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"Ich habe Freundschaften geschlossen, die bis heute halten"

Pia Eickelmann

geboren 1992
Studentin im Fach Physik (Bachelor of Science)
(Stand: 1.7.2013)

Teilnahme an Physik-Projektwoche in den Jahren 2006 und 2007, am Girls' Day in den Jahren 2007 und 2008 und an der MINT-Sommerprojektwoche im Jahr 2007

Wer oder was hat Sie bewogen, an diesem Projekt teilzunehmen?

Die Physik-Projektwoche 2006 wurde von meiner Physiklehrerin in der Schule beworben, als ich in der neunten Klasse war. Damals habe ich mit zwei Freundinnen daran teilgenommen und spätestens seitdem bin ich begeistert von Physik und hatte vor, Physik zu studieren. Die weiteren Veranstaltungen wurden auch immer in meiner Schule beworben, jedoch habe ich von denen, glaube ich, jeweils schon vorher über E-Mail, die Homepage der Uni oder über Uni-Leute, zu denen ich Kontakt hatte, erfahren.

Am ersten Projekt habe ich teilgenommen, weil ich Physik schon immer ganz interessant fand und meine Freundinnen auch teilnahmen. Alle weiteren Projekte besuchte ich dann aus großem Interesse an Physik, um Freunde an der Uni wiederzutreffen, die ich in der ersten Projektwoche gewonnen hatte und auch um neue Leute kennenzulernen, denn auch dazu bieten Projektwochen immer eine gute Plattform.

Bei der MINT-Sommerprojektwoche fand ich außerdem interessant, dass das Spektrum der Fächer etwas größer war, sodass ich die Möglichkeit hatte, in mehrere Bereiche hineinzuschnuppern, weil ich zwischendurch etwas Angst hatte, mich zu sehr auf Physik als Studienfach einzufahren und deshalb vergessen könnte, nach links und rechts zu schauen und deshalb nicht zu merken, dass es vielleicht noch etwas anderes gibt, dass ich eher studieren sollte, weil es mir mehr Spaß machen würde.

Was haben Sie sich davon versprochen und welche Erwartungen haben sich bestätigt?

Ich wollte mich mit einer Physik beschäftigen, die etwas über den Schulstoff hinausgeht bzw. andere Fachbereiche wie Elektrotechnik kennenlernen, die man so nicht aus der Schule kennt. Außerdem wollte ich neue Leute kennenlernen und alte Freunde wiedertreffen. Alle diese Erwartungen haben sich erfüllt.

Woran denken Sie, wenn Sie an das MINT-Projekt zurückdenken?

Ich denke daran, dass ich während der MINT-Sommerprojektwoche in viele Bereiche Einblick erhalten habe. Ich hatte sogar überraschenderweise ein Psychologieseminar in meinem Stundenplan! So konnte ich einen ganz anderen Teil der Uni und einen ganz anderen Stil des Lernens kennenlernen und mich vergewissern, dass ich tatsächlich lieber etwas Naturwissenschaftliches studieren möchte. Diese Projektwoche war ganz anders als die an der Fakultät für Physik, weil man sich hier nicht mit einem Thema über eine Woche hinweg beschäftigt hat, sondern ein paar Fachbereiche nur kurz angeschnitten und dann wieder etwas ganz Neues gesehen hat. Das war gut, um viel zu sehen. Jedoch habe ich es auch vermisst, mich mit einem Thema mal etwas genauer auseinanderzusetzen. Ich hatte das Gefühl, dass ein so kurzer Einblick vielen Bereichen nicht annähernd gerecht werden konnte.

Außerdem fand ich es damals schade, dass so viel extra für uns Schüler gemacht wurde und man nicht einfach mal in eine reguläre Veranstaltung gehen konnte. Inzwischen ist mir aber klar, dass das vor allem bei den Naturwissenschaften gerade im Sommer nicht sinnvoll gewesen wäre. Vielleicht wäre es aber eine Möglichkeit gewesen, auch in den naturwissenschaftlichen Bereichen eine Vorlesung zu besuchen und eine Vorstellung davon zu bekommen, was eine Vorlesung überhaupt ist und wie sie abläuft. Insgesamt hat mir die Woche noch mal neue Sicherheit bezüglich meiner Interessen gegeben und mir neue Erfahrungen gebracht, die ich nicht missen möchte.

Zum Girls‘ Day muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich gar nicht mehr weiß, welchen Workshop ich gewählt hatte. Ich weiß, dass ich bei einem Physik-Workshop im Schülerlabor war und ein Professor uns Teslaspulen und Entladungen durch die Luft vorgeführt hat und im Stromkreis eine Bockwurst erwärmt hat. Ich glaube, der Workshop hieß „Blitze im Labor“ oder so ähnlich. Dieser Workshop hat mich ein wenig enttäuscht, weil ich die Uni zu dem Zeitpunkt schon kannte, ebenso wie das Schülerlabor und die Zeit sehr, sehr kurz war, um wirklich einen Workshop durchzuführen und dann noch durch die Veranstaltung um das Projekt herum so viel Zeit verloren ging. Außerdem war die "Durchführung" des Workshops selbst eher dürftig, ich hatte den Eindruck, dass der Professor einfach einen spektakulären Versuch herausgesucht hat und dann ein wenig ohne besonderen Plan damit gespielt hat und das ein oder andere, was ihm dazu eingefallen ist, erklärt hat, um es mal übertrieben darzustellen. Ich weiß aber noch, dass mir ein anderer Workshop besser gefallen hatte, nur welcher von den vielen beim Besuch der verschiedenen Projekte das jetzt war, weiß ich leider nicht mehr.

Was war Ihr "Highlight" im Projekt?

Mein Highlight in der Sommerprojektwoche war ein Experiment im Bereich der Elektrotechnik. Erst wurden die Schallverteilungen in Räumen am Computer simuliert, danach schauten wir uns einen richtig schallisolierten Raum an und experimentierten in einem Tonstudio mit verschiedenen Soundsystemen und Frequenzen. Das hat mir damals sehr viel Spaß gemacht und ist bis heute hängen geblieben.

Was haben Sie durch die Teilnahme gelernt?

Ich habe ein klein wenig fachliches Wissen gewonnen, das ich sehr interessant fand und hier und da sogar mal im Unterricht einfließen lassen konnte. Ich habe neue Leute und einen neuen Teil der Uni kennengelernt. Ich habe die Sicherheit erhalten, dass Physik tatsächlich mein Ding ist und die beste Wahl für mich zwischen all den vielen Möglichkeiten ist. Und ich habe einen kleinen Einblick in den Unialltag erhalten.

Welchen Einfluss hatte das Projekt auf Ihre persönliche und berufliche Entwicklung?

Das Projekt hat mir die Sicherheit gegeben, dass Physik die beste Studienfachwahl für mich ist und ich mich nicht dafür entschieden habe, ohne ab der neunten Klasse weder nach rechts und links geschaut zu haben, sondern überhaupt mal andere Bereiche kennengelernt habe. Jetzt studiere ich Physik und bin sehr glücklich damit!

Was würden Sie interessierten Schülerinnen vor Studienbeginn raten?

Wenn es Projektwochen und Ähnliches gibt, nehmt daran teil, egal, ob von einer Uni oder sonst wem organisiert, es ist immer eine tolle Erfahrung, sowohl fachlich (und sei es, um festzustellen, dass das überhaupt nicht Euer Ding ist) als auch menschlich. Ich habe in vielen Projektwochen, vor allem in der Oberstufe, Freundschaften geschlossen, die bis heute halten. Geht auch in die Fachschaften, bombardiert die Studenten dort mit Fragen, geht in die Studienberatung und informiert Euch über die verschiedenen Möglichkeiten. Setzt Euch zu Anfang des Wintersemesters einfach mal eine Woche in irgendwelche Vorlesungen rein, um einfach mal in die Fächer reinzuschnuppern, und guckt Euch die Unis an, um zu sehen, ob Ihr Euch dort wohlfühlt. Wichtig ist vor allem: fragen, fragen, fragen. Alle werden Euch gerne antworten und vor allem gibt es so viele Möglichkeiten, die einem meistens gar nicht bewusst sind! Und natürlich wird es stressfreier, wenn man eher damit anfängt, sich zu informieren, denn dann hat man mehr Zeit sich zu entscheiden, sich ggf. zu bewerben, eine Wohnung zu suchen usw.

Am Ende entscheidet aus dem Bauch heraus. Denn was das Richtige für Euch ist, könnt letztendlich nur Ihr wissen! Habt außerdem keine Angst vor der Entscheidung, sie ist nicht endgültig, wenn es sein muss. Und wenn es dann losgeht, habt keine Angst vor dem Neuen! Freut euch lieber darauf: Die Unis sind mit den Fakultäten und Fachschaften meistens ziemlich gut organisiert und helfen Euch am Anfang, wo sie können. Sie geben Euch die nötigen Informationen, wie alles funktioniert und bieten Euch eine Plattform, auf der Ihr Eure neuen Kommilitonen kennenlernen könnt. Die kommen übrigens auch alle mit einem leichten flauen Gefühl und ohne jemanden zu kennen zur Uni, Ihr seid also nicht alleine und außerdem nicht die Ersten, die das durchmachen mussten!