Als 'Pionier im dezentralen Raum' hat der Kunsthistoriker Manfred Schneckenburger den 1925 in Wittenberg-Lutherstadt geborenen Künstler Erich Reusch bezeichnet. Schneckenburger verweist damit nicht auf de Kern des künstlerischen Konzeptes von Reusch, den Raum. Reusch begreift den Raum nicht mehr als ein abgeschlossenes, messbares Volumen. Vielmehr ist der Raum in seiner Vieldimensionalität zu begreifen und zu gestalten.

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Erich Reusch, Wasserrelief
(Forumsbrunnen), 1973-75, Forum

 

Reusch hat 1971 das sogenannte 'Wasserrelief' entworfen, das auf dem Forumsplatz (Nähe HZO) als Stätte des Verweilens einlädt. Ein terrassiertes, ca. 30 Meter im Quadrat messendes Geviert dient vielen Studierenden im Sommer als willkommene 'kommunikationsfördernde 'Sitzgelegenheit. Breite Spalten zwischen den einzelnen Platten und Stufen stellen Wasserläufe dar. Reusch äußert sich zu der Bochumer Installation in einem Interview mit dem Bonner Museumskurator Christoph Schreier: "(...) Ich habe Wasser so verwendet, daß keine monumentalen Wasserberge entstanden wie etwa die oft pathetischen Springbrunnen. Ich habe Wasser vielmehr in Bezug zum Boden und zu der Erde gesetzt, oder habe es in sehr kleinen und engen Führungen durch die Skulpturen geleitet, wie das beispielsweise in meiner Installation für das Forum der Ruhr-Universität Bochum der Fall war. Das Ziel war auch hier eine große Nähe zum Betrachter, zum Benutzer der Skulptur."

Reusch strebt nach einer Rhythmisierung des gegebenen oder zu schaffenden Raumes, zu dem sich der Betrachter in ein Verhältnis setzen kann. In zahlreichen Kunst am Bau-Projekten hat er diese Absicht verfolgt. Von besonderer Bedeutung ist hierbei der öffentliche Raum einer Campus-Universität. Der Forumsplatz wurde konzeptionell als Versammlungs- und Kommunikationsort - im Sinne des amerikanischen Quad - verstanden. Reusch definiert den Platz in dieser Weise, wobei er zwischen 'Funktionsobjekt' und Kunstwerk pendelt: Die Studierenden nutzen das Wasserrelief als Begegnungsstätte und erfahren zugleich ein Kunstwerk: "Es ist mir wichtig, daß der Mensch innerhalb des Raumes seine Bestimmung erfährt, seinen Maßstab erhält", wie Reusch notiert.