Forschungsschwerpunkt der FakultÄt:
Religion und Gesellschaft

Die Fakultät ist zentral am Aufbau eines umfassenden Forschungs- und Lehrschwerpunkts zur historischen Religionsforschung an der RUB beteiligt. Sie will damit zur Ausarbeitung eines neuen Paradigmas religionsgeschichtlicher Forschung beitragen, welches die Bedeutung religiöser Strukturen und Mentalitäten in enger Verknüpfung mit politischen, sozialen und wirtschaftlichen Prozessen neu gewichtet. Ziel des Forschungsschwerpunkts ist es, durch eine Reihe von Initiativen den Aufbau einer interdisziplinär und international kooperierenden Gruppe von Historikern/Innen in Lehre und Forschung voranzutreiben:
Der Schwerpunkt setzt sich derzeit aus vier Elementen zusammen:


Graduiertenkolleg „Recht, Religion und Gewalt in vormodernen Gesellschaften“


Untersucht werden sollen darin die Beziehungen zwischen Religion und Gesellschaft unter dem Aspekt der Konfliktstrukturen und Konfliktlösung. Insbesondere soll dabei der Frage nachgegangen werden, welche Beziehung die verschiedenen Hochreligionen (Christentum, Judentum, Islam) zur Gewalt aufweisen und wieweit Gewaltanwendung von der Struktur der betreffenden Religion abhängt. Darüber hinaus wird untersucht, welche Potentiale die verschiedenen Religionen für die Entwicklung universalistischer, an Menschenrechten orientierten Vorstellungen haben und welchen Anteil an deren Durchsetzung die Aufklärung hat. Dabei ist auch zu klären, welche Rolle das Rechtssystem bei der Legitimation und Beschränkung religiös motivierter Gewalt spielt. Entscheidend ist für dieses Projekt die historische Tiefenwirkung: epochenübergreifend das noch immer wirkungsmächtige historische Potential der für Europa zentralen Hochreligionen in Wirkung und Gegenwirkung zu erforschen. An der Antragstellung sind neben der Fakultät für Geschichtswissenschaft (Prof. Dr. Fikret Adanir, Südosteuropäische Geschichte; Prof. Dr. Walter Eder und Prof. Dr. Linda-Marie Günther, Alte Geschichte; Prof. Dr. Rainer Walz, Frühe Neuzeit) beteiligt die Evangelisch-theologische Fakultät (Prof. Dr. Christoph Strohm), die Fakultät für Philologie (Prof. Dr. Stefan Reichmuth, Islamwissenschaften), die Katholisch-theologische Fakultät (Prof. Dr. Wilhelm Geerlings) und die Juristische Fakultät (Prof. Dr. Bernd Schildt). Die beiden Professuren für mittelalterliche Geschichte (eine eben neu besetzt, eine zu besetzen) in der Fakultät für Geschichtswissenschaft sind integraler und notwendiger Bestandteil des Graduiertenkollegs Die DFG hat einen entsprechenden Antrag begutachtet und zur aktualisierten Wiedervorlage empfohlen. Dies soll in naher Zukunft erfolgen.


Transformation der Religion in der Moderne


Die Forschergruppe untersucht den Wandel von Kirche und Religion in der Nachkriegszeit (1945-1990). Ausgehend von der Beobachtung eines säkularen Einbruchs traditioneller Partizipationsformen an den kirchlichen Riten und Organisationen in den 1960er Jahren will die Forschergruppe die neuen sozialen und mentalen Strukturen religiöser Bekenntnisse und Praktiken in der Nachkriegsgesellschaft bestimmen. Dabei wird sie den Versuch machen, in enger Zusammenarbeit mit benachbarten Fachdisziplinen ein neues interdisziplinäres Paradigma religionswissenschaftlicher Forschung an der Ruhr-Universität auszuarbeiten. Sprecher der Forschergruppe ist Prof. Damberg (katholische Theologie). Schwerpunkte sind die Erforschung religiöser Sozialisationsprozesse (Prof. Krech/ev. Theologie; Prof. Tenfelde /Institut für soziale Bewegungen), der Sozialformen des Religiösen (Prof. Damberg/katholische Theologie; Prof. Jähnichen/evangelische Theologie) und der Medialen Repräsentationen und Semantiken von Kirche und Religion (Prof. Bösch/Geschichtswissenschaft; Prof. Hölscher/Geschichtswissenschaft). Der DFG-Gutachterausschuss hat das Projekt im Juni 2005 einhellig dem Hauptausschuss der DFG zur Bewilligung vorgeschlagen; diese liegt inzwischen vor. Mit dem Beginn ist gegen Ende 2005 zu rechnen.


Studiengang „Religionswissenschaft“


Der Studiengang eröffnet ein in Bochum neues Studienangebot für BA- und MA-Studenten sowie für Promovenden. Unter der Leitung der Professur für Religionswissenschaft (Prof. Krech) an der Fakultät I beteiligt sich daran neben anderen Fakultäten auch die Fakultät für Geschichtswissenschaft: federführend mit der Gestaltung von jeweils zwei Modulen in den BA- und MA-Studiengang, darüber hinaus aber auch fakultativ mit der Beteiligung an anderen Modulen.


Forschungsprojektverbund „Religiöse Semantik“


Der Forschungsprojektverbund untersucht im internationalen Vergleich den Wandel religiöser Konzepte in der Neuzeit. Die Fritz-Thyssen-Stiftung fördert derzeit zwei der am Lehrstuhl Neuere Geschichte III (Hölscher) geplanten fünf Teilprojekte („Konfessionspolitik in Deutschland 1800-1970“ und „Der Wandel des Jenseitsglaubens seit dem 18. Jahrhundert“), zwei weitere („Wandel der Gemeinde im 19. und 20. Jahrhundert“ und „Atheismus im 20. Jahrhundert“) werden derzeit zur Beantragung bei der Henkel-Stiftung vorbereitet. In einem „Kolloquium zur religiösen Semantik“, das die Forschungsprojekte seit dem SS 2004 begleitet, kooperieren Professoren, Mitarbeiter, Doktoranden und fortgeschrittene Studenten der Fakultäten I, II und IV.


Einbindung in das RUB-Projekt „Globaler Wandel“


Der Schwerpunkt „Religion und Gesellschaft“ trägt maßgeblich zur Gestaltung des Korbes I im Rahmen des Global-Change-Projekts bei.