Relevant für das Bedeutungspotential des Terminus „Metapher“ sind diverse Gegen-, Ober- und Nachbarbegriffe (wobei es einerseits vom jeweiligen Konzept der „Metapher“ abhängt, was als Gegen-, Ober-, oder Nachbarbegriff gilt, andererseits die jeweils vorgenommene Differenzierung umgekehrt auch darüber entscheidet, als was die „Metapher“ gilt). Zu den Begriffen, gegen die der Metaphernbegriff abgegrenzt, respektive auf die er als Unter- oder Nachbarbegriff bezogen wurde und wird, gehören die Allegorie, das Symbol, das Bild, das Gleichnis, der Vergleich, die Metonymie, die Periphrase, die Antonomasie, die Synekdoche, die Emphase, die Litotes, die Hyperbel und die Ironie. Vor allem Metapher, Allegorie und Symbol bilden ein Begriffs-Gefüge, das sich nur unter Schwierigkeiten in einzelne Teilbereiche auflösen läßt. Traditionell gehört die Metapher in den Zuständigkeitsbereich der Rhetorik, doch auch andere Disziplinen interessieren sich für sie. Die Frage nach dem Wesen der Metapher und des Metaphorischen spielt eine Rolle im Kontext der Diskussion um sprachliche „Bildlichkeit“; insofern gehört sie in den weiteren Themenbereich „Texte und Bilder“, und ihre Thematisierung ist verknüpft mit der Erörterung sprachlicher „Bildlichkeit“ oder „Anschaulichkeit“. Die jüngere Linguistik hat sich für die Metapher unter anderem unter der Leitfrage nach einer Unterscheidbarkeit zwischen poetischem und außerpoetischem Sprachgebrauch interessiert und das Funktionieren metaphorischer Rede zu erhellen versucht. Im Bereich der jüngeren philosophischen Reflexion nimmt die vor allem mit dem Namen Hans Blumenbergs verknüpfte „Metaphorologie“ eine prominente Stellung ein; einiges spricht dafür, einen engen Zusammenhang zwischen der Frage nach der Metapher und zentralen Motiven im Prozeß der Selbstverständigung modernen Denkens anzunehmen. Literaturwissenschaft und Poetik haben zweifellos besonders gute Gründe, sich mit Metaphern, deren Grundlagen und Verwendungsweisen auseinanderzusetzen, aber ein ausschließlich literarisch-poetisches Phänomen sind Metaphern nicht, weshalb Ansätzen zur Unterscheidung literarischen und außerliterarischen Sprachgebrauchs unter dem Aspekt des Metapherngebrauchs auch mit Skepsis zu begegnen ist. Über die Frage, ob Metaphern grundsätzlich ein sprachliches Phänomen sind, oder ob es auch nonverbale - also etwa bildhafte - Metaphern gebe, divergieren die Meinungen.

Der Ausdruck „Metapher“ geht etymologisch zurück auf griech. „metaphorá“, das zusammengesetzt ist aus „metá“ (über) und „phérein“ (tragen): wörtlich entspräche dem Kompositum das deutsche äquivalent „Übertragung“. Das Lateinische kennt als äquivalente für den Terminus „Metaphora“ sowohl „translatio“ als auch „metaphora“; in neueren Sprachen hat sich das griechische Lehnwort durchgesetzt: „metaphor“ (engl.), „métaphore“ (frz.), „metafora“ (ital.), „metáfora„ (span.).
ie Wortgeschichte der „Metapher“ ist eng mit der des Begriffs verknüpft (siehe dort).

Unter den sprachlichen Phänomenen, welche man auf der Basis eines zunächst unausdrücklichen Vorverständnisses als „metaphorisch“ charakterisieren würde, sind sowohl höchst konventionelle als auch bis zur Unverständlichkeit unkonventionelle Ausdrücke. Worin die kleinste metaphorische Einheit besteht, ob in Wort- oder in „Bild“-Elementen, in „Sätzen“ oder in „Vorstellungen“, ist ebensowenig verbindlich festlegbar wie es die größtmögliche Erscheinungsform der „Metapher“ ist: Ist es das Textganze oder das Ganze eines Vorstellungskomplexes? Manche Metaphern sind so konventionell, daß ihr metaphorischer Charakter darüber vergessen zu werden pflegt, manche so unkonventionell, daß sie kaum als Metaphern gelesen werden können, da die Idee einer stattgehabten „Übertragung“ ja zunächst die einer „Rück-Übertragbakeit“ zu implizieren scheint. Die Schwierigkeit, vorgängig und verbindlich zu bestimmen, was eine Metapher ist, läßt die Theoretiker oft ihre Zuflucht bei Differenzierungen und Klassifikationen innerhalb des metaphorischen Feldes suchen. Gerhard Kurz [3] unterscheidet innerhalb des Bereichs metaphorischer Phänomene sowohl hinsichtlich des Innovationsgrades als auch hinsichtlich der jeweiligen grammatikalischen Gestalt der Metaphern. So differenziert er erstens zwischen der „ ,lebendige[n]‘, innovativen Metapher“ einerseits (1), dem metaphorischen Klischee andererseits (2); die ersteren sind „neu und überraschend“, letztere hingegen nicht. In dem Maße, in dem ein zunächst metaphorischer Ausdruck lexikalisiert, d.h. als sprachliche Konvention allgemein angenommen sei, verliere er seine Metaphorizität (3). Als Beispiel für ein metaphorisches Klischee (2) nennt Kurz die Wendung „Die Sonne lacht“; innovativ (1) sei demgegenüber der Ausdruck „Die Sonne grinst“. Lexikalisierte (Ex-)Metaphern (3) wären demgegenüber etwa „Motorhaube“, „Wolkenkratzer“ und „Tischbein“. Differenziert man unter dem Aspekt des Innovationsgrades, so wird es in vielen Fällen problematisch sein, ein metaphorisches Phänomen klar der einen oder anderen Gruppe zuzuordnen. Einfacher handzuhaben ist die von Kurz zweitens vorgenommene grammatikalische Typisierung. Alle metaphorischen Wendungen gründen, wie zunächst grundsätzlich festgestellt wird, in einer prädikativen Grundstruktur; sie implizieren die Aussage „Dies ist das“ (wie ein Beispiel von Hans Bender illustriert: „Mein Gedicht ist mein Messer“). Zu unterscheiden wären als Spezialfälle die attributive Metapher (Celan: „Schwarze Milch der Frühe“), die Kompositionsmetapher („Parteienlandschaft“), die Appositionsmetapher (Bobrowskis: „Und dein Schweigen, ein Stein“) und die Genitivmetapher („der Zahn der Zeit“). Auch diese Metapherntypen basieren auf einer Prädikationsstruktur; in jedem Fall wird ein Element auf ein anderes Element prädikativ bezogen. Harald Weinrich hat für die dabei in eine Beziehung gesetzten beiden Relate die Termini „Bildspender“ und „Bildempfänger“ geprägt.[4] Der Bildspender als das eigentliche metaphorische Element übernimmt die Funktion eines prädikativen Schemas. Für die moderne Lyrik ist es vielfach charakteristisch, daß der Bildempfänger nicht ohne weiteres oder gar nicht zu bestimmen ist. Es geht bei der Deutung metaphorischer Wendungen aber auch nicht darum, den Bildempfänger im Sinne einer klaren Identifizierung zu erkennen, sondern darum, ihn „unter bestimmten Aspekten (...) zu sehen, wahrzunehmen, vorzustellen, zu erleben“[5]; es erfolgt eine „Amalgamierung“ zwischen Bildspender und Bildempfänger (dazu unten mehr unter dem Stichwort „Interaktionstheorie“).

Andere Ansätze zur Differenzierung von Metapherntypen seien genannt: die zwischen „Verbalmetapher“, „Nominalmetapher“ (also zwischen Metaphern in Verb- und in Nominalgestalt), „metaphorischer Prädikation“ (eine metaphorische Definition von etwas als etwas) und „Genitivmetapher“ - so etwa bei Harald Fricke und RÜdiger Zymner.[6]

Nun sagt die Metapher, versteht man sie als Prädikation, nicht nur aus: „Dies ist das“, sondern sie vermittelt zugleich auch das Bewußtsein des Gegenteils: „Dies ist das nicht“; letzteres bedingt es bei der Beschreibung von Metaphern, daß man sie gern als „uneigentlich“ charakterisiert - so, als gebe es einen ersatzweise verwendbaren eigentlichen Ausdruck. Zu Recht ist konstatiert worden, in jedem Gebrauch von Metaphern sei ein Negationslement enthalten.[7] Die Doppelbödigkeit der Metapher läßt sie der Ironie verwandt erscheinen.

Metaphern können sich zu sogenannten Metaphernfeldern gruppieren; in diesem Fall wird ein ganzes Wortfeld von einem Metaphorisierungsprozeß erfaßt, der seinen Ausgang von einer einzelnen Metapher nehmen mag. Ein Beispiel bietet die organologische Metaphorik, also die metaphorische Darstellung von Gegenständen oder Institutionen als lebendige Organismen. Hier geht von der Grundmetapher - etwa vom Ausdruck „Staats-Körper“ - die Anregung zur Erweiterung, Spezifizierung und Fortsetzung aus.

Auch der wissenschaftliche Sprachgebrauch ist keineswegs un-metaphorisch, auch wenn die Metaphorik als solche in Vergessenheit geraten oder durch Konventionalisierung von Ausdrücken um ihre ursprüngliche Prägnanz gebracht worden sein mag.

„Feld, Atom, Welle, Trägheit, Kraft, Widerstand usw. sind natürlich inzwischen terminologisierte Ausdrücke, sie leiten gleichwohl als residuale Hintergrundmetaphorik die Theoriebildung. Die Integration eines theoretischen Modells in eine geltende Hintergrundmetaphorik verleiht dem Modell Evidenz.“[8]

Der Erfolg oder Mißerfolg von Metaphern innerhalb einer Sprechergemeinschaft sagt nichts über ihre „Qualität“ aus; vielfach erweisen sich gerade abgegriffene Metaphern als dauerhaft und nachhaltig wirksam.

„Wie es irrelevante, durchschnittliche und triviale buchstäbliche Wahrheiten gibt, so gibt es weit hergeholte, matte und moribunde Metaphern.“[9]

Im Bereich der Metapherntheorien kann man grob zwischen zwei Ansätzen unterscheiden, nämlich zwischen der auf Aristoteles zurückgehenden sogenannten „Substitutionstheorie“ und der „Interaktionstheorie“. Die Differenz zwischen beiden liegt sowohl in der Auffassung über die Grundlagen metaphorischer Rede als auch in der Beurteilung ihrer Effekte.

„Die Substitutionstheorie ist die älteste und immer noch verbreitetste. (...) Dieser Theorie zufolge wird bei der Metapher das 'eigentliche' Wort durch ein fremdes ersetzt (substituiert). Zwischen dem eigentlichen und dem fremden Wort besteht Ähnlichkeit oder Analogie. Eine Form der Substitutionstheorie ist daher die Vergleichstheorie. Ihr zufolge ist die Metapher ein um die Partikel 'wie' verkürzter Vergleich. Die Interaktionstheorie setzt voraus, daß es für einen metaphorischen Ausdruck keinen 'eigentlichen' Ausdruck gibt. Der metaphorische Ausdruck ist nicht ersetzbar, außer um den Preis eines Verlusts an Bedeutung. Untersucht wird nun Stellung und Funktion einer Metapher in einem Kontext, in einer Äußerung. Zwischen der Metapher und ihrem Kontext besteht semantische Inkongruenz. Ein wechselseitiger Interpretationsprozeß muß daher einsetzen (deswegen: Interaktion).“[10]

Die Substitutionstheorie des Aristoteles

Die früheste Definition der Metapher, mit der sich Versuche zur Begriffsbestimmung bis heute auseinandersetzen, auch und gerade dann, wenn sie sie nicht übernehmen, stammt von Aristoteles, der in seiner Poetik festlegt: „Metaphorà dé estin onómatos allotríou epiphorá“ („Metapher ist die Übertragung eines fremden Nomens“, Übers.: Olof Gigon; „Metapher ist Übertragung eines fremden Namens“, Übers.: Harald Weinrich.). Aristoteles differenziert dabei zwischen verschiedenen Spielarten solcher „Übertragung“: „(...) von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung oder von einer Art auf eine andere oder gemäß der Analogie“.[11] Wie Weinrich bemerkt, entspricht diese sehr weite Bestimmung ungefähr dem heutigen Begriff der Stilfigur,[12] und nur die letztgenannte Spielart der „Übertragung“ entspräche jüngeren Metaphernbegriffen. Die relative Ausführlichkeit, mit der in der Poetik die „Übertragung (...) gemäß der Analogie“ abgehandelt wird, darf als Indiz dafür gelten, daß sie für Aristoteles besonderes Gewicht besitzt. Für ihn beruht diese Spielart der „Übertragung“ auf einer Beziehung zwischen vier Relaten:

„Analogie nenne ich es, wo das zweite sich zum ersten verhält wie das vierte zum dritten. Dann wird an Stelle des zweiten das vierte gesagt oder an Stelle des vierten das zweite. Und gelegentlich wird auch beigefügt, auf was es sich bezieht und wofür es gesetzt ist. So verhält sich etwa der Becher zu Dionysos wie der Schild zu Ares. Dann wird man den Becher ,Schild des Dionysos‘ nennen und den Schild ,Becher des Ares‘. Oder wie das Alter sich zum Leben verhält, so verhält sich der Abend zum Tage. Man wird also den Abend ,Alter des Tages‘ nennen und das Alter ,Abend des Lebens‘ oder wie Empedokles ,Sonnenuntergang des Lebens‘.“[13]

Man kann in begrenztem Maße mit dieser Modell-Vorstellung arbeiten. (Zu seiner Problematik unten mehr.)
Eine Differenzierung zwischen „Metapher“ und „Vergleich“ („eikon“), die ebenfalls die Geschichte des Metaphernbegriffs geprägt hat, nimmt Aristoteles in seiner „Rhetorik“ vor. Am Beispiel des Löwengleichnisses aus Homers „Ilias“ erörtert er Verwandtschaft und Unterschied zwischen metaphorischer und vergleichender Ausdrucksweise. Ein Vergleich liegt vor mit der Wendung: „Er ist wie ein Löwe“, eine Metapher dann, wenn es heißt: „Er ist ein Löwe“. Aristoteles schätzt das Vermögen zur Erfindung guter Metaphern hoch. Kriterium der Qualität von Metaphern ist für ihn die Umkehrbarkeit der „Übertragung“; als Bedingung der Möglichkeit einer solchen „Übertragung“ gilt dabei die Existenz eines tertium comparationis, welches die „Ähnlichkeit“ der Relate untereinander gewährleistet. Insgesamt eignet sich nach Aristoteles' Überzeugung die Metapher eher für die Prosa, der Vergleich und das (noch ausführlichere) Gleichnis eher für die Dichtung. Die nacharistotelische Metapherntheorie versteht die Metapher in Fortsetzung des skizzierten Ansatzes als eine „Trope“. (Von einem „tropos“ spricht man in Fällen „uneigentlicher“ Bennennung - mit der einschlägigen lat. Formel: „verba alia pro aliis“.)

So erfolg- und folgenreich die aristotelische Substitutionstheorie der Metapher war, so unzulänglich erscheint sie aus der Perspektive avancierterer Vorstellungen über Texte, ihre Bedeutungen und ihren Wirklichkeitsbezug. Besonders problematisch ist die Zurückführung des Begriffs „Metapher“ auf den der „Ähnlichkeit“:

„Es ist symptomatisch für die Mängel der Vergleichstheorie, daß als Beispiele meist Metaphern herangezogen werden, deren metaphorischer Effekt sich schon längst aufgelöst hat. So muß immer wieder Achilles dazu erhalten, mit einem Löwen verglichen zu werden. Ohnehin ist Ähnlichkeit ein vager Begriff. Ähnlich sind Dinge nur in bestimmten Hinsichten, unter bestimmten Perspektiven. In irgendeiner Hinsicht kann alles allem ähnlich sein. Daher ist die Metapher auch kein ,verkürzter Vergleich‘. (Quintilian, Institutio oratoria, 8,6,8 [...]).“[14]

Der Ausdruck „Metapher“ - der ja bei Aristoteles als „Übertragung“ erklärt wird - ist selbst eine Metapher. Diese Beobachtung gibt Anlaß dazu, auf eine dem aristotelischen Ansatz inhärente Problematik aufmerksam zu machen - nämlich auf die Fragwürdigkeit des Versuchs, der poetischen Verwendung von Metaphern andere, angeblich nicht-metaphorische Formen der Sprachverwendung gegenüberzustellen. Dabei kommt eine Konzeption von eigentlichen und un-eigentlichen Wort-Bedeutungen ins Spiel, die ihrerseits auf einem inzwischen überholten Sprachmodell beruht, das man als „Etikett-Modell“ beschreiben könnte. Aristoteles beschreibt die metaphorische Verfahrensweise als Ablösung eines Wort-Etiketts von seinem Träger und als Transfer auf einen neuen Träger. Charakteristischerweise will er dieses nicht ganz unverfängliche Verfahren für den poetischen Sprachgebrauch reservieren.

„Die Metapher ist nach Aristoteles ein Mittel der poetischen Redeweise, nicht der alltäglichen, konventionellen Redeweise. (...) Irrigerweise geht diese Bestimmung davon aus, daß die alltägliche Redeweise keine Metaphern enthalte. Aus dieser Ansicht entwickelte sich spätestens dann ein Dilemma, als man festzustellen gezwungen war, daß auch die alltägliche Redeweise voll von Metaphern ist.“[15]

In der römischen Poetik wird unter Anknüpfung an den aristotelischen Ansatz meist das lateinische Äquivalent „translatio“ verwendet, das ebenfalls dem Vorstellungshorizont der Um-Etikettierung verpflichtet ist: „Translatio est cum verbum in quandam rem transfertur ex alia re“ („Eine Übertragung liegt vor, wenn ein Wort von einer Sache auf eine andere Sache übertragen wird“).[16]

 

Metapher und „Bild“

Die Verwendung des Ausdrucks „Bild“ (griech. „eikon“) zur Charakteristik der Metapher geht bis auf Platon [17] und Aristoteles [18] zurück. Diese Erklärung eines sprachlichen Phänomens über die Analogisierung mit einem visuellen Phänomen ist nicht unproblematisch und in jedem Fall ihrerseits metaphorisch. Es ist - bei allen Vorbehalten gegenüber dem in der Metapherntheorie verwendeten, oft recht unspezifischen „Bild“-Begriff - vor allem die „Simultanität der Geltung und Nichtgeltung der metaphorischen Prädikation“[19], welche die Analogisierung von Metapher und Bild nahelegt, also die Tatsache, daß die Metapher sowohl ein „Dies ist ein...“ als auch die Zurücknahme dieser Prädikation impliziert; Simultaneität der Darstellung aber gilt im allgemeinen als konstitutiv für das Medium des „Bildes“. Die Metapher „stellt vor Augen“ (Aristoteles), in dem sie etwas als etwas anderes erscheinen läßt, wobei allerdings keineswegs stets ein visueller Eindruck vermittelt wird. (Viele Metaphern sind ja etwa der akustischen Sphäre entnommen.)

„Die oft beschworene Bildhaftigkeit und Anschaulichkeit der Metapher ist ein Ausdruck dafür, daß die Metapher uns zwingt, uns auf die Bedeutung der kontextuell beteiligten Ausdrücke rückzubesinnen. Wir aktualisieren die Bedeutung der beteiligten Wörter, um herauszufinden, welche mögliche Bedeutung die Metapher hat. Wir aktualisieren die Konnotationen der beteiligten Wörter. Wir erzeugen eine Bedeutung und sind auf diese Bedeutungserzeugung konzentriert. Dies heißt: ,stellt vor Augen‘.“[20]

Bis in die Gegenwart wird von einzelnen Sprach- und Zeichentheoretikern die traditionsreiche Überzeugung vertreten, die Wortsprache sei ursprünglich „bildhaft“, besitze einen bildhaften Kern, der sich auch durch einen Prozeß begrifflicher Abstraktion nicht endgültig auflösen lasse. Auf dieser Grundlage ist ein Interesse der Sprach- und Erkenntnistheorie an der Metapher besonders naheliegend.

 

Metapher und „Gleichnis“

Die noch heute bekannte Bestimmung der Metapher als „verkürztes Gleichnis“ geht auf Cicero zurück, der sich an Aristoteles anlehnt und die Metapher in Abgrenzung zum echten und vollständigen Gleichnis (lat: similitudo; Äquivalent zu griech. „eikon“) charakterisiert: „Similitudinis est ad verbum unum contracta brevitas.“ („Sie [die Metapher] ist die auf ein einziges Wort zusammengedrängte Kurzform eines Gleichnisses.“)[21] Eine verwandte Bestimmung nimmt Quintilian vor: „In totum autem metaphora brevior est similitudo“ („Im ganzen aber ist die Metapher ein kürzeres Gleichnis“).[22] Auch Quintilian, dessen Metapherntheorie die Schultradition der Rhetorik maßgeblich prägt, differenziert zwischen Spielarten der Metapher, indem er verschiedene Wege der Übertragung unterscheidet: von Belebtem auf Belebtes (1), von Unbelebtem auf Unbelebtes (2), von Belebtem auf Unbelebtes (3), von Unbelebtem auf Belebtes (4). Die dritte Spielart erfährt später besondere Wertschätzung. Quintilians Ausführungen zur Metapher sind darüberhinaus vor allem deshalb signifikant, weil er die quantitative und damit auch qualitative Bedeutung der Metapher für den Sprachgebrauch insgesamt erfaßt: „paene iam quidquid loquimur figura est“ („fast alles, was wir reden, ist bildlich“)[23].

 

Metapher und „Allegorie“

Quintilian versteht die Allegorie als erweiterte Metapher („metaphora continuata“; Inst. orat. VIII, 6.44).), leitet also die Allegorie aus der Metapher ab. Dieser Ansatz wird von einzelnen Theoretikern bis heute verfolgt, von anderen hingegen als ungerechtfertigt betrachtet.[24] In einem Punkt sind laut Gerhard Kurz „Metapher“ und „Allegorie“ nicht ohne weiteres als Parallelphänomene abzuhandeln: Die Metapher ist ein „Binnenelement“ von Texten, die „Allegorie“ hingegen kann auch als „Gattungsform“[25] gelten. Man könnte allerdings darüber diskutieren, ob sich nicht auch ganze Texte als „Metaphern“ charakterisieren lassen, wie sich ja auch über den „metaphorischen“ Charakter von Bildern, Plastiken und anderen Artefakten streiten läßt.

 

Metapher und Etikett-Modell

Allen auf Aristoteles zurückgehenden Ansätzen zur Begriffsbestimmung der Metapher ist eine gleichsam „atomistische“ Betrachtungsweise eigen; vor der eigentlichen Deutung von Metaphern erfolgt deren Herauslösung aus dem Textgefüge - so, als sei eine solche Operation ohne Eingriff ins Bedeutungspotential der metaphorischen Wendung möglich. Zudem liegt diesen Ansätzen ein Sprachmodell zugrunde, demzufolge die sprachlichen Ausdrücke (die „Namen“) dem jeweils Gemeinten wie ein Namensschildchen aufgeprägt sind, das man prinzipiell von diesem Gemeinten ablösen und durch ein anderes Schildchen ersetzen kann. Es gibt diesem Etikett-Modell zufolge zum jeweils gemeinten „Gegenstand“ (oder „Referenten“) sowohl „besser“ als auch weniger gut „passende“ Wort-Etiketten, wobei der „adäquate Name“ einen positiven Grenzwert markiert; in jedem Fall gilt das Bezeichnete auf der Basis des Etikett-Modells als etwas, das seine spezifische Identität und Qualität prinzipiell auch unabhängig von aller Bezeichnung besitzt. Benennung erscheint als etwas Nachträgliches und Zusätzliches, als etwas, das sich im Horizont der Alternative von „richtig“ und „unrichtig“ abspielt. Eine solche Betrachtungsweise erscheint aus avancierter sprachphilosophischer Sicht als ebenso unhaltbar wie die Untersuchung kontextfreier Textpartikel.

Aristoteles sieht gänzlich ab vom Kontext des Wortes. Die Metapher ist eine ,Übertragung eines Nomens‘, das zu einer anderen lexikalischen Stelle gehört. (...) Bei der Metapher wird also ein Wort verwendet, das von anderswo kommt. Die Metapher ersetzt das richtige Wort oder sie füllt eine lexikalische Leerstelle aus. (...) Diese Metapher der Übertragung offenbart ein topo-logisches Modell der Sprache. Diesem Modell zufolge kann für jedes Wort ein Ort angegeben werden, der ihm und nur ihm gehört (...). Ein Wort hat nur einen Ort, daher nur eine Bedeutung. Es gehört an diesen Ort, genauer: es gehört diesem Ort (...). Noch eindeutiger als Aristoteles hat die spätere Rhetorik daraus die Lehre vom verbum proprium, dem 'eigentlichen' Wort, entwickelt. Die Bedeutung eines Wortes wird dabei identifiziert mit dem Gegenstand, den es bezeichnet. (...) Die Metapher ist also die Ortsveränderung eines Nomens. Es wird von einem Ort auf einen anderen übertragen, dem es nicht gehört, dem es nicht eigen ist. Insofern hat die Metapher eine uneigentliche Bedeutung. Das übertragene Nomen bleibt transparent für seinen ursprünglichen Ort und für das Nomen, das eigentlich an den von der Metapher eingenommenen Platz gehört. In diesem topologischen Modell ist die Metapher also ein Akt des Ersetzens, des Borgens, Entlehnens und Entfremdens, ein Akt der Enteignung. Daher verwundert es nicht, daß die Metapher geradezu moralisch kritisiert werden konnte. Die Kritik der Metapher, vorgetragen bis ins 20. Jahrhundert hinein, setzt das aristotelisch-rhetorische Erklärungsmodell voraus. Nach dieser Kritik ist die Metapher keine authentische Bezeichnung, sie ist de-plaziert, unernst und, weil nicht mehr eindeutig, ungenau und zweideutig. Im Namen einer rationalen Sprachtheorie wurde die Metapher als etwas Überflüssiges verworfen.“[26] Kurz faßt die wesentlichen Schwächen und Unzulänglichkeiten dieses metapherntheoretischen Ansatzes zusammen, wobei deutlich wird, wie eng die Theorie der Metapher mit einer Grundkonzeption von Sprache überhaupt verzahnt ist, werde letztere nun ausdrücklich formuliert oder nicht. Eine gegenüber der traditionellen Metapherntheorie verschobene Betrachtungsweise wurde vor allem aus sprachpragmatischer Perspektive erzwungen.

„(...) die aristotelische Theorie (...) beruht auf einer unhaltbaren Wortsemantik. Das Wort ist demnach eine Art Etikette. (...) Die linguistische und erkenntnistheoretische Unangemessenheit dieser Theorie ist schon oft gezeigt worden. (...) Die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks existiert nicht unabhängig von seiner kommunikativen Funktion, seinem ,Sitz im Leben‘. Die kommunikative Funktion gehört zur Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks als solcher.“[27]

Problematisch ist es, dem „metaphorischen“ einen „wörtlichen“, dem sogenannten „un-eigentlichen“ einen „eigentlichen“ Ausdruck gegenüberzustellen, problematisch vor allem die damit verbundene Unterstellung einer „ursprünglichen, vor- und außergeschichtlichen Grundbedeutung“ von Ausdrücken:[28] Diese wird weder der Geschichtlichkeit von Sprache noch der von De Saussure statuierten Differenzierung zwischen langue und parole gerecht. Sinnvoll erscheint es demgegenüber, sowohl die metaphorische Ausdrucksweise als auch ihre Aufnahme im Horizont hermeneutischer Prozesse zu betrachten.

„(...) Wörtlich ist wie metaphorisch keine Eigenschaft eines Wortes oder Satzes an sich, sondern eine Eigenschaft von Äußerungen. Ein Satz fällt in die Kompetenz, eine Äußerung in die Performanz eines Sprechers. Eine Äußerung ist das in einer bestimmten Situation Gesagte. Wir meinen oder verstehen einen gesprochenen Satz wörtlich oder metaphorisch. Dies hängt vom Kontext oder der Situation ab, also vom Sprecher, vom Hörer, vom Schreiber, vom Leser, von der Situation, vom interessierenden Thema, vom gemeinsam geteilten Wissen über die Welt.“[29]

 

Zur Interaktionstheorie

Die sogenannte „Interaktionstheorie“, eine pragmatische Theorie der Metapher, basiert auf der Betrachtung der einzelnen sprachlichen Erscheinung, also auch der Metapher, als Bestandteil einer komplexen Kommunikationssituation. Diese entscheidet darüber, ob ein Ausdruck in der Gesamtheit einer Äußerung als metaphorisch zu gelten hat. „Metaphorizität“ ist demnach keine „Eigenschaft“, die einem sprachlichen Gebilde an sich zukäme.

„Es gibt keine sprachliche Bedeutung an sich, sondern nur in bestimmten Situationen, für bestimmte Sprecher und Hörer, für bestimmte Absichten. Wenn wir uns die Bedeutung eines Wortes klar machen, müssen wir uns seine Verwendung klarmachen. So muß die metaphorische Bedeutung nicht als Eigenschaft der syntaktisch-semantischen Einheit Satz, sondern als Eigenschaft einer Äußerung bestimmt werden. Mit einer Äußerung ist eine kommunikative Situation gegeben, nach der erst entschieden werden kann, ob ein Ausdruck metaphorisch gemeint ist oder nicht. Dies macht es freilich auch so schwierig, Regeln für das Bilden und Verstehen von Metaphern anzugeben. Je nach Kontext oder Situation kann der Satz Peter ist ein Kind wörtlich gemeint sein, wenn Peter sechs Jahre alt ist, oder metaphorisch, wenn er dreißig Jahre alt ist.“[30]

Man könnte die Existenz von Regeln zur Metaphernbildung prinzipiell bestreiten. Nicht eine Erzeugungs- oder Entschlüsselungsregel bedingt, daß Metaphern erfunden und verstanden werden, sondern diese werden allein durch ihren Kontext bedingt und getragen. Ein solcher Kontext für die Metapher ist daher auch stets notwendig; allerdings kann er virtuell sein - etwas, das man sich sprechend und verstehend dazu denkt.

Unhaltbar erweist sich letztlich die Unterstellung einer Un-Eigentlichkeit des Ausdrucks, wie sie für die aristotelische Metapherntheorie entscheidend war. Zu kurz greift auch die Differenzierung zwischen „direkten“ und „indirekten“ Sprechakten auf der Basis der Frage, ob der Spreche „meine“, was er „sage“ oder nicht. Alle in diese Richtung gehenden Differenzierungsversuche zwischen metaphorischem und nicht-metaphorischem Sprechen unterstellen zu Unrecht eine Statik der Wortbedeutungen im Nicht-Metaphorischen sowie eine Zerlegbarkeit von Äußerungen im Bereich des wörtlich wie des nicht-„wörtlich“ Gemeintes. Sprache wird auf der Basis solcher Ansätze zu Unrecht vergegenständlicht. (Kurioserweise sind es metaphorische Vorstellungen, welche einer solchen Betrachtungsweise zugrundeliegen.)

„Es ist nicht so, daß man bei indirekten Sprechakten etwas sagt und etwas anderes meint. Auch hier meint der Sprecher, was er sagt. Er meint es nur auf eben diese indirekte Weise. (...) Behandelt man die Metapher als einen indirekten Sprechakt, dann fällt man in den Fehler der Substitutionstheorie zurück. Man unterstellt, daß das, was die Metapher indirekt sagt, auch direkt zu sagen wäre. Indirekte Sprechakte sind aber nicht übersetzbar in direkte, ohne daß auch eine wesentliche Inhaltsbedeutung verloren ginge.“[31]

Die Metapher ist nicht als Verstoß gegen feste Spielregeln der Wort-Verwendung zu definieren, weil es solche Regeln nicht gibt. Daß letztere nur heuristische Fiktionen sind, macht das Dilemma jeglicher „Abweichungs“-Poetik aus, nicht zuletzt eben auch der Versuche, Metaphorik als „abweichende“ Rede zu erklären.

„Die Metapher ist keine Abweichung vom normalen Sprachgebrauch, sie ist normaler Sprachgebrauch. Genauer: Sie ist eine Abweichung vom normalen Sprachgebrauch im normalen Sprachgebrauch. Sie ist die exzeptionelle Verwendung eines Wortes, von Sätzen, in einem gegebenen Kontext, in einer gegebenen Situation.“[32]

Kurz ist gleichwohl bereit, der Metapher ein Moment des Nicht-Regelhaften zuzugestehen; für ihn liegen Metaphern dort vor, wo die Verwendung eines Ausdruck un-codiert erscheint. Auch dies ist insofern eine problematische These, als ja durchaus metaphorische Klischees bzw. klischeehafte Metaphern gibt - es sei denn, man betrachte eine Formulierung wie: „Die Stimmung hatte sich abgekühlt“ nicht - nicht mehr - als metaphorisch. Wenn man die „Metapher“ durch Bezugnahme auf sprachliche „Regeln“ erklärt, so sollte man sich zumindest vor Augen halten, daß diese „Regeln“ letztlich Fiktionen sind. Weder über den Begriff der „Regel“ noch über den der „Konvention“ (respektive des Konventionsverstoßes) kann die Metapher definitiv „begründet“ werden; beschreibbar wird sie auf diesem Wege allerdings immerhin.

„Eine Metapher kennt man nicht, wie man die Regel des Gebrauchs in der Sprachgemeinschaft kennt. Eine Metapher kann man nur verstehen. Sie ist okkasionell, nicht usuell. Stets muß man den ganzen Sprechakt vor Augen haben, um eine Äußerung als metaphorische verstehen zu können. Bei der Metapher wird gegen die Regel des Gebrauchs eines Wortes verstoßen, aber diese Regel (noch) nicht verändert. Die Metapher bricht punktuell eine Konvention. Die Metapher ist eine Abweichung - nicht vom wörtlichen Gebrauch (...), sondern vom dominanten Gebrauch eines Wortes. (...) Beim metaphorischen Gebrauch wird nicht einfach ein Wort anders verwendet. Es ist charakteristisch für die Metapher, daß dem Hörer/Leser eine dominante Bedeutung als Ausgangsbedeutung gegenwärtig sein muß (...). Es muß bewußt sein, daß der metaphorische Gebrauch eine Ableitung vom Standardgebrauch ist.“[33]

In der Tat zieht Kurz aus diesem Ansatz die Konsequenz, klischeehaft-verfestigte Metaphern nicht mehr als Metaphern gelten zu lassen; schließlich kann hier von einer „doppelten Bedeutung“ nicht mehr die Rede sein.

„Wenn sich die Metapher durch häufigen Gebrauch stabilisiert und lexikalisiert, d.h. in den usuellen Wortschatz aufgenommen wird, dann wird sie unabhängig vom dominierenden Wortgebrauch. Im selben Maße löst sich ihr metaphorischer Effekt auf. Motorhaube z.B. ist keine Metapher mehr, ebensowenig Wolkenkratzer oder Tischbein oder Verkehrsfluß oder Zweck. Besonders bei Kompositionsmetaphern wie Motorhaube, Verkehrsfluß gibt es viele lexikalisierte Metaphern. Man sieht, daß man Metaphern nicht beschreiben kann, ohne sich am Bewußtsein der Sprecher von ihrer Sprache zu orientieren. Man muß den Standpunkt der Sprechenden einnehmen, um etwas als eine Metapher identifizieren zu können. In dem Maße, in dem die Metapher lexikalisiert wird, wird ihre Bedeutung kontextunabhängiger. Am Ende dieses Prozesses stehen dann ein erweiterter Anwendungsbereich oder verschiedene nebeneinander bestehende Verwendungen eines Wortes. / Lexikalisierte Metaphern können freilich wieder re-metaphorisiert werden (...).“[34]

Auf der Basis der Interaktionstheorie läßt sich die für die Metapher charakteristische Amalgamierung von Bildspender und Bildempfänger (s.o.) explizieren. In der Metapher wird, mit einer Wendung August Wilhelm Schlegels formuliert, „Gleichheit angedeutet“.[35] Nochmals: Die Metapher impliziert sowohl die Behauptung einer Gleichheit wie auch deren Zurücknahme. Anders als in anderen Fällen der Prädikation bleiben bei der metaphorischen Prädikation (s.o.) semantische Inkongruenzen bestehen. Die Deutung einer Metapher ist weniger als ein linear-zielgerichteter Prozeß beschreibbar denn als ein mehrfacher Richtungswechsel in einem Spannungsfeld möglicher Sehweisen.

„Wegen dieser simultanen Geltung und Nichtgeltung einer Gleichheit sagen wir oft: dies ist eine Metapher, mit dem Ton: dies ist nur eine Metapher. Der oszillierende, schweifende, etwas unbestimmte Charakter der metaphorischen Bedeutung ist ein Resultat der Verstehensbewegung, die sie in Gang setzt: die Prädikation trifft zu, sie trifft nicht zu, und sie soll doch zutreffen. Die Metapher identifiziert die Bedeutung zweier Ausdrücke, z.B. Fisch und Stadt, sie widersteht aber auch dieser Identifizierung - und sie bedarf einer Identifizierungskraft, die diesen Widerstand überwindet.“[36]

 

Die Metapher in der Rhetorik - Unterschiedliche Bewertungen der Metapher

Die Metapher gilt in der rhetorischen Tradition als „Schmuck“ der Rede, wobei Quintilian zu einem mäßigen, der jeweils angestrebten Funktion der Rede angepaßten Gebrauch von Metaphern ermahnt. Er gesteht zu, daß es gelegentlich keinen direkten und uneigentlichen Ausdruck für das Gemeinte gebe, so daß eine Metapher verwendet werden müsse; diese heißt dann „Katachrese“. Der Gebrauch von Metaphern darf nicht zu kühn sein, muß sich als solcher gegebenenfalls ausdrücklich zu erkennen geben und sollte stets den rhetorisch zu erzielenden Zwecken angepaßt sein; aus der Sicht römischer Rhetorik sind Metaphern kein Selbstzweck. Die Einstellung gegenüber der Metapher als rhetorischem „Schmuck“ unterliegt im Laufe der Zeit diversen Veränderungen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wird die Metapher - im Sinne des aristotelischen Ansatzes - als rhetorische Figur erörtert. Aus dem Interessensbereich der Logiker fällt sie als „uneigentliche“ Rede heraus, und ihre „Uneigentlichkeit“ macht sie den Vertretern mittelalterlicher Theologie verdächtig. Zu einer Auseinandersetzung mit der Metapher kommt es gleichwohl etwa bei Augustinus, der in seiner Schrift Contra mendacium in einer an Aristoteles anknüpfenden Weise bestimmt: als „de re propria ad rem non propriam verbi alicuius translatio“ („Übertragung irgendeines Wortes von der passenden Sache auf die nicht passende“).[37] Augustinus ist mit Blick auf die biblischen Texte immerhin geneigt, in Metaphern und anderen Tropen, in Bildern und Allegorien unter Umständen mehr als bloße „Lügen“ zu sehen. Mißtrauisch betrachtet Thomas von Aquin jegliche Tropen: „Ex tropicis locitionibus non est assumenda argumentatio“ („Den tropischen Reden ist keine Beweisführung zu entnehmen.“)[38] Thomas betont, daß Gleichnissen keine zuverlässige und verbindliche Wahrheit zukomme, da die unterstellte Analogie jeweils nur unter einem durch die aktuelle Vergleichung festgelegten Aspekt bestehe. Damit befestigt er alle späteren Vorbehalte gegenüber metaphorischem Sprachgebrauch in Wissenschaft und Philosophie, die sich etwa in George Berkeleys Diktum artikulieren, der Philosoph möge sich der Metaphern enthalten („A metaphoris autem abstindendum philosopho.“[39]), aber auch in dem französischen Sprichwort „Comparaison n'est pas raison“ anklingen.

Auch Hegel teilt diese Vorbehalte und betrachtet den vermeintlich ornamentalen Charakter der Metapher als störend.

„Die Metapher aber ist immer eine Unterbrechung des Vorstellungsganges und eine stete Zerstreuung, da sie Bilder erweckt und zueinanderstellt, welche nicht unmittelbar zur Sache und Bedeutung gehören und daher ebensosehr auch von derselben fort zu Verwandtem und Fremdartigem herüberziehen.“[40]

Und Hegel wirft der Metapher in diesem Zusammenhang einen „hochmütigen“ Zug vor, eine Neigung zur Überhebung über das „Einfache“, „Schlichte“. Diese Vorbehalte gegenüber der als „uneigentlich“ und trügerisch-suggestiv begriffenen Metapher prägen die Einstellung gegenüber metaphorischer Rede noch bis ins 18. Jahrhundert hinein. Max Black hat die Vorbehalte der Tradition gegenüber der Metapher auf die ironische Formel „Thou shalt not commit Metaphor“[41] gebracht. Voltaire und Diderot werten die Metapher ab; andere lassen diese allenfalls als schmückendes Beiwerk oder als didaktisches Hilfsmittel gelten - tauglich für Fälle, wo ein „Bild“ dem individuell beschränkten Verstand helfen muß. Parallel zur rationalistischen Abqualifizierung der Metapher als fragwürdiges Hilfsmittel im Prozeß der Erkenntnis und Kommunikation findet jedoch im 18. Jahrhundert auch eine Aufwertung der Metapher statt; diese steht im größeren Kontext der Entwicklung sprachphilosophischer Konzeptionen (dazu unten mehr.). Auf der Basis eines Ansatzes, der die Metapher als Ornament begreift, ist sie nicht nur mit Skepsis betrachtet worden. Opulente Metaphorizität und Kühnheit der sprachlichen Bilder gelten im Manierismus als erstrebenswert. Emanuele Tesauro hält die Metapher für das wichtigste Erzeugnis und zugleich für die Vorbedingung poetischer Erfindungskunst. In der Metapher komme der Scharfsinn des Dichters - für Tesauro ein zentrales poetisches Vermögen - zum Ausdruck. Tesauro differenziert zwischen der Wort-Metapher (metafora semplice), der Text-Metapher (metafora continuata oder allegoria) und der Gedanken-Metapher. Mit letzterer gemeint ist das Enthymem, das in einem um die zweite Prämisse verkürzten Syllogimus besteht. Laut Tesauro ist das Enthymem das ingeniöse und poetische Gegenstück des logischen Schlusses.[42]

Ein Metaphernbeispiel Tesauros aus dem „Cannocchiale“ erhellt, worin für Tesauro der Reiz von Metaphern besteht: Sie erzeugen komplexe Vorstellungen, welche den Leser zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem sprachlich Evozierten veranlassen.

„Denn wenn du sagst: ,Die Wiesen sind schön‘, dann vergegenwärtigst du mir nichts anderes als das ,Grünen‘ der Wiesen. Wenn du aber sagst: ,Die Wiesen lachen‘, läßt du mich sehen..., daß die Erde ein ,lebendiger Mensch‘ ist, die Wiese das ,Gesicht‘ und die Schönheit das ,fröhliche Lachen‘. So daß durch ein Wörtchen alle diese Vorstellungen aus verschiedenen Gruppen hindurchscheinen: ,Erde‘, ,Wiese‘, ,Schönheit‘, ,Mensch‘, ,Gemüt‘, ,Lachen‘, ,Fröhlichkeit‘. Und umgekehrt bemerke ich mit schnellem Hinüberwechseln im menschlichen Gesicht die Vorstellungen der Wiese und alle Übereinstimmungen, die zwischen diesen und jenen bestehen und sonst von mir nicht bemerkt wurden.“[43]

Klaus-Peter Lange hat das von Tesauro vertretene Konzept des metaphorischen Prozesses und seine Implikationen näher charakterisiert. Die Metapher aktualisiert Verknüpfungen zwischen entlegenen Bewußtseinsinhalten, welche virtuell bereits existieren; ihre Erfindung durch das „Ingenium“ (ingegno) des Dichters ist nicht völlig beliebig, sondern ein Vorgang, der als Erkenntnisprozeß beschrieben werden könnte.

„Unter der bildlichen Vorstellung des ,Verbindens‘ von ,notioni‘ dürften wir die Tatsache vom assoziativen Verknüpfen zweier Bewußtseinsinhalte (imagini mit segni) erkennen können, die normalerweise nicht so zusammen auftreten. Das Schaffen von neuen Assoziationen kann sehr gut unter dem Bild des ,Verbindens‘ begriffen werden. Damit wäre dann das ,ingegno‘ jene Fähigkeit, die Bewußtseinsinhalte, die vorher ,getrennt‘ und voneinander ,entfernt‘ waren, d.h. also in keinem Assoziationsverhältnis standen, in ein solches Verhältnis bringt. (...) / Nun wird gesagt, daß die ,Übertragung‘, die Metapher, die ,Aufgabe‘ (officio) des ,ingegno‘ ausführt. Das ,ingegno‘ ist damit die bloße Fähigkeit, das Vermögen eines Sprechers, sich vorher nicht assoziierende Bewußtseinsinhalte so zu verbinden, daß es jetzt allerdings zur Assoziation kommt. Die ,metafora‘ aber ist das tatsächlich produzierte Zeichen, das einen anderen, bisher ,fernen‘ Vorstellungsinhalt provoziert, also ein tatsächlich vom ,ingegno‘-Vermögen gefundenes Wort, das auf ungewohnte Weise die Vorstellung einer Sache auslöst. / Und wie geschieht dieses Auslösen? Es ist ,vermittelt‘ (...). ,Vermittelt‘ dürfen wir aber nicht so verstehen, als ob das, was zwischen die Vorstellung und ihr neues Wort tritt, als Mittel mit Hilfe einer Methode findbar wäre, vielmehr beruht das Finden des Mittels auf einem plötzlichen Erkennen von Beziehungen, die vorher nicht offenbar waren (...).“[44]

In der Geschichte der Poetik stellt die Einstellung gegenüber der Metapher, und hier insbesondere gegenüber der innovatorischen und „kühnen“ Metapher, ein interessantes Sonderkapitel dar. Der Klassizismus begegnet der Metapher prinzipiell mit Vorbehalt. Im Bereich der Sprachphilosophie kommt es hingegen schon früh zu einer Hochschätzung der Metapher, welche darauf beruht, daß die bildhafte und anschauliche Ausdrucksweise für ursprünglicher als die begrifflich-abstrakte gehalten wird und solche Ursprünglichkeit zudem positiv konnotiert ist. Giambattista Vico wendet sich gegen die Abwertung des metaphorischen Sprachgebrauchs als „uneigentlich“, gegen seine Bemessung an einem rationalistischen Ideal wissenschaftlich-nüchternen Sprachgebrauchs. Gegen das rationalistische Konzept abstrakter Erkenntnis setzt er seine Idee einer „sapienza poetica“, als deren Ausdruck er den bildhaften Sprachgebrauch begreift, die Ausdrucksweisen des Mythos und der Dichtung. Vico charakterisiert die Metapher als Kleinstform einer „Erzählung“ („favoletta“); Mythen, Fabeln und Metaphern gelten ihm als ursprüngliche Erscheinungsformen menschlicher Rede. In den neueren Sprachen stellen die Metaphern für Vico Residuen der ursprünglichen Sprachformen dar; zudem weist Vico auf die weitgehende Metaphorizität allen Sprachgebrauchs hin: „generalmente la metafora fa il maggior corpo delle lingue appo tutte le nazioni“.[45]

„Di questa logica poetica sono corollari tutti i primi tropi, de' quali la piú luminosa e, perché luminosa, piú necessaria e piú spessa è la metafora, ch'allora è vieppiú lodata quando alle cose insensate ella dá senso e passione, per la metafisica sopra qui ragionata: ch'i primi poeti dieder a' corpi l'essere di sostanze animate, so, di tanto capaci di quanto essi potevano, cioè di senso e di passione, e sì ne fecero le favole; talché ogni metafora sì fatta vien ad essere una picciola favoletta. Quindi se ne dá questa critica d'intorno al tempo che nacquero nelle lingue: che tutte le metafore portate con simiglianze prese da' corpi a significare lavori di menti astratte debbon essere de' tempi ne' quali s'eran incominciate a dirozzar le filosofie.“[46]

(Zu dieser poetischen Logik sind Zusätze alle früheren Sprachbilder, von denen das lichtvollste und deshalb notwendigste und häufigste die Metapher ist, die dann am meisten gerühmt wird, wenn sie den unbelebten Dingen Leben und Leidenschaft verleiht, der eben dargestellten Metaphysik gemäß; denn die ersten Dichter gaben den Körpern das Dasein von beseelten Substanzen, die allerdings nur das besaßen, was sie selbst hatten, nämlich Sinne und Leidenschaft; aus ihnen schufen sie die Mythen. So wird jede auf diese Art entstandene Metapher zu einem kleinen Mythus. Hieraus wird für die Zeit, in der die Metaphern in den Sprachen entstanden, folgende Kritik gegeben: daß alle Metaphern, die durch Analogie von körperlichen Eigenschaften übertragen wurden, um abstrakte Geistestätigkeiten zu bezeichnen, aus Zeiten stammen müssen, wo die Philosophie allmählich sich zu bilden begann.)

Vicos Ansatz wird fortgeführt durch Johann Georg Hamann und Johann Gottfried Herder. Herder schreibt den frühen Sprachen einen großen Metaphernreichtum zu und sieht gerade in der metaphorischen Rede eine Manifestation des menschlichen Strebens nach einer Synthese von Sinnlichem, Ideen und Begriffen. Setzt Herder „ursprüngliche“ und „sinnliche“ Sprache gleich, indem er unter „Sinnlichkeit“ sowohl die visuelle als auch die akustische Dimension sprachlichen Ausdrucks begreift, so steht bei Hamann das „Bild“ im Vordergrund. Der Theologe Hamann, demzufolge der Logos stets der sinnlichen Vermittlung bedarf, weil der Mensch ein durch seine Sinnlichkeit geprägtes Wesen ist, betrachtet alle menschliche Rede als ursprünglich bildhaft, wobei er keine klare begriffliche Differenzierung zwischen „Bild“, „Metapher“, „Gleichnis“ und „Allegorie“ vornimmt.

In Frankreich setzt sich die von Vico initiierte Aufwertung der Metapher bei Jean-Jacques Rousseau fort. Dieser betrachtet einen hohen Metaphorizitätsgrad ebenfalls als Kennzeichen ursprünglicher Sprachen und betont die Funktion metaphorischer Rede für den Affektausdruck: „Pour peu qu'on ait de chaleur dans l'esprit, on a besoin de métaphores et d'expressions figurées pour se faire entendre.“[47] Wie bei Hamann und Herder verknüpfen sich auch bei Rousseau anläßlich der Erörterung der „sinnlichen“ Wurzeln sprachlichen Ausdrucks sprachphilosophische und anthropologische Interessen.[48]

 

Die Metapher in der romantischen Ästhetik

Goethe und die Romantiker würdigen die Metapher und die Metaphorizität der Sprache im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Vermittlung zwischen Sinnlichem und Spirituellem und sehen in ihr keineswegs nur ein rhetorisches Phänomen.

Exkurs I: Romantische Würdigungen der Metapher

Poesie als Sprach-Kunst begreift sich bei den Frühromantikern als Medium nicht der „Mimesis“, sondern der „Vorahmung“ von Wirklichkeit, der transzendentalen Konstitution von Welt. Wichtig ist vor allem die Metapherntheorie (August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Jean Paul). Am Paradigma der Metapher werden die synthetisierende Funktion der Sprache sowie deren Bedeutung für die Auslegung der sprachlich erfaßten Wirklichkeit erörtert; gerade Metaphern - die damit weit mehr sind als ein äußerlich-stilistisches Phänomen -illustrieren die Gesetzlichkeiten sprachlicher Vermittlung zwischen Ich und Welt. Die historischen Voraussetzungen sind mindestens bis auf Vico zurückzuverfolgen. Zwischen der „Bilder“-Sprache und der Erscheinungswelt selbst wird eine Analogie konstatiert. Die Natur rede, so heißt es etwa bei Friedrich Schlegel, der die poetische Ausdrucksweise damit auf typisch romantische Weise in einer „anderen“, auf „natürliche“ Weise bedeutsamen „Sprache“ zu begründen sucht,

„in ihrer stummen Bilderschrift eine Sprache; allein sie bedarf eines erkennenden Geistes, der den Schlüssel hat und zu brauchen weiß, der das Wort des Rätsels in dem Geheimnis der Natur zu finden versteht, und statt ihrer, das in ihr verhüllte innere Wort laut auszusprechen vermag, damit die Fülle ihrer Herrlichkeit offenbar werde.“[49]

Als Medium solch entschlüsselnder Aussprache begreift sich natürlich vor allem der poetische Text; er erhebt ja Anspruch darauf, das Wesen der Dinge selbst übersetzend zu enthüllen. Als wichtige Möglichkeitsbedingungen dafür gelten nun insbesondere die vom Status bloßer Stilmittel freigesprochenen Metaphern, Symbole und Allegorien. Auch wenn den einzelnen Bedeutungsvarianten jener Begriffe hier nicht nachgegangen werden kann (die Diskussion um Symbol und Allegorie ist aufschlußreich für das Selbstverständnis vorromantischer und romantischer Dichtung), so ist doch festzuhalten, daß sich gerade in der Romantik, und hier vor allem bei den Dichtungstheoretikern mit ihrer Bemühung um eine Charakteristik des poetischen Sprachgebrauchs, sprachtheoretische Reflexionen aufs engste mit ästhetischer Reflexion über Metapher, Allegorie, Symbol und Bild verbinden. Die These vom fundamental-metaphorischen Charakter aller Sprache liefert der poetologischen Metapherntheorie ein stabiles Fundament. Jedes Idiom sei, so die von Vico, Herder und Hamann inspirierte Überzeugung Jean Pauls, „ein Wörterbuch erblasseter Metaphern“[50]. Metaphorischer Vermittlung bedarf einem alten theologisch-mystischen Konzept zufolge vor allem das Übersinnliche, das Transzendente und Göttliche. In der theoretischen Spekulation über die Bedingungen solcher Vermittlung besteht übrigens schon terminologisch kein Konsens; nahe aneinander grenzen wiederum die (andererseits auch oftmals programmatisch gegeneinander abgesetzten) Begriffe der Metapher, der Allegorie und des Symbols, ja der vieldeutige Begriff des „Bildes“ selbst. Die alte Auffassung, daß die ursprungsnahen und darum ausdrucksvolleren Sprachen sich durch einen hohen Grad an Bildhaftigkeit gegenüber den abstrakteren Idiomen der Neuzeit positiv auszeichneten, wird von der romantischen Dichtung zur Prämisse genommen, aber um eine Dimension erweitert: Das „endliche“ Bild soll auf Unendliches verweisen. Der poetische Sprachgebrauch hätte demnach eine doppelte Intention zu verfolgen: es gälte erstens, dem Leser im sprachlichen Medium möglichst „anschauliche“ Vorstellungen zu vermitteln, vor seiner Einbildungskraft also möglichst plastische Sinneseindrücke erstehen zu lassen. Zweitens aber sollen jene evozierten Phänomene gerade durch ihre sprachliche Präsentation auch als Bedeutungsträger transparent gemacht werden und so mittelbar jenes Übersinnliche vermitteln, das sich jeder direkten Darstellung entzieht.

Die Theorie des bedeutsamen sprachlichen „Bildes“ verbindet sich nun ihrerseits aufs engste mit der Diskussion über die „Bedeutsamkeit“ der natürlichen Erscheinungen selbst. Zwei unvereinbare Grundauffassungen metaphorischer Rede kollidieren in der romantischen Poetik miteinander, freilich nicht immer in Reinkultur formuliert und oft sogar nacheinander von einem und demselben Autor vertreten. Der ersten zufolge ist die Erscheinungswelt an sich bedeutsam, eben eine „Sprache Gottes“, und wer sprechend Phänomene evoziert, gestaltet notwendig „bedeutsame“ Bilder. Die poetischen Metaphern gelten als „Übersetzungen“ einer an und für sich metaphorisch verfaßten Wirklichkeit, ihr Sinn ist transzendent abgesichert. Anders gesagt: Metaphern sind „wahr“, weil die göttliche Schöpfung selbst „metaphorisch“ ist. Und selbst wenn der Dichter nach neuen Formen des metaphorischen Ausdrucks von Spirituellem sucht, so besitzen seine Metaphern aber doch eine Analogie zu jenem Universum von Metaphern, welches die Schöpfung darstellt. Das metaphorische Wort erschließt diese „Geisterinsel“ einer sprechenden Welt, denn Metaphern sind „Sprachmenschwerdungen der Natur“.[51] August Wilhelm Schlegel betont, daß die poetische Sprache eine „dichterische Weltansicht“ vermittle, in der die Phantasie herrsche (Schriften und Briefe, II 226). Zwischen den „Hieroglyphen“ der Welt und denen der Sprache besteht für ihn ein Spiegelungsverhältnis. Universalsemiotisch argumentieren die romantischen Ästhetiker auch dort gern, wo weniger an die bildhaft-anschauliche Vermittlung von Übersinnlichem gedacht ist als an Zeichenbezüge innerhalb der Immanenz, der Erscheinungswelt, wo ein Ding als Zeichen für andere betrachtet werden kann. In der sprachlichen Metaphorik wird etwa Jean Paul zufolge eben der Verweisungszusammenhang explizit gemacht, welchen die Erscheinungen untereinander immer schon besitzen. „So wie es kein absolutes Zeichen gibt - denn jedes ist auch eine Sache -, so gibt es im Endlichen keine absolute Sache, sondern jede bedeutet und bezeichnet“.[52] Diese Metaphernlehre klingt „säkularer“, unterstellt aber wiederum eine Analogie zwischen Natur und Sprache. Als Beleg seiner Auffassung von der „natürlichen“ Fundierung metaphorischer Ausdrücke führt Jean Paul deren (angebliche) Universalität an: „Die Metaphern aller Völker (...) gleichen sich, und keines nennt den Irrtum Licht und die Wahrheit Finsternis.“[53] Mit solcher Begründung der sprachlich-poetischen Metaphern in einer an sich „metaphorisch“ verfaßten Welt der Signifikate kollidiert ein gnzlich anderer Ansatz. Diesem zufolge wren es nmlich berhaupt erst die Sprache und ihre Benutzer, welche jene Verweisungsbezüge stiften. Wenn ein Phänomen zum Zeichen für etwas Nichtsinnliches oder für ein anderes Phnomen wird, so ist es demnach allein das darstellend-interpretierende Wort, welche ihm seine Bedeutung verleiht. Das sprachfähige menschliche Subjekt schreibt den Dingen ihren „Zeichen“-Charakter zu; nicht Gott, sondern der Mensch tritt als „Autor“ des Welt-Textes auf. Auch so gesehen, hat das Wort „magisch“-verknüpfende Kraft: Alles kann zum Zeichen für alles werden, wenn es nur mit sprachlichen Mitteln und als Bestandteil von Kontexten auf etwas anderes als sein „Signifikat“ bezogen wird. Diese Auffassung ist mit der Deutung von Sprache als transzendentale, also als wirklichkeitskonstitutive Instanz besonders gut kompatibel. Einzelne romantische Sprachtheoretiker wie Jean Paul antizipieren im Ansatz die Überzeugung späterer Sprachphilosophen, daß die Wörter allein - und zwar vor allem durch ihren metaphorischen Gebrauch - jeglichen Zusammenhang in der Welt begründen. Aber nicht nur Metaphern und Vergleiche dienen der produktiven poetischen Verknüpfung heterogener Dinge, sondern etwa auch Wortspiele, bei denen der an sich zufällige Wortklang zur spielerischen Kombination der Signifikate provoziert. Der „wahre Reiz des Wortspiels“ besteht für Jean Paul im „Erstaunen über den Zufall, der durch die Welt zieht, spielend mit Klängen und Weltteilen“.[54] Solcher Zufall bewirke im Reich der Dinge eine „wilde Paarung ohne Priester“, die durch das Medium der Sprache vollzogen werde. Die Wirklichkeit organisiert sich also, indem sie beschrieben wird; sprachliche Mittel suggerieren Zusammenhang und Ordnung im an sich Zusammenhanglosen und Ungeordneten, sie etablieren Gesetzlichkeiten in einer Welt, die kein absolutes Gesetz kennt. Durch die Wörter alles mit allem zu einem neuen „Kontext“ verknüpfen zu können, bedeutet insofern einerseits, den Sprachbenutzer zur Willkür zu ermächtigen; die im sprachlich-metaphorischen Medium ausgelegte Wirklichkeit selbst kann als Produkt solcher Willkür interpretiert werden. Andererseits emanzipieren sich erst hier Poesie und Sprache radikal von ihrer dienenden Funktion als bloße Darstellungsmedien einer ihnen vorgängig gedachten Realität. Was „wirklich ist“, legen die Beschreibungen fest - wobei die Romantiker in erster Linie an poetische Beschreibungen denken und nicht an wissenschaftliche. Bei der Formulierung jenes Gedankens sprachlich bedingter Welt-Synthese bleiben allerdings auch die fortschrittlichsten Sprachtheoretiker noch vorsichtig. Jean Paul vergißt anlälich seiner Bemerkungen über Wortspiele nicht zu erwähnen, daß (angeblich) einst die Namen den Dingen nachtönten, so daß auch dem Spiel mit Sprachklängen ein - wenngleich geringfügiger - Rest an sachgegründeter „Wahrheit“ anhafte: es stehe „einige Ähnlichkeit der Sachen bei der Gleichheit ihres Widerhalles zu erwarten“.[55] Auch August Wilhelm Schlegel bleibt zwiespältig; er neigt einerseits dazu, der poetischen, sprich: symbolischen „Ansicht der Dinge“ eine tiefergehende Wahrheit zuzuschreiben, andererseits erkennt er doch die transzendentale Produktivität des sprachfähigen Subjekts als eigentliches synthetisierendes Vermögen an: „wir suchen (!) entweder für etwas Geistiges eine äußere Hülle oder wir beziehen ein Äußeres auf ein unsichtbares Inneres“.[56] Die beiden skizzierten divergenten Konzepte der sprachlichen Metapher stehen übrigens in einer gewissen Korrespondenz mit der vieldiskutierten Dichotomie vom „Symbol“ und „Allegorie“, insofern die deutsche Klassik das Symbol als eine mit ihrer Bedeutung innerlich verbundene Chiffre, die Allegorie dagegen als ein willkürliches und von Setzungen abhängiges Zeichen versteht. Vertritt Goethe eine „symbolische“ Ansicht der Dinge, so erscheinen aus heutiger Sicht die avancierteren Romantiker als „Allegoriker“. Sie betrachten schreibend oft die Erscheinungswelt als gefügigen Fundus an Chiffren, spielen mit deren Bausteinen, die zu „Texten“ zusammengesetzt werden wie die Lettern des Alphabets. Oft erscheinen Metaphern, Allegorien und Bilder daher bewußt kunstvoll und konstruiert. Im übrigen verbindet sich das Interesse des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts an der Metaphorik auch mit anthropologischen und wahrnehmungspsychologischen Reflexionen. So weisen diverse Metapherntheoretiker seit Hamann auf die Analogien zwischen der Doppelstruktur der Metapher (die ja „Bild“ und „Bedeutung“, „Körper“ und „Geist“ synthetisiert) und der sinnlich-spirituellen Doppelnatur des Menschen hin. Indem der Metaphoriker körperliche Erscheinungen als Bedeutungsträger interpretiert, statuiert er eine Analogie zwischen diesen Erscheinungen und seinem eigenen Körper, an dem ja auch alles „Ausdruck“ und virtuelles Medium von Bedeutung ist. Bernhardi faßt die Metapher in diesem Sinne auf:

„Betrachten wir die Sprache als Allegorie unseres Wesens, als Spiegel und Bild von uns selbst, so liegt die Idee sehr nahe, daß es nur eine scheinbare Trennung sei, wenn wir die Welt in die sinnliche und unsinnliche zerschneiden, sondern daß eine die andere nur reflektiere, und daß ein geheimes Band zwischen beiden sei, welches die Sprache durch die Metapher ausdrückt und nach dessen Entdeckung die Philosophie von jeher strebte, ohne es jedoch, als seit kurzem, aufzufinden.“[57]

Sprache ermöglicht und bezeugt die Assimilation der außermenschlichen Natur an den Menschen; so drückt sich in der Sprache die Inklination der Sprecher aus, Natur zu vermenschlichen: Die Sonne hat für den ein Gesicht, der selbst ein Gesicht hat, die Natur sagt dem etwas, der selbst sprechen kann. „(...) alles lebt den Lebendigen“, so Jean Paul[58] in Anknüpfung an ähnlichlautende Bemerkungen Herders. Zeichen, Analogien, Verweisungen werden von jemandem wahrgenommen, der sie selbst zu produzieren vermag. Jean Paul spricht in seiner „Vorschule der Ästhetik“ (§ 50) über das, was er den „Doppelzweig des bildlichen Witzes“ nennt; anknüpfend an eine Differenzierung Quintilians meint er damit die in zwei Richtungen sich vollziehende metaphorische Verknüpfung von Sinnlichem und Nichtsinnlichem:

„Der bildliche Witz kann entweder den Körper beseelen oder den Geist verkörpern. / Ursprünglich, wo der Mensch noch mit der Welt auf einem Stamme geimpfet blühte, war dieser Doppel-Tropus noch keiner; jener verglich nicht Unähnlichkeiten, sondern verkündigte Gleichheit; die Metaphern waren, wie bei Kindern, nur abgerungene Synonymen des Leibes und Geistes. Wie im Schreiben Bilderschrift früher war als Buchstabenschrift, so war im Sprechen die Metapher, insofern sie Verhältnisse und nicht Gegenstände bezeichnet, das frühere Wort, welches sich erst allmählich zum eigentlichen Ausdruck entfärben mußte. Das tropische Beseelen und Beleiben fiel noch in eins zusammen, weil noch Ich und Welt verschmolz.“[59]

Im metaphorischen Verfahren drückt sich also insbesondere das Streben nach einer Vermittlung zwischen Innen und Außen, Seelischem und Körperlichem, sowie zwischen menschlicher und außermenschlicher Natur aus. Auf die Neigung des Menschen, alle Naturerscheinungen zu anthropomorphisieren, hatte zuvor bereits Rousseau hingewiesen; hier lag für ihn die Wurzel des Polytheismus.[60]

In sprachphilosophischer Akzentuierung lautet die These: Der Mensch projiziert seine eigene Verfaßtheit auf die Welt der Dinge, und sein Hauptmedium ist das Wort. „Wird nicht der Fels ein eigenthümliches Du, eben wenn ich ihn anrede?“ - so fragt einer der Lehrlinge bei Novalis.[61] Die Reflexion über Sprache, sprachliche Gestaltungsprinzipien und Konstruktionen, dient also nicht zuletzt der Selbstvergewisserung und Selbsterkenntnis des transzendentalen Subjekts von Erkenntnis. In der Auseinandersetzung mit dem Wort begreift der menschliche Geist seine eigenen synthetisierenden Vermögen, seine Fähigkeit, noch das Heterogenste aneinanderzuknüpfen.

 

Nietzsches Sprachkritik als Theorie der „Metapher“

Eine weitere wichtige Etappe in der Geschichte der Reflexion über Metaphern und das Metaphorische bildet das sprachkritische Denken Friedrich Nietzsches. Einerseits sind Nietzsches Reflexionen zum Thema „Metapher“ vor dem Hintergrund jener philosophischen Metaphernkritik zu sehen, die seit dem Mittelalter im Zeichen der Diagnose von der „Uneigentlichkeit“ der Metapher betrieben worden war. Gilt die metaphorische Rede als unwissenschaftlich und rational unbegründet, so muß sich in dem Maße, als die Bedeutung der Sprache für den Prozeß der Erkenntnis und Konstitution von „Wirklichkeit“ erfaßt wird, die Kritik der Metapher zur generellen Erkenntniskritik erweitern.

„Das Erkennen ist nur ein Arbeiten in den beliebtesten Metaphern.“[62]

Andererseits hebt gerade Nietzsche die ursprüngliche Metaphorizität aller Sprachbildung sowie die transzendentale Potenz der als ursprünglich metaphorisch verstandenen Sprache hervor.

Exkurs II: Nietzsches Sprachkritik als Metaphernkritik

„Ist die Sprache der adäquate Ausdruck aller Realitäten?“ In Nietzsches Abhandlung Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn (1873)[63] wird diese Frage negativ beantwortet: Sprache sagt nichts über irgendeine „reale“ Beschaffenheit der Dinge aus. Jedes Wort ist für Nietzsche bloß die „Abbildung eines Nervenreizes in Lauten“ und steht in keinem Zusammenhang zu den „ursprünglichen Wesenheiten“, die es angeblich bezeichnet.[64] (Auch das Wahrnehmungsvermögen des Menschen „lügt“ hier, „macht“ sich buchstäblich etwas „vor“. Nietzsche betrachtet es als illegitim, von einem Nervenreiz auf eine Ursache „außer uns“, also außerhalb des wahrnehmenden Subjekts selbst, zu schließen. Und dabei suggeriert die Sprache doch gerade, daß es solche feststellbaren Ursachen gebe und daß diese mit den Wörtern zum Ausdruck kämen. Mit der Beurteilung eines Steins als „hart“ wird die Existenz von so etwas wie „Härte“ suggeriert, das Wort „Blatt“ läßt an eine gemeinsame substanzielle Eigenschaft aller möglichen „Blätter“ glauben, obwohl diese doch durchaus verschieden sind. (Nietzsche steht gerade mit diesen Überlegungen in nominalistischer Tradition.) Eine sprachlich erzeugte Illusion wie das „Ding“ ist auch jegliche „Eigenschaft“, welche durch Adjektive den „Dingen“ beigelegt werden. Dem ursprünglichen Sprachbildner geht es überhaupt nicht um irgend ein „Ding an sich“, denn in seinen Wörtern kommt nur sein Empfinden zum Ausdruck, also eine Beziehung zwischen ihm und den Dingen, nicht letztere selbst.[65] Das Verfahren, Nervenreizen zu sprachlichem Ausdruck zu verhelfen, bezeichnet Nietzsche - in recht eigenwilliger Auslegung dieses Begriffs - als „metaphorisch“: Eine „Metapher“ ist die Übertragung eines Nervenreizes in ein Bild, eine weitere die vom Bild in den sprachlichen Laut. (Von „Metaphern“ kann hier nur in dem Sinne die Rede sein, daß jeweils 'eins für das andere' gesetzt wird, also eine „Übertragung“ im Sinne von „Ersetzung“ stattfindet. Eine Ähnlichkeitsbeziehung besteht nicht.) Als sprachlich vermittelte ist die Wirklichkeit also immer schon überformt. Pointiert gesagt: sie ist verfälscht, wobei diese sprachliche Verfälschung insbesondere in einer Verallgemeinerung des Besonderen, in der Bündelung einzelner Eindrücke oder Handlungen unter Sammelbegriffen besteht. Diese Sammelbegriffe setzen Gleichheitszeichen in einer Wirklichkeit des Nichtgleichen, interpretieren als analog, was allenfalls analoge Nervenreize weckt, fassen zu Ganzheiten zusammen, was keine Ganzheit ist. Insgesamt ist Nietzsches Einstellung zur Sprache ambivalent: Einerseits lügt der Sprachbenutzer zwar mit jedem Wort, das allein schon durch seinen Gebrauch die Existenz eines imaginären Signifikats vorspiegelt; andererseits bedarf es solcher Vorspiegelungen aus praktischen Gründen, und der Mensch ist angewiesen darauf, sich das Chaos der Wirklichkeit so zurechtzulegen, daß er in ihm agieren und es seinen Bedürfnissen gemäß einrichten kann. Alle sprachlichen Abgrenzungen zwischen den Dingen durch differenzierende Benennungen sind ontologisch betrachtet willkürlich, alle damit implizierten Wertungen beliebig. Jenes Gleichsetzen von „Nichtgleichem“ im Prozeß der Begriffsbildung ist einerseits ein Selbstbetrug der Sprecher; das Unbestimmbare, das die Nervenreize auslöst, bleibt unbestimmbar, und an seiner Stelle besitzt das Ich nur ein „bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen“,[66] die ihm von der Sprache als „Wesenheiten“ untergeschoben werden. Andererseits manifestiert sich aber gerade im Sprachbildungsprozeß das Vermögen des Menschen, sich seine Welt zurechtzumachen - sie seinen Vorstellungen anzugleichen. Als ein seinem innersten Wesen nach triebhaftes Wesen, dessen „Erkenntnis“ durch vitale Bedürfnisse motiviert ist und nichts mit „Wahrheit“ zu tun hat, bleibt der Mensch in Selbsttäuschungen befangen. Daß er normalerweise kein Wissen über sich selbst besitzt, korrespondiert seiner Ahnungslosigkeit über die Sprache. Die Mehrzahl der Sprecher vertraut den Wörtern ohne Ahnung von deren unüberwindlicher Metaphorizität. Mit der These, alles Sprechen sei ursprünglich metaphorisch, knüpft Nietzsche an Ideen früherer Sprachtheoretiker an.

Nietzsche charakterisiert die „Anschauungsmetapher“ als „individuell“, einzigartig und relativ lebendig. Seine Kritik gilt demgegenüber vor allem dem nächsten, „nachmetaphorischen“ Schritt in der Sprachentwicklung, der Bildung starrer Begrifflichkeiten, welche über ihre metaphorisch-anschaulichen Ursprünge hinwegtäuschen; Begriffe sind „knöchern“ und „achteckig“ wie Würfel, sind jeweils nur das „Residuum einer Metapher“.

„(...) das Hart- und Starr-Werden einer Metapher verbürgt durchaus nichts für die Notwendigkeit und ausschließliche Berechtigung dieser Metapher.“[67]

Aus Begriffen werden starre Bauten errichtet, ein „mathematisch zerteilter Begriffshimmel“ wird über der Welt aufgespannt, und alles hat hier seinen festgelegten Platz. In der Welt des Metaphorikers dagegen waren die Dinge zunächst noch im Fluß; sie durften sich „ähnlich“ sehen, ohne gleich „identifizierbar“ werden zu müssen. Immerhin wird die produktive Leistung des Sprachbildners, der damit zugleich „Welt“-Bildner ist, betont. Und mehr noch: Die Schöpfung von „Metaphern“ für Bilder und Nervenreize erscheint ihm als ein künstlerischer Prozeß, der Sprachbildner als ein „künstlerisch schaffendes Subjekt[68], das sich dessen allerdings selbst nicht bewußt ist - spätestens dann nicht mehr, wenn es an Begriffe zu glauben beginnt und die Metaphorizität seiner Sprachschöpfungen vergißt. Die Neigung zur „Metaphernbildung“ wird als „Trieb“, also als vitaler und grundlegender Impuls charakterisiert.

„Jener Trieb zur Metaphernbildung, jener Fundamentaltrieb des Menschen, den man keinen Augenblick wegrechnen kann, weil man damit den Menschen selbst wegrechnen würde, ist dadurch, daß aus seinen verflüchtigten Erzeugnissen, den Begriffen, eine reguläre und starre neue Welt als eine Zwingburg für ihn gebaut wird, in Wahrheit nicht bezwungen und kaum gebändigt. Er sucht sich ein neues Bereich [!] seines Wirkens und ein anderes Flußbett und findet es im Mythus und überhaupt in der Kunst. Fortwährend verwirrt er die Rubriken und Zellen der Begriffe dadurch, daß er neue Übertragungen, Metaphern, Metonymie hinstellt, fortwährend zeigt er die Begierde, die vorhandene Welt des wachen Menschen so bunt unregelmäßig, formlos unzusammenhängend, reizvoll und ewig neu zu gestalten, wie es die Welt des Traumes ist.“[69]

Die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt ist für Nietzsche „ein ästhetisches Verhalten“, und er beschreibt die sprachliche Reaktion auf diese Umwelt mit einem Vergleich aus der ästhetisch-literarischen Sphäre als „eine nachstammelnde Übersetzung in eine ganz fremde Sprache“.[70] Gliedert sich der Prozeß der Sprachbildung und Wortverwendung in eine metaphernschöpferische und eine begriffsgläubige Phase, so ist die erste die eigentlich künstlerische, während nach Errichtung des Begriffsgebäudes die lebendige Kreativität geknebelt wird. Gegen die Welt der Begriffe als die „Begräbnisstätte der Anschauungen“ begehren allerdings immer wieder Impulse auf, die sich nicht dem Regiment der Abstraktion unterwerfen wollen; ihre Zeugnisse sind der Mythos und die Kunst. Auch die sprachschöpferischen Impulse sind nie gänzlich zu ersticken. Einen endgültigen Abschluß findet die Produktivität des Sprachbildners also nie, oder anders gesagt: Die Sprache bleibt zumindest als Medium für Mythos und Kunst in Bewegung, sie bleibt „lebendig„ und begehrt dabei gegen eben jene Begriffsbauten auf, welche mit ihren eigenen Mitteln errichtet wurden. Kunst kann sogar die „Begriffsgespinste“ zerreißen, sie erfüllt also eine wichtige kompensatorische Funktion. Ständig neue sprachliche Verknüpfungen - Nietzsche spricht von „Übertragungen, Metaphern, Metonymien“ - sorgen also letztlich dafür, daß die „Welt“ des Menschen keine endgültige Gestalt annimmt. Über der aus Wörtern errichteten „Begräbnisstätte“ der Erlebnisse und Anschauungen wächst manchmal Neues auf. An die Begriffe und ihr starres „Bretterwerk“ klammert sich der bedürftige Mensch, während der freie, der „intuitive“ Mensch mit diesen Brettern spielt, die Begriffsbauten demontiert und spielerisch wieder zusammensetzt. Sprache, für den Schwachen ein ernsthaftes Überlebensinstrument, ist für den Freien und Starken ein Spielmaterial; er wagt „verbotene Metaphern“ und „unerhörte Begriffsfügungen“, er wirkt kulturstiftend und ermöglicht in günstigen Zeiten und unter günstigen Verhältnissen gar eine „Herrschaft der Kunst über das Leben“. In jedem Fall stehen poetischer und metaphorischer Sprachgebrauch einander besonders nahe.

„Die Metapher ist für den echten Dichter nicht eine rhetorische Figur, sondern ein stellvertretendes Bild, das ihm wirklich, an Stelle eines Begriffes, vorschwebt.“[71]

Nietzsches Einstellung zum dichterischen Sprachgebrauch ist vielleicht am ehesten durch die paradoxe Diagnose gekennzeichnet, daß die Dichter zwar lügen, dabei aber lügen müssen: im Dienst des Lebens, auf daß sich dieses nicht in den Fangstricken einzelner Illusionen, einzelner Lügen bis zur Selbstlähmung verfange. Nietzsches Grundhaltung ist insgesamt sprachkritisch, doch die Kehrseite seiner Entlarvung des „lügenhaften“ Wortes ist die Einsicht in dessen lebenserhaltende Funktion und dessen konstruktiven Charakter. Wichtige Fragen und Probleme der Moderne zeichnen sich in Nietzsches Sprachreflexion bereits ab. Erstens wird mit dem Konzept einer „erkennbaren“ und „mitteilbaren“ Wahrheit die „Wirklichkeit“ selbst zu einem problematischen Konstrukt. Zweitens stellt sich mit zuvor unbekannter Dringlichkeit die Frage nach dem „Ich“, das da jeweils spricht. Drittens erweist sich Sprache als unhintergehbar: Es gibt keinen übergeordneten Standort, von dem aus sie kritisiert werden könnte, und alle Reflexion über Sprache ist an sprachliche Formen und Begriffe gebunden. Viertens wird die Gefahr einer durch Verformelung der Sprache bewirkten Erstarrung der sprachlich ausgelegten „Wirklichkeit“ selbst gesehen. Hieraus leitet sich fünftens die Hoffnung ab, solcher Verformelung durch poetisch-spielerischen Sprachgebrauch zu überwinden. Poetische Rede versteht sich als Kontraindikation gegen den Sprachgebrauch des Alltags und der Wissenschaft.

 

Die jüngere Auseinandersetzung um die Metapher

Im Symbolismus und im Surrealismus gewinnt sprachliche Metaphorik eine hohe Signifikanz; die „Symbole“, welche im Zentrum der „symbolistischen“ Poesie und Poetik stehen, können als spezielle „Metaphern“, als „Leit-Metaphern mit archetypischen Ansprüchen und hohen Rekurrenzwerten“ (H. Weinrich, Art. „Metapher“ in: Histor. Wörterbuch d. Philos. Bd. 5, Sp. 1183) betrachtet werden, und AndrÉ Breton charakterisiert den Surrealismus über die Kühnheit seiner Metaphern. Eine wichtige Rolle in der Geschichte moderner Poetik spielt die sogenannte „absolute Metapher“, im englisch-amerikanischen Sprachraum auch „image“ genannt. Darunter verstanden wird eine Metapher, die sich nicht in Vergleiche oder in uneigentliche Ausdrucksweisen auflösen läßt.[72] Nicht unberechtigt allerdings ist hinsichtlich der Rede von absoluten Metaphern, daß es auf der Basis der Interaktionstheorie letztlich nur „absolute“ im Sinne von nicht-auflösbare Metaphern gibt.

Gerhard Kurz bemerkt zum Ausdruck „absolute Metapher“ kritisch: „Es ist irreführend, solche Metaphern [gemeint sind hier Ausdrücke für akustische, visuelle und synästhetische Empfindungen] ,absolute Metaphern‘ zu nennen, denn diese Redeweise setzt voraus, daß es einen auf ,eigentliche‘ Bedeutungen reduzierbaren Metapherntyp gäbe.“[73]

Dem positiv akzentuierten Interesse am Metaphorischen gegenüber steht gerade im 20. Jahrhundert die immer wieder artikulierte Kritik der Metapher durch die Dichter selbst. Filippo Tommaso Marinetti hat in seinem Futuristischen Manifest von 1909 unter anderem der Metapher den Kampf angesagt; der Schlachtruf „Kampf der Metapher“ wird dann vor allem von Carl Sternheim popularisiert. Im Zeichen selbstverordneten Verzichts auf Metaphern und sprachliche „Bildlichkeit“ schlechthin steht etwa auch das Schreiben Alfred DÖblins oder Alain Robbe-Grillets.[74] Franz Kafka notiert einmal, es seien neben vielem anderem die Metaphern, welche ihn am Gebrauch der Sprache verzweifeln ließen, doch diese Klage ist ambivalent, insofern gerade Kafka als Autor mit besonderem Geschick auf jene unauflösliche Vieldeutigkeit des Metaphorischen zu setzen pflegt, das er hier als Hindernis auf dem Weg zu einer nur hypothetisch gedachten unvermittelten Ausdrucksweise betrachtet.[75]

Die literarische Verwendung von Metaphern hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluß darauf, wie und als was die Metapher verstanden wird (also etwa im Sinne der Substitutions- oder der Interaktionstheorie), wie denn umgekehrt ja auch ein Einfluß der Metaphern-Theorie auf den poetischen Sprachgebrauch zu unterstellen ist.

„Die Änderung des alten Erklärungsmodells [gemeint ist die Substitutionstheorie] reagiert natürlich auch auf die Entwicklung der literarischen Praxis. Die literarische Formulierung von Metaphern emanzipierte sich in der Tradition von den aristotelischen Regeln - sofern man unterstellt, daß sie sich je ganz an sie gehalten hat. In der mittelalterlichen Literatur war der Kreis der zulässigen Metaphern noch eher begrenzt. In der Literatur der Moderne kann potentiell jedes Paar benachbarter Wörter als eine Metapher angesehen werden.“[76]

Im Bereich der Erkenntnistheorie tritt die Metaphernkritik im Laufe des 20. Jahrhunderts tendenziell in den Hintergrund, da die von den meisten Kritikern vorausgesetzte Substitutionstheorie zugleich mit dem Etikett-Modell von Sprache unhaltbar geworden ist. Immerhin betrachtet der Sprachpsychologie Friedrich Kainz die Metapher als lügenhaft und charakterisiert sie als „Sprachverführung“.[77] Zuvor bereits hatte der Sprachphilosoph Fritz Mauthner, der in vielem an Nietzsche anschließt, die Metaphorizität der Sprache höchst kritisch gewürdigt.[78]

Nachhaltig wirken sich im 20. Jahrhundert vor allem die Einsichten jener Sprachphilosophen des 18. und 19. Jahrhunderts aus, welche die Metaphorizität aller Sprache behauptet hatten. Henri Bergson hält es für verfehlt, die Sprache der Wissenschaft als un-bildlich zu betrachten; vielfach seien die hinter scheinbar abstrakten Ausdrücken verborgenen bildhaften Konzepte nur in Vergessenheit geraten. Die Bedeutung der Metapher innerhalb des Erkenntnisprozesses wird von verschiedenen Seiten näher beleuchtet. Bergson schreibt der bewußt eingesetzten Metapher die Fähigkeit zu, geistige Inhalte in Gestalt einer „vision directe“ zu vermitteln.[79] JosÉ Ortega Y Gasset will die Trennung zwischen metaphorischem und wissenschaftlichem Ausdruck aufgehoben wissen: „La metáfora es un instrumento mental imprescindible, es una forma del pensamiento científico“.[80] Der die jüngere Philosophiegeschichte prägende „linguistic turn“ bewirkte - so könnte man zusammenfassend diagnostizieren - insgesamt eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Metaphorik und der Metaphorizität der Sprache. In den verschiedenen Metapherntheorien kommen insofern voneinander abweichende Konzeptionen von Sprache und ihren Funktionen für die Sprachbenutzer zum Ausdruck - unterschiedliche Vorstellungen über die Bedeutung der Sprache für den Prozeß der Erfahrung von Wirklichkeit und für die Artikulation dieser Erfahrung.

 

Linguistische Konzepte der Metapher

Anselm Haverkamp hat 1983 anläßlich der Zusammenstellung einer Sammlung von Texten zur Theorie der Metapher ein wachsendes Interesse der neueren Literaturwissenschaft an der Metapher konstatiert.[81] Er erklärt sich dieses Interesse damit, daß sich die Metapher besonders gut anbietet, um Vorstellungen über die „Differenzqualität“ der poetischen Sprache zu entwickeln, also zu beschreiben, was diese von der außerpoetischen Sprache unterscheidet (Haverkamp 1). Mit dieser Konzentration der Aufmerksamkeit auf die Metapher sei eine Bedeutungsmodifikation des Begriffs einhergegangen, welche - kennzeichnend für die jüngere Literaturtheorie - auf der Akzentuierung des poetischen Prozesses gegenüber dessen Resultaten beruhe: Man interessierte sich für den im Begriff des Metaphorischen sich andeutenden Vorgang eines Transfers, und „die Metapher als Terminus des Transports ersetzt das Bild als Metapher der Gestalt.“[82] ()

Exkurs III: Sprachwissenschaftliche Explikationen der Metapher

So „theoriefähig“ die Metapher gerade in der jüngeren poetologischen Diskussion ist (die bei Haverkamp zusammengestellten Texte datieren dabei bis in die 30er Jahre zurück), so wenig gibt es eine homogene Theorie der Metapher. Den maßgeblichen Anstoß für das Interesse der formalistischen Literaturtheorie an der Metapher hatte I. A. Richards mit seiner Philosophy of Rhetoric (New York 1936) gegeben, die mit einem längeren Auszug in Haverkamps Band vertreten ist und in der Richards die Metapher als „allgegenwärtiges Prinzip der Sprache“[83] betrachtet. Richards lenkt das Augenmerk auf die Steuerung unseres Denkens durch Metaphern - durch allgemein akzeptierte ebenso wie durch ungewohnte. Die Grundlage des Gebrauchs von Metaphern sieht Richards in einer prinzipiellen Metaphorizität des Denkens, das stets vergleichend verfahre.[84] Ein zentrales Problem hatte für die Theoretiker der Metapher, welche diese für ein fundamentales sprachliches Prinzip und nicht bloß für einen nachträglichen und verzichtbaren Redeschmuck hielten, stets darin bestanden, einerseits die Metapher aus der Beziehung zwischen zwei Relaten erklären zu müssen (über die Vorstellung einer „Ähnlichkeit“ zwischen zweien oder über den Prozeß eines „Vergleichs“), andererseits diese Beziehung aber doch nicht als bloß äußerliche Addition oder als einen Ersatz des einen durch das andere erklären zu können, ohne dabei die eigentliche Leistung des metaphorischen Prinzips zu verdunkeln und zu verharmlosen. Richards trägt diesem Problem Rechnung, indem er für die beiden Relate die Termini „Tenor“ („tenor“) und „Vehikel“ („vehicle“) einführt und unter „Metapher“ das Zusammenspiel beider versteht; „Tenor“ heißt der eigentliche „Gegenstand“ der Benennung, „Vehikel“ ist der Name für das, was ihn ausdrückt. Richards selbst umschreibt den „Tenor“ als „die zugrundegelegte Vorstellung oder den Hauptgegenstand [principal subject]“, das „Vehikel“ als „Figur“.[85]

Eine andere Terminologie begegnet uns bei Max Black, der in seiner ursprünglich von 1954 stammenden Abhandlung über Die Metapher zwischen „Focus“ („focus“) und „Rahmen“ („frame“) differenziert [86] und die Metapher auf der Ebene ganzer Sätze untersucht. Unter dem „Rahmen“ versteht er die Gesamtvorstellung, wie sie ein metaphorisch verfaßter Satz vermittelt, unter „Focus“ jenes Moment, das den Satz zum metaphorischen macht. In dem Satz „Der Vorsitzende pflügte durch die Diskussion“ ist das Wort „pflügen“ der „Focus“, der Rest - der über das Verhalten eines Vorsitzenden in einer Versammlung spricht - der „Rahmen“. Black kritisiert auf der Basis seines Metaphern-Modells die Substitutionstheorie [„substitution view of metaphor“] als ebenso unzulänglich wie das, was er als „Vergleichstheorie“ [„comparison view of metaphor“] charakterisiert, also die Auffassung, metaphorischer Sprachgebrauch ließe sich als verkürzter Vergleich erklären. In Abhebung davon entwickelt Black die Interaktionstheorie [„interaction view of metaphor“], derzufolge das „fokale“ Wort in einer metaphorischen Aussage „eine neue Bedeutung gewinnt, die weder genau seiner Bedeutung im wörtlichen Gebrauch noch genau der Bedeutung eines wörtlichen Substituts entspricht. Der neue Kontext (in meiner Terminologie der ,Rahmen‘ der Metapher) bewirkt beim fokalen Wort eine Erweiterung des Bedeutungsumfangs [extension of meaning].“[87] Die Implikationen der Interaktionstheorie werden im folgenden genau benannt:

(1) Eine metaphorische Aussage besitzt zwei deutlich unterschiedene Gegenstände - einen 'Hauptgegenstand' und einen ,untergeordneten Gegenstand‘.

(2) Oft sind diese Gegenstände am besten eher als ,Systeme von Dingen‘ denn als ,Dinge‘ zu betrachten.

(3) Die Metapher kommt dadurch zustande, daß auf den Hauptgegenstand ein System von ,assoziierten Implikationen‘ angewandt wird, das für den untergeordneten Gegenstand charakteristisch ist.

(4) Diese Implikationen bestehen gewöhnlich aus ,Gemeinplätzen‘ über den untergeordneten Gegenstand; in geeigneten Fällen können sie jedoch auch aus abweichenden Implikationen bestehen, die vom Autor ad hoc entworfen sind.

(5) Die Metapher selegiert, betont, unterdrückt und organisiert charakteristische Züge des Hauptgegenstands, indem sie Aussagen über ihn einbezieht, die normalerweise zum untergeordneten Gegenstand gehören.

(6) Dies bringt Bedeutungsverschiebungen bei Wörtern mit sich, die zur selben Familie oder zum selben System wie der metaphorische Ausdruck gehören; und manche, wenn auch nicht alle dieser Verschiebungen können metaphorische Transfers sein. (...)

(7) Im allgemeinen gibt es keine einfache ,Ursache‘ [,ground‘] für die notwendigen Bedeutungsverschiebungen - keinen pauschalen Grund [reason] für das Funktionieren einiger Metaphern und das Versagen anderer.“[88]

Blacks Konzept einer Interaktionstheorie hat den Vorzug, die Erklärung und Deutung von Metaphern von jenem ontologischen Ballast zu befreien, den die Rede von „ähnlichen Dingen“ mit sich führt; sie verdeutlicht die Spannungsbeziehung zwischen metaphorischem Sprachgebrauch und konventionellem Vorstellungshorizont, wobei letzterer zwar die Voraussetzung dafür schafft, daß eine Wendung als metaphorisch verstanden wird, selbst aber keine endgültige und invariante Bezugsgröße ist. Die Metapher erscheint bei Black als ein sprachliches Phänomen, das in einem Kontext und auf seinen Kontext wirkt, nicht als ein relativ isoliertes Element. Deutlich wird vor allem, daß metaphorischer Sprachgebrauch nicht auf einer ihm vorgängigen Wahrnehmung und Deutung des Gemeinten beruht, sondern diese Wahrnehmung und Deutung mitkonstituiert. Die Differenzierung zwischen „funktionierenden„ und „versagenden„ Metaphern allerdings erscheint nicht unproblematisch, da sie die Existenz eines entsprechenden Beurteilungskriteriums unterstellt. An Richards und Black haben spätere Theoretiker der Metapher angeschlossen, wie andere Beiträge in Haverkamps Band zeigen, so etwa die Abhandlungen von Paul Henle (Die Metapher) und von Jacques Lacan(Theorie der Metapher[89]). Zu einer Erweiterung des Themen- und Problemfeldes durch Begriffserweiterung kommt es bei Virgil C. Aldrich, dessen Thema die „Visuelle Metapher“[90] ist und der das metaphorische Prinzip also über den Bereich des sprachlichen hinaus wirken sieht. Metaphern kommen, so Aldrich nicht allein in den bildenden Künsten vor, sondern „auch in der Wahrnehmung fast jeden Gegenstandes“[91]; gemeint ist das Sehen von „etwas“ als „eines“ und zugleich als „anderes“, wie es anläßlich des klassischen, u.a. von Wittgenstein angeführten Beispiels einer Zeichnung geschieht, die sowohl als Darstellung eines Hasenkopfes als auch als die eines Entenkopfes gesehen werden kann. Bildende Kunst setzt auf solche Effekte, wie Aldrich unter Berufung auf Picasso ausführt, der Skulpturen aus Materialien formte, die schon vor ihrer Verwendung „etwas“ waren, so daß sie schließlich als dieses ebenso wie als das neue „etwas“ zu sehen waren, als Weidenkorb wie als Brustkorb einer Ziege. Picasso hatte seine Skulpturen als „plastische Metaphern“ bezeichnet.[92] Aldrich beschreibt den auch in der alltägliche Erfahrung nicht ungewöhnlichen Vorgang, bei dem „etwas“ als „irgend etwas anderes“ gesehen wird, als „Fusion“, welche durch einen bloßen Vergleich nicht wiederzugeben sei, sondern die Metapher erfordere, um ausdrückbar zu werden. Der Befund, daß diese Metapher, welche das als etwas anderes gesehene „etwas“ zum Ausdruck bringt, nicht notwendig sprachlich sein muß, sondern auch bildhaft oder plastisch sein kann, konfrontiert uns mit einem stark erweiterten, mithin neuen Metaphernbegriff, der aber für die Interpretation vieler bildkünstlerischer Werke ebenso erhellend sein dürfte wie für die Erörterung von Analogien zwischen Texten, Bildern und Plastiken. Einen schon klassischen Beitrag zur Metapherntheorie stellt die strukturalistische Konzeption Roman Jakobsons dar. Dieser expliziert in seiner Abhandlung über den Doppelcharakter der Sprache und die Polarität zwischen Metaphorik und Metonymik[93] die Metapher als Produkt eines speziellen Verfahrens mit sprachlichen Zeichen. (Jakobson hatte schon 1956 eine Abhandlung über Zwei Seiten der Sprache und zwei Typen aphasischer Störungen publiziert, in der er die Differenz zwischen Metaphorik und Metonymik besonders akzentuierte. In der rhetorischen Tradition wird unter „Metonymie“ Artikel „Metonymie„ von Wagner-Egelhaaf zur Zeit noch nicht vorhanden eine Stilfigur verstanden, bei der ein Ausdruck für einen anderen steht, wobei Ersetztes und Ersetzendes in einer Kontiguittsbeziehung stehen. Eine Metonymie liegt etwa vor, wenn als stellvertretender Ausdruck für eine Tätigkeit der Name des Werkzeugs verwendet wird, mit dem man sie ausübt, also etwa in der Parole „Schwerter zu Pflugscharen“, mit der eine Ablösung kriegerischer Tätigkeit durch friedlich-produktive Arbeit gefordert wird.) Jedes sprachliche Zeichen gehöre, so Jakobson 1960, „zwei verschiedenen Systemanordnungen“ an: es trete erstens immer in Kombination mit anderen, also in einem Kontext, auf, der für seine Bedeutung konstitutiv sei; zweitens sei es zu beziehen auf all jene anderen Zeichen, die an seiner Stelle stehen könnten, aus deren Gesamtheit es ausgewählt wurde; es erhalte seinen Platz in seinem Kontext also auf der Basis einer Selektion. Aus letzterem Blickwinkel betrachtet, kann es durch andere Zeichen substituiert werden, die dann seinen Platz im Kontext einnähmen; die Zeichen, die prinzipiell gegeneinander austauschbar sind, stehen in einem Substitutionsverhältnis. Zur Charakteristik der ersteren Systemanordnung verwendet Jakobson den Begriff der Kontiguität: „Die Bestandteile eines Kontextes stehen miteiander im Kontiguitätsverhältnis [das heißt also in linearem Zusammenhang], während bei dem Substitutionsverhältnis die Zeichen durch verschiedene Grade der Gleichartigkeit (...) miteinander in Beziehung stehen.“[94] Die Prinzipien der Similarität und der Kontiguität regeln die Verwendung von Zeichen im Kontext. Auf der Basis dieser Differenzierung unterscheidet Jakobson dann zwischen Metaphorik und Metonymik; metaphorischer Sprachgebrauch beruht auf einer „Similaritätsoperation“, metonymischer auf einer „Kontiguitätsoperation“ (S. 168); in beiden Fällen kommt es, Jakobsons Formulierung zufolge, zur 'Überführung' eines „Gegenstandes“ „in einen anderen“ (S. 166). (Mit dem Ausdruck „Kontiguitätsbeziehung“ ist nichts anderes gemeint, als daß die beiden im metonymischen Sprachgebrauch miteinander in Verbindung gebrachten Relate schon in einer sachlichen Beziehung stehen. Beim metaphorischen Sprachgebrauch verhält sich dies Jakobson zufolge anders: Hier besteht eine „Similaritätsbeziehung“ zwischen Ersetztem und Ersetzendem. Daß diese Rückführung sprachlicher Metaphorik auf „Ähnlichkeiten“ nicht unproblematisch ist, sei an dieser Stelle betont. Während Jakobsondavon ausgeht, daß metaphorische Rede auf Ähnlichkeiten beruht, könnte man umgekehrt die provokante These aufstellen, daß jene die sogenannten „Ähnlichkeiten“ überhaupt erst erzeuge - in dem Sinne nämlich, daß sie zunächst scheinbar Unverbundenes, ja Unvergleichbares vergleichbar, unter irgendeinem Aspekt „ähnlich“ erscheinen läßt.) Jakobsons Versuch einer strukturalistisch-linguistischen Explikation der Metapher ist vor allem zu den Blütezeiten der Linguistik als Disziplin folgenreich gewesen; die Probleme, welche sich aus der Rede von „Gegenständen“ ergeben, räumt er nicht aus, sondern verschärft sie eher noch. Sprache erscheint tendenziell als ein Baukastensystem von elementaren Zeichen, dem ein Baukastensystem elementarer Wahrnehmunsgegenstände korrespondiert, welche durch Sprach-Klötzchen etikettiert und abgebildet werden. (Daß der Ansatz Jakobsons sich nicht eignet, radikal innovatorische Metaphorik oder auch solche Metaphern zu beschreiben, bei denen ein Relat nicht bestimmbar ist, sei ebenfalls erwähnt.)

Mit anderer Akzentuierung als Jakobson erörert GÉrard Genette die Metapher aus ihrem Kontrastverhältnis zur Metonymie. Auch Nicolas Ruwet schließt mit seiner Differenzierung zwischen Synekdochen und Metonymien[95] hier an. Harald Weinrich hat in einer Abhandlung über die Semantik der kühnen Metapher den Begriff der „Bildspanne“ dazu eingesetzt, die unterschiedlichen Funktionsweisen von Metaphern zu erhellen. Er nennt die beiden für die Metapher konstitutiven Relate „Bildspender“ und „Bildempfänger“. Kritisch überdenkt Weinrich die ontologischen Restimplikationen, welche in der Differenzierung zwischen unterschiedlichen Metapherntypen anhand unterschiedlicher Formen von „Übertragung“ lagen und liegen, und er weist darauf hin, daß sich die „kühne“ Metapher nicht über den „Abstand“ der Metaphernglieder erklären läßt. Metaphern bilden keine vorgegebenen „Ähnlichkeiten“ ab, sondern sie setzen Verschiedenes allererst in Beziehung zueinander.

„Die alte Metaphorik war davon überzeugt, daß die Metaphern der Sprache Analogien, Korrespondenzen und Ähnlichkeiten abbilden, die in der Seinsordnung oder in unserem Denken vorgegeben sind. Das tertium comparationis ist gegeben, und die Sprache gibt mit der Metapher nur den mehr oder weniegr schönen Wortleib hinzu. Hier sind erhebliche Zweifel anzumelden, und wir können gerade von der BIldspanne her die Frage des tertium comparationis neu aufgreifen. (...) Bei Metaphern weiter Bildspanne (...), also bei den Metaphern, die in der Sprache die geläufigsten sind, müssen wir mühsam nach dem tertium suchen und haben uns gewöhnlich damit zu begnügen, die eine Metapher mit einer zweiten zu erläutern, von der wir auch kein tertium wissen. Zwischen Wahrheit und Licht gibt es kein tertium, das nicht selber metaphorisch wäre. Seltsames tertium, das wir am schwierigsten finden, wo wir am geläufigsten metaphorisieren! Wenn das aber so ist, dann drängt sich uns die Gewißheit auf, daß unsere Metaphern gar nicht, wie die alte Metaphorik wahrhaben wollte, reale oder vorgedachte Gemeinsamkeiten abbilden, sondern daß sie ihre Analogien erst stiften, ihre Korrespondenzen erst schaffen und somit demiurgische Werkzeuge sind.“[96]

Ist Weinrich hier der fundamentalen Bedeutung des metaphorischen Prinzips für die sprachliche Auslegung von Welt auf der Spur, so ergänzen sich seine Überlegungen mit denen Paul Ricoeurs, der in seiner Abhandlung über Die Metapher und das Hauptproblem der Hermeneutik[97] den „Diskurs“ als gemeinsame Grundlage für eine Theorie der Metapher und eine Theorie des Textes erörtert.

 

Metapher und „Metaphorologie“

Das Projekt einer „Metaphorologie“ ist vor allem mit dem Namen des Philosophen Hans Blumenberg verknüpft; ihr Gegenstand sind in erster Linie jene Metaphern, die als Denkmodelle prägende Rollen in der Geschichte menschlicher Erkenntnis gespielt haben. Blumenberg betrachtet die Metaphorologie als Bestandteil der Begriffsgeschichte, da jene Metaphern ebenso „eigentlich“ seien wie die Begriffe; im Hinblick darauf spricht er auch von „absoluten Metaphern“. Die Geschichte der Metaphysik ist für Blumenberg in wesentlichen Zügen die Geschichte „beim Wort genommene(r) Metaphern“; mit dem zu erwartenden Ende der Metaphysik gewinnt daher die Metaphorologie an Bedeutung. Daß die Metaphorologie neben der Philosophie auch die Literaturwissenschaft und ihre Themen und Gegenstände aufs engste angeht, sei hier nur angedeutet.

Exkurs IV: Blumenbergs Grundlegung der Metaphorologie

Blumenberg erinnert an Vicos Konzept einer „Logik der Phantasie“ - diese wäre zuständig für die „übertragene“ Rede, für die Metaphorik. Er verdeutlicht zudem, daß dieses Projekt einer „Logik der Phantasie“ dem Cartesianischen Erkenntniskonzept diametral entgegengesetzt ist, was sich unter anderem in der divergenten Betrachtung sprachlicher Phänomene wie der Metapher niederschlägt. Eine im Sinne des Cartesianismus völlig transparente un-metaphorische Sprache auf der Basis eindeutiger Begrifflichkeit besäße keine geschichtliche Dimension mehr: Alles wäre end-gültig geklärt, die Zuordnungsverhältnisse zwischen Wirklichkeit und Sprache wären eindeutig und definitiv festgelegt. Der Glaube an die prinzipielle Möglichkeit einer erschöpfenden Darstellung der Wirklichkeit in Begriffen, das Vertrauen in die Begriffssprache, bildete die Grundlage dafür, daß die Metapher in der Antike und danach mit Vorbehalten, ja mit Mißtrauen betrachtet wurde: als etwas Vorläufiges, das noch nicht die Dignität des Begriffs besitzt, als behelfsweise-uneigentlicher Ausdruck, der dort aushelfen muß, wo man den eigentlichen, den treffenden Ausdruck noch nicht gefunden hat oder wo man einem Begriffsstutzigen gegenüber mit Hilfskonstruktionen operieren muß. Wo alles endgültig und verbindlich definiert wäre, wo man über die im Cartesianischen Sinn vollendete philosophische Terminologie verfügte, „die die Präsenz und Präzision der Gegebenheit in definierten Begriffen auffängt“[98], da würde die Geschichte - auch die Geschichte der Philosophie und ihrer Begrifflichkeiten - irrelevant. Die antike und nachantike Philosophie hatte die Metapher in den Zuständigkeitsbereich der Rhetorik verbannt, weil man in ihr nur das Un-Eigentliche, Vorläufige, den bloßen „Schmuck“ sah. Dahinter stand die Hoffnung, zumindest prinzipiell die metaphorischen durch die „treffenden“, die „adäquaten“ sprachlichen Ausdrücke ersetzen und letztendlich alle Gegenstände und Inhalte im Medium begrifflich-abstrakter Rede darstellen zu können.

„(...) für die Antike war der Logos prinzipiell dem Ganzen des Seienden gewachsen, Kosmos und Logos waren Korrelate. Die Metapher vermag hier nicht die Kapazität der Aussagemittel zu bereichern; sie ist nur Mittel der Wirkung der Aussage, ihres Angreifens und Ankommens bei ihren politischen und forensischen Adressaten. Die vollkommene Kongruenz von Logos und Kosmos schließt aus, daß die übertragene Rede etwas leisten könnte, was das kyrion ónoma nicht äquivalent zuwege brächte. Der Redner, der Dichter können im Grunde nichts sagen, was nicht auch in theoretisch-begrifflicher Weise dargestellt werden könnte.“[99]

Platonismus und Christentum haben laut Blumenberg die Gegenstände der „Rhetorik“ definitiv unter die bloßen „Hilfsmittel„ verbannt: Hilfsmittel bei der Mitteilung der Wahrheit zwar, aber keineswegs angemessene oder gar unverzichtbare Ausdrucksformen der Wahrheit selbst.

„Dadurch blieb es ganz unfraglich, ob das rhetorische Kunstmittel der ,translatio‘ auch noch mehr leisten könnte, als ,Gefallen‘ an der mitzuteilenden Wahrheit zu erwecken.“[100]

Ein analoges Schicksal wie die Metapher hatte schon in antiker Zeit der Mythos, welcher von den Sophisten wie von der Stoa als „Vorform“ des Logos denunziert worden war - in Blumenbergs Sicht ein „vorweggenommener Cartesianismus“, welcher an geschichtliche Befunde eine „unangemessene Norm“ herangetragen habe.[101] Der Mythos habe dabei wenigstens eine Verbürgung durch seine Herkunft aus göttlicher Belehrung oder Inspiration auf seiner Seite gehabt, während der Metapher stets das Odium des Nur-Fiktiven angehaftet habe.[102]
Allerdings haben, so Blumenberg weiter, unabhängig von der theoretischen Mißachtung der Metaphern diese immer schon - auch in Antike und Mittelalter - ein „Mehr an Aussageleistung“ gegenüber dem Begriff erbracht, was darzulegen unter anderem Aufgabe der „Metaphorologie“ wäre. Mit der philosophischen Reflexion über solche Metaphern allerdings gehe immer schon deren tendenzielle Entwertung einher, denn die Bedeutung der Metapher in der Geschichte des Denkens resultiere ja vor allem daraus, daß sie angesichts einer „logischen ,Verlegenheit‘“, einer Unzulänglichkeit des begrifflich-abstrakten Instrumentariums einspringe - so daß sich nicht ohne Verlust durch philosophische Reflexion bestimmen läßt, „wofür“ die Metapher da einspringt. Blumenbergs Leitfrage ist die nach den Bedingungen einer Legitimität von Metaphern im philosophischen Diskurs, und er unterscheidet grob zwei Möglichkeiten: Erstens können Metaphern tatsächlich vorläufig für noch zu findende abstrakte Begriffe und Konzepte stehen, als Platzhalter des „eigentlichen“ Ausdrucks. Zweitens aber kann sich in ihnen auch etwas ausdrücken, das sich anders - also mit dem Instrumentarium begrifflich-abstrakter Sprache - nicht vermitteln läßt; für diesen Fall reserviert Blumenberg den Terminus „absolute Metapher“. Gelänge der Metaphorologie - welche in beiden Fällen zuständig ist - der Nachweis der Existenz absoluter Metaphern in der Philosophie, so trüge dies auch zur Aufwertung der „vorläufigen“ Metaphern bei.

„Zunächst können Metaphern Restbestände sein, Rudimente auf dem Wege ,vom Mythos zum Logos‘; als solche indizieren sie die cartesische Vorläufigkeit der jeweiligen geschichtlichen Situation der Philosophie, die sich an der regulativen Idealität des puren Logos zu messen hat. Metaphorologie wäre hier kritische Reflexion, die das Uneigentliche des übertragenen Aussage aufzudecken und zum Anstoß zu machen hat. Dann aber können Metaphern, zunächst rein hypothetisch, auch Grundbestände der philosophischen Sprache sein, ,Übertragungen‘, die sich nicht ins Eigentliche, in die Logizität zurückholen lassen. Wenn sich zeigen läßt, daß es solche Übertragungen gibt, die man absolute Metaphern nennen müßte, dann wäre die Feststellung und Analyse ihrer begrifflich nicht ablösbaren Aussagefunktion ein essentielles Stück der Begriffsgeschichte (in dem so erweiterten Sinne). Aber mehr noch: der Nachweis absoluter Metaphern würde auch jene zuerst genannten rudimentären Metaphern in einem anderen Licht erscheinen lassen (...).“[103]

Erweist sich, daß Metaphern prinzipiell nicht nur Ornamente, Vorstufen des adäquaten Ausdrucks, Notbehelfe von Beschränkten oder für Beschränkte, unzulängliche Surrogate für noch nicht gefundene Begriffe sein müssen, also nicht nur ein „Un-Eigentliches“, das einem „Eigentlichen“ den Platz wegnimmt oder freihält, dann wird letztlich die Differenzierung zwischen „Eigentlichem“ und „Uneigentlichem“ als solche hinfällig. Eine weitere wichtige Konsequenz besteht darin, daß das begriffliche Denken schlechthin sich seiner latenten Inkompetenz bewußt werden und die „Phantasie“ (oder wie immer auch man das metaphernschöpferische Vermögen nennen will) als gleichrangige Komplementärinstanz anerkennen muß.

„Der Aufweis absoluter Metaphern müßte uns wohl überhaupt veranlassen, das Verhältnis von Phantasie und Logos neu zu durchdenken, und zwar in dem Sinne, den Bereich der Phantasie nicht nur als Substrat für Transformationen ins Begriffliche zu nehmen - wobei sozusagen Element für Element aufgearbeitet und umgewandelt werden könnte bis zum Aufbrauch des Bildervorrats -, sondern als eine katalysatorische Sphäre, an der sich zwar ständig die Begriffswelt bereichert, aber ohne diesen fundierenden Bestand dabei umzuwandeln und aufzuzehren.“[104]

„Absolute Metaphern“ im Sinne Blumenbergs sind „resistent“ gegenüber allen Versuchen, sie in eine begriffliche Terminologie aufzulösen. Wechselseitig können sie einander allerdings ersetzen, ergänzen oder korrigieren; absolute Metaphern neigen vielleicht sogar dazu, miteinander zu reagieren. Dies begründet ihre Wandelbarkeit, ihre Geschichtlichkeit. In der Geschichte des Gebrauchs solcher Metaphern spiegelt sich die Geschichte des Denkens selbst, ja sie manifestiert sich darin - und insofern sind von hier aus die Voraussetzungen jedes Begriffsgebrauchs allererst in den Blick zu nehmen. „Hinter“ jeder Begriffsgeschichte steht die das Denken grundierende Geschichte der Metaphern.

„(...) absolute Metaphern (...) haben Geschichte in einem radikaleren Sinn als Begriffe, denn der historische Wandel einer Metapher bringt die Metakinetik geschichtlicher Sinnhorizonte und Sichtweisen selbst zum Vorschein, innerhalb deren Begriffe ihre Modifikationen erfahren. (...) Metaphorologie sucht an die Substruktur des Denkens heranzukommen, an den Untergrund, die Nährlösung der systematischen Kristallisationen, aber sie will auch faßbar machen, mit welchem ,Mut‘ sich der Geist in seinen Bildern selbst voraus ist und wie sich im Mut zur Vermutung seine Geschichte entwirft.“[105]

Absolute Metaphern markieren nicht nur die Grenzen der Begriffe und des begrifflichen Denkens, sondern zugleich die der gesicherten Erkenntnis; sie verweisen auf unbeantwortbare Fragen, auf unauflösliche Rätsel, auf aporetische Situationen.

„Absolute Metaphern ,beantworten‘ jene vermeintlich naiven, prinzipiell unbeantwortbaren Fragen, deren Relevanz ganz einfach darin liegt, daß sie nicht eliminierbar sind, weil wir sie nicht stellen, sondern als im Daseinsgrund gestellte vorfinden.“[106]

Metaphorologie lehrt nicht, wie man Metaphern „gebraucht„, weil dies voraussetzen würde, daß man einen Standpunkt „oberhalb“ der Metaphern einnehmen könnte, von dem aus sich der Umgang mit ihnen dirigieren ließe. Stattdessen impliziert das Konzept einer Metaphorologie im Sinne Blumenbergs die Unauflöslichkeit - die „Unhintergehbarkeit“ - der „absolut“ genannten Metaphern. Blumenberg analysiert in seiner Programmschrift zur „Metaphorologie“ vor allem Metaphern, welche sich auf die „Wahrheit“ und deren „Erkenntnis“ beziehen - solche Metaphern also, in denen sich das jeweilige historische Selbstverständnis des Denkens und Sprechens mit besonderem Nachdruck artikuliert. Um die „Macht“ der Wahrheit geht es dabei etwa, um die Erkenntnis-„Arbeit“, um den „Besitz“ von Wahrheit, um „nackte“ Wahrheit, um Wahr-„schein“lichkeit, aber auch um die Konkurrenz organologischer und mechanistischer Modelle.
Von philosophischer Seite thematisiert findet Blumenberg das, was er „absolute Metapher“ nennen möchte, bereits im 59. Paragraphen von Immanuel Kants Kritik der Urteilskraft; Kant spricht hier - im Kontext seiner Erörterungen zum Thema „Symbol“ (ein Terminus, auf den Blumenberg wegen dessen Überlastung inzwischen verzichten möchte) - von Fällen der „Übertragung der Reflexion über einen Gegenstand der Anschauung auf einen ganz andern Begriff, dem vielleicht nie eine Anschauung direkt korrespondieren kann“ (§ 59). Ein berühmtes Beispiel für das, was er ein „Symbol“ nennt, liefert Kant in diesem Zusammenhang: die Analogisierung eines despotischen Staates mit einer Handmühle.)
Die Erörterung von Wesen und Funktion der Metaphern und der Metaphorik, insofern letztere als mehr gilt denn als eine Spezialdisziplin der Rhetorik, steht im größeren Kontext sprachkritischer Reflexion; es geht, wie etwa auch Blumenberg bemerkt, dem Metaphorologen um eine „entschlossene Kritik der Sprache in ihrer ,Leitfunktion‘ für unser Denken, wobei ein Ausdruck wie ,wahr‘ im Nu ganz überflüssig wird (...).“[107].
Im Anschluß an seine grundlegenden Reflexionen über das, was eine philosophische Metaphorologie zu leisten hätte, begibt sich Blumenberg selbst auf die Spur einiger in der Geschichte des abendländischen Denkens wichtigen und prägenden Metaphern. Sein Interesse gilt vor allem jenen Metaphern, in denen Vorstellungen über die Wahrheit und ihre Erkenntnis zum Ausdruck kommen, also um metaphorische Konzeptionen eines der Fundamentalthemen philosophischen Denkens. Wenn sich dabei erweist, daß gerade die Vorstellungen über Wahrheit und Erkenntnis nicht von ihrer jeweiligen historisch-metaphorischen Gestalt ablösbar und in reine Begrifflichkeit zu überführen sind, so beweist dies die fundamentale Bedeutung metaphorologischer Forschungen für die Erhellung der Grundlagen und Modalitäten des Denkens selbst. Nicht nur die Metaphorik der „mächtigen„ Wahrheit und der „nackten“ Wahrheit gehören zu den von Blumenberg erforschten Leitvorstellungen, sondern auch die Konzepte der „terra incognita“ und des „unvollendeten Universums“, Maschinen-, Uhr-, und Buchmetaphern. Letztere werden später den Gegenstand von Blumenbergs Werk über Die Lesbarkeit der Welt[108] bilden.

In seiner Schiffbruch mit Zuschauer betitelten Abhandlung[109] knüpft Blumenberg an sein Konzept der Metaphorologie an. Er gibt einen neuerlichen „Ausblick auf eine Theorie der Unbegrifflichkeit (S. 77ff.), und setzt dieses „Unbegriffliche“ in Beziehung zu einem gewandelten Verständnis von der Bedeutung und Funktion der Metapher. Diese hat den Ruf des Vorläufigen und Behelfsmäßigen verloren und ist gleichsam in den Kernbereich philosophischer Interessen vorgerückt: nicht nur als Gegenstand der Spekulation, sondern auch als die Gestalt, welche vielen anderen Gegenständen philosophischer Spekulation unwiderruflich eigen ist. „Nicht mehr vorzugsweise als Leitsphäre abtastender theoretischer Konzeptionen, als Vorfeld der Begriffsbildung, als Behelf in der noch nicht konsolidierten Situation von Fachsprachen wird die Metaphorik gesehen, sondern als eine authentische Leistungsart der Erfassung von Zusammenhängen, die nicht auf den engen Kern der ,absoluten Metapher‘ einzugrenzen ist. Auch diese war ja zunächst nur definiert durch ihre Indisposition zum ,Ersatz durch Sachprädikate‘ auf derselben Sprachebene. Man könnte sagen, die Blickrichtung habe sich umgekehrt: sie ist nicht mehr vor allem auf die Konstitution von Begrifflichkeit bezogen, sondern auch auf die rückwärtigen Verbindungen zur Lebenswelt als dem ständigen - obwohl nicht ständig präsent zu haltenden - Motivierungsrückhalt aller Theorie. Wenn wir schon einsehen müssen, daß wir nicht die Wahrheit von der Wissenschaft erwarten dürfen, so wollen wir doch wenigstens wissen, weshalb wir wissen wollten, was zu wissen nun mit Enttäuschung verbunden ist. Metaphern sind in diesem Sinne Leitfossilien einer archaischen Schichte des Prozesses der theoretischen Neugierde, die nicht deshalb anachronistisch sein muß, weil es zu der Fülle ihrer Stimulationen und Wahrheitserwartungen keinen Rückweg gibt. / Das Rätsel der Metapher kann nicht allein aus der Verlegenheit um den Begriff verstanden werden. Rätselhaft nämlich ist, weshalb Metaphern überhaupt ,ertragen‘ werden. Daß sie in der Rhetorik als ,Schmuck der Rede‘ auftreten, mag an ihrer Gewähltheit begreiflich werden; daß sie aber auch in gegenständlichen Kontexten hingenommen werden, ist nicht selbstverständlich. Denn in jedem solchen Kontext ist die Metapher zunächst eine Störung.“[110]

Jene Metaphern, um die es in Blumenbergs Konzept der Metaphorologie geht, lassen sich nicht verifizieren; Metaphorologie ist nicht die Lehre vom angemessenen Gebrauch von Metaphern oder vom angemessenen Umgang mit den Fragen, welche sich in metaphorischer Gestalt artikulieren. Vielmehr setzt sie voraus, daß sich jene Fragen der Beantwortung entziehen.[111] Gleichwohl ist die Frage nach dem „Wahrheitsgehalt“ absoluter, also begrifflich nicht aufzulösender Metaphern, nicht irrelevant, doch Blumenberg charakterisiert die Wahrheit von Metaphern als „in einem sehr weiten Sinn (,) pragmatisch“. Absolute Metaphern beschrieben nicht etwas, das unabhängig von ihnen ist, und hinsichtlich dessen man nach ihrer „Angemessenheit“ fragen könnte, sondern man tut etwas mit ihnen. Bildlich gesagt: Absolute Metaphern erwachsen nicht auf einem „Grund“ der (theoretischen) Einsichten, sondern sie schaffen selbst allererst einen solchen Grund.

„Ihr Gehalt bestimmt als Anhalt von Orientierungen ein Verhalten, sie geben einer Welt Struktur, repräsentieren das nie erfahrbare, nie übersehbare Ganze der Realität. Dem historisch verstehenden Blick indizieren sie also die fundamentalen, tragenden Gewißheiten, Vermutungen, Wertungen, aus denen sich die Haltungen, Erwartungen, Tätigkeiten und Untätigkeiten, Sehnsüchte und Enttäuschungen, Interessen und Gleichgültigkeiten einer Epoche regulierten.“[112]

Blumenberg geht es insgesamt aber keineswegs darum, die Metaphorologie dem begrifflichen Denken überzuordnen; vielmehr versteht er erstere als „Teilaufgabe der Begriffshistorie“ und als „Hilfsdisziplin der aus ihrer Geschichte sich selbst verstehenden und ihre Gegenwärtigkeit erfüllenden Philosophie“ ().[113] Die historische Situation, aus welcher heraus metaphorologische Forschungen und Reflexionen notwendiger denn je erscheinen, wird von Blumenberg insgesamt als die des Scheiterns neuzeitlicher Idealvorstellungen von begrifflich-transparenter Erkenntnis umrissen; wo die Theorien und die von ihnen verheißenen Antworten nicht halten, was sie einst zu versprechen schienen, treten die Metaphern und die in ihnen aufgehobenen Fragen wieder verstärkt in ihre Rechte ein.

„Die absolute Metapher (...) springt in eine Leere ein, entwirft sich auf der tabula rasa des theoretisch Unerfüllbaren (...). Metaphysik erwies sich uns oft als beim Wort genommene Metaphorik; der Schwund der Metaphysik ruft die Metaphorik wieder an ihren Platz.“[114]

 

Metaphern und die Frage nach der Erkennbarkeit des Wirklichen

Die Frage nach der „Macht der Metapher“ darf als eine der Schlüsselfragen zeitgenössischen Denkens gelten.[115] Hinter der Frage nach Funktion und Wirkungsmacht der Metapher steht letztlich nicht weniger als die Frage nach der Erkennbarkeit von Wirklichem - und diese ist im Lauf der Geschichte auf zwei radikal verschiedene Weisen beantwortet worden. Einer ersten Konzeption zufolge geht es im Erkenntnisprozeß um die Feststellung der Wahrheit als eines vorgegebenen Telos. Mit diesem Erkenntnisbegriff verknüpft ist meist ein prinzipielles Vertrauen in die Zeichen. Weil Zeichen allerdings der Offenbarung des Wahren in unterschiedlichem Grade dienen, ist nicht nur zwischen wahrer und falscher Rede zu differenzieren, sondern auch zwischen „eigentlichem“ und „uneigentlichem“ Ausdruck. Als Inbegriff des letzteren gilt, wie oben ausgeführt, seit der Antike die Metapher. Dem Dichter mag es anstehen, sich der Metaphern zu bedienen - allerdings ist seine Rede darum auch nie ganz frei von Vorspiegelung, ja Täuschung. Der Philosoph und der Wissenschaftler dagegen sollten sich lieber - einschlägige Überlegungen wurden oben genannt - des direkten, unmetaphorischen Ausdrucks bedienen und alle gängigen Metaphern in präzise Ausdrücke übersetzen. Zwischen ästhetischem Schein und wahrem Sein verläuft diesem Denkansatz zufolge ebenso eine Demarkationslinie wie zwischen metaphorischem Vergleich und begrifflicher Identifikation von „Objekten“. Einem diametral entgegengesetzten Konzept von „Erkenntnis“ zufolge gibt es jedoch „die Wahrheit“ als letztes Telos aller Repräsentation gar nicht; sie erscheint allenfalls als Arbeitshypothese. Gegenstand oder Zielpunkt aller Verweisung ist stets wieder ein Zeichen oder ein Zeichengeflecht. Hinfällig wird die Differenzierung zwischen „wahrem“ und „falschem“ Ausdruck, zwischen „eigentlicher“ und „uneigentlicher“ Rede. Insofern erscheint rhetorisches - um nicht zu sagen: literarisches - Sprechen unvermeidlich. Erkenntnis reduziert sich auf ein prinzipiell unabschließbares Spiel der Repräsentationen. Die „Wirklichkeit“ selbst aber, als Derivat ihrer Bezeichnungen, ist metaphorisch verfaßt. Und so gibt es nur eine Möglichkeit, sich der „Macht der Metapher“ zu entziehen: das reflektierte Bekenntnis zum Metaphorischen, die Vervielfältigung der Interpretationen und Perspektiven, das Spiel der Interpretationen. An die Stelle des Ideals „wahrhaftiger“, klarer und distinkter Repräsentation tritt das Programm einer Pluralisierung der Repräsentationsformen. Mit ihm gewinnt die künstlerisch-literarische, die ostentativ „metaphorische“ Darstellung an Signifikanz; „Wirklichkeit“ wird zu einem ästhetischen Projekt. Moderne Kunst und Literatur stehen im Zeichen eines absichtsvoll komplexen Spiels der Repräsentationen - der Bilder, Masken und Metaphern.
Vor diesem Hintergrund zu sehen sind zeitgenössische Ansätze zur Rehabilitation der Rhetorik auf der Basis des oben skizzierten zweiten Konzepts von Erkenntnis. Spürbare „Bedeutungsgewinne“ der Rhetorik in der Gegenwart indizieren ein intensiviertes Bewußtsein von deren Unhintergehbarkeit, von der Kontextgebundenheit und Metaphorizität aller, auch der scheinbar „rein“ logischen Rede. Problematisch, wenn nicht gar illusionär erscheint die Abgrenzung zwischen „Wahrem“ und jenem „bloß Wahrscheinlichen“, das als Domäne der Rhetorik gilt. Kunst wird in dem Maße zum möglichen Organon von Erkenntnis, als der sprach-„künstlerische“ Konstruktcharakter des zu Erkennenden sich enthüllt. Maßgeblich für den Sieg der Rhetorik über die „puristische“ philosophische Vernunft ist ein vertieftes Sprachbewußtsein. Philosophen unterschiedlicher Provenienz wären aufrufbar als Zeugen für eine Art Selbstuntergrabung des philosophischen Denkens im Zeichen des Bestrebens, auch das dem Begriff nicht Assimilierbare, das begrifflich nicht Identifizierbare als unaufhebbares und unhintergehbares Relat der Begriffe gelten zu lassen. Erinnert sei an Ludwig Wittgensteins Sprachspielkonzeption und die von dieser bezeugte Ablösung des Paradigmas „Identität“ durch das der „Ähnlichkeit“. An die Stelle des rationalistisch motivierten Strebens nach Bestimmung von Identischem tritt die Operation mit „Familienähnlichkeiten“ auch und gerade im Prozeß des Erkennens. Im Prozeß sprachlicher Kommunikation wird auf diese immer wieder gesetzt, ohne daß sie begründbar wären. Die Metapher ist privilegierte sprachliche Ausdrucksform des „Ähnlichen“. Begriffe werden aus Metaphern abgeleitet, „Logik“ gründet im Rhetorischen. Letzter Bezugshorizont des Denkens ist die - weiter nicht begründbare - metaphorische Praxis der Sprechergemeinschaften. Nicht „Identität“, sondern „Analogie“: auf diese Formel läßt sich die moderne Verschiebung des Erfahrungs- und Bezeichnungshorizontes bringen. Vor allem Nîetzsches Denken ist wegweisend bei der Entdeckung der „poetischen“ Dimension aller Erfahrung. Die Tendenz, durch Fundierung der kommunikativen Praxis in rhetorischen Beziehungen die Kategorie der Ähnlichkeit zu rehabilitieren, erhält aber auch durch Foucaults Diskursanalysen wichtige Anstöße.[116] Die Rehabilitation des Rhetorischen und der Metapher korrespondiert dem intensivierten Kontingenzbewußtsein, die Karriere des „Möglichkeitssinnes“ wiederum der Notwendigkeit zur Selbsterfindung und zur Konstruktion einer Wirklichkeit, in der gelebt und gehandelt werden kann.
Nelson Goodman hat auf die Bedeutung von Metaphern und Metaphernfeldern für den Prozeß der Strukturierung und Interpretation der Erfahrungswelt betont; gerade aus dieser Perspektive erscheinen Metaphern keineswegs als im Prinzip verzichtbares Ornament, sondern als wichtiges Instrumentarium zur ökonomischen Orientierung in der Komplexität der Dinge.

„Metaphern durchdringen jeden normalen oder speziellen Diskurs, und es würde uns sehr schwerfallen, irgendwo einen rein buchstäblichen Abschnitt zu finden. In diesem letzten, hinreichend prosaischen Satz zähle ich fünf sichere oder mögliche - wenn auch matte - Metaphern. Dieser unablässige Gebrauch von Metaphern entspringt nicht nur der Liebe zur literarischen Farbigkeit, sondern auch dem dringenden Bedürfnis nach Ökonomie. Wären wir nicht in der Lage, Schemata ohne weiteres zu übertragen, um neue Sortierungen und Ordnungen hervorzubringen. dann müßten wir uns mit unhandlich vielen verschiedenen Schemata belasten, und zwar entweder durch Übernahme eines ungeheuer großen Vokabulars elementarer oder durch Erarbeitung außerordentlich vieler zusammengesetzter Ausdrücke.“[117]

Die nicht zuletzt auf der Basis metaphorischer Schemata sich vollziehende Auslegung der Wirklichkeit ist ein historischer Prozeß. Er ist aufs engste verknüpft mit Verschiebungen im Bereich der sprachlichen Metaphorik, ohne daß hier ein einseitiges Bedingungsverhältnis unterstellt werden sollte. Neue oder veränderte Metaphern erzeugen neue oder veränderte Wahrnehmungsmuster von Wirklichkeit, werden ihrerseits aber auch von diesen erzeugt und getragen; sie verknüpfen sich mit neuen oder veränderten Erfahrungsinhalten, werden von diesen umgekehrt aber auch erzwungen.

„Eine kraftvolle Metapher erfordert eine Kombination von Neuheit und Passen, eine Kombination des Seltsamen mit dem Selbstverständlichen. Die gute Metapher birgt Überraschungen, und dadurch befriedigt sie. Eine Metapher ist dann am durchschlagendsten, wenn das transferierte Schema eine neue und bemerkenswerte Organisation und nicht eine bloße Neuetikettierung einer alten bewirkt.“[118] ()

Im ersten Satz seines Essays über Die Sphäre Pascals von 1951 formuliert Jorge Luis Borges eine interessante Vermutung - „Vielleicht ist die Universalgeschichte die Geschichte von ein paar wenigen Metaphern„ -, die er mit dem letzten Satz seines Textes in pointierter Gestalt wiederholt: „Vielleicht ist die Universalgeschichte die Geschichte der unterschiedlichen Betonung von ein paar wenigen Metaphern.“[119]



Primärtexte

Aristoteles: Poetik. Übersetzung, Einleitung u. Anmerkungen von Olof Gigon. Stuttgart 1961

Bergson, Henri: La pensée et le mouvant. Essais et conferences. Paris 1934

Borges, Jorge Luis: Essays 1952-1979. (= Gesammelte Schriften. Bd. 5/II). Übers. von Karl August Horst, Curt Meyer-Clason, Gisbert Haefs. München/Wien 1981

Döblin, Alfred: Aufsätze zur Literatur. Olten 1963

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Ästhetik. In: Werke in 20 Bden. Auf der Grundlage der Werke von 1832-1945 neu edierte Ausgabe. Redaktion: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel. Bd. 13. Frankfurt/M.

Jean Paul: Vorschule der Ästhetik. In: Werke. Hg. von Norbert Miller. Abt. I, Bd. 5. München 1959ff.

Kafka, Franz: Tagebücher. Hg. von Max Brod. Frankfurt/M. 1951

Nietzsche, Friedrich: Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne. In: Werke. Hg. von Karl Schlechta. Bd. III. München. 6. Aufl. 1969

Nietzsche, Friedrich: Die Geburt der Tragödie. In: Werke. Hg. von Karl Schlechta. Bd. I. München. 6 Aufl. 1969

Ortega y Gasset, José: Obras completas. Bd. 2. Madrid 1954

Robbe-Grillet, Alain: Pour un Nouveau Roman. Paris 1963

Rousseau, Jean Jacques: La nouvelle Héloïse. Bd. II. Paris 1953

Rousseau, Jean Jacques: Discours sur l'origine de les fondemens de l'inégalité parmi les hommes. Paris 1973

Rousseau, Jean Jacques: Essai sur l'origine des langues: ou il est parle de la mélodie et de l'imitation musicale. Nizet 1976

Rousseau, Jean Jacques: Émile ou de l'éducation. Par François et Pierre Richard. Paris 1976

Schlegel, August Wilhelm: Kritische Schriften und Briefe. Hg. von Edgar Lohner. Bd. 2. Stuttgart 1963

Schlegel, Friedrich: : Philosophie der Geschichte, Erste Vorlesung; Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Hg. von Ernst Behler u.a. Bd. IX. München etc. 1958ff

Tesauro, Emmanuele: Il Cannocchiale Aristotelico. Hg. von August Buck, 1968

Forschungsliteratur

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Gerhard Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, Göttingen 1982

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Mauthner, Fritz: Die Metapher. Beiträge zu einer Kritik der Sprache II. Bd. I-III. Stuttgart 1901

Nieraad, Jürgen: Bildgesegnet und Bildverflucht. Forschungen zur sprachlichen Metaphorik. Darmstadt 1977

Richards, Ivor Armstrong: Philosophy of Rhetoric. New York 1936

Tesauro, Emmanuele: Il cannocchiale Aristotelico. Hg. von August Buck. Gehlen 1968

Weinrich, Harald: Art.: "Metapher". In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg. von Joachim Ritter u. Karlfried Gründer. Bd. 5 (L-Mn). Basel 1980. Sp. 1179 - 1186



1 John A. McCarthy: Einleitung. Zensur und Kultur. "Autoren nicht Autoritäten!". In: John A. McCarthy/ Werner von der Ohe (Hg.): Zensur und Kultur/ Censorship and Culture. Zwischen Weimarer Klassik und Weimarer Republik mit einem Ausblick bis heute/ From Weimar Classicism to Weimar Republic and Beyond. Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur 51. Tübingen 1995, S. 5

1 Gerhard Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol. Göttingen 1982, S. 5

2 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 9

3 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol.

4 Harald Weinrich: Semantik der kühnen Metapher. In: Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 37 (1963), S. 324-344, S. 327

5 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol. S. 22

6 Harald Fricke / Rüdiger Zymner: Einübung in die Literaturwissenschaft. Parodieren geht über Studieren. Paderborn 1991

7 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 21

8 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 21

9 Nelson Goodman: Sprachen der Kunst. Enwurf einer Symboltheorie. Frankfurt/M. 1995, S. 83; (Orignial: Languages of Art. An approach to a theory of symbols. Indianapolis 2. Aufl. 1976)

10 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S.7f

11 Aristoteles: Poetik. Übersetzung, Einleitung u. Anmerkungen von Olof Gigon. Stuttgart 1961. Kap. 21, 1457b

12 Harald Weinrich: Art. Metapher. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg. von Joachim Ritter/Karlfried Gründer. Bd. 5 (L-Mn), Basel 19, Sp. 1179

13 Aristoteles: Poetik, Kap. 21

14 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S.20

15 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S.8

16 Auctor ad Herennium/Rhet. ad Herennium IV, 34, 45; zitiert nach Weinrich: Art. "Metapher", Sp. 1179

17 Platon: Symposion. In: Platon Sämtliche Werke. Bd. ?. Hamburg, 215 a

18 Aristoteles: Rhetorik. Tübingen 1995, 1412 b 30

19 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 23

20 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 24

21 Aristoteles: De oratore III, 157

22 Quintilian: Inst. orat. IX, 3, 1; VIII, 6, 8f; zitiert nach Weinrich: Art. "Metapher", Sp. 1180

23 Quintilian: zitiert nach Weinrich: Art. "Metapher", Sp. 1180

24 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 5

25 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 9

26 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 8f.

27 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 11

28 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 11

29 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 13

30 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 13f

31 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 15

32 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 16f

33 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 17

34 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 18

35 August Wilhelm Schlegel: Kritische Schriften und Briefe. Hg. von Edgar Lohner. Bd. 2, Stuttgart 1963, S. 250

36 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 23

37 Augustinus: De mendacio 10; zitiert nach Weinrich: Art. "Metapher", Sp. 1180

38 Thomas von Aquin: Expos. super Boeth. de Trin., prooem. q.2,a.3 ad 5; zitiert nach: Weinrich: Art. "Metapher", Sp. 1180

39 George Berkeley: De motu 3

40 Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Ästhetik. In: Werke in 20 Bden. Auf der Grundlage der Werke von 1832-1945 neu edierte Ausgabe. Redaktion: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel. Bd. 13. Frankfurt/M., S. 523

41 Max Black: Models and Metaphors. Studies in Language and Philosophy. Ithaca 1962, S. 25

42 vgl. Emmanuele Tesauro: Il cannocchiale Aristotelico. Hg. von August Buck. Gehlen 1968, S. 82, S. 266

43 Zit. nach Klaus Peter Lange: Theoretiker des literarischen Manierismus. Tesauros und Pellegrinis Lehre von der Acutezza oder von der Macht der Sprache. München 1968, S. 80f. (Verwendete Ausgabe: Il cannocchiale Aristotelico, O sia, Idéa dell'arguta et ingeniosa elocutione, Che serue à tutta l'Arte oratoria, lapidaria, et simbolica. Esaminata co'principii del Divino Aristotele, dal Conte D. Emanuele Tesauro, Cavalier Gran Croce De'Santi Mauritio, et Lazaro. Seconda Impressione, Accresciuta dall'Autore di due nuoui Trattati, cioè, de'Concetti prodecabili, et degli Emblemi. (...) In: Venetia, Presso Paolo Baglioni. 1663. Hier: S. 246).

44 Lange: Theoretiker des literarischen Manierismus, S. 80

45 Giambattista Vico: Principi di una scienza nuova 1725, vgl. II,2,2; II,2,4; zitiert nach Weinrich: Art. "Metapher", Sp. 1181

46 Giambattista Vico: Opere. Bd. IV-1. La scienza nuova d'intorno alla comune naura delle nazioni. Secondo l'edizione del MDCCXXV. Üublicati con note da Guiseppe Ferrarri. Si aggiungono le Vindicae in acta eruditorus Lipsiensia e la vita dell autore. Milano 1836. II (Della Logica poetica), Kap. 2: Corollari d'intorno a'tropi, mostri, e traformazioni poetiche, S. 164 (dt.: Giambattista Vico: Die neue Wissenschaft über die gemeinschaftliche Natur der Völker Nach der Ausg. Von 1744 übers. u. eingel. Von Erich Auerbach. Berlin 1965 [photomechan. Nachdr. d. Ausg. München 1924 hg. von Gottfried Salomon])

47 Jean Jacques Rousseau: La nouvelle Héloïse. Bd. II. Paris 1953, S. 16

48 vgl. Jean Jacques Rousseau: Discours sur l'origine de les fondemens de l'inégalité parmi les hommes. Paris 1973, Kap. III; . Jean Jacques Rousseau: Essai sur l'origine des langues: ou il est parle de la mélodie et de l'imitation musicale. Nizet 1976, Kap. 9 und 10

49 Friedrich Schlegel: Philosophie der Geschichte, Erste Vorlesung; Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Hg. von Ernst Behler u.a. Bd. IX. München etc. 1958ff, S. 30

50 Jean Paul: Vorschule der Ästhetik. In: Werke. Hg. von Norbert Miller. Abt. I, Bd. 5. München 1959ff., § 50

51 Jean Paul: Vorschule der Ästhetik, § 49

52 Jean Paul: Vorschule der Ästhetik, § 49

53 Jean Paul: Vorschule der Ästhetik, § 49

54 Jean Paul: Vorschule der Ästhetik, § 52

55 Jean Paul: Vorschule der Ästhetik, § 52

56 August Wilhelm Schlegel: Kritische Schriften und Briefe. Hg. von Edgar Lohner. Bd. 2. Stuttgart 1963, S. 82

57 August F. Bernhardi: Sprachlehre. Olms 1973, zitiert nach Eva Fiesel: Die Sprachphilosophie der deutschen Romantik. Tübingen 1927, S. 16

58 vgl. Jean Paul: Vorschule der Ästhetik, § 3

59 Jean Paul: Vorschule der Ästhetik, § 50, S. 184

60 vgl. Jean Jacques Rousseau: Émile ou de l'éducation. Par François et Pierre Richard. Paris 1976

61 vgl. Novalis: Schriften. Bd. I, S. 100

62 Nietzsche: Werke. Musarion-Ausg. Bd. 6, S. 57; zitiert nach Weinrich: Art. "Metapher", Sp. 1181

63 vgl. Friedrich Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne. In: Werke. Hg. von Karl Schlechta. Bd. III. München. 6. Aufl. 1969, S. 311

64 Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne, S. 312f

65 Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne, S. 312f

66 Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne, S. 314

67 Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne, S. 317

68 Nietzsche: ???

69 Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne, S. 319

70 Nietzsche: ???

71 Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Tragödie. In: Werke. Hg. von Karl Schlechta. Bd. I. München. 6 Aufl. 1969, S. 51

72 vgl. Beda Allemann: Die Metapher und das metaphorische Wesen der Sprache. In: Weltgespräch 4 (1968), S. 92-101

73 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 21

74 vgl. Alfred Döblin: Aufsätze zur Literatur. Olten 1963, S. 103 - 132; Alain ROBBE-GRILLET: Pour un Nouveau Roman. Paris 1963, S. 49

75 vgl. Franz Kafka: Tagebücher. Hg. von Max Brod. Frankfurt/M. 1951, S. 550

76 Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol, S. 16

77 Friedrich Kainz: Lügenerscheinungen im Sprachleben. In: Die Lüge in psychologischer, philosophischer, juristischer, pädagogischer, historischer, soziologischer, sprach- und literaturwissenschaftlicher und entwicklungsgeschichtlicher Betrachtung. Hg. von O. Lipmann/P. Plaut. Leibzig 1927, S. 212-243

78 Fritz Mauthner: Die Metapher. Beiträge zu einer Kritik der Sprache II. Bd. I-III: Stuttgart 1901. Vgl. insbes. Bd. II, S. 465-549

79 Henri Bergson: La pensée et le mouvant. Essais et conferences. Paris 1934, S. 52

80 José Ortega y Gasset: Obras completas. Bd. 2. Madrid 1954, S. 387

81 Anselm Haverkamp (Hg.): Theorie der Metapher. Darmstadt 1983 (= Wege der Forschung CCCLXXXIX)

82 Haverkamp: Theorie der Metapher, S. 2

83 Ivor Armstrong Richards: Die Metapher. Übers. v. Margit Smuda. In: Theorie der Metapher. Hg. von Anselm Haverkamp. Darmstadt 1983, S. 33; (Original: The Philosophy of Rhetoric. New York 1964)

84 Richards: Die Metapher, S. 35

85 Richards: Die Metapher, S. 37

86 Max Black: Die Metapher. Übers. v. Margit Smuda. In: Theorie der Metapher. Hg. von Anselm Haverkamp. Darmstadt 1983, S. 58 (Orignal: Modeles and Metaphors. Ithaca 1962)

87 Black: Die Metapher, S. 69

88 Black: Die Metapher, S. 75f.

89 vgl. dazu auch Anselm Haverkamp: Einleitung in die Theorie der Metapher. In: Theorie der Metapher. Hg. von Anselm Haverkamp. Darmstadt 1983, S. 16

90 vgl. Virgil C. Aldrich: Visuelle Metapher. Übers. v. Eva Klopsch. In: : Theorie der Metapher. Hg. von Anselm Haverkamp. Darmstadt 1983, S. 142ff (Original: Visual Metaphor. In: Journal of Aesthetic Education 2 (1968), S. 73-86)

91 Aldrich: Visuelle Metapher, S. 142

92 Aldrich: Visuelle Metapher, S. 142

93 Roman Jakobson: Der Doppelcharaker der Sprache und die Polarität zwischen Metaphorik und Metonymik. In: Theorie der Metapher. Hg. von Anselm Haverkamp. Darmstadt 1983, S. 165ff

94 Jakobson: Der Doppelcharakter der Sprache, S. 166f

95 Nicolas Ruwet: Synekdochen und Metonymien. Übers. v. Reinhilde Eisenhut. In: Theorie der Metapher. Hg. von Anselm Haverkamp. Darmstadt 1983 253ff.; (Original: Synecdoques et métonymies. In: Poetique 6 (1975), S. 371-388

96 Harald Weinrich: Semantik der kühnen Metapher. In: Theorie der Metapher. Hg von Anselm Haverkamp. Darmstadt 1983, S. 331

97 Paul Ricoeur: Die Metapher und das Hauptproblem der Hermeneutik. Übers. v. Ursula Christmann. In: Theorie der Metapher. Hg. von Anselm Haverkamp. Darmstadt 1983, S. 356ff .(Original: La métaphore et le problème central de l'herméneutique, zuerst in: Revue philosophique de Louvain 70 (1972), S. 93-112

98 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie. In: Archiv für Begriffsgeschichte 15 (1971), S. 8

99 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 8

100 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 9

101 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 84

102 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 85

103 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 9

104 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 10

105 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 11

106 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 19

107 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 20

108 Hans Blumenberg: Die Lesbarkeit der Welt. Frankfurt/M. 1981

109 Hans Blumenberg: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher. Frankfurt/M. 1979

110 Blumenberg: Schiffbruch mit Zuschauer, S. 77f

111 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 19

112 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 20

113 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 84

114 Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, S. 142

115 vgl. Gerhard Gamm: Die Macht der Metapher. Im Labyrinth der modernen Welt. Stuttgart 1992

116 vgl. dazu Gamm: Die Macht der Metapher

117 Goodman: Sprachen der Kunst, S. 83f. (Languages of Art)

118 Goodman: Sprachen der Kunst, S. 83 (Languages of Art)

119 Jorge Luis Borges: Essays 1952-1979. (= Gesammelte Schriften. Bd. 5/II). Übers. v. Karl August Horst, Curt Meyer-Clason, Gisbert Haefs. München/Wien 1981, S. 10