prof. dr. Reinhold F. Glei
Aktuelles
(Termine; Vorträge; Publikationen)
Vorträge
10. Mai 2012: „Dixit apostoli“: The word-by-word principle in Latin translations of the Koran (Universität Leiden, NL)
10. August 2012: Utopie und Allegorie in Johann Valentin Andreaes Christianopolis (1619) (Plenarvortrag beim XVth International Congress for Neo-Latin Studies, Münster)
Neuerscheinung!
Religion
(Special Issue: Religious Contacts in Past and Present Times)
Volume 42, Issue 2, April 2012, pp. 247-271
Reinhold Glei & Stefan Reichmuth:
"Religion between Last Judgement, law and faith: Koranic dīn and its
rendering in Latin translations of the Koran"
Abstract:
In this article, the meaning of the Latin term religio and its
equivalents in European languages is considered in a diachronical
perspective, with a special focus on the history of the Koranic term dīn
and its rendering in Latin translations. It is shown that the Koranic
concept of religion goes back to late-antique Middle East sources,
responsible for the different meanings of dīn in Koranic usage. As can
be seen, there is a development from an older meaning of ‘law,
judgement’ to a younger one, ‘religion’. Looking at the Latin
translations of dīn from the 12th century onwards, there seems to be a
similar development from lex (‘law’) to religio. This reflects, however,
not only the etymology of Arabic dīn but also the influence of St Paul's
theology of law picked up by Augustine and others. In the 15th century,
then, Nicholas of Cusa was the first to use the term religio to denote
Islam. This way, new light is shed on a (not exclusively) European
Begriffsgeschichte of ‘religion ’.

In
Band 13 (2011) sind soeben drei Beiträge von
Reinhold F. Glei erschienen:
- Aetnaei fratres. Die Centonen des Menapius (alias Friedrich Grick) gegen die Rosenkreuzer (Teil I), Seite 95-121
- (zus.
mit Ulli Roth:) Eine weitere Spur der lateinischen Koranübersetzung des
Juan de Segovia, in:
Seite 221-228
(Ergänzungen zum Fund des Koranfragments – s. unten)
- Edition
aus dem Nachlass und Vorbemerkung zu:
Helga Scheible†, Willibald Pirckheimer: Apologie der Nonnen von St.
Klara vor dem Nürnberger Rat, <Nürnberg, Frühjahr 1530>, Seite 229-286
Boethius – Christ oder heidnischer Philosoph?
Philologen stellen die Gretchenfrage
Womit tröstet sich ein
zum Tode Verurteilter? Am Beispiel des spätantiken Philosophen Boethius
untersuchen die Bochumer Philologen Nicola Kaminski und Reinhold Glei in
Zusammenarbeit mit Franz Lebsanft aus Bonn die Frage, welche Rolle das
Christentum für den „letzten Römer“ und seine Rezeption spielte.
Boethius, geboren um 480 n.Chr., war bereits ein anerkannter Gelehrter, als König Theoderich ihn als ranghöchsten Beamten an seinen Hof berief. Doch der politische Quereinsteiger war den Gefahren dieses Haifischbeckens nicht gewachsen und wurde bald Opfer einer Palastintrige: Der Konspiration mit dem oströmischen Kaiser verdächtigt, fiel er bei Theoderich in Ungnade, wurde aller seiner Ämter enthoben, inhaftiert und in Abwesenheit zum Tode verurteilt. In der Zeit vor seiner Hinrichtung (524 n.Chr.) verfasste er die Consolatio Philosophiae („Trost der Philosophie“), aber dieses Werk ist nicht, wie man erwarten könnte, das Tagebuch eines erschütternden persönlichen Schicksals, sondern eine fast nüchterne Bestandsaufnahme dessen, was die antike Philosophie im Angesicht des Todes an Trostgründen aufbietet. Boethius war zwar nominell Christ und hat sogar einige trockene Traktate über dogmatische Fragen verfasst, im Herzen und im Denken aber war er ein antiker Mensch geblieben, dem in der Todesstunde nicht die christliche Heilsbotschaft, sondern nur die abstrakte Lehre der Philosophie Trost zu spenden vermochte: Sein Heiland war Sokrates, nicht Christus, und seine Apostel waren nicht Petrus und Paulus, sondern Platon und Aristoteles.
Dennoch wurde Boethius im Mittelalter als christlicher Märtyrer verehrt, weil er ein Opfer des ‚Häretikers’ Theoderich war (dieser hing dem arianischen Glauben an, wonach Christus nur gottähnlich, aber nicht gottgleich ist). Dass die Trostschrift nichts Christliches enthielt, wurde dabei geflissentlich ignoriert – immerhin widersprach sie ja auch nicht ausdrücklich dem Christentum. Daher galt die Consolatio nicht als Teil des heidnischen Erbes, dessen Überlieferung infrage gestellt wurde, sondern als genuin christlicher Text, der fast ebenso bedeutend wurde wie die Bibel: Es gibt im Mittelalter über 400 Handschriften, zahlreiche Kommentare und Übersetzungen in die Volkssprachen. In der Frühen Neuzeit wurde das Werk dann vielfach gedruckt, grammatisch erklärt und sogar im Streit der Konfessionen eingesetzt.
Den vielfältigen Transformationen dieses christianisierten Boethius nachzugehen, ist die Absicht eines von den drei Philologen herausgegebenen Sammelbandes, an dem 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland mitgearbeitet haben.
Titelaufnahme:
Boethius Christianus? Transformationen der Consolatio Philosophiae in Mittelalter und Früher Neuzeit. Hrsg. von Reinhold F. Glei, Nicola Kaminski und Franz Lebsanft. Berlin: Walter de Gruyter, 2010.
"Lateinisches Koranfragment entdeckt"
Sie finden den Inhalt dieser
Pressemitteilung unter
http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2010/msg00019.htm

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