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Ein guter Fußballer ist auch ein guter Soldat

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¤ Bildergalerie (Bernd Schäfer)
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Picturepostcards from Tessin (Uli Ziemons)

¤ The Leopard still has its teeth (Verena Lichtenstein und Melanie Raabe)
¤ Interview mit Christian Jungen (Martina Dressel, Simone Manzo und Anke Sohn. Technik: Rudolf Hirth)
¤ Der weibliche Blick (Martina Dressel, Simone Manzo und Anke Sohn)
¤ Radiobeitrag (Martina Dressel, Simone Manzo und Anke Sohn. Technik: Rudolf Hirth)
¤ Ein guter Fußballer ist auch ein guter Soldat (Bernd Schäfer)
¤ "Über Film sprechen" - Videodokumentation (Natascha Frankenberg, Michael Andreas und Aaron Awerkin)

"Deutschland, Deutschland über alles auf der Welt", skandierte die "deutsche Schlachtenkolonie", laut Radioreport. Helmut Rahn hatte sie mit seinem Schuss zum finalen Sieg geführt. Darin sind sich alle Historiker einig, neun Jahre nach Auschwitz und bedingungsloser Kapitulation flößte der Triumph, die gewonnene WM 1954 den Deutschen gewaltig Selbstvertrauen ein. Man war wieder wer und brauchte sich nicht zu verstecken.

Das begriff auch sofort der erste Nachkriegspräsident des DFB, Peco Bauwens: "Bei den hohen Idealen, die wir vertreten, hört die Demokratie auf". Und später im "Münchener Löwenbräukeller", während der offiziellen WM-Feier, schwadronierte er los vom "Führerprinzip" und von "Wotan, dem Donnergott der Germanen" der der Mannschaft in Bern beigestanden habe. Dem Bayrischen Rundfunk wurde das wohl zu peinlich, denn der brach die Live-Übertragung kurzerhand ab.

Der deutsche Faschismus und seine Überwindung sind der komplexe Hintergrund, den der Film "Das Wunder von Bern" zum Thema hat und nicht zum Thema macht. Laut Sönke Wortmann (Autor, Regisseur) "eine bewusste Entscheidung". Dabei verlangt die Story danach. Sie spielt in einer noch von den Nazi-Inhalten geprägten Zeit. So wurde z.B. erst kurz vor der WM, 1952, die NSDAP-Nachfolgepartei "SRP" (1951, 11% in Niedersachsen) vom Bundesverfassungsgericht verboten.

Sicherlich war nicht jedes NSDAP-Mitglied des deutschen Fußballs gleichzeitig ein überzeugter Nazi. Aber auch nicht jeder war so schnell dabei wie der spätere Reichstrainer Sepp Herberger der gerademal bis Mai 1933 abwarten konnte in die Partei einzutreten. Von den vielen seiner weitverbreiteten Sprüche, "ein Spiel dauert neunzig Minuten", bleibt der nachfolgende weiterhin eher unbekannt: "Ein guter Fußballer ist auch ein guter Soldat".

"Ich weiß nicht ob es Pflicht ist, neun Jahre nach Kriegsende ..." meint Sönke Wortmann, "das Naziding ..." noch zu bringen. Als würde es darum gehen mit dem erhobenen Zeigefinger rumzulaufen. Dass das Thema immer noch aktuell ist, zeigen z.B. die Anschlagsvorbereitungen von Neo-Nazis in Bayern auf jüdische Einrichtungen, oder das antisemitische Flugblatt von Jürgen W. Möllemann, der darüber im doppelten Sinn des Wortes abstürzte, zuerst glücklicherweise, danach bedauerlich und tragisch.

Tragisch ist auch die Geschichte der Filmfigur Richard Lubanski (Peter Lohmeyer). Der Soldat und Bergmann kommt erst 1954 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück nach Essen-Katernberg. Bis dahin hat die Mutter (Johanna Gastdorf) fürs Überleben gesorgt. Der älteste Sohn (Mikro Lang) ist Kommunist, klebt Plakate und zieht später in die DDR. Die Tochter (Birthe Wolter) geht in Discos und flirtet mit Soldaten der Alliierten. Matthias (Louis Klamroth), der jüngste Sohn, versteht seinen Vater nicht und ist der Taschenträger von Helmut Rahn (Sascha Göpel) sowie sein Maskottchen; ohne ihn trifft Rahn nicht richtig. Mit nach Bern zu fahren, verbietet jedoch Matthias Vater.

Nur die Kirche verhilft Richard Lubanski erst zur Einsicht und dann zu einem VW-Käfer, mit dem er mit Sohn Matthias, durch die bonbonfarbende Schweiz nach Bern donnern kann. Rahn sieht seinen Glücksbringer und entscheidet das Endspiel.

Bernd Schäfer

Erschienen in: taz. Die Tageszeitung.

    
 
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