Schwerpunkte

Die beiden Begriffe Diaspora und Genozid charakterisieren die Schwerpunktaufgaben des Instituts in den Bereichen der Forschung, Lehre und wissenschaftlichen Nachwuchsförderung, aber auch der Aufgaben im Bereich historisch-politischer Bildung und Weiterbildung.

Beide Termini verweisen auf die Leitgedanken der Institutsforschungen:

den Blick auf die Komplexität der Völkermordprozesse zu richten: auf die Vielschichtigkeit und Dynamik der politischen, rechtlichen, sozialen und psychologischen Ursachen, Rahmenbedingungen und Verwirklichungsaspekte;

die generationenübergreifenden Nachfolgen in die Forschung einzubeziehen und Migrationen, Exil, psychische Traumata, identifikative und gesellschaft- liche Veränderungen als Folgen struktureller Gewalt zu erkennen

Genozide nicht losgelöst von den gesamtgesellschaftlichen Strukturen und Entwicklungen zu betrachten, sondern als gesamt-gesellschaftliche Prozesse anzusehen.

 

Genozidforschung

beschäftigt sich sowohl mit den historischen Prozessen und den sozialen und politischen Strukturen kollektiver Gewaltakte, als auch mit ihren generationenübergreifenden Auswirkungen.
Mit dieser Aufgabenstellung antworteten die in den 1970er Jahren entstandenen Genocide Studies auf zentrale Desiderate der Forschungen, so der lange vernachlässigten Berücksichtigung sozialer Rahmenbedingungen von Genozid oder der bis dahin ausgebliebenen Analyse von Verfolgungs- und Vernichtungsmustern, die gesellschaftsübergreifend zur Legitimation von Verfolgung, Ausgrenzung und Gewalt sowie zur Mobilisierung von Tätergesellschaften dienen.
Weitere wichtige Beschäftigungen stellen die Diskussion von Möglichkeiten der Früherkennung und Verhinderung zukünftiger Menschenrechtsverletzungen sowie von Modellen des Lehrens und Lernens über Gewalt und Genozid dar.
Den Schwerpunkt der in Deutschland noch immer relativ unbekannten Disziplin bildet die Untersuchung von Völkermord als gesamtgesellschaftlicher Vorgang: Genozide werden über vielschichtige Verwicklungen unterschiedlicher Institutionen und Einzelpersonen und komplexe Motivzusammenhänge verwirklicht.
Als fächerübergreifende Forschung ermöglicht die Genozidforschung einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung über die Gestalt moderner Gesellschaften, ihrer Selbstbilder und Handlungsnormen, Identitätsvorstellungen und Ordnungsentwürfe.

 

Genozid - Trauma - Diaspora

Interdisziplinäre Gewaltforschung (Forschungen zu Ursachen, Erscheinungs- und Verlaufsformen sowie Folgen kollektiver Gewalt)

Genozidforschung (historische und interdisziplinäre Untersuchungen)

Traumaforschung (Forschungen zu langfristigen Folgen und intergenerationellen Tradierungen von Gewalterfahrungen)

Diasporaforschung (Forschungen zu Exil, Migration und transnationalen Gemeinschaften).