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DFG-Projekt "Christias"

 

Im Rahmen dieses von der DFG geförderten Projekts wird unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold Glei und der Mitarbeit von Eva von Contzen, Dr. Wolfgang Polleichtner und Michael Schulze Roberg eine kritische Edition, eine deutsche Übersetzung und ein Kommentar der sechs Bücher von Marco Girolamo Vidas Christias erstellt.

Vida wurde zwischen 1480 und 1485 in Cremona geboren und erhielt trotz der wirtschaftlich wohl schwierigen Verhältnisse seiner Familie eine gute Erziehung und Bildung. Nach seiner Schulzeit ging Vida nach Rom, um dort Philosophie, Theologie und Jura zu studieren. Vidas Hauptwerke sind: Scacchia ludus, De arte poetica, Bombyces, De dignitate reipublicae und eben die Christias. Andere Werke, wie das Epos auf Papst Julius II (die Julias), sind verloren. Vida wurde Bischof in Alba und nahm am Konzil von Trient teil.  Am 27.9.1566 starb er in Alba.

Die Christias ist ein episches Gedicht über das Leiden, den Tod und die Auferstehung Jesu, das 1535 in Cremona im Druck erschien. Vida arbeitete daran seit 1518, als Papst Leo X ihm den Auftrag für ein gegenreformatorisches Werk erteilte. 1530 wurden in Bologna erste Rezitationen aus dem Werk gehalten, und 1532 bekam Papst Clemens VII das vollständige Manuskript. Dieses Manuskript befindet sich heute in Florenz und zeigt, dass Vida offenbar bis zuletzt noch an den Versen feilte.

Vida ließ sich in seinem Schaffen vor allem von der Epik Vergils leiten, den er für den größten aller Dichter hielt. Aber auch andere Einflüsse aus der zur Verfügung stehenden antiken Literatur, die damals durch viele Erstdrucke in rapider Entwicklung immer besser zugänglich wurde, sind deutlich erkennbar.

Die Christias war gleich nach ihrem Erscheinen ein großer Erfolg und blieb in ganz Europa bis ins 19. Jahrhundert sehr einflussreich. So finden sich Spuren der Rezeption dieses Christus-Epos etwa bei Milton oder Klopstock.

Das erste Buch der Christias führt Jesus am Palmsonntag nach Jerusalem und endet mit der Verherrlichung Christi am Berg Tabor. Buch 2 berichtet von den Plänen der Priester und Schriftgelehrten sowie des Satans und der Hölle gegen Jesus. Es folgen ein Katalog der Stämme Israels, die zum Paschafest nach Jerusalem strömen, und die Ereignisse des Gründonnerstags.  Das Buch endet mit Jesu Gefangennahme und Überstellung an Pilatus. In Buch 3 und 4 befinden sich Joseph (der Vater Jesu) und Johannes (der Lieblingsjünger Jesu) bei Pilatus, um Jesus vor dem Statthalter zu verteidigen. Dies gibt Vida die Gelegenheit, durch den Mund Josephs die Kindheit Jesu in Buch 3 in einer Rückblende zu beleuchten, während Johannes dasselbe in Buch 4 mit den durch Jesus seither vollbrachten Taten macht. Am Ende von Buch 4 wird Johannes allerdings durch den Mob unterbrochen, der den Tod Jesu fordert. Joseph und Johannes müssen fliehen. Buch 5 enthält die Ereignisse des Karfreitags. Gott kann nur mit Mühe seine Engel von einer Intervention abhalten und besänftigt sie mit einer Rede, in der er die Zukunft der Welt nach der Erlösung durch Christi Tod darstellt. Das Buch endet mit dem Erdbeben, der Sonnenfinsternis und dem Zerreißen des Vorhangs im Tempel, die dem Tod Jesu folgen. In Buch 6 wird Jesus begraben, erlöst die armen Seelen von ihrer langen Wartezeit. Es schließen sich der Ostersonntag, Christi Himmelfahrt und Pfingsten an. Das Epos endet mit dem Versprechen eines durch die ausgesandten Jünger anbrechenden neuen goldenen Zeitalters für die Welt.

Die kommentierte Edition mit Übersetzung ist 2013 im WVT Trier in zwei Bänden erschienen (siehe Publikationsliste Nr. I 12).

 

 

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