Doctrina Machumet

 

Im Rahmen dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes wird unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold F. Glei und der Mitarbeit von Dr. Ulisse Cecini und Concetta Finiello eine kritische Edition mit deutscher Übersetzung und Kommentar der Doctrina Machumet des Hermann von Dalmatien und der arabischen Vorlage vorbereitet.

 

 

 

 

 

 

Titelvignetten aus der deutschen Ausgabe

der Schrift des Dionysius Cartusianus

Contra Alcoranum et sectam Machometicam,

Strassburg 1540

 

 

 

In der von Petrus Venerabilis initiierten, 1142/43 fertig gestellten sog. Collectio Toletana finden sich neben der lateinischen Koranübersetzung des Robert von Ketton auch Übersetzungen verschiedener anderer arabischer Quellen, namentlich der Apologie des Al-Kindi sowie dreier Werke, die der legendären Hadith-Literatur zuzuordnen sind. Während die Koranübersetzung und auch die Apologie sich seit längerer Zeit der Aufmerksamkeit der Forschung erfreuen, wurden die kleineren Schriften des Corpus Toletanum bisher vernachlässigt. Die bedeutendste dieser Schriften berichtet von vier Juden in Yathrib, die unter Führung eines gewissen „Abdia iben Salon“ (Abdallah ibn-Salam ibn al-Harith, gest. 665 CE) zu Muhammad kommen und ihm 100 Fragen (später auf bis zu 1404 Fragen erweitert) über ihr Gesetz stellen. Das Werk endet mit der Bekehrung des Abdia, der sich fortan Abdallah nennt, und war wegen des Propagandawertes dieses „Musterkonvertiten“ (Paret) in der arabischen Welt unter dem Titel Masa’il Abdallah ibn-Salam (Fragen des Abdallah) in verschiedenen Versionen verbreitet. Hermann von Dalmatien (auch Hermann von Carinthia, Hermann von Kärnten) hat die Schrift unter dem Titel Doctrina Machumet ins Lateinische übersetzt, die daraufhin eine grosse Nachwirkung entfaltete. Die Doctrina wurde erstmals von Theodor Bibliander (Basel 1543) und gleichzeitig in einer etwas abweichenden Version von Johann Albrecht von Widmanstetter (Nürnberg 1543) gedruckt und in verschiedene europäische Sprachen übersetzt.

Die Nachrichten über das Leben des versierten Übersetzers Hermann sind spärlich. Demnach wurde Hermann um 1100 vermutlich in Istrien (heute Kroatien) geboren, wo er wohl auch eine benediktinische Klosterschule besuchte. Das Studium führte ihn zunächst nach Chartres, wo er an der dortigen Kathedralschule von Thierry von Chartres unterrichtet wurde, und später nach Paris, wo er Robert von Ketton kennenlernte, mit dem er von 1134 bis 1138 Europa und den Nahen Osten bereiste. Nach seiner Rückkehr hielt sich Hermann längere Zeit an der berühmten „Übersetzerschule von Toledo“ auf, wo er sich sich als Übersetzer arabischer Schriften aus dem Bereich der Mathematik und Astronomie hervortat: Ihm ist die lateinische Übertragung der arabischen Version des Planisphaerium des Claudius Ptolemaeus und des Kitab al-madkhal ila ilm ahkam al nujum („Einführung in die Astronomie“) des Abu Ma'shar zu verdanken. Hermann werden mehrere philosophische und astronomische Schriften zugeschrieben, als zweifelsfrei eigenständig verfasstes Werk gilt bislang einzig der 1143 verfasste Traktat De essentiis, in welchem Hermann physikalische und metaphysische Probleme nach lateinischen und arabischen Quellen behandelt.

Eine kritische Edition des lateinischen Textes auf der Grundlage der relativ zahlreichen Handschriften (bisher sind 27 ermittelt worden) ist in Arbeit. Darüber hinaus ist eine Untersuchung über die Rezeption der Doctrina im christlichen Europa, die bisher überhaupt nicht näher erforscht worden ist, geplant.

Ein Vergleich mit dem arabischen Original fehlt bisher ebenfalls und gestaltet sich schwierig: Es ist bisher nicht kritisch ediert, ja eine ‚definitive‘ Edition dieses Textes scheint wegen der zahlreichen verschiedenen Fassungen gar nicht möglich zu sein. Eine in Kairo um 1867 gedruckte Ausgabe konnte inzwischen in zwei Exemplaren ausfindig gemacht werden, außerdem ein Nachdruck sowie eine englische Übersetzung aus einem arabischen Original. Bezüglich der Handschriften müssen noch umfangreiche Recherchen angestellt werden, die im Idealfall zur Identifizierung der Vorlage von Hermann von Dalmatien oder wenigstens einer ähnlichen Fassung führen sollen. In jedem Fall wird der Edition des lateinischen auch ein kommentierter arabischer Text, jeweils mit deutscher Übersetzung, beigegeben werden.

Das Projekt wurde im Rahmen des „Internationalen Kollegs für Geisteswissenschaftliche Forschung“ (Käte Hamburger Kolleg) am Bochumer „Centrum für Religionswissenschaftliche Studien“ (CERES) durchgeführt und hatte eine Laufzeit von 2011-2014.

Die Publikation soll 2017 in der Reihe „Corpus Islamo-Christianum“ (Series Arabica-Latina) bei Harrassowitz erscheinen.

 

Projektleiter:

Prof. Dr. Reinhold F. Glei

Projektmitarbeiter:

Dr. Ulisse Cecini (arabischer Text)

Concetta Finiello M.A. (lateinischer Text)