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Editorial          
#10

NETZWERK

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onlinejournal kultur & geschlecht #10, Januar 2013

Die 10. Ausgabe des onlinejournals kultur & geschlecht ist online: mit Beiträgen zu Pasolinis Die 120 Tage von Sodom, zu Schönheit und Schwangerschaft, kybernetisch-kapitalistischen Subjekti-vierungsformen und den Politiken des feeling bad.

Nico Dunczyk nimmt in Ästhetiken des Masochismus. Die 120 Tage von Sodom bei de Sade und Pasolini eine Revision der Verfilmung des Sade’schen unvollendeten Romans vor, in der er nicht der gängigen Beurteilung als Pornographie bzw. Faschismuskritik folgt. Dunczyk bezieht stattdessen Ästhetik und Narration medienvergleichend aufeinander und eröffnet mit den Mitteln psycho-analytischer Betrachtung einen überraschenden Blick auf Masochismus und künstlerischen Pessimismus bei Pasolini.

Anhand fotografischer Darstellungen von Schwangerschaftsmode lassen sich in besonderer Weise weiblich codierte Regulierungen des Körpers veranschaulichen, wie Carina Kötter und Mareike Meis mit ihrem Beitrag Ganz schön schwanger. Schönheitspraktiken und Körpertechnologien in der Schwangerschaft zeigen. Die Autorinnen vollziehen nach, wie sich im historischen Wandel unterschiedliche ästhetische Weiblichkeitsideale auf die Disziplinierung des schwangeren Körpers, insbesondere durch Kleidung, auswirken. Durch spezifische ausstellende Strategien scheint in aktuellen Darstellungen der Widerspruch zwischen Schwangerschaft und modernem Schlank-heitsideal aufgehoben.

Jasmin Stommel folgt in Zeitgenössische Praktiken von Subjektivierung. Konsumismus, Kybernetischer Kapitalismus und Repräsentationskritik in Anschluss an Tiqquns Figur der Jungen-Mädchen, die von vom französischen Kollektiv Tiqqun, das zugleich Zeitschrift ist, entwickelt wurde. Junge-Mädchen stehen hier für eine paradoxe und selbst-bewusste Form der Subjektivierung, die von der Autorin in der Tradition marxistischer Gesellschaftstheorie verortet wird. Stommel führt die Leser/ innen in ein doppeltes Experiment ein: das der Jungen-Mädchen, deren spezifische Subjektivierungsform Identitätslogiken durchquert, und das des experimentellen Schreibens der Theorie der Jungen-Mädchen selbst.

Anja Michaelsen und Karin Michalski schließen in Eine Situation öffentlich zu beschreiben, kann schon Kritik sein. Ein Gespräch über feeling bad, neue Koalitionen und die Notwendigkeit, sich verletzlich zu zeigen an eine im Dezember 2012 durchgeführte Abendveranstaltung zu Feeling Bad im C60 Collaboratorium an. Michalski zeigte dort vier experimentelle Videos, die sich mit feeling bad, mit Depressionen, dem Gefühl, sich in einer Sackgasse zu befinden, Angstzuständen u.ä., befassen. Michaelsen und Michalski setzen hier ihr Gespräch über die ästhetischen Strategien der Videos, den politischen Gehalt der Auseinandersetzung um feeling bad und möglicher Weise daraus neu entstehende Koalitionen fort.


Das onlinejournal kultur & geschlecht ist ein transdisziplinäres Forum für Nachwuchs-wissenschaftler/innen der Ruhr-Universität Bochum, die zu Geschlechterfragen und ihren Kontexten forschen. Es ist ein Projekt des Instituts für Medienwissenschaft, gefördert von der Fakultät für Philologie und dem Rektorat der Ruhr-Universität Bochum.

Ziel ist, Projekte, umfassendere Hausarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten, Tagungen und Workshops, mit innovativen Ansätzen und Fragestellungen der Geschlechterforschung einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Schwerpunkt liegt auf aktuellen kultur-wissenschaftlichen Gender Studies. Dabei ist uns besonders wichtig, über ‚klassische’ Themen und Zugänge hinausgehend Bezüge herzustellen. Dadurch hoffen wir, relationale Beziehungen sichtbar zu machen, und um eine Perspektive, die den Gender Studies von Beginn an eigen ist: dass Geschlechterdifferenz nicht als isoliertes Phänomen zu begreifen ist, sondern nur durch umfassendes, transdisziplinäres Befragen komplexer kultureller Prozesse.

Das onlinejournal kultur & geschlecht will ein Ort des Übergangs in der Zeit des Studienabschluss oder auf dem Weg zur Promotion sein, an dem Texte und Konzepte erprobt werden, und der auf dem Weg elektronischer Veröffentlichung ein breites Publikum teilhaben lässt.