RUB » Startseite » Prof. Dr. Reinhold F. Glei: DFG-Projekt "Christias"

DFG-Projekt "Christlicher Fundamentalismus"

 

Im Rahmen dieses DFG-Projekts wird unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold F. Glei eine kritische Edition des Tractatus contra principales errores perfidi Machometi des Kardinals Juan de Torquemada (Iohannes de Turrecremata) mit Übersetzung vorbereitet. Unter der wissenschaftlichen Mitarbeit von Concetta Finiello werden die Textzeugen (bisher 14 Handschriften und 6 Drucke ermittelt) beschafft und kollationiert. Die aus der Kollation resultierenden Varianten der Handschriften und der Drucke werden im textkritischen Apparat nachgewiesen.

 

 

Juan de Torquemada (1388-1468) wurde als Sohn einer adligen Familie in Valladolid geboren und trat mit fünfzehn Jahren dem Dominikanerkonvent in seiner Heimatstadt bei. 1417 nahm der junge Mönch als Begleiter des Dominikaner-Provinzials Ludwig von Valladolid am Konzil von Konstanz teil. Nach einem mehrjährigen Studienaufenthalt in Paris kehrte er 1425 nach Kastilien zurück, wo er den Konventen von San Pablo (Valladolid) und San Pedro (Toledo) als Prior vorstand. Im Jahre 1431 ging er als Ordensdelegierter und Gesandter seines Königs Juan II. zum Basler Konzil. Dort entwickelte er sich zum führenden Vertreter papalistischer Positionen und verteidigte nachhaltig die Autorität des Papstes gegenüber dem Konzil, was ihm die Berufung zum Magister Sacri Palatii (1434) und die Ehrenbezeichnung defensor fidei (1439) durch Papst Eugenius IV. einbrachte. Im Jahr 1439 wurde er zum Kardinal ernannt und stand fortan im diplomatischen Dienst des Papstes, dessen Primat er gegenüber den Konzilien unermüdlich verteidigte. Nach der Rückkehr von Eugenius IV. nach Rom (1443) sah Torquemada seinen diplomatischen Auftrag als erfüllt an und widmete sich in der Folgezeit vornehmlich der literarischen Tätigkeit, in der unter anderem sein Hauptwerk Summa de Ecclesia (1453) entstand. Mit der Wahl von Enea Silvio de' Piccolomini zum Papst Pius II. im Jahre 1458 betrat Torquemada als enger Vertrauter des Papstes wieder das öffentliche Parkett. An der Seite von Pius II. verfocht Torquemada die Idee eines erneuten Kreuzzuges, die bei den europäischen Fürsten jedoch weitestgehend auf Desinteresse stiess und am 15. August 1464 mit Papst Pius II. zu Grabe getragen wurde. Nach dem Scheitern des Unternehmens widmete sich Torquemada bis zu seinem Tod am 26.9.1468 kirchlichen und literarischen Arbeiten.

Juan de Torquemada verfasste den Tractatus contra principales errores perfidi Machometi (1458/1459) in einer für das Abendland und die römisch-katholische Kirche kritischen Zeit. Seit der Eroberung Konstantinopels durch den osmanischen Sultan Mehmet II. (1453) empfand das christliche Europa den Islam als Bedrohung, die angesichts der unaufhaltsamen Expansion der Türken verstärkt wurde.

Mit der Wahl von Enea Silvio de' Piccolomini zum Papst Pius II. trat ein entschlossener Befürworter eines erneuten Kreuzzugs auf den Plan. Im Jahre 1459 hielt das Oberhaupt der römischen Kirche in Mantua einen Kongress zur Türkenfrage ab, zu dem er die europäischen Fürsten einlud, um sie für das geplante Kreuzzugsunternehmen zu gewinnen.

Auf persönlichen Wunsch des Papstes sollte auch der spanische Kardinal Juan de Torquemada an der Versammlung teilnehmen. Torquemada nahm die Einberufung zum Anlass, den Tractatus contra principales errores perfidi Machometi abzufassen. Im Prooemium der Papst Pius II. gewidmeten Schrift erklärt Torquemada die Intention seines Werkes. Er möchte dem Papst für den bevorstehenden Kongress das theologische Rüstzeug an die Hand geben: Die Irrlehren Mohammeds und seiner Anhänger stellten für das christliche Abendland eine Bedrohung dar, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen gelte. Um die Fürsten Europas von der Notwendigkeit eines mit Schwertern geführten Krieges gegen den Islam zu überzeugen, bedürfe es der theologischen Widerlegung der Irrlehren Mohammeds.

Das fünfzig Kapitel umfassende Werk lässt sich in drei Teile gliedern: Im ersten Teil (Kap. 1-6) wird ein wenig schmeichelhaftes Bild des Propheten Mohammed gezeichnet. Nach Ansicht des Autors sei der sogenannte Prophet in Tat und Wahrheit nichts weiter als ein gerissener Betrüger und Verführer der Menschen, dessen Religion nicht auf dem göttlichem Gesetz beruhe.

Der zweite Teil (Kap. 7-47) bildet das ´Herzstück´ der Schrift: Die Widerlegung der Irrlehren Mohammeds. Angesichts der unüberblickbaren Vielzahl der errores perfidi Machometi sieht sich der Verfasser gezwungen, sich auf die Hauptirrlehren zu beschränken, zu denen Torquemada nicht weniger als vierzig Irrtümer zählt. Jeder Irrlehre widmet er jeweils ein Kapitel, deren Widerlegung er immer die gleiche methodische Vorgehensweise zugrundelegt: Einer kurzen Darstellung der Irrlehre folgt unter Berufung und Auslegung einer oder mehrerer Bibelstellen die Widerlegung. Die argumentative Entkräftung erfolgt auch durch den Vernunftbeweis, wie ihn Thomas von Aquin in seinen Schriften entwickelt hat. Zur Untermauerung seiner Argumente zieht er weitere Schriften heran, zu denen u.a. das sog. Corpus Toletanum, der von Robert von Ketton ins Lateinische übertragene Koran, die Doctrina Mahumeti oder die Epistola Sarraceni et Rescriptum Christiani zählen. Darüber hinaus nennt er namentlich die spätantiken Autoren Augustinus, Ambrosius, Hieronymus, Laktanz, Boethius, Isidor von Sevilla und Dionysius Areopagita.

Der dritte Teil seiner Schrift (Kap. 48-51), der der Einzelwiderlegung der vierzig Irrlehren folgt, fasst das bisher Dargelegte zusammen. Das Schlusskapitel beschliesst Torquemada mit einer Aufforderung, die unmissverständlich an die Fürsten Europas gerichtet ist: Seinem mit dem Wort geführten Kampf gegen die Irrlehre Mohammeds müsse nun der Kampf mit dem Schwert gegen die Feinde der Christenheit folgen.

Deutlicher hätte Torquemada das Ziel seiner Schrift nicht zum Ausdruck bringen können. Mit seinem Werk liefert der Mitstreiter dem Papst die theologische Rechtfertigung für den (historisch zum Scheitern verurteilten) Versuch einer gewaltsamen Niederschlagung des Islams.

 

 

 

Homepage Prof. Dr. Reinhold F. Glei   /   Homepage Concetta Finiello

  

Seitenanfang