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BAC 78

Lucans Bellum Civile.
Studien zum Spektrum seiner Rezeption von der Antike bis ins 19. Jahrhundert

Christine Walde (Hg.)

Die Rezeption antiker Texte ist heute selbstverständlicher, wenn auch noch nicht klar definierter Bestandteil der Klassischen Philologie. Dennoch verleiht diese nur im Verbund mit anderen Disziplinen zu leistende Horizonterweiterung den Vorbedingungen und Beschränkungen unserer zeitgenössischen Interpretation der antiken Texte Konturen. Hierfür soll dieser Band zur wechselvollen und ununterbrochenen Rezeption des römischen Epikers Marcus Annaeus Lucanus, der Beiträge von Forschern und Forscherinnen verschiedener Disziplinen und scientific communities vereint, ein Specimen sein. In mehrfacher Hinsicht führt der Aufweis der komplizierten Rezeptionsgeschichte des Bellum Civile, das immer wieder in bestimmten historischen Situationen, insbesondere Krieg und Bürgerkrieg verstärkt zum Referenzpunkt wurde, in die Untiefen der europäischen Geistesgeschichte, schließlich handelt es sich bei Lucan um einen der wenigen römischen Autoren, die über Jahrhunderte eine überragende Position im Literaturkanon einnahmen, um dann einer 'ideologisch-ästhetischen' Bereinigung des Kanons zum Opfer zu fallen. Faszinierend ist auch der ständige Wechsel der Interpretationsparadigmata, der sich nicht zuletzt der schillernden Caesar-Gestalt Lucans verdankt und sich im Pendelschlag ideologischer Grabenkämpfe zwischen "Republik" und "Prinzipat" bewegt. Über diese spektakulären Rezeptionsphänomene wird häufig vergessen, dass Lucan über viele Jahrhunderte eine Aufmerksamkeit fand, die derjenigen Vergils kaum nachstand.

Die 17 Beiträge des vorliegenden Bandes, die exemplarisch bestimmte Aspekte der Lucan-Rezeption in Literatur, Musik und Wissenschaft von der Antike bis ins 19. Jahrhundert vorstellen, wollen Schneisen in dieses bislang noch nicht systematisch erschlossene Gebiet schlagen und Anreiz zu weiteren wissenschaftlichen Entdeckungsreisen sein.

J. Walter: Christianorum Lucanus? Zur Lucan- (und Seneca-)Rezeption in Gewaltdarstellungen bei Prudentius
L. Nosarti: Tessere lucanee in Draconzio e Corippo
T. Murgatroyd: Arnulf and Lucan
A. Ambühl: Ein mittelalterlicher Lucan-Kommentar in der Universitätsbibliothek Basel (A λ II 24a): Edition in Auszügen und Einordnung in die Kommentartradition
G. Bobeth: Lucan im musikalischen Vortrag des Mittelalters: Der Planctus Corneliae und andere gesungene Passagen aus dem Bellum Civile
S. Gropper: Sallust und Lucan auf Isländisch: Ein Beispiel für die Position der mittelalterlichen Übersetzung zwischen Textrezeption und Textproduktion
C. Finiello: Lucans Erictho in der spanischen Literatur des Siglo de Oro
R. F. Glei: Aufstand gegen den Textsinn: Zum Lucan-Cento des Pierre Chrétien (1588)
R. Zeller: Lucan im poetologischen Diskurs der Frühen Neuzeit
Th. Burkard: Stylus Lucani. Jesuitische Lucan-Rezeption im 17. Jahrhundert
L. Sannicandro: Fides fortibus, fraus formidolosis: Lucano, Sir Walter Ralegh e Sir Arthur Gorges
B. Backhaus: Cleopatra in Thomas Mays Supplementum Lucani
E. Fantham: Lucan on the Seventeenth Century Stage: Corneille's Mort de Pompée and the Operatic Tradition
M. Möller: Dunkelrede und Divination. Hölderlins Lucan und die Poetik des Verstummens
C. Walde: Caesar bei C.F. Meyer und in Lucans Bellum Civile
E. Braun: Humanum paucis vivit genus. Zum 'Glaubensbekenntnis' Caesars in Lucans Pharsalia (5,340-343) und einigen Reflexen ihres Caesar-Bildes im Werk Friedrich Nietzsches
C. Finiello: Auswahlbibliographie zur Lucan-Rezeption von der Antike bis zum 19. Jahrhundert

ISBN 978-3-86821-076-7, 622 S., geb., Euro 62,50     2009

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