Studierenden Feedback geben -
Eine studentische Perspektive

Um optimal lernen zu können, brauchen Studierende ein Feedback zu ihren Leistungen. Erst so erfahren sie, was sie gut gemacht haben und woran sie noch arbeiten sollten. Häufig ist das Feedback, das Studierende erhalten, nicht ausführlich genug, um eine Hilfe im Lernprozess zu sein.

Wenn Studierende nach einer erbrachten Leistung nicht mehr daran interessiert sind zu erfahren, wie sie die Arbeit, das Protokoll, das Referat etc. hätten besser machen können, liegt es meist daran, dass sie nicht die Gelegenheit bekommen, sich in der Veranstaltung noch zu verbessern. „Neues Spiel, neues Glück“ denkt sich so mancher und versucht es dann in der nächsten Veranstaltung, bei dem nächsten Lehrenden neu. Ein Lernen durch Versuch und unberichtigtem Irrtum ist jedoch kein gutes Vorgehen. Ohne ein ausreichend genaues Feedback bleiben Studierende in der Phase blinden Versuchens.

Die Form des Feedbacks hängt von der Form der erbrachten Leistung ab. So kann beispielweise in einer mathematischen Klausur eine Kennzeichnung der Fehler ausreichend sein, weil die Studierenden hieraus im Regelfall ableiten können, was sie anders machen müssen, um die Aufgabe korrekt zu bearbeiten. Bei Leistungen, deren Bewertung nicht so einfach ist, und die Unterschiede zwischen einer guten und einer sehr guten Leistung nicht mehr anhand eineindeutiger Kriterien erkannt werden können, bedarf es eines ausführlichen Feedbacks.

Haben die Studierenden beispielsweise eine schriftliche Hausarbeit als Leistung erbracht, so sollte sich das Feedback auf verschiedene Bereiche beziehen, in denen es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. So kann es inhaltliche Fehler geben, der Aufbau der Arbeit kann unverständlich oder verbesserungswürdig sein, die Forschungshypothese ist unzureichend, das Fazit nicht eindeutig, es finden sich sprachliche Mängel, formale Fehler etc. Eine einfache Benotung als Rückmeldung hilft Studierenden nicht weiter, weil sie nicht wissen können, in welchen Bereichen sie schon gut gearbeitet haben und in welchen Bereichen sie sich noch verbessern können.

Als ein Beispiel, warum eine einfache Benotung nicht immer ausreichend ist, soll hier ein persönliches Erlebnis dienen. In der Oberstufe bekam ich für die Textwiedergaben im Deutschklausuren meist 12 bis 13 Punkte. Ich erfüllte alle dafür erforderlichen Anforderungen formaler wie inhaltlicher Art. Ich machte also nichts falsch, und ich war mit dieser Note auch zufrieden. In einem Gespräch mit meiner Lehrerin fragte ich dann aber, was ich tun müsse, um die volle Punktzahl zu erreichen, bzw. was ich falsch mache, weil ich diese ja nicht erreiche? Meine Lehrerin erklärte mir, dass ich mich von der chronologischen Darstellung des Textinhaltes lösen müsse, das wäre alles, was ich noch verbessern könne. Daraufhin bekam ich meist 14 bis 15 Punkte und war glücklich darüber, dass es mir so einfach gelungen war, meine Noten noch zu verbessern. Was dieses Beispiel zeigt ist, dass aus dem Benoten (und Markieren von Fehlern) nicht klar wird, welche Strategien angewandt werden müsse um die Texte noch zu verbessern und, dass Studierende nicht immer den vollen Anforderungskatalog für eine Bestleistung kennen.

Um ein detailliertes Feedback geben zu können, ist es nötig, sich die eigenen Bewertungskriterien möglichst ausführlich zu vergegenwärtigen. Anhand dieser Bewertungskriterien kann deutlich gemacht werden, in welchen Bereichen die Schwächen, aber auch die Stärken der Arbeit liegen. Dies kann man zum Teil in einer Tabelle abhaken, sodass die Studierenden sehen können, in welchen Bereichen ihre Arbeit den Anforderungen entsprach und welche Bereiche verbessert werden müssen. Für die Bereiche, in denen die Leistungen nicht optimal waren, sollte man Verbesserungsvorschläge machen bzw. aufzeigen, wie die Schwächen überwunden werden können.

Einzelne Arbeitsleistungen können sehr unterschiedliche Level haben. Auf allen Leveln ist ein Feedback angebracht. Ist eine Arbeit nur ungenügend oder ausreichend, sollte man die grundsätzlichen Fehler benennen und an den wichtigsten Stellen auf Verbesserung drängen. Ist die Arbeit dagegen schon gut oder sehr gut, sollte das kritische Feedback sich auf die Details beschränken, um die Arbeit zu einer perfekten zu machen. In beiden Fällen kann das Feedback einen ähnlichen Umfang besitzen, in dem die Kritik und das aufbauende Lob in einem guten Verhältnis zueinander stehen.

Feedback kann man auf erfolgte Leistungen, aber auch auf Teilleistungen geben. Wenn Dozierende sich schon während der Erarbeitung von Hausarbeiten, Seminaren usw. Teile und Ansätze vorlegen lassen und diese dann mit den Studierenden besprechen, vermeiden Sie, von einer total danebengegangenen Arbeit, oder einem verkorksten Referat überrascht zu werden. Gerade bei Referaten, ist es wichtig, dass die Darbietung und der Inhalt gut sind, denn die Studierenden, die nicht referieren, aber Anwesenheitspflichten unterliegen, möchten ihre Zeit nicht mit den misslungenen Versuchen anderer verschwenden.

In Deutschland gibt es leider keine sehr ausgeprägte Kultur des Lobens, sondern eher eine Kultur des Kritisierens. Beides hat aber, besonders im Feedbackprozess, seinen Platz und seine Berechtigung. Um Studierende zu motivieren, sollte man die gelungenen Bereiche einer Leistung benennen und loben. Schwachstellen gilt es nach Möglichkeit in einer positiven Form darzustellen z.B. wie folgt: „In diesem und jenen Bereich hätten Sie noch dies oder das tun können“. Eine eindeutige Kritik sollte nur dort formuliert werden, wo grundlegende Fehler gemacht wurden, die durch die vorhergehende Lehre klar ausgeschlossen sein sollten. Lehrende sollten zudem vorab reflektieren, inwiefern gemachte Fehler von Studierenden daraufhin überprüft werden können, worin der Fehler liegt und wie dieser vermieden werden kann. Was Lehrenden vielleicht vollkommen klar und ersichtlich erscheint, muss den Studierenden nicht in der gleichen Weise zugänglich sein. Warum hätten sie sonst diesen Fehler gemacht? Wenn man sich nicht sicher ist, dass der Fehler verstanden ist, sollte man erklären, worin er besteht, und auch benennen, wie er zu vermeiden ist.

Darüber hinaus gibt es Leistungen, die zwar nicht fehlerbehaftet aber trotzdem nicht (sehr) gut sind. In einem solchen Fall sollten Lehrende den Studierenden Hinweise geben, wie und in welchen Bereichen sie diese noch verbessern können, um zu einer bestmöglichen Leistung zu kommen.

Wenn Lehrende ihren Studierenden ein solches Feedback geben und vorher ihre Anforderungen klar bennen, helfen sie damit nicht nur den Studierenden, sondern ersparen sich und ihren Kolleginnen in Zukunft viel Ärger und Arbeit mit immer wiederkehrenden Korrekturen.

Es muss nicht die alleinige Aufgabe der Lehrenden sein, Rückmeldungen zu geben. Auch Studierende untereinander sollten zu Feedbackprozessen angeregt und angeleitet werden, beispielsweise durch Hinweise zum Geben und Nehmen von Feedback. Die Reflexion über Arbeitsprozesse, Leistungen oder auch persönliches Verhalten ist letztlich eine unverzichtbare Kompetenz zum erfolgreichen Absolvieren des Studiums und bildet gleichzeitig die Voraussetzung für späteres berufliches Handeln.

Autor

Sven Benecke, studentischer Mitarbeiter der IFB