Ein Cochlea Implantat ist eine Hörprothese, mit der es ertaubten Patienten ermöglicht werden kann, wieder eine Hörempfindung zu erleben. Es ist sogar in den meisten Fällen möglich ein sehr gutes Sprachverständnis zu erreichen. Allerdings ist das Hören mit einem CI deutlich anders, als das gesunde Hören. Wir möchten auf diesen Seiten erklären, wie ein CI funktioniert, was es kann, aber auch was es eben nicht leisten kann.
Anders als ein konventionelles Hörgerät ist das Cochlea-Implantat keine Hörhilfe sondern eine Hörprothese. Es dient nämlich nicht der Schallverstärkung im Sinne einer Unterstützung des Ohres. Vielmehr ersetzt es funktional das Ohr, indem es direkt den Hörnerv elektrisch reizt.
Hierzu muss eine Reizelektrode möglichst nahe an die Hörnervenfasern herangebracht werden: Sie wird durch eine Operation in die flüssigkeitsgefüllten Hohlräume der Hörschnecke eingeführt. Das CI kann jedoch nicht komplett implantiert werden, da Elektronik und Energieversorgung (noch) zu viel Platz benötigen.
Ein CI-System besteht deshalb aus internen und externen Komponenten:

Über ein Mikrofon werden die Schallschwingungen aufgenommen. Ein hochspezialisierter Minicomputer - der sogenannte Sprachprozessor (1) - übernimmt die sonst im Innenohr stattfindende Frequenz- und Lautstärkecodierung und berechnet ein entsprechendes elektrisches Impulsmuster. Diese Information wird von der durch einen Magneten gehaltenen Sendespule (3) durch die Haut zum Implantat übertragen. Das Implantat prüft die empfangene Information und reizt über die Elektrode (4) in der Cochlea (5) den Hörnerv (gelb dargestellt).
Drei Hersteller von CI-Systemen teilen sich den internationalen Markt: Advanced Bionics (Markenname des Implantates: Clarion), Cochlear (Implantat: Nucleus) und MED-EL (Implantat: Combi40+).
Zwar unterscheiden sich die Implantate leicht in ihren technischen Eigenschaften, das Prinzip der Signalverarbeitung ist jedoch bei allen das selbe: Zuerst wird das akustische Signal in verschiedene Frequenzbereiche zerlegt. Den Frequenzbereichen sind verschiedene Elektrodenkontakte zugeordnet, die sich mehr oder weniger weit in der Cochlea befinden und entsprechend ihrer Position eine höhere oder tiefere Tonhöhen- empfindung hervorrufen. Auf jedem einzelnen Elektrodenkontakt wird dann ein Strom erzeugt, der den zeitlichen Verlauf des zugehörigen akustischen Signals möglichst gut nachbildet. Dabei sind niemals benachbarte Elektrodenkontake gleichzeitig aktiv, sondern es werden in der Regel die einzelnen Kontakte nacheinander angesteuert, um gegenseitige Beeinflussungen (das sogenannte Übersprechen) zu vermeiden.
Bezüglich des Sprachverständnisses gibt es im Mittel über alle Patienten keinen wesentlichen Unterschied zwischen den verschiedenen Systemen. Da es auch keine Möglichkeit gibt, durch Voruntersuchungen herauszufinden, welches Implantat für welchen Patienten optimal ist, werden pro Klinik in der Regel auch nur ein oder zwei Systeme verwendet.

Bis vor kurzem noch hatte der Sprachprozessor die Größe einer Zigarettenschachtel und musste deshalb am Gürtel oder von Kindern in einem kleinen Rucksack auf dem Rücken oder vor dem Bauch getragen werden. Seit Ende 1999 jedoch ist von der Firma MED-EL ein Gerät auf dem Markt, welches komplett hinter dem Ohr getragen werden kann und die gleiche Leistungsfähigkeit besitzt wie die Taschenprozessoren.
Dieses auch in Bochum verwendete System wird mit 3 handelsüblichen Zink-Luft-Batterien betrieben, wie sie auch für Hörgeräte oder Fotokameras Verwendung finden. Damit erreicht es eine Laufzeit von 30 - 40 Stunden. Es wiegt inklusive Batterien 11 g und ist durch das abnehmbare Batteriefach besonders gut für sehr kleine Kinder geeignet.
Der Preis eines CI-Systems liegt um 20.000 € und wird ebenso wie die Batterie- und Reparaturkosten von der Krankenkasse übernommen.
Th. Stark, A. Engel