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Neurowissenschaft - Das faszinierendste Organ

NeurowissenschaftWie nehmen wir sensorische Signale (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen) wahr und interpretieren sie? Wie repräsentiert das Gehirn die Umwelt? Wie lernen wir, und warum vergessen wir wieder? Was ist Intelligenz? Wo werden welche Entscheidungen getroffen?

Das Gehirn ist zu kompliziert, um diese Fragen nur aus einem Blickwinkel zu beantworten. So entstand ein relativ neuer Forschungszweig: die Neurowissenschaften, die sich bei der Lösung dieser Fragen der unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen bedienen. Chemiker, Biologen, Psychologen, Neuroinformatiker, Physiker und Mediziner versuchen gemeinsam die Geheimnisse unseres Gehirns zu entschlüsseln.

Die Ruhr-Universität mit ihrem breiten Fächerspektrum bietet dafür beste Voraussetzungen. Die Einbindung neurowissenschaftlicher Fragen in interdisziplinären Forschungsprojekten hat hier eine lange Tradition: Der Sonderforschungsbereich „Bionach“ (Biologische Nachrichtenverarbeitung, 1972-1986) legte das Fundament für eine interdisziplinäre neurowissenschaftliche Struktur, die heute den ganzen Campus und die Kliniken umfasst. In den 1990er Jahren folgten die Forschergruppe NEUROVISION und der gleichnamige SFB (1990-2007). Seit Mitte 2010 fördert die DFG den neuen Sonderforschungsbereich 874 „Repräsentation und Integration sensorischer Prozesse“. Hinzu kommen zahlreiche Beteiligungen an Netzwerkprojekten, wie z.B. in dem Bernstein Fokus „Neuronale Grundlagen des Lernens“, unterstützt vom BMBF, das Kompetenznetz Stammzellforschung NRW und die Kompetenznetze „Schlaganfall“ und „Parkinson“.

Ein wichtiger Schwerpunkt an der RUB ist die Ausbildung junger Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Das Graduiertenkolleg KOGNET (Kognition, Gehirn und Netzwerke) schuf 1991 erstmals eine Plattform für die interdisziplinäre neurowissenschaftliche Doktorandenausbildung, die sich im Graduiertenkolleg „Entwicklung und Plastizität des Nervensystems“ fortsetzte. Mit der Gründung der „International Graduate School for Neuroscience“ (IGSN) 2001 hat sich eine „offene Fakultät“ für Neurowissenschaften mit eigenem Promotionsrecht zum „PhD in Neuroscience“ an der RUB etabliert, die 2009 mit der Gründung der Bochum Research School for Medical Neuroscience (BoNeuroMed) weiter gestärkt wurde.

Eine weitere Optimierung der wissenschaftlichen Arbeit bedeutete die Bündelung der Infrastruktur im neu geschaffenen Research Department of Neuroscience, das mit der International Graduate School of Neuroscience sowohl ausbildende als auch forschende Einrichtung ist. Gemeinsame Lehre, gemeinsame Forschung und gemeinsame Publikationen gehören selbstverständlich zum interdisziplinären Alltag. Den Erfolg bestätigen etwa die Publikationen der Bochumer Neurowissenschaftler, die nach Analyse des Instituts für Essential Science Indicators (ESI) seit 2001 zu dem „Top 1 %“ der weltweit am meisten zitierten neurowissenschaftlichen Arbeiten gehören.