Sommerprojekt 2011 | 27. - 29. Juli | Programm
Grau ist alle Theorie - entscheidend ist auf dem Platz: Stimmt der alte Spruch? Nein. In spannenden geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Projekten betrachten wir drei Tage lang den Fußball von allen Seiten.
Katholische Theologie
- Fußball: Heiliges Spiel auf heiligem Rasen?
"Heiliger" Rasen; die Fans "pilgern" zum Stadion; das Stadion als "Kathedrale" oder als "Tempel"; das "Schicksalspiel", der "Fußballgott" - es gibt so viele Parallelen zwischen Fußball und Religion, dass man beides verwechseln könnte. Im Seminar besprechen wir zunächst (mit Filmen, Bildern, Websites usw.) einige solcher Parallelen. Dann diskutieren wir, warum für manche (oder für viele!) Fußball offenbar mehr ist als nur ein Spiel. Zuletzt soll anhand eines genauen analytischen Religionsbegriffes erarbeitet werden, wann man sachgerecht Fußball als Religion bezeichnen kann - und wann eben nicht. (Juniorprof. Dr. Matthias Sellmann; Pastoraltheologie)
Geschichtswissenschaft
- Fußball im nationalsozialistischen Deutschland
Kaum neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gewann die deutsche Fußballnationalmannschaft die Weltmeisterschaft in der Schweiz. Etliche der Spieler – vor allem Fritz Walter – waren in diesem Krieg noch Soldaten gewesen und Trainer Josef ‚Sepp’ Herberger war nicht erst seit 1945 sondern schon seit 1936 im Amt. Es liegt nahe zu fragen, ob und was das nationalsozialistische Regime mit der Entwicklung zu tun hatte. Gab es eine Leistungssteigerung als Folge der allgemeinen Wehrertüchtigung? Aber was war dann mit den jüdischen Fußballspielern? In dieser Veranstaltung soll ein wenig der Geschichte des Fußballs zwischen 1933 und 1945 nachgegangen werden. Es wird dabei um radikale Funktionäre, um Soldatenmannschaften und fußballspielende Zwangsarbeiter gehen, aber auch ganz allgemein um die Bedeutung des Fußballs für eine industrialisierte Gesellschaft. (Dr. Lutz Budraß)
- „Scheiß DSF“ – Der Bedeutungsverlust der Stadionbesucher im deutschen Fußball
Mit dem Anpfiff des ersten Zweitligaspiels am Freitag um 18 Uhr startet der Spieltag in den zwei obersten Ligen des deutschen Fußballs und endet am späten Montagabend mit dem Abpfiff des letzten Spiels der 2. Bundesliga. Dazwischen verteilen sich sieben weitere Partien der zweiten, sowie die neun Begegnungen der ersten Liga über das ganze Wochenende.
Mit dieser Zersplitterung der Spieltage ziehen die Deutsche Fußball Liga GmbH und die involvierten Sendeanstalten nicht nur den Zorn der Amateurvereine, sondern auch die Wut der Stadionbesucher auf sich. In diesem Seminar werden wir die sich wandelnde Rolle der Stadionbesucher in wirtschaftshistorischer Sicht analysieren. (Juliane Czierpka; Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte)
Philologie
- Football, Language and Culture
Es mag überraschend klingen: Auch Sprach- und Kulturwissenschaft haben sich ausführlich mit dem Thema Fußball beschäftigt. Die Themen reichen dabei von Fragen, warum Fußball so sehr in der Kultur eines Landes verankert ist (oder auch nicht, siehe die USA), warum Brasilien lieber offensiv und Italien lieber defensiv spielt, bis hin zu Untersuchungen, wie gut es Radioreporter wirklich verstehen, ein Spiel zu schildern oder welche regionalen oder internationalen Unterschiede in Fangesängen auszumachen sind. Diesen und vielen weiteren Fragen werden wir versuchen, in dieser Veranstaltung auf den Grund zu gehen. (Dr. Thorsten Müller; Anglistik)
Jura
- Ultras, Hools und Pyrotechnik – Fankurven als rechtsfreie Zonen?
Bei dieser Einführung in die Wissenschaft vom Fußball wird der Frage nachgegangen, welche Rolle Fans, Vereine, DFL/DFB und Polizei spielen? Es wird ein Überblick über die einzelnen Arten von Fans, die Problematik bezüglich der Verständigung und des Aufeinandertreffens der genannten Gruppen gegeben. Darüber hinaus wird der Gewaltproblematik generell nachgegangen. (Viola Klode; Kriminologie)
Psychologie
- Fußball und Elektrophysiologie ... geht das überhaupt?
Das Electroencephalogram (EEG) ist eine Technik, die es ermöglicht, direkt die Aktivität der Nerven im Gehirn zu messen. Durch extrem gute Verstärker kann man diese sehr schwachen Signale sichtbar machen. In dieser Veranstaltung wird an einer Versuchsperson demonstriert, was man mit dieser Technik alles machen kann. In dem Versuch soll herausgefunden werden, ob man aus EEG ablesen kann, ob die Versuchsperson Philipp Lahm oder Michael Ballack auf dem Bildschirm gesehen hat. Wie das funktioniert wird erst im Juli verraten ... (Dr. Boris Suchan; Neuropsychologie)
Institut für soziale Bewegungen
- Mehr als nur ein Spiel? Historische und Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf den Fußball
Vorlesung für alle Teilnehmer
Obwohl die Parole "Was zählt ist auf'm Platz" bei Betrachtungen des Fußballs regelmäßig bemüht wird, kann kaum übersehen werden, dass Fußball weit mehr ist als nur eine sportliche Auseinandersetzung von 22 Spielern auf dem Platz. Mittlerweile ist Fußball ein gesamtgesellschaftliches Ereignis, das − von der Politik über die Medien und Kultur bis zur Wirtschaft − in die unterschiedlichsten Bereiche hineinwirkt.
Die enorme Aufmerksamkeit, die das Spiel mit dem runden Leder Fußball weckt, hat dazu geführt, dass immer mehr Akteure ihren Blick auf den Fußball lenken und versuchen, ihn für sich in Anspruch zu nehmen. Dieser Trend bildet auch den Ausgangspunkt für die Veranstaltung, die an Hand unterschiedlicher Beispiel der Frage nachgeht, inwieweit der Fußball zum Spielball der unterschiedlichsten Interessen geworden ist und als Projektionsfläche für zahlreiche Erscheinungen des Alltagslebens dient. (Prof. Dr. Jürgen Mittag)


