prof. dr. Reinhold F. Glei

Lehrstuhl für Lateinische Philologie,
insbesondere lateinische Literatur der klassischen Epoche und der
Spätantike sowie des Humanismus (= Klassische Philologie / Latinistik
II)
Kontakt:
Ruhr-Universität
Bochum
Fakultät für Philologie
Seminar für Klassische Philologie
Gebäude GB 2/162
D-44780 Bochum
Tel. +49 (0)234 32-22761/-28761
Fax: +49 (0)234 32-14023
Email:
Reinhold.F.Glei@ruhr-uni-bochum.de
Sekretariat
Heike Rudolph,
GB 2/62, Tel.: 32-28761, Fax: 32-14023
Mitarbeiter(innen)
Nina Tomaszewski (Wiss.
Mitarbeiterin), GB 2/157, Tel.: 32-23892
Kristina Willmann (Stud. Hilfskraft), GB 2/157, Tel.: 32-23892
Dr. Ulisse Cecini (Wiss. Mitarbeiter) (Doctrina-Projekt), GB 2/57, Tel.: 22446
Concetta Finiello M.A.
(Doctrina-Projekt), GB 2/156, Tel.:
32-22759
Hermann Hegels (Wiss. Hilfskraft) (InStudies-Projekt), GB 2/55, Tel.:
32-25732
Thomas Laakmann (Wiss. Hilfskraft) (InStudies-Projekt), GB 2/55, Tel.:
32-25732
Henrik Weiß (Wiss. Mitarbeiter) (InStudies-Projekt), GB 2/55, Tel.:
32-25732
Forschungsprojekte:
Weitere
Forschungsprokjekte:
1.
Lateinische Koranübersetzungen
2.
Centonendichtung
3.
Neulateinische Dramatisierungen der Aeneis
4.
Marcus Hieronymus Vida
4.1.
Scacchia Ludus
4.2. Bombyces
4.3. Christias
4.4. De dignitate reipublicae
5.
Pseudo-Literatur
6.
Utopische Literatur
7.
Anti-Lucretius
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1. Lateinische Koranübersetzungen |
Der Koran wurde im 12. Jahrhundert erstmals ins Lateinische
übersetzt. Später wurde diese Übersetzung
vielfach kritisiert und als teilweise sinnentstellend
betrachtet; Johannes von Segovia erstellte um die Mitte des 15.
Jahrhunderts mithilfe eines spanischen Korangelehrten eine ganz
neue, wörtliche Übersetzung, die leider weitgehend verschollen
ist (der berühmte „dreisprachige Koran“ in arabischer,
spanischer und lateinischer Sprache). Die Fragmente dieser
Übersetzung sind jetzt erstmals vollständig ediert worden (s.
Publikationsliste
Nr. III 55 und 63).
Außerdem ist eine Untersuchung der lateinischen Koranübersetzung
des Ludovico Marracci (1698) erschienen (s.
Publikationsliste
III 60).
Zusammen mit dem
Islamwissenschaftler Prof. Stefan Reichmuth wurde eine Studie
zum Religionsbegriff im Koran und in den lateinischen
Koranübersetzungen publiziert (s.
Publikationsliste
Nr. III 64).
Aktuell ist ein
Sammelband zu den frühen Koranübersetzungen erschienen (s.
Publikationsliste Nr.
II 11 sowie meine Beiträge darin Nr. III 65 und 66).
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2. Centonendichtung |
Centonen ('Flickgedichte') sind vollständig aus Werken anderer Autoren, meist
Klassikern (Vergil, Ovid, Lucan etc.) zusammengesetzt und behandeln ein dem Originaltext
fremdes Thema. Der Cento wird sowohl theoretisch untersucht als auch praktisch
interpretiert:
Reinhold F. Glei, Vergil am Zeug flicken. Centonische
Schreibstrategien und die Centones ex Virgilio des Lelio
Capilupi (Publikationsliste
Nr. III 46)
Reinhold F. Glei, Aufstand gegen den Textsinn. Zum Lucan-Cento
des Pierre Chrétien (s.
Publikationsliste
Nr. III 51)
Reinhold F. Glei, Der Kaiserin neue Kleider: Die Homercentonen
der Eudokia (s.
Publikationsliste
Nr. III 52)
Reinhold F. Glei, Lucilius Horatianus. Die Lucilius-Ausgabe von
Franciscus Dousa (1597) und die Centones Luciliani
(s.
Publikationsliste
Nr. III 54)
Reinhold F. Glei, Die Centonen des Menapius gegen die
Rosenkreuzer, Teil I und II (s.
Publikationsliste
Nr. III 61 und 71)
Nina Spannemann, Der obszöne Cento (Dissertationsverzeichnis
Nr. 20)
Tristan Winkelsen, Die Centones Luciliani des Janus Dousa Pater
(Dissertationsverzeichnis
Nr. 11)
Zusammen mit
Theodor Lindken wird zurzeit ein Repertorium sämtlicher
neulateinischen Centonen (also gewissermaßen ein „neuer
Delepierre“) erarbeitet.
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3. Neulateinische Dramatisierungen der Aeneis |
Unter den überaus zahlreichen neulateinischen Dramen nehmen die
heidnisch-antiken Stoffe zwar einen vergleichsweise geringen
Raum ein, die Zahl der dramatischen Bearbeitungen dürfte
allerdings bei weit über 100 liegen; ein größerer Teil dieser
Tragödien behandelt den Stoff der Aeneis.
Das Projekt sucht diese Aeneis-Dramatisierungen möglichst
vollständig zu erfassen und zu dokumentieren; Zwischenberichte
erschienen 1998 und 2000 (Publikationsliste
Nr.
III 22 und 32), eine aktualisierte Fassung ist 2006 erschienen
(Nr. I 10). Außerdem werden einige Tragödien exemplarisch
untersucht bzw. ediert.
2.1. Jakob Jakobson Wolf, Turnus (1591): Reinhold F. Glei (Publikationsliste
Nr. III 22)
2.2. Petrus Ligneus, Dido (1559): Janine Andrae, Sonja Eckmann
in: G. Binder (Hrsg.), Dido und Aeneas. Trier 2000, 175-227)
2.3. Jakob Gretser, Prologus in Quintum Aeneidos (1585): Uwe
Füg, in: Neulateinisches Jahrbuch 7, 2005, 21-82)
2.4. Michael Maittaire, Virgilius Cothurnatus (1695-99):
Reinhold F. Glei (Publikationsliste
Nr. I 10)
2.5. Heinrich Knaust, Dido (1566): Reinhold F. Glei (Publikationsliste
Nr. III 49 und
Publikationsliste Nr. V
20)
2.6. Johannes Rauen, Aeneas et Lavinia (1648): Andreas
Hellermann (Dissertationsverzeichnis
Nr. 15)
2.7. Turnus
im neulateinischen Drama - ein 'tragischer' Held? in: T.
Moore/W. Polleichtner (Hrsg.), Form und Bedeutung im
lateinischen Drama, im Druck.
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4. Marcus Hieronymus
Vida |
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4.1.
Scacchia Ludus
Um 1510 entstand das Gedicht über das Schachspiel, das mit den Mitteln des heroischen
Epos eine Schachpartie zwischen Apollo und Merkur beschreibt. Entgegen der bisherigen
Überzeugung der Forschung konnte die Partie vollständig rekonstruiert werden; eine
zweisprachige Ausgabe mit Kommentar ist in Vorbereitung (s. den Artikel in
RUBIN; vgl.
Publikationsliste Nr. III 26).
Co-Autor: Prof. Dr. Thomas Paulsen
4.2. Bombyces
Ein weiteres Frühwerk Vidas behandelt im Stil der vergilischen 'Georgica' die
Seidenraupenzucht - einen bedeutenden Wirtschaftszweig im Oberitalien des frühen 16.
Jahrhunderts. Insbesondere Vergils Darstellung der Bienenzucht (Georg. 4) wird kongenial
auf den zeitgemäßen Gegenstand übertragen.
Bearbeiter (Dissertationsprojekt): N.N.
4.3. Christias
Das poetische
Hauptwerk Vidas, durch das er zum 'Vergilius Christianus' wurde,
entstand ca. 1518-1532 und behandelt in 6 Büchern Leben und
Passion Christi.
Eine ausführliche
Beschreibung findet sich oben unter DFG-Projekt „Christias“.
Die zweibändige Ausgabe mit Kommentar ist im Druck (= BAC
91-92). Vgl. auch
Publikationsliste
Nr. III 57 und 59 sowie
Dissertationsverzeichnis
Nr. 19.
4.4. De dignitate reipublicae
Dieser Dialog im Stil Ciceros spielt am Rande des gegenreformatorischen Konzils von
Trient: Bedeutende Persönlichkeiten der Zeit, darunter der Kardinal Reginald Pole und der
Dichter Marcantonio Flaminio, unterhalten sich über Sinn und Zweck der staatlichen
Gemeinschaft. Das Werk war von Vida explizit als Ersatz für die verlorene Staatsschrift
Ciceros gedacht, die erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde.
Das Projekt ist inzwischen durch eine umfassende Publikation abgeschlossen:
P. Hibst, Marcus Hieronymus Vida:
De dignitate reipublicae - Über den Wert des
Staates. Einleitung, Text, Übersetzung, Kommentar. Trier 2004 (= BAC 57).
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5. Pseudo-Literatur |
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Cicero, De natura deorum Liber IV
Der Schluss des
dritten Buches von
De natura deorum
gab immer schon Anlass zu der Frage, was Ciceros wirkliche
Meinung bezüglich der Natur der Götter sei. Durch die Entdeckung
eine Codex mit dem bisher verloren geglaubten vierten Buch, in
dem Cicero auf Drängen des Velleius einen eigenen Vortrag zu dem
Dialog beisteuert, wissen wir jetzt mehr: Ciceros Darlegungen
seiner Lehre von der 'natürlichen Religion' zeigt den Skeptiker
als einen in Wahrheit tiefreligiösen Menschen; verblüffend ist
auch, dass Ciceros Ansichten vielfach katholische Glaubenslehren
zu antizipieren scheinen - so jedenfalls urteilt der
Herausgeber, ein italienischer Franziskanerpater namens
Seraphinus, der die
editio princeps
des vierten Buches 1811 in Bologna publizierte.
Natürlich ist
das Ganze eine grandiose Fälschung, die seinerzeit Aufsehen
erregte und nicht immer gleich als solche erkannt wurde. In
Wirklichkeit war das Buch in Berlin gedruckt worden und stammte
von dem Hildesheimer Prediger und Superintendenten H. H. Cludius
(1754-1835).
Eine
kommentierte Edition ist 2008 erschienen: s.
Publikationsliste
Nr. I 11.
Zu weiterer
pseudo-ciceronischer Literatur s.
Publikationsliste
Nr. III 36, 37, 44 sowie
Dissertationsverzeichnis
Nr. 2 und 17; zu vergilischen und ovidischen Pseudepigraphen s.
Dissertationsverzeichnis
Nr. 21.
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6.
Utopische Literatur |
Die berühmte Staatsutopie des Thomas Morus (1516) ist Gegenstand philosophischer und
literaturwissenschaftlicher Untersuchungen:
Reinhold F. Glei: Philologen in Utopia (Publikationsliste
Nr. III 29)
Sandra Schwarz: Sind die Utopier Epikureer? (Neulateinisches Jahrbuch 5, 2003,
245-295)
Reinhold F. Glei: Topisch oder utopisch? Die Reisen des Hythlodaeus in der Utopia des
Thomas Morus (Publikationsliste Nr. III 48)
Darüber hinaus ist auch die Person des Thomas Morus Gegenstand weiterer Forschungen;
vor allem werden Gedichte auf bzw. über seinen Märtyrertod (1535) untersucht.
Baldes Ode 1,3
Publikationsliste Nr. III 38)
Johannes Secundus, Naenia in mortem Thomae Mori (Publikationsliste
Nr. III 41)
Außerdem ist
eine Studie über einen weiteren utopischen Roman in Arbeit:
Paradoxie und Ironie in Johann Valentin Andraes
Christianopolis (1619)
Plenarvortrag auf dem 15. Kongress der IANLS in Münster (August
2012); wird in den Kongressakten publiziert.
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7. Melchior de Polignac,
Anti-Lucretius |
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Das ca. 12.000 Verse umfassende, enzyklopädische Lehrgedicht "Anti-Lucretius sive
de Deo et natura libri novem" des Kardinals Melchior de Polignac (1661-1741) erschien
1747 aus dem Nachlass. Es behandelt in Auseinandersetzung mit dem epikureischen
Lehrgedicht "De rerum natura" des Lucretius (gest. ca. 55 v.Chr.) die gesamte
Naturwissenschaft des späten 17./ frühen 18. Jahrhunderts und zählt zu den
bedeutendsten Werken seiner Gattung. Im Rahmen eines von 1996 bis 2000 geförderten
DFG-Projekts wird eine kritische Edition mit Übersetzung und Kommentar vorbereitet.
Demnächst soll ein erster Band (Bücher 1-5) erscheinen; vgl. einstweilen
Publikationsliste
Nr. III 10; 31. |
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Mitarbeit im
„Internationalen Kolleg für Geisteswissenschaftliche Forschung“
(Käte Hamburger Kolleg),
www.ikgf-religions.de |