Versuchsanordnungen über Photographie. Die Nachtbilder und Stereoaufnahmen von Thomas Ruff |
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Wenn Ruff mit Nachtsichtgerät und Stereoskopie neue Krücken der Abbildung hinzuschaltet, ist dies auf die Photographie selbst und ihre technische Prozeßhaftigkeit mit der bilddeterminierenden Konsequenz rückzubeziehen, da er nur die Zahl der Determinanten erhöht. Um der Mystifikation der Authentizität und Analogie zu entkommen, greift er selbst zu überlegten Manipulationen zur Kompensation derjenigen, die dem Apparat inhärent sind.[Anm. 4] Wegen dieses gemeinhin der Photographie unterstellten Vermögens, eine der Wirklichkeit analoge Erfahrung vermitteln zu können, wird sie in vielerlei Verwendungszusammmenhängen instrumentalisiert. Der Zwang, dem die Photographie unterliegt, resultiert weniger aus dem Medium als aus den auf ihm lastenden Gebrauchsformen und Diskursen.[Anm. 5] Die primäre Entscheidung für diverse Techniken hat also nicht nur einen experimentell-manipulativen Reiz, sondern thematisiert vor allem die Eingebundenheit der Photographie in Nutzungskontexte. Die in solchen Kontexten etablierten Erwartungen an das Medium realisiert Ruff lediglich partiell, um durch gleichzeitige Affirmation und Negation die Klischees auf sich selbst hinweisen zu lassen. Auf diese Art können seine Photographien, gerade weil sie ihre Techniken aus massenmedialen Diskursen entlehnen, sich einer Befragung ihrer Funktionalisierung stellen. Der erzeugte Charakter ist nicht allein technisch durch die ins Bild gesetzten Sichtgeräte, sondern auch an den Versatzstücken verschiedener Motivgebiete und Genres ablesbar. Indem Ruff letztere in seinen Serien jeweils aushöhlt, postuliert er "die Rolle des photographischen Kontextes bei der Bildung von photographischer Bedeutung."[Anm. 6]
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Anmerkungen: |
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