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200 000 Filminteressierte besuchten vom 6.-16. August das
Filmfestival in Locarno. Auf Europas größter Leinwand
hatte dieses Jahr der neue Film von Sönke Wortmann DAS
WUNDER VON BERN Weltpremiere und gewann den Publikumspreis.
Vor mediterraner Kulisse vermischten sich auf der Piazza Grande
Touristen, Fachpublikum und Tessiner Bevölkerung.
Locarno ist jedoch vor allem Ort der Debatte: so gibt es
im vielseitigen Rahmenprogramm für die Festivalbesucher
Podiums-Diskussionen, Workshops und die Möglichkeit mit
den Regisseuren und Schauspielern zu sprechen. Bislang stand
das Festival in der Tradition vor allem Debütarbeiten
von Jungregisseuren zu zeigen. So wurden hier Jim Jarmusch,
Ken Loach und Bollywood entdeckt. Seit diesem Jahr steht Locarno
auf einer Stufe mir den drei anderen großen Filmfestivals
in Europa: Cannes, Berlin und Venedig. Das Spagat zwischen
Fachveranstaltung und Publikumsfestival zu schaffen, verleiht
Locarno seinen besonderen Charme.
Im internationalen Wettbewerb gewann dieses Jahr der pakistanische
Film Khamosh Pani (Silent Water) der Regisseurin Sabiha Sumar.
Ein weiterer goldener Leopard ging in der Sektion "Cinéastes
du présent" an die Produktion Nós der Portugiesin
Cláudia Tomaz. Beide Filme erzählen die Geschichte
von Menschen, die versuchen, ihren Platz in dieser Welt zu
finden und ihren Schicksalen einen neuen Sinn zu geben.
Kamosh Pani beruht auf wahren Begebenheiten und setzt sich
mit dem islamischen Fundamentalismus auseinander. Das Schicksal
der 40-jährigen Aisha konfrontiert den Zuschauer mit
den politisch-gesellschaftlichen Ereignissen Pakistans der
letzten 20 Jahre. Im Film Nós dagegen folgt die Regisseurin
ganz dem Leidensweg ihrer Protagonisten um so der Schwierigkeit
zu kommunizieren und Suche nach Liebe Ausdruck zu verleihen.
Die Einsamkeit der Figuren, geprägt durch lange und starre
Einstellungen, steht einer schrillen und bizarren Stadtatmosphäre
gegenüber.
Simone Manzo & Anke Sohn
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