Kolloquium des Lehrstuhls im Sommersemester 2016

 

Öffentliche Vorträge im Rahmen des Kolloquiums zur Frühen Neuzeit und Geschlechtergeschichte

 

31.05.2016 Jun.-Prof. Dr. Claudia Jarzebowski (Freie Universität Berlin)
„[...] mit weib und kinderlein wider von der statt nach hauß getzogen.“ Kinder und ihre Erfahrungen im Dreißigjährigen Krieg.

18-20 Uhr in GA 03/49

Vortrag Jarzebowski
Soldatenjunge auf einem Einblattdruck, Staatsbibliothek Berlin.
Aus: Jan Peters: Peter Hagendorf – Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg. 2012.

Militär und Gesellschaft, Krieg und Alltag waren in der Frühen Neuzeit eng aufeinander bezogen. Monatelange Einquartierungen, Plünderungen, Zwangsrekrutierungen und die Zerstörung von Ernten, Feldern und Dörfern hatten oft katastrophale Folgen für die Bevölkerung. Kinder erlebten das Kriegsgeschehen "vor Ort" auf je spezifische Weise, oft entwickelten sie in Anbetracht der sich auflösenden sozialen Ordnung unerwartete Überlebensstrategien. Beides, Erfahrungen und Überlebensstrategien von Kindern werden diskutiert, ergänzt um Fragen der kindlichen Gewaltwahrnehmung und ihrer Bedingungen, wie sie sich aus Selbstzeugnissen zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ergeben.


 

21.06.2016 Prof. em. Dr. Heide Wunder (Universität Kassel)
Im Exil: Ankommen und bleiben – oder zurückkehren? Adlige Glaubensflüchtlinge im Dreißigjährigen Krieg
18-20 Uhr in GABF 04/516

Im Exil
Abb. aus: Georg Kuhr, Österreichische Exulanten: ...,
in: Frankenland 39/1987, S. 163, aus: St.B.Nbg., Bert, Exulantenpredigt, 1647.

Im Zuge der Rekatholisierung der österreichischen Erblande sah sich die überwiegend protestantische Bevölkerung vor die Wahl gestellt zu konvertieren oder das „vatterland“ zu verlassen. Viele Tausend Protestanten aller Stände begaben sich in protestantische Territorien und Reichsstädte auf der Suche nach einem Ort für ungestörte Glaubensausübung. Die Erfahrungen „im Exil“ lassen sich bei adeligen Exulanten – anders als bei Bürgern und Bauern – in einer Vielzahl persönlicher Zeugnisse fassen, die die Probleme der Aufnahme, die (ökonomischen) Anforderungen zur Sicherung der neuen Existenz und die schwierigen Entscheidungen über die weiteren Lebensperspektiven – bleiben oder zurückkehren und konvertieren – im Einzelnen dokumentieren. Das Spektrum der Handlungsoptionen, nicht zuletzt die unterschiedlichen Konsequenzen für Männer und Frauen, werden am Beispiel der oberösterreichischen Familie von Hohenfeld beleuchtet.