Die Münzprägung der Seleukiden |
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Das Seleukidenreich, das den mächtigsten aller Diadochenstaaten bildete und bei seiner größten Ausdehnung von den Dardanellen bis nach Indien reichte, ging aus der Neuverteilung des Alexanderreiches in Triparadeisos (321) hervor. Damals war die wichtige Satrapie Babylon dem Seleukos Nikator zugesprochen worden, die er jedoch erst 312 mit militärischer Unterstützung des Ptolemaios einnehmen konnte. Daher begann erst im Herbst dieses Jahres die seleukidische Ära. Diese Jahreszählung ermöglicht bei entsprechenden Angaben auf Münzen deren Datierung. Nach dem Vorbild der anderen Diadochen nahm Seleukos den Königstitel an (305). |
Seleukos I. (305-281) orientierte sich zunächst an den bereits unter Alexander geprägten Serien, begann dann aber auch mit der Emission eigener Münzen. Berühmt ist die Prägung im Anschluss an die Schlacht bei Ipsos (301), die auf der VS als Zeichen seines Sieges Nike zeigt, die ein Tropaion bekränzt. Die VS nimmt ein behelmter Kopf ein, in dem man lange Zeit ein Alexander angeglichenes Porträt Seleukos’ I. zu erkennen glaubte. Die Forschung tendiert indessen dazu, den Kopf als ein idealisiertes Bildnis Alexanders zu identifizieren, der durch das besondere Attribut des Pantherfells als Dionysos dargestellt ist. |
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Unter Antiochos I. (281-261) bildete sich ein neuer Haupttypus seleukidischer Münzen heraus, der nunmehr auf der VS das Porträt des Herrschers mit Diadem zeigt. Auf der RS erscheint Apollon, der Schutz- und Stammgott der Seleukiden, als stehende Figur oder auf dem delphischen Orakelstein (Omphalos), sitzend mit Pfeil und Bogen. Das Seleukidenreich war bereits unter den ersten Herrschern in seinem territorialen Bestand wenig konstant. So ist z.B. in seinem Osten in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts das Reich der Parther entstanden. Obgleich Antiochos III. der Große (223-187) seine Herrschaft für kurze Zeit noch einmal ausdehnen konnte, verloren die Seleukiden nach der Niederlage gegen die Römer im Frieden zu Apameia (188) ihre kleinasiatischen Gebiete westlich des Tauros-Gebirges. Antiochos IV. (175-164), der den Titel Theos Epiphanes (‚der offenbar gewordene Gott’) annahm, führte als bevorzugte Darstellung auf der RS den olympischen Zeus Nikephoros ein. |
Dieses Motiv blieb in der Folgezeit bestimmend, wie etwa bei einer Münze seines Sohnes Antiochos’ V. (165-162). Daneben gab es weiterhin die Darstellung Apollons, aber auch neue Motive wie Tyche und die Dioskuren. Dass diese lokalen Gottheiten, die im Kernland Syrien stets große Bedeutung hatten, nun auch auf den RS der Münzen zu finden waren, zeigt, dass man sich in Zeiten schwindender Macht auf das Gebliebene konzentrierte. Mit Alexander I. Balas (150-145) regierte erstmals ein Usurpator. Er war als angeblicher Sohn Antiochos’ IV. der erste einer Reihe von pseudodynastischen Prätendenten, deren Machtkämpfe das Seleukidenreich ganz entschieden schwächten. Seine Münzen orientierten sich an den Serien seines ‚Vaters’. Ähnlich ging dann auch sein Sohn Antiochos VI. (145/4-142/1) vor. Wohl in Anlehnung an entsprechende Elemente der ptolemäischen Münzikonografie hatte bereits Antiochos IV. begonnen, sich mit der Strahlenkrone des Helios als Zeichen seiner Apotheose darstellen zu lassen. Auch Antiochos VI. ebenfalls mit dem Beinamen Epiphanes griff dieses Motiv auf. |
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Die Regierung Demetrios’ II. (145-140; 129-125) wurde durch seine Kriegsgefangenschaft bei den Parthern unterbrochen. In der zweiten Regierungszeit erscheint ein bärtiger Kopf auf seinen Münzen, der den Darstellungen der ersten Regierungszeit kaum gleicht. Dies wurde lange Zeit so gedeutet, dass Demetrios II. von den Parthern die dortigen Sitten und auch die Haartracht übernommen habe. Auch eine neuere Deutung, die in dem Kopf die Angleichung von Götterdarstellung und Königsporträt sieht, wird noch kontrovers diskutiert. Die Darstellung des Adlers auf der RS von Münzen Antiochos’ VII. (138-129), des Bruders von Demetrios II., verweist auf die machtpolitische Verbindung mit dem ptolemäischen Herrscherhaus: Kleopatra Thea, die Tochter Ptolemaios’ VI. und Ehefrau Antiochos’ VII., war bereits mit Alexander I. Balas und mit Demetrios II. verheiratet gewesen. |
Als Gewichtsnorm behielten die Seleukiden den attischen Münzfuß bei. Das Hauptnominal war die Tetradrachme. Daneben wurden auch Bronzemünzen und in geringerem Maße Goldmünzen geprägt. Die Münzen der letzten Seleukiden ließen im Feingehalt des verwendeten Silbers, aber auch in ihrer künstlerischen Qualität nach. Das riesige Seleukidenreich hatte eine Vielzahl von Prägestätten. In den östlichen Provinzen war Seleukeia am Tigris am bedeutendsten. Von den zahlreichen westlichen Prägestätten ist vor allem Antiocheia (am Orontes) zu nennen, in Kilikien Tarsos und in Phönizien Tyros. |
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