64. Kunsthistorischer Studierenden KongressSystemtheorie in der KunstgeschichteSteffen RoenspießDie Krise der Kunstgeschichte erneut herauf zu beschwören ist hier fehl am Platz. Methodenvielfalt ist nicht zwingend frevelhaft. Wissenschaft ist nicht vom Zerfall bedroht, wenn ihre Einheit nicht mehr auszumachen ist. Bei einem Blick auf das Angebot der KSK, die ein breites Spektrum kunstgeschichtlichen Betreffs bietet, wird dies deutlich. Die Einheit SYSTEMTHEORIE IN DER KUNSTGESCHICHTE wird ihren Beitrag dazu leisten, indem sie die Relevanz der sozialen Faktoren betont, die auf Kunst Einfluß nehmen. An den Ausgangspunkt soll die der Soziologie entstammende Systemtheorie gesetzt werden. In den 70er Jahren erfuhr diese eine entscheidende Umstellung durch den deutschen Soziologen Niklas Luhmann. Die struktur-funktionalistische Systemtheorie Talcott Parsons wandelte er in eine funktional-strukturelle Theorie um, die in Reaktion auf Erkenntnisse der Neurobiologie (besonders Maturana und Varela) in der Lage war dynamische Prozesse beschreiben zu können. Im Mittelpunkt stehen selbstreferentielle soziale Systeme in die sich die Gesellschaft ausdifferentiert hat. Diese umfassen die verschiedensten Bereiche, wie Wirtschaft, Recht, Wissenschaft und Kunst. Am Anfang wird eine allgemeine Einführung stehen. Ein Vortrag wird die Grundbegriffe der luhmannschen Theorie erläutern. Ebenso soll der Mitschnitt eines Gesprächs Alexander Kluges mit Niklas Luhmann gezeigt werden, in dem die Denkweise der Systemtheorie verdeutlicht wird. Diese grundlegende Terminologie kann für die Kunst nutzbar gemacht werden. Eine Darstellung findet sich in einem Buch Luhmanns mit dem Titel "Die Kunst der Gesellschaft". Ein Vortrag wird programmatische Schriften in ihren wesentlichen Punkten skizzieren. Er stellt, wie auch der erste, die Basis für eine anschließende Diskussion dar. In ihr findet sich die Möglichkeit systemtheoretisches Denken besser zu verstehen, aber auch zu kritisieren. Um den hohen Abstraktionsgrad der Theorie auch praktisch umzusetzen und zu konkretisieren, wird ein weiterer Vortrag versuchen dies an Werken von Robert Rauschenberg und Cy Twombly darzustellen. Hier soll es vor allem um methodische Fragen gehen. In einem zweiten Vortrag wird eine Umsetzung für Museen diskutiert. Im Anschluß ist es möglich im Hagener Karl Ernst Osthaus Museum sich ein Bild von einem systemtheoretisch orientierten Museum zu machen. Der Museumsdirektor wird später in einer Diskussion zur Verfügung stehen. Wir freuen uns über weitere Referatangebote zu den Themengebiete. Eine gute Einfuehrung in das Thema findet sich in Kneer/ Nasehi und in Luhmanns Aufsatz "Ist Kunst codierbar?". Links:
Literatur:
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