Netzwerk 'Literarische Visualität'

Laufzeit: 1. März 2011 – 28. Februar 2014


Quelle: http://www.funny-potato.com/books-way.html
Das von der DFG geförderte wissenschaftliche Netzwerk 'Literaturwissenschaftliche Visualitätsforschung / Studies in Literary Visuality' (GEPRIS-Eintrag) macht sich zur Aufgabe, literaturwissenschaftliche Theorien, Modelle, Methoden und Arbeitsgebiete mit jenen der Visual Culture Studies in einen Dialog zu bringen. Neben Fragen nach der Anschlussfähigkeit zentraler Konzepte der Visual Culture Studies für traditionelle Bereiche der Literaturwissenschaft soll der literaturwissenschaftliche Beitrag zu den bisher größtenteils kultur- und bildwissenschaftlich bestimmten Debatten ausgelotet werden. Dabei soll Literatur als herausragender Ort der diskursiven Verarbeitung von visualitätsbezogenem und -kritischem Wissen untersucht werden (Grundbegriffe). Gegenstand ist also eine kritische Reflexion der Bildlichkeit von Literatur (literary visuality), die über den klassischen Phänomenbereich literarischer Bildlichkeit (figural language) hinaus geht.
Eine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Visualität und visueller Kultur sollte sich an den in jeder Hinsicht breiter angelegten Visual Culture Studies orientieren, ohne sich dabei auf Fragen der Erscheinungsweise von Texten bzw. den Trägermedien von Texten reduzieren zu lassen (Schriftbildlichkeit) oder ausschließlich auf wenige spezifische Konzepte (z.B. den gaze) zu fokussieren. Dabei ist es paradoxerweise gerade nicht die traditionelle „literarische Bildlichkeit“ der Tropen, die einer visuellen Bildlichkeit nahekommt (“metapherntheoretischer Visualismus”, Petra Gehring), sondern ein Repertoire an Verfahren und Strategien, an Schreibweisen, die sich in verschiedene Richtungen lesen lassen: als Appelle an Leser (Rezeption), als Inszenierungen von Medien (Intermedialität), als Formen von Beschreibung (Deskription), usw. Im Übrigen setzt ein besseres Verständnis der Interaktion von Literatur und visueller Kultur eine Literaturgeschichte der Visualität voraus, deren Rahmen das Netzwerk zumindest für die Erzählliteratur (Gattungen) abstecken soll.