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Indizes der politischen Macht

Ein zentrales Konzept der Politikwissenschaften ist (politische) Macht.
Unter den verschiedenen Aspekten von Macht betrachten wir hier nur die, die sich auf formale Abstimmungssysteme beziehen, in denen Ja-Nein-Entscheidungen fallen.
Intuitiv erwartet man zunächst, dass beispielsweise die dreifache Stimmenzahl auch "dreimal soviel Macht" impliziert.
Das folgende Beispiel, das die Verhältnisse in der EWG nach dem Vertrag von Rom aus dem Jahre 1958 beschreibt, zeigt, dass diese Intuition in die Irre leiten kann:

Beispiel (EWG nach dem Vertrag von Rom 1958)


Damals bekamen Frankreich, Deutschland und Italien je vier, Belgien und die Niederlande je zwei Stimmen sowie Luxemburg eine Stimme. Von diesen insgesamt 17 Stimmen waren 12 (das so genannte Quorum) nötig, um einen Beschluss zu fassen.
Fasst man den Begriff der politischen Macht nun enger als "Möglichkeit, Entscheidungen zu kippen", so sieht man schnell, dass Luxemburg überhaupt keinen Anteil an der politischen Macht hatte.
Denn falls erst 10 Stimmen für (oder gegen) eine Entscheidung erreicht waren, hatte Luxemburg dennoch keine Möglichkeit, das Quorum von 12 Stimmen mit seiner (einen) Stimme zu erreichen.
Umgekehrt konnte es seine Stimme zurückziehen, was jedoch ebenso keinen Einfluss auf eine Entscheidung des Rates in diesem formalen Sinne hatte.
Die Frage ist also, wie man diese Definition von Macht mathematisch fassen kann. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, von denen wir hier nur zwei vorstellen wollen.

Banzhaf-Index


Der Banzhaf-Index beruht im wesentlichen auf zwei Konzepten, die schon im obigen Beispiel deutlich wurden:
  • der totalen Banzhaf-Macht (TBM) (auch Penrose-Zahl)
  • der relativen Banzhaf-Macht (Banzhaf-Index)
Zunächst berechnet man die totale Banzhaf-Macht für jeden Staat, indem man zählt, in wie vielen Abstimmungssituationen dieser die Möglichkeit hat, eine Entscheidung (wie oben) zu kippen.
Man untersucht dabei alle möglichen Abstimmungskoalitionen und überprüft, ob diese mit Unterstützung des betrachteten Landes eine Entscheidung durchsetzen können, die sie ohne seine Hilfe nicht herbeiführen können (es sei denn, ein anderes Land lässt sich überzeugen). Für jede solche Konstellation erhöht sich die totale Banzhaf-Macht des betrachteten Landes um einen Punkt (wobei jedes Land natürlich mit 0 Punkten startet).
Der Banzhaf-Index eines Staates ist dann seine relative Banzhaf-Macht, also das Verhältnis seiner totalen Banzhaf-Macht zur Gesamtzahl der verteilten Banzhaf-Macht-Punkte.
Zur Veranschaulichung können Sie mit einem Applet Banzhaf-Indizes selbst ausrechnen.

Neben dem Banzhaf-Index gibt es noch eine Reihe weiterer Macht-Indices, z.B. den Shapley-Shubik-Index

 
 
Letzte Änderung: 28.06.2007 | Ansprechpartner: Prof. Dr. Werner Kirsch