Konstruktives Feedback erhalten – aber wie?
Lehren ist häufig ein Agieren im Ungewissen: Lehrende erfahren selten, ob, wie und womit sie ihre Studierenden erreicht haben. Da hilft es, Studierende zu bitten, Ihnen eine Rückmeldung zu geben: „Was nehmen Sie aus der heutigen Sitzung mit?“, „Was war für Sie hilfreich?“, „Was haben Sie nicht verstanden?“. Indem Sie sich eine Rückmeldung von Ihren Studierenden einholen, bekommen Sie die Möglichkeit einzuschätzen, ob Ihre Planung der Sitzung „aufgegangen“ ist. Ob Inhalte und Methoden „richtig“ gewählt waren.
Zusätzlich kann Feedback eine motivierende Wirkung für die Gesamtveranstaltung entfalten. Indem Sie Feedback als selbstverständlichen Teil in Ihre Lehre integrieren, zeigen Sie Ihren Studierenden, dass Sie sie und ihre Wahrnehmungen wertschätzen. Durch den kontinuierlichen Einsatz von Feedback bekommen die Studierenden eine aktivere Rolle: Sie sind gefragt, als Expert/inn/en ihrer eigenen Lernprozesse Rückmeldungen und Vorschläge zur Ausgestaltung Ihrer Lehre zu geben. So wird die Optimierung und Ausgestaltung von Lehre zu einer gemeinsamen Aufgabe.
Wann ist Feedback sinnvoll?
Feedback kann zu verschiedenen Zeitpunkten im Veranstaltungsverlauf sinnvoll eingesetzt werden:
- Zu Semesterbeginn
… um die Voraussetzungen und Erwartungen der Studierenden kennenzulernen, zur Vereinbarung von Arbeitsweisen und gemeinsamen Zielen sowie um Rückmeldungen zum Seminarkonzept zu erhalten – hierfür eignet sich das Feedback zu Veranstaltungsbeginn: „Wie sind Ihre Erwartungen an die Veranstaltung?“; „Was möchten Sie hier lernen?“, „Wie soll die Zusammenarbeit gestaltet werden?“ - Zu Sitzungsende
… um ein unmittelbares Feedback zum Sitzungsverlauf und den behandelten Inhalten sowie Hinweise zur inhaltlichen und didaktischen Planung der kommenden Sitzung zu erhalten.
Strukturiertes Blitzlicht
- Wenn‘s stockt
… um zu erfahren, welche Gründe sich dahinter verbergen, wenn die Veranstaltung nicht so recht in Fahrt kommt: Gibt es ablenkende Faktoren? Ist der Stoff zu schwer oder zu leicht? Liegt es am Methodeneinsatz? - Zur „Halbzeit“
… zur Zwischenbilanz der Veranstaltung, um auf dieser Grundlage die Planung der folgenden Sitzungen zu überprüfen und möglicherweise zu reformulieren: Welche Inhalte sind den Studierenden besonders präsent, was haben Sie bislang gelernt? Welche Erwartungen an die Veranstaltung wurden erfüllt, welche noch nicht? Was haben die Studierenden bislang als hilfreich und unterstützend für ihren Lernprozess erlebt?
Lösungsorientierte Zwischenevaluation
Strukturiertes Blitzlicht - Zu Semesterende
… zur Rückschau und abschließenden Bewertung des Veranstaltungsverlaufs
Veranstaltungsbarometer
Strukturiertes Blitzlicht
Neben Formen des direkten Feedbacks können Rückmeldungen auch mit Hilfe von eLearning-Tools gestaltet werden.
Tipps und Hinweise für Lehrende
Ihre Haltung zählt!
Um ein ehrliches und konstruktives Feedback zu erhalten, ist es wichtig zu zeigen, dass das Feedback gewünscht und ernstgenommen wird. Wichtig ist weiterhin, dass Sie auf das empfangene Feedback im Anschluss an das Feedbackgespräch reagieren. Wenn Studierenden ersichtlich ist, dass ihre Rückmeldungen ernstgenommen und als Anlass für Veränderungen genutzt werden, sind sie bereit, konstruktives und ehrliches Feedback zu geben. Dabei sollten Sie sich nicht verteidigen, sondern sich für die Rückmeldung bedanken und sagen, was Sie für sich mitnehmen. Dies können, müssen aber keine direkten Schlussfolgerungen sein (wie z.B. dass Sie in Zukunft versuchen wollen, die Ziele und Anforderungen Ihrer Lehrveranstaltungen transparenter zu gestalten). Sie können auch Studierende bei der Umsetzung von Vorschlägen um Mithilfe bitten. So wird deutlich, dass es des gemeinsamen Wirkens bedarf, um die Lehre zu optimieren.
Gelassenheit tut gut!
Schauen Sie auf die Vielfalt der Rückmeldungen: Studierende müssen nicht immer einer Meinung sein. Was manche als unterstützend und hilfreich für ihr Lernen empfinden, nehmen wiederum andere als weniger hilfreich wahr – und umgekehrt.
Machen Sie sich klar, in welchem Kontext die Rückmeldungen gegeben wurden. Über- oder Unterforderung hängt oft mit unterschiedlichen Kenntnisständen der Studierenden zusammen.
Bedenken Sie außerdem: So vielfältig die Rückmeldungen auch sein können – sie spiegeln nur einen Ausschnitt an subjektiven Wahrnehmungen wider und geben kein allgemeingültiges Urteil über die Qualität Ihrer Lehre ab.
Feedback – strukturiert!
Feedback braucht einen guten Rahmen und eine gute Struktur. Überlegen Sie sich im Vorfeld, welche Informationen Ihnen das Feedback liefern soll. Was ist das Ziel des Feedbacks, auf welche Fragen möchten Sie eine Antwort bekommen? Je nachdem, zu welchem Ziel, zu welchem Zeitpunkt im Seminarverlauf und mit welcher Gruppengröße Sie das Feedback einsetzen, bieten sich bestimmte Methoden an, um das Feedback zu strukturieren.
Um einen guten Rahmen zu schaffen, der Sie und Ihre Studierende im Feedbackgespräch unterstützt, sind Feedbackregeln hilfreich. Über diese sowie den Ablauf des Feedbacks sollten Sie sich vorab mit den Studierenden verständigen.
Feedbackregeln
Feedback geben
- Versuchen Sie so konkret wie möglich zu sein. Beziehen Sie Ihre Rückmeldung auf eine konkrete Situation.
- Versuchen Sie nicht zu verallgemeinern, sondern machen Sie Ihre Sichtweise deutlich.
- Geben Sie Feedback auf Situationen und Verhaltensweisen, auf die die Empfängerin/der Empfänger Einfluss hat.
- Stellen Sie auch positive Beobachtungen und Einschätzungen heraus.
- Überlegen Sie sich konkrete Verbesserungsvorschläge.
Feedback erhalten
- Hören Sie sich die Anregungen in Ruhe an.
- Betrachten Sie konstruktive Kritik als hilfreiches Angebot.
- Kommentieren Sie die Rückmeldungen nicht und verteidigen Sie sich nicht.
Tipps zur Gesprächsgestaltung:
- Versuchen Sie während des Veranstaltungs-Feedbacks, möglichst viele Studierende in das Gespräch mit einzubeziehen, um eine Vielfalt an Rückmeldungen zu bekommen – Studierende müssen nicht immer einer Meinung sein!
- Versuchen Sie, die Studierenden in ihrem Feedback nicht zu beeinflussen. Die Studierenden sollten ihre Wahrnehmungen und Vorschläge aus ihrer Sicht darstellen können.
- Versuchen Sie, konstruktive Rückmeldungen zu bekommen, indem Sie z.B. fragen „Wie stellen Sie sich eine gute Vorbereitung auf Prüfungen vor?“
- Versuchen Sie, die Rückmeldungen der Studierenden nebeneinander stehen zu lassen.
- Nehmen Sie das Feedback an, ohne sich zu verteidigen. Vergewissern Sie sich, dass Sie die Rückmeldung richtig verstanden haben.
Fassen Sie die Ergebnisse des Feedbacks kurz zusammen und sagen Sie, was Sie aus den Rückmeldungen für sich mitnehmen.
Zum Umgang mit erhaltenem Feedback
Nehmen Sie sich Zeit zur Reflexion des Feedbacks. Hilfreich ist dabei ein Zweischritt:
… unmittelbar nach dem Feedback: Was bewegt mich?
- Welche Rückmeldungen zu inhaltlichen Aspekten?
- Welche Rückmeldungen zu methodischen Aspekten?
- Wie ist meine Wahrnehmung vom Ablauf des Feedbacks? (konstruktive Gesprächsatmosphäre? Was ist gut gelaufen? Was kann ich das nächste Mal besser machen? Was hat mich positiv überrascht? Was negativ?)
Nehmen Sie sich 5 – 10 Minuten Zeit und notieren Sie Ihre Gedanken.
… mit zeitlichem Abstand, als Planungshilfe für die nächste Sitzung/die nächste Veranstaltung: Wie kann ich die Rückmeldungen für den weiteren Verlauf der Veranstaltung/für folgende Veranstaltungen nutzen?
- Welche Aspekte/konstruktive Verbesserungsvorschläge möchte ich nutzen?
- Wie kann ich diese umsetzen?
- Was oder wer kann mich dabei möglicherweise unterstützen?
Es empfiehlt sich, die Vorhaben schriftlich festzuhalten. Kommunizieren Sie die Konsequenzen, die Sie aus den Rückmeldungen der Studierenden gezogen haben.
Autoren:
Autor/inn/enteam der IFB


