Mariella Schütz (Mannheim)

Langeweile – Das andere Fenster zum Dasein

Laut Genazino ist die Langeweile das letzte Ich-Fenster, aus dem wir ungestört in die Welt schauen dürfen. In die Welt? Nicht vielmehr in das eigene Dasein und seine zeitliche Zu-ständigkeit, wie man mit Heidegger propagieren könnte? Bei dieser Betrachtung der Lange-weile geht es nicht primär um Differenzlosigkeit, Leerstellen,… kurz die Diskursivität des Ob-jekts. Zentral ist der Seinsbezug des Subjekts und entsprechend seine Wahrnehmung. So-wohl als grundstimmiger „ennui“ als auch als vorübergehendes Phänomen wird die Lange-weile heute meist nicht positiv und als erstrebenswert gewertet. Ganz im Gegensatz zur zer-streuenden Aktivität, die heutzutage als scheinbar begehrenswertes Gut verkauft wird.

Ziel des Vortrags ist einerseits eine Klassifizierung der Langeweile anhand der grundlegen-den Seinsbezüge, andererseits eine Darlegung, wie die paradoxe Bewertung der Langeweile im Subjekt eine Auflösung finden kann. Anschauungsmaterial werden Filme der Berliner Re-gisseurin Angela Schanelec (Mein langsames Leben (2001), Marseille (2004)) sein.