Dr. Stephanie Natzel-Glei
Fachdidaktik der Alten Sprachen

| Kontakt: |
Ruhr-Universität
Bochum
Fakultät für Philologie
Seminar für Klassische Philologie
Gebäude GB 2/156
D-44780 Bochum
Tel. +49 (0)234 32-22759
Email:
Stephanie.Natzel-Glei@rub.de
| Sprechstunden: |
Während des Semesters: Donnerstags 10-11 Uhr
Während der vorlesungsfreien Zeit: s. Aushang oder hier
| Aktuelles: |
1. Lateinischer Anfangsunterricht im europäischen Vergleich
In der vergleichenden Bildungsforschung spielt der Lateinunterricht bisher keine oder allenfalls eine marginale Rolle. Das mag auch daran liegen, dass die lateinische Fachdidaktik in Deutschland gemäß der Bedeutung des Fachs, das ihm im gymnasialen Bildungswesen immer noch (bzw. nach einer Krise in den 70er Jahren jetzt wieder) zukommt, erhebliche Fortschritte gemacht hat, was sich auch in der inzwischen äußerst diversifizierten Lehrbuchlandschaft widerspiegelt, während in anderen europäischen Ländern (und zwar gerade in den romanisch geprägten) das Lateinische bei weitem nicht einen so hohen Stellenwert aufweist. Dies schlägt sich im Stand der nationalen Fachdidaktiken sowie auch in Quantität und Qualität der Lehrbücher nieder. Das Projekt betritt daher Neuland.
In einer ersten Fallstudie (im Rahmen einer M.Ed.-Arbeit) wurde der lateinische Anfangsunterricht in Deutschland (NRW) und Frankreich untersucht. Schon durch die Analyse der jeweiligen Lehrpläne wurden entscheidende Unterschiede deutlich: Grob gesprochen, stehen in Frankreich Kultur- und Textkompetenz, in Deutschland Sprach- und Methodenkompetenz im Vordergrund. Während in Frankreich der Lateinunterricht im Wesentlichen ein kultur- und literaturwissenschaftliches Fach ist, das v.a. die Nachwirkung der antiken (römischen) Kultur in Kunst und Literatur im Blick hat – Sprachliches wird hauptsächlich im Hinblick auf die etymologische Herleitung französischer Wörter aus dem Lateinischen thematisiert –, legt der deutsche Lateinunterricht trotz der im neuen Kernlehrplan verankerten polyvalenten Kompetenzorientierung (immer noch) mehr Wert auf den Erwerb einer gründlichen Sprachkompetenz und auf die formalen Aspekte des Spracherwerbs (z.B. metasprachliche Reflexion). Praktisch äußert sich dies z.B. darin, dass im französischen Lateinunterricht stets von Originaltexten, die ggf. etwas erleichtert und in jedem Fall durch eine muttersprachliche Übersetzung erschlossen sind, ausgegangen wird, während im deutschen Lateinunterricht die fertige Übersetzung grundsätzlich unerwünscht ist, eine solche vielmehr von den SuS anhand von progressiv gestalteten Kunsttexten erarbeitet werden soll. Daneben ist freilich auch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten die Kulturkompetenz stärker in den Vordergrund gerückt worden, was sich auch in den neueren Lehrwerken widerspiegelt.
Das Projekt hat die in der Pilotstudie gewonnenen Erkenntnisse vertieft und noch erheblich erweitert: Ausgehend von den jeweiligen kultur- und bildungspolitischen Rahmenbedingungen im Allgemeinen und den Lateinlehrplänen im Besonderen wurde der lateinische Anfangsunterricht in einem repräsentativen Querschnitt europäischer Länder dokumentiert und anhand exemplarischer Lehrwerkanalysen empirisch erfasst. In der ersten Projektphase wurden einschlägige, im lateinischen Anfangsunterricht verbreitet eingesetzte Lehrwerke aus folgenden Ländern untersucht: Großbritannien, Irland, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Italien, Schweiz und Polen. Später können Binnendifferenzierungen erfolgen und weitere Länder hinzukommen.
2.
Mit dem Hogwarts-Express in die Antike?
Auf dem inzwischen schon traditionellen „Kontakttag“ des Seminars für Klassische Philologie für Lateinlehrerinnen und –lehrer am 10. 02. 2011 wurde in einer viel beachteten Poster-Session ein Projekt vorgestellt, das Dr. S. Natzel-Glei (Fachdidaktik der Alten Sprachen) zusammen mit Studierenden ihres Seminars zum kompetenzorientierten Sprachunterricht entwickelt hatte: der lateinische Harry Potter in der Schule. Für SuS ist eine Begegnung mit „Harrius Potter“ verlockend: Einerseits ergibt sich aufgrund der Bekanntheit des Stoffes ein hoher Wiedererkennungswert und ein unmittelbares inhaltliches Verständnis des Textes, andererseits bietet sich mit der lateinischen Übersetzung auch die Herausforderung, die erworbenen Lateinkenntnisse nicht mehr nur an Klassikergrößen wie Caesar oder Cicero, sondern an einem modernen Text zu erproben, der dem Interessenhorizont der Jugendlichen durch seine vielfältigen Aktualisierungs- und Identifikationsangebote entgegenkommt. In dem Projekt vergleichen die SuS konkrete Textpassagen des englischen Originals und der lateinischen Übersetzung. Im Anschluss bietet sich eine Intensivierung der Wortschatzarbeit an (mind maps und word cluster z.B. zum Wortfeld Magie). Die Attraktivität des Themas dürfte auch im Erwerb sprachlicher und methodischer Schlüsselkompetenzen liegen: Die SuS können hier einmal selbst ‚Lehrer’ spielen, indem sie die Qualität der Übersetzung beurteilen. Die Ergebnisse werden am Ende der Unterrichtsreihe in Form von Plakaten festgehalten. Die Studierenden haben mit kreativem Enthusiasmus an dem Projekt mitgearbeitet, das so zu einem großen Erfolg wurde.
(Harrius Potter ~ Das magische Vokabelrätsel)
Kuzrbericht über das Schülerlabor-Projekt (Harry Potter).
Weitere Informationen und Unterrichtsmaterialien: stephanie.natzel-glei@rub.de.
| Lehrveranstaltungen |
Die fachdidaktischen Lehrveranstaltungen des Moduls LA I sowie des Moduls Praxisstudien werden in folgendem Turnus angeboten:
- Wintersemester
- Seminar: Grammatik-Unterricht (Mo 8s.t.-10)
- Übung: Textadaption (Do 8-10)
- Praktikumsbegleitendes Seminar (Mo 10-12) + 4-wöchiges Blockpraktikum in der vorlesungsfreien Zeit
- Sommersemester
- Einführungsübung: Grundlagen der altsprachlichen Fachdidaktik (Do 8-10)
- Seminar: Grammatik-Unterricht (Mo 8s.t.-10)
- Übung: Textadaption (Mo 10-12)
| Kurzbeschreibung der Lehrveranstaltungen |
Einführungsübung (2 CP)
Im Zentrum der Einführungsübung stehen die theoretischen Grundlagen der Didaktik und Methodik des lateinischen Sprachunterrichts sowie ihre praktische Anwendung.
Folgende Themen werden behandelt:
· Kompetenzorientierung im altsprachlichen Unterricht lt. Kernlehrplan
· Latein im Sprachenportfolio
· Möglichkeiten der Schülermotivation
· Einstiegsphase der Schulstunde
· Medien im altsprachlichen Unterricht
· Wortschatzarbeit
· Satz- und Texterschließungsmethoden (Theorie und Praxis)
· Analyse aktueller Lehrwerke
Erwerb der Kreditpunkte: regelmäßige Teilnahme, aktive Mitarbeit, Analyse eines Lehrwerks, ggf. Erstellung von Literaturabstracts.
Seminar: Grammatik-Unterricht (4 CP)
Das Seminar soll am Beispiel wesentlicher Stoffgebiete zur fachwissenschaftlich korrekten, methodisch reflektierten und schülerorientierten Planung und Durchführung entsprechender Unterrichtseinheiten anleiten. Dazu gehört insbesondere die kritische Auswahl und Beurteilung von Materialien zur Einführung und Übung grammatischer Phänomene (aus verschiedenen Lehrbüchern und Grammatiken) sowie die Erstellung eigener entsprechender Materialien. Hinzu kommt die Besprechung von Artikeln aus fachdidaktischen Zeitschriften (z.B. Der Altsprachliche Unterricht; Forum Classicum; Pegasus-Onlinezeitschrift) sowie ggf. die Analyse grammatischer Fachtexte.
Inhaltliche Schwerpunkte des Seminarprogramms:
· Anhand von Originaltexten: Intralinguale Übungen zur Texterschließung sowie Entwicklung von Übungsmaterialien zu grammatischen Problemstellen
· Formen der Grammatikeinführung: induktives und deduktives Verfahren, Definitionen und Anwendungsgebiete
· Erstellung einer Funktionsübersicht zum lektürebegleitenden Grammatikunterricht
· Übungsformen im lateinischen Sprachunterricht
· Die Satzwertigkeit von Infinitivkonstruktionen, AcI, NcI
· Morphologie und Semantik des lat. Partizips / Decodierung und Recodierung im Deutschen
· Die Einführung des abl. abs. aus linguistischer Sicht
· Die Einführung des abl. abs. in aktuellen Lehrwerken
· Schülerspezifische Einführung der Formen und Funktionen der Gerundialia (-nd-Formen)
· Didaktische Aspekte des Konjunktivs in Haupt- und Gliedsätzen
· Oratio obliqua: ein grammatisches ‚must’? Beispielauswahl aus Schulautoren
Erwerb der Kreditpunkte: regelmäßige Anwesenheit (max. zweimaliges Fehlen), aktive Mitarbeit (incl. Hausaufgaben), Übernahme von Präsentationen, Bestehen der Abschlussklausur.
Übung: Textadaption (3 CP)
Die Übung dient dem Erwerb von Fertigkeiten, die zur Beurteilung vorgegebener und zur Erstellung eigener Lehr- und Lernmaterialien befähigen. Daraus ergeben sich im Wesentlichen zwei Phasen für die Übung: In einem ersten, kürzeren Teil werden vorgegebene adaptierte Texte analysiert und beurteilt; dazu eignen sich besonders die Reihen „Transit“ und „Transcursus“, die „prima“-Übergangslektüre, originalnahe Lehrbuchtexte vom Ende der Lehrbuchphase, Comic-Versionen von Prosa- und Poesietexten sowie intermediale ‚Adapticons’ (texterklärende Abbildungen).
In einem zweiten Teil werden eigene Texte entworfen, die als Übungs- und Klassenarbeitstexte geeignet sind; dabei können exemplarisch verschiedene Schwierigkeitsstufen zugrunde gelegt werden.
Erwerb der Kreditpunkte: regelmäßige Anwesenheit (max. zweimaliges Fehlen), aktive Mitarbeit (incl. Hausaufgaben und Erstellung von Abstracts), Bestehen der Abschlussklausur.
Praktikumsbegleitendes Seminar (2 CP) und Kernpraktikum (3 CP)
Die Praxisstudien dienen der theoriegeleiteten Beobachtung, Analyse und Reflexion von Unterricht sowie der Planung, Durchführung und Reflexion eigener Unterrichtsversuche der Studierenden.
Die Veranstaltung besteht aus fünf vorbereitenden Sitzungen (Termine jeweils Mo 10-12 zu Beginn bzw. am Ende des Semesters), aus Erfahrungsaustauschen und einem von mir sowie den an der jeweiligen Schule praktizierenden Kommilitonen hospitierten Unterrichtsversuch während des Praktikums (ca. Mitte Februar – Mitte März) mit anschließender Besprechung und einer abschließenden Blockveranstaltung am Ende des Praktikums, in der über die für die Hospitation vereinbarte Beobachtungsaufgabe referiert wird. Über den eigenen Unterrichtsversuch ist ein Praktikumsbericht anzufertigen.
Wegen starker Frequentierung der Praktikumsschulen und aus organisatorischen Gründen muss die Anmeldung zum Praktikum jeweils bereits während des Sommersemesters in einer speziellen Anmeldungs- und Informationsveranstaltung erfolgen. Bitte auf Aushänge und die Ankündigung im Kommentierten Veranstaltungsverzeichnis achten!
Weitere Informationen sowie die nötigen Formulare (Anschreiben an die Schulen, Anmeldeformular, Praktikumsvertrag, Praktikumsordnung etc.) zum Downloaden finden Sie auf der Homepage der Professional School of Education (PSE): www.rub.de/pse.

