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Religionswissenschaft - Eigendynamik und Wechselbeziehungen

ReligionswissenschaftReligion ist überall: Ungeachtet vieler Vorhersagen, die einen Bedeutungsrückgang von Religionen prognostizierten, und im Widerspruch zur steigenden Zahl der Kirchenaustritte in Europa wächst das Interesse an Religion weltweit und ist ihre Bedeutung, ob im Alltagsleben oder in der Weltpolitik, ungebrochen. Die Religionsforschung an der Ruhr-Universität befasst sich daher nicht ausschließlich mit Einzelfragen, sondern nimmt Religion in einem interdisziplinären Kontext sowohl in ihrer Eigendynamik als auch im Zusammenhang gesellschaftlicher Entwicklungen in den Blick.

Grenze zwischen Religiösem und Nicht-Religiösem

Ein Forschungsgegenstand ist die dynamische und umstrittene Grenze der Unterscheidung zwischen dem Religiösen und dem Nicht-Religiösen, Säkularen. Wie bestimmt sich diese Grenze historisch und innerhalb verschiedener kultureller Traditionen? Wie verschiebt sie sich und welchen Funktionswandel durchläuft sie? Zur Beantwortung dieser Fragen werden keine vorformulierten Theorien auf den empirischen Befund projiziert, sondern Entwicklungen rekonstruiert, die zu Ausdifferenzierungen zwischen dem Religiösen und dem Säkularen geführt haben.

Die historische Dimension spielt für die religionsbezogene Forschung an der Ruhr-Universität eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus führen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kulturvergleichende Studien durch, die auf der Annahme beruhen, dass die aktuelle Bedeutung von Religion aus dem zunehmenden Kontakt zwischen verschiedenen Kulturen und gesellschaftlichen Konstellationen resultiert. Im Mittelpunkt stehen die drei großen Traditionskomplexe, die die Diskussion um kulturelle Identität und Anerkennung von Differenz vorwiegend bestimmen: die christlich geprägte Welt, die auf den Islam ausgerichteten Kulturen und die religiösen Strömungen innerhalb des sino-asiatischen Kulturraums.