Ergebnisse einer Umfrage unter den ersten B.A.-Studierenden der Japanologie zeigen: Japanologie ist ein Fulltime-Job – und die Studierenden sind besser als ihr Ruf


Ende des Sommersemesters 2003 haben mehr als 70% der Studierenden, die als eines ihrer Fächer im Zwei-Fach-B.A. an der Ruhr-Universität Bochum Japanologie mit Schwerpunkt Geschichte gewählt haben, an einer Umfrage zu ihren Studienbedingungen in den neuen, gestuften Studiengängen teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Motivation als auch der Arbeitsaufwand der Studierenden sehr hoch sind, aber auch, dass das neue B.A.-Konzept nicht alle strukturellen Probleme des alten Magistermodells (lange Studienzeiten, Koordinationsschwierigkeiten der Veranstaltungen verschiedener Fächer, überfüllte Kurse) lösen wird: So haben die derzeit im B.A. Japanologie mit Schwerpunkt Geschichte Studierenden nur in Ausnahmefällen einen regulären Studienverlauf, Uni- und/oder Fächerwechsel sind die Regel. Die Sprachkurse für Japanisch werden in der Regel als schwer empfunden, über die Hälfte der Befragten schaffte die Prüfungen der Sprachkurse nicht beim ersten Anlauf und muss in der Sprachausbildung »eine Ehrenrunde drehen«, wodurch sich der Studienverlauf vermutlich etwas verzögern wird. Demgegenüber werden die Veranstaltungen der Geschichte Japans zwar nicht als leicht empfunden, aber die Mehrheit der Studierenden schafft es, diese Module gemäß dem empfohlenen Studienverlauf problemlos zu absolvieren.

Beim zweiten, neben Japanologie frei wählbaren B.A.-Fach ist ein Trend zu sozialwissenschaftlichen Fächern zu beobachten, Kombinationen mit philologischen Fächern oder allgemeiner Geschichte kommen seltener vor. Dieses zweite B.A.-Fach bereitet vielen Befragten Schwierigkeiten, vor allem aus organisatorischen und weniger aus inhaltlichen Gründen. Genannt werden dabei in der Regel überfüllung der Veranstaltungen in den sozialwissenschaftlichen Massenfächern und Koordinationsschwierigkeiten der Kurse aus dem Zweitfach mit den hohen Stundenanforderungen für Japanischsprachkurse und inhaltliche Veranstaltungen der japanischen Geschichte. ähnliche Probleme werden für die Veranstaltungen des Optionalbereichs genannt, der von vielen Befragten als ein schlecht organisierter Ballast ohne substanziellen Beitrag zum Studium gesehen wird.

Die Arbeitsbelastung im Semester ist generell sehr hoch und übersteigt auch aufgrund der notwendigerweise zeitaufwendigen Sprachausbildung 20 SWS deutlich (Durchschnitt: 24,4 SWS). Dazu kommt bei fast allen Studierenden eine zusätzliche Vor- und Nachbereitungszeit von fast 20 Stunden pro Woche. Trotz der oft beträchtlichen Zahl von Unterrichtsstunden verbringen die Befragten erfreulich viel Zeit in Universitätsbibliotheken (im Durchschnitt 10 Stunden pro Woche) und mehr als die Hälfte geben an, neben dem Unterrichtsstoff weitere Fachbücher zu lesen.

Der große Arbeitsaufwand für das Studium ist in der Regel nur durch starke Eigenmotivation zu erbringen. Diese ist bei den erfolgreich Studierenden aber durchweg vorhanden. Sie haben ihr Studium in der Regel interessengeleitet gewählt und haben fast alle den festen Vorsatz ein Jahr in Japan zu studieren. Die meisten gehen davon aus, in der Regelstudienzeit oder nicht viel später den B.A. abzuschließen. Leider ist der überwiegende Teil der Befragten bei der Studienfinanzierung auf die Eltern angewiesen, Bafög oder Stipendium gibt es nur in Ausnahmefällen. Trotz der Tatsache, dass das Studium von der geforderten Stundenzahl für Unterricht und Vorbereitung her eigentlich ein 40-Stunden-Job ist, sind einige deshalb auch auf Nebenjobs angewiesen.

Leider konnte die Umfrage die generell hohe Studienabbrecherquote in den Monaten nach Studienbeginn statistisch nicht erfassen; diejenigen, die den Arbeitsaufwand und den Schwierigkeitsgrad der Kurse unterschätzen, geben in der Regel nach kurzer Zeit auf. Diejenigen aber, die durchhalten, beweisen durch ihren Einsatz, dass sie den Anforderungen in den verschiedensten Bereichen des Arbeitsmarktes gewachsen sind.

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