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Friedrich Gräsel, Tor und Doppelwinkel, 1972/86, Röhrenplastik, Westforum (Nähe Forumsplatz)
 

 

Das Werk Gräsel ist von einer geometrischen Formensprache und der Verwendung von Industriematerial gekennzeichnet. Die Festlegung eines elementaren Formenkanons und die Entwicklung von Modulsystemen im Sinne von Einheit und Vielheit sind hierbei die augenscheinlichen Kennzeichen Gräsels Ästhetik. Dabei handelt es sich nicht allein um eine Grammatik der elementaren Ästhetik in Referenz zu einer regionalen und überregionalen Industriekultur, sondern gleichermaßen um eine Auseinandersetzung mit kulturellen bzw. philosophischen Themenstellung mit den Mittel der künstlerischen Formensprache. Zu diesen Themenstellungen gehören der Raumbegriff, Volumen in Ordnung und Unordnung, Teil und Ganzes oder Technik und Natur. Neben diesen zweckfreien Aufgabenstellungen widmet sich Gräsel auch bergbautechnischen Verfahren, deren künstlerische Visualisierungen zwischen Dokumentation und ästhetischer Überformung pendeln.

Ein weiterer Aspekt stellen Kunst am Bau-Projekte dar, die Gräsel im Kontext verschiedener öffentlicher und privater Bauvorhaben realisiert. Die zweiteilige Arbeit in der Nähe des Forumsplatzes (westlich) ist aus Eternitrohren gefertigt, wobei die Platzierung und Gestalt konzeptionell durchdacht ist und durch den Titel wiedergegeben wird. Diese Installation wurde 1972 auf der Biennale (Ausstellung 'Kunst in der Stadt') als Beitrag der Bundesrepublik Deutschland präsentiert. An ihrem jetzigen Standort wurde sie erst 1986 positioniert; der ursprüngliche Standort war zunächst südlich des Mensa-Gebäudes.

Im ganzen hält sich Gräsels Werk - formal wie konzeptionell - im Grenzbereich zwischen Kunst, Industriekultur und Wissenschaft auf. Dabei ist seine Formensprache und Konzeption für die hiesige Region von aktueller Bedeutung, thematisieren sie doch direkt und indirekt die Industriekultur im allgemeinen und den kulturellen Wandlungsprozess des Ruhrgebietes im besonderen.