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Ästhetiken des Masochismus. Die 120 Tage von Sodom bei de Sade und Pasolini
Nico Dunczyk
Salò ist der letzte und zugleich skandalträchtigste Film Pier Paolo Pasolinis. Ausgehend vom
berüchtigten Romanfragment Die 120 Tage von Sodom, welches der Marquis de Sade 1785 in
Gefangenschaft verfasste und in die Zeit des ausgehenden Zweiten Weltkriegs transponierte,
wird der Film häufig als Höhepunkt der Faschismus- und Konsumismuskritik Pasolinis
betrachtet. Der Artikel bietet zu sowohl Sades als auch Pasolinis Fassung der 120 Tage von
Sodom einen alternativen Zugang entgegen üblicher Leserichtung, welcher sich den Themen
psychoanalytisch nähert und darauf abzielt, zugrundeliegende Darstellungsmechanismen einer
Ästhetik des Masochismus zuzuordnen. Die Relektüre Sades versteht sich als Gegenargument
zum Vorwurf der Pornographie und die Analyse Pasolinis skizziert dessen Standpunkt zu
seinem eigenen Werk als komplexer – und pessimistischer – als das übliche Verständnis dies
vorsieht.
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Ganz schön schwanger. Schönheitspraktiken und Körpertechnologien in der Schwangerschaft
Carina Kötter, Mareike Meis
In der Schwangerschaft werden Frauen angesichts der damit einhergehenden körperlichen
Veränderungen verstärkt zur Arbeit am eigenen Körper aufgerufen. Die Bedeutung je
historisch spezifisch weiblicher Schönheitsideale und damit verbundener Körpertechnologien
sowie Modepraktiken in der Schwangerschaft wird beispielhaft in der Gegenüberstellung
zweier Modefotografien aus den 1960ern und der Gegenwart untersucht, wobei Fotografie
als regulierendes und stabilisierendes Repräsentationssystem begriffen wird. Es zeigt sich,
dass eine in der Vergangenheit vorherrschende Kaschierung des schwangeren Körpers
heute durch eine Ausstellungspraxis abgelöst wird, die erst durch die Anwendung von
etablierten Körpertechnologien wie gesunder Ernährung und Fitness möglich wird.
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Zeitgenössische Praktiken von Subjektivierung. Konsumismus, Kybernetischer Kapitalismus und Repräsentationskritik in Anschluss an Tiqquns Figur der Jungen-Mädchen
Jasmin Stommel
Ausgang dieser Überlegungen ist die 2009 auf deutsch erschienene Collage Grundbausteine
einer Theorie des Jungen-Mädchens, deren Autor Tiqqun heißt – womit entweder ein
unabhängig veröffentlichtes, vergriffenes Textkonglomerat gemeint ist oder eine Gruppe
Pariser Aktivist/innen. Der Theorieentwurf beschreibt eigentlich keine Figur, sondern
kartographiert ein Dispositiv von Äußerungen, Semantiken, Beschreibungsweisen
und Bildern, welches eine spezifische Subjektivierungsweise hervorbringt. Diese ist
vermarktungswillig und libidoökonomisch: Sie affirmiert unsere konsumistischen
Bilderwelten und überträgt den von Marx beschriebenen Fetischcharakter der Ware auf die
Art und Weise zeitgenössischer Selbsteinrichtungen und Selbst-Körper-Verhältnisse.
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Eine Situation öffentlich zu beschreiben, kann schon Kritik sein. Ein Gespräch über feeling bad, neue Koalitionen und die Notwendigkeit, sich verletztlich zu zeigen
Anja Michaelsen, Karin Michalski
In The Alphabet of Feeling Bad (2012) zeigt die Künstlerin und Filmemacherin Karin
Michalski ein experimentelles Interview mit der Theoretikerin und Aktivistin Ann
Cvetkovich. In ihrer Performance erläutert Cvetkovich von A bis Z Begriffe wie Depression,
aber auch alltägliche Formen des feeling bad, wie die Vorstellung, in einer Sackgasse zu
stecken, sich gelähmt zu fühlen und von Anforderungen überwältigt zu sein, und versieht sie
mit neuen Bedeutungen. Anschließend an Arbeiten queer-feministischer Theoretiker/innen
und Aktivist/innen, neben Cvetkovich etwa Sara Ahmed, Heather Love und Lauren Berlant,
wird feeling bad nicht als individuelles Versagen verstanden, sondern als kollektive „public
feelings“, im Kontext von neoliberalen Arbeitsverhältnissen, Homophobie und Rassismus.
Im Dezember 2012 hat Michalski im C60 Collaboratorium, Bochum, auf Einladung von
Anja Michaelsen und Astrid Deuber-Mankowsky ihre Arbeit und drei weitere experimentelle
Videos vorgestellt. Im Anschluss an die Abendveranstaltung haben sich Anja Michaelsen
und Karin Michalski zu einem Gespräch getroffen, um die Diskussion zur Darstellbarkeit und
Sagbarkeit des feeling bad und zu dessen politischem Potenzial fortzuführen.
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