Bochumer Theologinnen
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Bochumer Theologinnen

Hier stellen sich nach und nach Professorinnen, (wissenschaftliche) Mitarbeiterinnen und Studierende der Fakultät vor und berichten aus ihrem Alltag in der Theologie...



Dr. theol. Gunda Werner-Burggraf,
wissenschaftliche Mitarbeiterin am LS Dogmatik

Warum habe ich mich für eine wissenschaftliche Laufbahn in der Katholischen Theologie entschieden?

Wenn ich das im Rückblick betrachte, dann ist meine wissenschaftliche Laufbahn zunächst ja einmal sehr jung. Meine Promotion habe ich parallel zu den unterschiedlichsten beruflichen Stationen geschrieben, habe also immer mit beiden Beinen in der pastoralen Praxis und der Bildungsarbeit gestanden. Aus diesen Erfahrungen heraus habe ich mich mit Theologie beschäftigt und Theologie unter der Perspektive der Praxiserfahrung reflektiert. Zugleich ist natürlich meine Praxis immer nur die Auseinandersetzung der dogmatischen Theologie gegangen und der Frage, wie kann ich den philosophischen Begründungsansatz in meiner Praxis umsetzen. Da ich bereits auch im Studium sehr viel Zeit in der ehrenamtlichen Arbeit und als Referentin in der außerschulischen Schulseelsorge verbracht habe, ist diese Doppelbewegung wohl das ausschlaggebende meiner Theologie. Dennoch bin ich in der Dogmatik gelandet und das aus zwei sehr biographischen Gründen: ich bin durch zwei Jahre Konfirmandenunterricht gegangen und habe damals schon nicht verstanden, wie das funktionieren kann mit der Gnade Gottes und der Freiheit des Menschen, wenn doch Gott den Mensch nach dem Sündenfall erst wieder herstellen muss. Diese Frage ist mir geblieben und hat mich in der Systematischen Theologie suchen lassen. Außerdem wollte ich nicht akzeptieren, dass in der Mathematik einfach so Eins als Eins akzeptiert wird (auf jeden Fall in der Mathematik der gymnasialen Unterstufe). Ersteres hat mich noch vor dem Studium bewogen, katholisch zu werden, letzteres hat meinen Notendurchschnitt nachhaltig sinken lassen.
Nach den vielen Jahren der Arbeit stand für mich eine Zäsur an und mit ihr die Frage: mache ich Ernst mit der Wissenschaft oder wird die Habilitationsschrift vielleicht "nur" ein zweites Buch. Nachdem ich an der Uni bisher nie gearbeitet und im klassischen Sinne keine Laufbahn eingeschlagen hatte, habe ich mich dafür entschieden. So stehe ich nach vielen anderen Wegen in einer wissenschaftlichen Laufbahn und sehe dort die Herausforderung, einerseits die Rollenprosa zu erlernen und andererseits einen eigenen Akzent aufgrund meiner beruflichen Erfahrung und meiner feministischen Überzeugungen zu setzen.


Was interessiert und motiviert mich besonders an meiner Arbeit? Was macht meinen Fachbereich für mich so besonders?

An meiner Arbeit motiviert mich die Lehre. Ich arbeite sehr gerne mit jüngeren und jungen Menschen zusammen. Zunehmend hat mich in meinen bisherigen Arbeitskontexten gestört, dass die inhaltlichen Fragen im Hintergrund stehen. Dies nun in den Mittelpunkt zu stellen und damit an einem Profil von Theologie arbeiten zu können, das sich aus den verschiedenen Bereichen des Arbeitens, meiner Lebenserfahrung, der Überzeugung, dass jeder Mensch ein Theologie-generierender "Ort" ist und diese Theologien in einen Diskurs gehören und den inhaltlichen Anliegen der Dogmatik zusammensetzt, empfinde ich als ein großes Geschenk. Besonders ist für mich in der Dogmatik seit meiner Konfirmation, dass es um die Frage nach dem, was der Mensch ist und wie das Verhältnis Gottes zum Menschen denkbar ist, geht und dies in den unterschiedlichen Ausprägungen und Transformationen der Dogmatik und ihrer Inhalte zu reflektieren. Mich motiviert in der Forschung, bisher nicht in den Diskurs verwobenen Theorien miteinander zu diskutieren und in der Forschung anthropologisch relevante Themen in den Mittelpunkt zu stellen und aufzuweisen, dass es auch anthropologisch von Relevanz ist, dass die Modernitätskrise, wie sie sich in der Kirche zeigt reflektiert und mit Lösungsangängen bedacht wird.

Welche wichtigen Stationen gab es bislang in meiner akademischen Karriere? Welche Hilfestellungen habe ich erhalten (Personen, Institutionen, Stipendien)? Wo sehe ich Herausforderungen und/oder Probleme einer akademischen Laufbahn?


Wesentliche Stationen auf meine wissenschaftlichen Weg waren das Studium in Münster. Dort ist für mich die Auseinandersetzung mit der Theologie von Thomas Pröpper bereits im zweiten Semester zum entscheidenden Punkt gelangt, in der Theologie zu bleiben und das Studium fortzusetzen. Dass es Theologie geben kann, die in dieser Konsequenz philosophisch verantwortet ist, hat mich, die ich im Grunde immer an den philosophischen Themen interessiert war, überzeugt. Ohne seinen steten Zuspruch, die Promotion auch neben der vollen Stellen zu schreiben, wäre ich wohl nicht durchgekommen. Unterstützens wert da vor allem die Zeit, die Projektgespräch bekommen haben und die Kolloquien, die - nicht unanstrengend - doch voran gebracht haben. Neben der steten zusagenden Unterstützung von Thomas Pröpper hatte ich keinerlei institutionelle Unterstützung, habe aber erlebt, dass meine jeweiligen KollegInnen an dem Promotionsprojekt mit Interesse und mancher Nachsicht Anteil genommen haben.
Die Herausforderungen einer akademischen Laufbahn jenseits der Promotion sehe ich darin, dass es so scheint, als sei gute Lehre und gute Forschung kaum miteinander zu vereinbaren und als würde die Gewichtung auf guter Lehre schlechtere Karten in der guten Forschung bedeuten, letzteres aber schlechtere Chancen in der beruflichen Perspektive. Große Probleme sehe ich natürlich in der Entwicklung der Hochschullandschaft und in der bleibenden Diskriminierung von Frauen einerseits, aber auch der fehlenden Klugheit und Strategie von Frauen untereinander andererseits.


Was würde ich Menschen raten, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben?

Auf jeden Fall einige Jahre außerhalb der Universität zu arbeiten, sich sehr gut zu vernetzen und sich außerordentlich um die Ausprägung kollegialen Arbeitens und Denkens zu bemühen. Nur gemeinsam können wir Frauen die Landschaft verändern und nur gemeinsam eine veränderte Perspektive und Kultur des Forschens, Theologie-Treibens und Karriere-Denkens ermöglichen.

Welche Bedeutung hat das Thema Gleichstellung für mich und meine Arbeit an der Fakultät?

Ich bin froh, dass es sie gibt. Ich habe die Befürchtung, dass sie nicht genug ausrichten kann und würde mir wünschen, es gäbe für Stellen, Konferenzen, Tagungen, Veröffentlichungen etc. feste Quoten.