem von W. Kirsch, M. Machover, W. Slomczynski und K. Zyczkowski vorgeschlagenem Verfahren hätten alle Bürger der Europäischen Union gleichen Einfluss auf die Entscheidungen des Ministerrates.
             Machtindices für Quadratwurzelverfahren

Die Verfahren von Nizza und aus dem Verfassungsentwurf verlangen auch eine einfache Mehrheit der Mitgliedsstaaten. Damit tritt neben den Grundsatz "One person - one vote" in einer schwachen Form) der Grundsatzes "One state - one vote". Die EU ist nicht nur als Gemeinschaft von Bürgern, sondern auch eine Gemeinschaft von Staaten. Man kann das Quadratwurzelverfahren natürlich ebenfalls mit einer einfachen Mehrheit der Staaten kombinieren. Dies führt zu einer bewussten Abweichung vom Grundsatz des gleichen Rechtes für alle Bürger! Allerdings ist die Abweichung nicht sehr gravierend. 
            Quadratwurzelverfahren mit einfacher Mehrheit der Staaten


 
 
Letzte Änderung: 28.06.2007 | Ansprechpartner: Prof. Dr. Werner Kirsch