Kulturgeschichte des Mittelmeerraums
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DFG-Netzwerk "Modernes Mittelmeer: Dynamiken einer Weltregion 1800-2000" bewilligt

Im September 2017 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Antrag zur Finanzierung des Wissenschaftlichen Netzwerks "Modernes Mittelmeer: Dynamiken einer Weltregion 1800|2000" bewilligt. Das erste Treffen des Netzwerks voraussichtlich im Februar/März 2018 am Zentrum für Mittelmeerstudien (ZMS) der Ruhr-Universität Bochum stattfinden. Nähere Informationen finden Sie hier.


Von der Migration zur Integration:
Vertriebene und Pieds-Noirs im Vergleich

Vortrag
Blue Square, Bochum, 14.07.2017, 18:00 Uhr

ENTFÄLLT


Die Integration von Einwanderern ist keine neue Herausforderung für Europa. Im 20. Jahrhundert erlebten Deutschland und Frankreich schon einmal große Wellen massenhafter Immigration: die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten in den 1940er Jahren und die Flucht der Franzosen aus Algerien (Pieds-Noirs) im Zuge der Dekolonisation 1962. Der Vortrag vergleicht die Versuche zur Integration beider Gruppen: Wie gingen Staat und Gesellschaft mit den Einwanderern um? Wurden sie von der Mehrheitsbevölkerung als fremd wahrgenommen? Welche Anstrengungen unternahm der Staat dennoch für ihre Integration? Inwiefern kann man von einem Scheitern oder Gelingen dieser Maßnahmen sprechen? Und was lässt sich aus diesen historischen Beispielen für die Gegenwart und für die Zukunft lernen?

Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie auf der Seite des Blue Square


Aktuelle Neuerscheinung:
"Braudel in Algier. Die kolonialen Wurzeln der 'Méditerranée' und der 'spatial turn'"

Historische Zeitschrift, Band 303, Heft 1 (August 2016) 1-38

Auf der Basis neuer Quellen zeigt der Aufsatz, dass Fernand Braudels „La Méditerranée et le monde méditerranéen à l'époque de Philippe II“ (1949/1966) ein Produkt kolonialer und postkolonialer Verflechtungen zwischen Frankreich und Algerien war. Zugleich wird dieser Klassiker der Geschichtsschreibung in der Debatte um den „spatial turn“ verortet. Zunächst werden die kolonialen Entstehungsbedingungen des Werks beleuchtet: Zwischen 1923 und 1932 arbeitete Braudel als Gymnasiallehrer in Algerien, wo sich seine Vision vom Mittelmeer herausbildete. Im Rückgriff auf die „Schule von Algier“ reproduzierte Braudel in „La Méditerranée“ koloniale Denkfiguren der Zwischenkriegszeit. Gleichzeitig kritisierte er darin implizit den europäischen Kolonialismus, weshalb „La Méditerranée“ zuletzt sogar als antikoloniales Werk gelesen und mit postkolonialen Theorien in Verbindung gebracht worden ist. Allerdings klammerte Braudel ausgerechnet Französisch-Algerien aus seiner Kolonialismuskritik aus. Auch nach der Dekolonisation warb er wiederholt um Verständnis für die französische Algerienpolitik. Erklärt wird diese ambivalente Haltung mit Braudels privaten Verbindungen: Ein Jahr nach seinem Aufenthalt in Nordafrika heiratete er Paule Pradel, eine Tochter europäischer Siedler aus dem algerischen Departement Oran. Ihrer Familie war Braudel eng verbunden. Auch mit seinen ehemaligen Kollegen und Schülern aus Constantine und Algier blieb er bis an sein Lebensende in Kontakt. Wie diesen pieds-noirs erschien Französisch-Algerien Braudel als ein verlorenes Paradies. Die „Méditerranée“ ist daher nicht nur ein wissenschaftliches Werk, sondern auch ein Dokument nostalgischer Erinnerung an ein untergegangenes Imperium.

Nähere Informationen:
"Braudel in Algier", in HZ 303,1 (2016)


"Eingeschlossen zwischen sterbliche Dinge":
Eine Lange Nacht über das Mittelmeer

Radiofeature am 05. und 05./06.11.2016

Deutschlandradio Kultur: 00:05-3:00 Uhr (Freitag auf Samstag)
Deutschlandfunk: 23:05-2:00 Uhr (Samstag auf Sonntag)

Einst erschien das Mittelmeer als Nabel der Welt. Als »Mare Nostrum« war es jahrhundertelang die Arena, in der sich Weltge­schichte abspielte. Es war Schauplatz von Entdeckungsfahrten, Seeschlachten, von Religionsstiftungen; es war Umschlagplatz für Handel und Ideen. Die Lange Nacht durchmisst das Mittel­meer von West nach Ost – vorbei an Algier und den Mittelmeer­essays Albert Camus’; vorbei auch an Marseille und Lampedusa, diesem rauen Eiland, das schon William Shakespeare als Vorbild seines Dramas »Der Sturm« diente und wo heute die Flücht­ lingsrouten und Sehnsüchte Schwarzafrikas zusammenlaufen. Am Ende der Reise gehen wir in Athen an Land. Müssen wir Abschied nehmen vom Sehnsuchtsort Mittelmeer? Oder lädt das Mittelmeer gerade heute, wo Europa in einer Identitätskrise steckt, zu einer anderen Art der Geschichtsschreibung ein: Kann man Europa neu denken, von seinem Ursprung, vom Süden her?

Die Lange Nacht zum Nachhören/Nachlesen
als MP3 bei Deutschlandradio Kultur
als Text auf der Seite des Deutschlandfunks


Weltreligion im Umbruch:
Transnationale Perspektiven auf das Christentum in der Globalisierung des 19. Jahrhunderts

Internationale Tagung
Münster, 07.-09.10.2016:

Das Christentum befand sich im 19. Jahrhundert nicht nur
als „Religion im Umbruch“ (Thomas Nipperdey über Deutschland), sondern grenzüberschreitend als Weltreligion im Umbruch. Dennoch dominiert bis heute in der Katholizismus- und Protestantismusforschung der methodologische Nationalismus. Selbst international angelegte Projekte addieren oft nur Länderstudien oder führen Nationsvergleiche durch, auch wenn das Christentum, darin anderen Religionen ähnlich, offenkundig Teil von Uniformisierungs- wie Partikularisierungs- bewegungen, Subjekt von Globalisierungsprozessen sowie deren Beobachter war.
Die „Weltreligion“ des Christentums geriet in eine zunehmend globaler werdende Umwelt, herausgefordert durch Kolonialisierung, Entkolonialisierung und Imperialismus, aber auch durch die aufkommende Erkenntnis, dass es andere distinkte Weltreligionen und nicht nur zu missionierende Heiden gab. Können global- und transnationalgeschichtliche Ansätze helfen, das Christentum im 19. Jahrhundert besser zu verstehen? Und inwieweit war diese Weltreligion Träger und Leidtragender der Globalisierung?

Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie unter
Weltreligion im Umbruch - Universität Münster

Programm:
Weltreligion im Umbruch - Tagungsprogramm


"Imperial Port Cities in the Age of Steam:
Towards a Comparative History of Entanglements"

Internationaler Workshop
Berlin, 14.-16.07.2016

Dieser Workshop untersucht das Verhältnis zwischen Hafenstädten und Imperialismus seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Vorträge und Diskussionen thematisieren Hafenarbeit, Infrastrukturen, Technologien und Ökologien sowie die Rolle von Häfen und Städten für imperiale Expansion und koloniale Herrschaft.
Die Veranstaltung öffnet mit einem Vortrag von John Darwin, Oxford, "Unlocking the World? Port Cities and Globalisation, 1830-1930" am 14.07. um 18.00 Uhr.

Tagungsbericht
Imperial Port Cities in the Age of Steam (in: Connections)


Kontakt

Kulturgeschichte des Mittelmeerraums
Historisches Institut
Fakultät für Geschichtswissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
Jun.-Prof. Dr. Manuel Borutta
GA 4/150
Universitätsstr. 150
44801 Bochum

E-Mail: kulturgeschichte@rub.de

Sprechstunde:
16-17 Uhr (Anmeldung per E-Mail)
Entfällt am 23.10. und am 30.10.2017

Sekretariat

Bettina Kühnemann
Tel. 0234/32 28648
Raum: GA 4/38

Öffnungszeiten
Während der Vorlesungszeit:
Mo. bis Do. 9-12 Uhr und 14-15:30 Uhr (Freitags geschlossen)

Während der Semesterferien:
Mo. bis Do. von 9-12 Uhr (Freitags geschlossen)

Bitte beachten Sie die aktuellen Informationen zu abweichenden Öffnungszeiten.