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Forschungsschwerpunkte der FakultÄt:
KontinuitÄt und Brüche im 20. Jahrhundert

Nach der Wiederbesetzung der derzeit vakanten Professuren für Zeitgeschichte, Osteuropäische Geschichte und Technik- und Umweltgeschichte soll sich der Forschungsschwerpunkt in folgende Arbeitsbereiche gliedern:

1. Diktaturen im 20. Jahrhundert,
2. Avantgarde und Postmoderne. Das Projekt Moderne und dessen Kritik
3. Unternehmen im internationalen Wettbewerb
4. Industrielle Ballungszonen im internationalen Vergleich

Das in Gründung befindliche „Historische Graduiertenkolleg der Ruhruniversitäten“ spielt eine zentrale Rolle bei der Zusammenfassung der verschiedenen, methodisch unterschiedlich ausgerichteten Arbeitsbereiche dieses Schwerpunktes. Das Ziel ist die Institutionalisierung einer Kooperation in der Graduiertenausbildung der Ruhrgebietsuniversitäten. Beteiligt sind derzeit die Ruhr-Universität, die Universität Essen-Duisburg und das KWI in Essen. Im Juni dieses Jahres wurde bereits ein gemeinsames Doktorandenforum als Blockveranstaltung durchgeführt, das wegen seines großen Erfolgs von nun an in jedem Semester stattfinden soll. Eine Ausweitung der Kooperation auf die Fernuniversität Hagen und die Universität Witten-Herdecke sowie ggf. auch auf die Universität Dortmund ist beabsichtigt.
Die zeithistorische Ausrichtung der Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität bildet ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Universitätslandschaft. Der Forschungsschwerpunkt besitzt deshalb das Potenzial für eine Attraktivitätssteigerung der Ruhr-Universität, wodurch besonders leistungsstarke Studierende angezogen werden können. Die Voraussetzung dafür ist allerdings die baldige Wiederbesetzung der o.g. Professuren, ohne die dieser Schwerpunkt weiterhin eine „Baustelle“ der Fakultät bleiben wird.


1. Diktaturen im 20. Jahrhundert


Das „Jahrhundert der Extreme“ gehört mit den Jahrhundertverbrechen der Nationalsozialisten sowie der Pervertierung des Sozialismus durch den Stalinismus zu den großen Herausforderungen an die Geschichtswissenschaft. Die Ruhr-Universität hat sich dieser Herausforderung frühzeitiger als die meisten anderen Universitäten in Deutschland gestellt. Die ehemaligen Lehrstuhlinhaber Hans Mommsen und Norbert Frei (NS-Geschichte) sowie Bernd Bonwetsch (Stalinismus) gehören zu den herausragenden Vertretern dieser Forschungsrichtung; insofern war dieser Arbeitsbereich als „Forschungsschwerpunkt Geschichte des 20. Jahrhunderts“ der erste Forschungsverbund der Fakultät überhaupt. Er hatte zunächst eine deutliche politikhistorische Ausrichtung, bei der die NS-Diktatur, die UdSSR (mit dem Gegenpol USA) in der Zeit des Kalten Krieges und der deutsch-deutsche Vergleich im Mittelpunkt stehen sollten.
Aufgrund der zwischenzeitlich eingetretenen Vakanz in der Zeitgeschichte sowie der dauerhaften Beurlaubung von Prof. Bonwetsch (Osteuropäische Geschichte) wird dieser Arbeitsbereich erst nach der Wiederbesetzung der beiden Stellen und in Verbindung mit der kürzlich wieder besetzten Professur für nordamerikanische Geschichte sinnvoll weiterentwickelt werden können. Der Ausschreibungstext für die Wiederbesetzung der Zeitgeschichte trägt diesem Vorhaben Rechnung.
Dieser Bereich wird deutlich zur Attraktivität der Ruhr-Universität für Forscher/Innen wie Studierende und Promovenden/Innen beitragen, insbesondere, da die Erforschung dieses auch für unsere Gegenwart entscheidend wichtigen Felds, erweitert um den Vergleich mit der Geschichte der DDR, auch in Zukunft nicht an Relevanz verlieren wird. Er ist zudem ein maßgeblicher Schwerpunkt internationaler Forschung, bietet vielfältige Anknüpfungsmöglichkeiten mit WissenschaftlerInnen im Ausland und wird die Geschichtswissenschaft an der RUB auch weiterhin als international führend ausweisen.


2. Avantgarde und Postmoderne. Das Projekt Moderne und dessen Kritik.


Der Gegenstand dieses Arbeitsbereiches sind einerseits die mit den Avantgarden um 1900 behaupteten Traditionsbrüche, andererseits die Latenz dieser Traditionen, die in der sog. Postmoderne wieder manifest werden, auch als Versuch einer produktiven Kritik am Moderneprojekt. Den Kern dieses Arbeitsbereichs bildet das bereits existierende DFG-Projekt „Die surrealistische Imagination - Bild, Begriff, Kontext“, das durch eine Kooperation mit der UC Berkeley (Prof. Dr. James-Chakraborty, ggw. Mercator-Gastprofessorin an der RUB) ergänzt wird. Die weitere Ausgestaltung kann erst nach der Wiederbesetzung der W3-Professuren für Kunstgeschichte und Zeitgeschichte erfolgen.


3. Unternehmen im internationalen Wettbewerb


Durch die Wiederbesetzung der Professur für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte ist zwischenzeitlich ein zweiter, wirtschafts- und sozialhistorischer Arbeitsbereich gestärkt worden. Im Mittelpunkt stehen dabei die strategischen Antworten von Unternehmen auf die aktuelle, zweite Globalisierungswelle seit den 1960er Jahren. Den Kern dieses Arbeitsbereichs bildet ein interdisziplinär angelegtes Projekt über Geschichte und Gegenwart von Opel / General Motors. Beteiligt sind Prof. Ziegler (Geschichtswissenschaft), Prof. Tenfelde (ISB), Dr. Kleinschmidt (Geschichtswissenschaft, z.Z. Universität Dortmund) und Prof. Pries (Soziologie). Ein Antrag zur Anschubfinanzierung des Projektes im Rahmen des Rektoratsprogramms für den wissenschaftlichen Nachwuchs (Dr. Tilly) liegt dem Rektorat vor.
Nach der Wiederbesetzung der Professur für Technik- und Umweltgeschichte ist ein weiterer Ausbau dieses Arbeitsbereiches geplant. Darüber hinaus wird er konstitutiver Bestandteil des geplanten SFB bzw. der Forschergruppe „Governance als Gestaltung von Globalisierungsfolgen in Märkten und Unternehmen“ im Rahmen des RUB-Schwerpunkts „Global Change“ sein.


4. Industrielle Ballungszonen im internationalen Vergleich


Das Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung (ZEFIR) verfügt bereits seit einigen Jahren über ein privat finanziertes, interdisziplinär ausgerichtetes Graduiertenkolleg „Industrielle Ballungsregionen im internationalen Vergleich“. Neben Sozialwissenschaftlern und Geographen waren an dem Leitungsgremium dieses Kollegs auch Historiker beteiligt (Prof. Weber u. Prof. Tenfelde).
ZEFIR bemüht sich derzeit um die Weiterführung als binationales Graduiertenkolleg zum Strukturwandel im Ruhrgebiet und in Oberschlesien während der Nachkriegszeit. Zu diesem Zweck wurden bereits Kontaktgespräche mit den Universitäten in Krakau, Kattowitz und Gleiwitz geführt. Mit einer Antragstellung ist bis Ende dieses Jahres zu rechnen. Mit diesem Arbeitsbereich ist eine weitere Stärkung der internationalen Positionierung der RUB in Richtung Ost(-mittel-)europa verbunden.


Einbindung in das RUB-Projekt „Globaler Wandel“


Die Professur für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte trägt die historische Dimension zum Korb IV des Global-Change-Clusters bei. Weitere Beteiligungen an dem Verbundprojekt insbesondere seitens der wieder zu besetzenden Professur für Zeitgeschichte (NG II, Nachfolge Frei) sind vorgesehen.