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ERC-Projekte

Advanced Grants

Biologische Reaktionen in Echtzeit

Prof. Dr. Martina Havenith-Newen

Enzymatische Reaktionen sind fundamentale biologische Prozesse, die in wässrigen Lösungen stattfinden. Die beiden Reaktionspartner, das Enzym und das Substrat, interagieren miteinander. Die Kalorimetrie ist eine Methode, um sehr präzise die Wärmemengen zu bestimmen, die bei diesen biologischen Vorgängen unter Gleichgewichtsbedingungen vor oder nach der Reaktion anfallen. Bei der Gesamtbilanz, die darüber entscheidet, ob dieser Prozess energetisch günstig ist, muss sowohl die Enzym-Substrat-Wechselwirkung als auch die Interaktion der beiden Reaktionspartner mit dem Lösungsmittel beachtet werden. Die Terahertz (THz)-Kalorimetrie, die in dem Projekt entwickelt wird, ist eine neue Methode, bei der diese Einzelbeiträge mittels laserspektroskopischer Fingerabdrücke im THz-Bereich ermittelt werden können. Dies ermöglicht nicht nur ein besseres Verständnis, sondern erlaubt es erstmals, kalorimetrische Größen mit millionenfach besserer zeitlicher Auflösung in Echtzeit zu untersuchen.

Der ERC Advanced Grant von Prof. Dr. Martina Havenith-Newen ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert.


Hardware im Internet der Dinge sicher machen

Prof. Dr. Christof Paar

Mit dem Internet der Dinge vernetzen sich alle Bereiche des alltäglichen Lebens: eine Herausforderung für die IT-Sicherheit. Als besonders gefährlich gelten Angriffe, die nicht auf die Software, sondern auf die Hardware abzielen. Durch Manipulation der integrierten Schaltkreise können Angreifer Sicherheitslösungen aushebeln und Kontrolle über wichtige Geräte und Systeme erlangen. Das ERC-Projekt des IT-Sicherheitsexperten Christof Paar will dem zuvorkommen. Dabei soll zunächst umfassend analysiert werden, auf welchen Wegen eine Manipulation der Hardware möglich ist. Basierend auf den Erkenntnissen sollen dann wirksame Gegenmaßnahmen entwickelt werden.

Der ERC Advanced Grant von Prof. Dr. Christof Paar ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert.


Consolidator Grants

Zusammenleben von Juden und Christen

Prof. Dr. Alexandra Cuffel

Prof. Dr. Alexandra Cuffel und ihr Team untersuchen, wie sich Juden und Christen außerhalb Europas und des Byzantischen Reiches seit der Spätantike begegneten und zusammenlebten. Die Ergebnisse sollen eine Forschungslücke schließen: Während das Zusammenleben von europäischen Juden und Christen als gut erforscht gilt, ist die Begegnung zwischen orientalisch-orthodoxen Kirchen und jüdischen Gemeinden bisher nur sehr vereinzelt untersucht worden. Die Wissenschaftler werden Manuskripte, Bücher, Inschriften auf Grabsteinen und anderen archäologischen Artefakten in verschiedenen Sprachen, so z. B. in Armenisch, Arabisch und Altäthiopisch untersuchen und auswerten.

Der ERC Consolidator Grant von Prof. Dr. Alexandra Cuffel ist mit rund zwei Millionen Euro dotiert.


Kleine Chips vor Angriffen schützen

Prof. Dr. Eike Kiltz

Jeder von uns kennt kleine Chips: auf dem elektronischen Reisepass, der Gesundheitskarte oder in automatischen Türöffnern. Auch in der Medizin verwendet man sie zum Beispiel in Herzschrittmachern. Sie enthalten Informationen über uns, die mit kryptographischen Protokollen geschützt werden müssen. Zusammen mit Prof. Dr. Mihir Bellare von der University of California San Diego und Prof. Dr. Christof Paar vom Lehrstuhl für Embedded Security der RUB arbeitet Eike Kiltz an neuartigen Sicherheitsverfahren für solche Chips.

Der ERC Consolidator Grant von Prof. Dr. Eike Kiltz ist mit 1,8 Millionen Euro dotiert.


Buddhismus entlang der Seidenstraßen

Prof. Dr. Carmen Meinert

Prof. Dr. Carmen Meinert vom Centrum für Religionswissenschaftliche Studien erforscht mit den Mitteln aus dem Consolidator Grant, wie sich der Buddhismus in vormodernen zentralasiatischen Kulturen lokal ausgeprägt hat. Unter anderem beschäftigt sie sich mit folgenden Fragen: Wie breitete sich der Buddhismus im multi-kulturellen, multi-linguistischen und multi-religiösen Zentralasien aus? Welche dort ansässigen Kulturen wurden durch buddhistische Ideen beeinflusst? Und wie veränderten sich buddhistische Glaubensinhalte durch den Vorstoß in diese ausgedehnten Regionen mit Wüsten und Steppen? Erstmals untersuchen Forscherinnen und Forscher in dem Projekt die überregionalen historischen Verbindungen zwischen den buddhistischen Traditionen des heutigen Chinas, Indiens und Tibets und den lokalen buddhistischen Kulturen Zentralasiens.

Der ERC Consolidator Grant von Prof. Dr. Carmen Meinert ist mit zwei Millionen Euro dotiert.


Katalysatoren für das CO2-Recycling

Prof. Dr. Beatriz Roldán Cuenya

Winzige Metallpartikel, gerade einmal einen Nanometer groß, können als Katalysatoren für verschiedene Reaktionen dienen. Mehrere Parameter beeinflussen die katalytische Aktivität der Nanopartikel: ihre Größe und Form, das Trägermaterial, an das die Partikel gebunden sind, die Umgebung sowie der chemische Zustand der Partikel, also zum Beispiel ob sie als reines Metall oder als Oxid vorliegen. Die Rolle der Partikelform ist bislang kaum verstanden. Hinzu kommt, dass die oben genannten Parameter sich gegenseitig beeinflussen. Beatriz Roldán Cuenya möchte im Detail verstehen, wie die geometrische und elektronische Eigenschaften der Nanopartikel deren katalytische Aktivität bestimmen. Das würde es ermöglichen, gezielt Katalysatoren mit bestmöglicher Effizienz zu entwickeln.

Der ERC Consolidator Grant von Beatriz Roldán Cuenya ist mit zwei Millionen Euro dotiert.


Starting Grants

Neuartige Ligandensysteme

Prof. Dr. Viktoria Däschlein-Gessner

Prof. Dr. Viktoria Däschlein-Gessner entwickelt neuartige Ligandensysteme. Diese chemischen Systeme werden an Metalle gebunden, um zum Beispiel die Aktivität von Katalysatoren zu beeinflussen oder reaktive Teilchen zu stabilisieren. Mit Experimenten und computerbasierten Studien wird ihr Team neue Systeme aufbauen, die im Zentrum ein elektronenreiches Kohlenstoffatom besitzen. Das soll ermöglichen, die Eigenschaften und die Reaktionsfreudigkeit der gebundenen Atome und Gruppen gezielt zu steuern.

Der ERC Starting Grant von Prof. Dr. Viktoria Däschlein-Gessner ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert.

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Stammbaum des Japanischen

Dr. Elisabeth de Boer

Dr. Elisabeth de Boer untersucht die Ursprünge der japanischen Sprache und ihre Verbreitung. Der japanische Dialekt ist in verschiedenen Regionen des Landes sehr unterschiedlich ausgeprägt. Entgegen der Erwartung haben die Dialekte in einigen weit voneinander entfernt liegenden Gebieten jedoch sehr ähnliche Merkmale. Im ersten Schritt ihres Projekts erstellt de Boer einen Stammbaum der Dialekte, anhand von Feldstudien, linguistischen Analysen und Forschung an Dokumenten, die in älteren Dialekten verfasst sind. Die Ergebnisse sollen Einblicke in die Wege der prähistorischen Völkerwanderungen erlauben, die das Japanische auf den Inseln verbreitet haben.

Der ERC Starting Grant von Dr. Elisabeth de Boer ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert.

 


Missbrauch im Internet vereiteln

Prof. Dr. Thorsten Holz

Immer mehr Geräte sind mit dem Internet verbunden und können manipuliert oder missbraucht werden. Thorsten Holz und sein Team entwickeln neue Analysetools für die Software dieser Geräte, um potenzielle Schwachstellen zu finden. Außerdem konzipieren sie neue Sicherheitsmechanismen, die solche Geräte vor Angriffen schützen sollen. Eine besondere Herausforderung ist es, die neuen Methoden auf möglichst vielen verschiedenen Geräten zum Laufen zu bringen. Thorsten Holz‘ Team übersetzt daher die verschiedenen Softwarekomponenten zunächst in eine „Vermittlersprache“.

Der ERC Starting Grant von Prof. Dr. Thorsten Holz ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert.


Neue Katalysatoren entwickeln

Prof. Dr. Stefan M. Huber

Prof. Dr. Stefan M. Huber arbeitet an der Entwicklung neuer Katalysatoren. Sie sollen erstmals so genannte Halogenbrücken nutzen, eine bestimmte schwache Wechselwirkung zwischen Molekülen. So sollen sie helfen, nur eine bestimmte Art Moleküleentstehen zu lassen, die sich in vielen chemischen Reaktionen immer in zwei spiegelbildlichen Ausformungen ergeben. Das ist zum Beispiel für die pharmazeutische Industrie wichtig, denn oft ist nur eines der beiden spiegelbildlichen Moleküle als Arzneistoff wirksam, während das andere nicht selten gravierende Nebenwirkungen hervorruft.

Der ERC Starting Grant von Prof. Dr. Stefan M. Huber ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert.


Katalysatoren stabilisieren

Dr. Nicolas Plumeré

Es ist eine Herausforderung, Strom aus erneuerbaren Energiequellen in eine speicherbare Form zu bringen, zum Beispiel in den chemischen Treibstoff Wasserstoff. Dafür ist derzeit meistens das teure und seltene Metall Platin als Katalysator im Einsatz. Dr. Nicolas Plumeré hat das Ziel, eine günstigere Alternative zu schaffen, indem er nickel- oder eisenhaltige Enzyme aus der Natur für diesen Zweck nutzbar macht. Da Katalysatoren aus solchen Elementen häufig instabil sind, möchte der Forscher sie in eine stabilisierende Matrix einbetten.

Der ERC Starting Grant von Dr. Nicolas Plumeré ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert.


Syrische Schriften mit griechischen Wurzeln

Dr. Rüdiger Arnzen und Dr. Yury Arzhanov

Das Team um Dr. Grigory Kessel von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, zu dem Dr. Rüdiger Arnzen und Dr. Yury Arzhanov gehören, baut eine lexikalische Datenbank auf, die syrische und arabische Übersetzungen wissenschaftlicher und philosophischer Werke enthält, die ihren Ursprung in Griechenland hatten. Die islamische Kultur knüpfte an Wissenschaft und Philosophie aus der griechischen Antike an. Arabische Übersetzer überführten die griechischen Schriften ins Arabische, wobei Syrisch sprechende Gelehrte häufig als Vermittler fungierten. Eine Herausforderung war dabei zum Beispiel, syrische und arabische Entsprechungen für Fachbegriffe zu finden. Die neue Datenbank – sie trägt den Namen "Hun@aynNet" – vergleicht die syrischen Schriften mit den griechischen Originalen und den zugehörigen arabischen Versionen, um systematische Einblicke in die verwendete Terminologie und die Übersetzungstechniken zu gewinnen.

Der ERC Starting Grant ist mit insgesamt 1,5 Millionen Euro dotiert.

Gut zu wissen

Seit seiner Gründung 2007 hat sich der European Research Council (ERC) als eine europäische Institution von höchstem internationalem Renommee etabliert. Der ERC steht allen Forschungsbereichen und Forscherinnen und Forschern aus allen Karrierestufen offen. Alleiniges Kriterium für die Förderung ist die wissenschaftliche Exzellenz. Die Reputation von ERC Grants übertrifft die der meisten anderen vergleichbaren Einzelfinanzierungen. ERC Grants sind zu echten Flaggschiff-Projekten für die Qualität der Forschung an ihren Hochschulen geworden und stärken ihre Wettbewerbsposition. Daher sind sie von großer strategischer Bedeutung.

 
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