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<Arbeitsbereiche><Projekte>
Projekte des Arbeitsbereiches "Erwerbsarbeit - Sozialstruktur - Teilhabechancen":
"Entwicklung und Erprobung eines didaktischen Modellkonzepts zur Prekarisierung von Erwerbsarbeit für die politische und gewerkschaftliche Bildungsarbeit"
Projektvorhaben: Betriebliche Funktionseliten als zivilgesellschaftliche Akteure in nacherwerblichen Lebensphasen
Der tiefgreifende demografische Wandel wird die Gesellschaft in den nächsten Dekaden vor bedeutende Herausforderungen stellen. Dabei geht es nicht nur um die Finanzierbarkeit sozialer Sicherungssysteme, sondern auch um die demokratische Kultur und die soziale Kohäsion der modernen Gesellschaft. Gerade angesichts schwindender Staatsfinanzen fällt daher den Organisationen der Zivilgesellschaft zunehmend die Aufgabe zu, als integratives und partizipatorisches Element auch für Bevölkerungsgruppen in der Nacherwerbsphase zu wirken. Gleichzeitig sind viele dieser Organisationen durch mangelnde Anpassung an veränderte Motivlagen, Formen und Foren des bürgerschaftlichen Engagements in eine Krise geraten.
Diese Konstellation von Problemen lässt sich aber auch als Chance begreifen, nämlich dann, wenn Ältere nicht nur als passive Empfänger von Integrationsleistungen gesehen werden, sondern als leistungsfähige Akteure bürgerschaftlichen Engagements, das ein erhebliches Revitalisierungspotential für die Zivilgesellschaft darstellt. Insbesondere ehemalige betriebliche Funktionseliten wie Manager, leitende Angestellte, Unternehmer und Betriebs- und Personalräte haben über ihr berufliches Fachwissen hinaus Kompetenzen erworben, die in ihrer Nacherwerbsphase für zivilgesellschaftliches Engagement fruchtbar gemacht werden sollten. Diese betrieblichen Funktionsträger in der Nacherwerbsphase sind jedoch bisher nur vereinzelt in den Blick sozialwissenschaftlicher Forschung genommen worden. Sie als Akteure für bürgerschaftliches Engagement zu gewinnen, kann ein entscheidendes Kriterium für die Modernisierungsfähigkeit zivilgesellschaftlicher Organisationen werden. In diesem Zusammenhang sollen folgende Fragestellungen untersucht werden: (1) In welchen gesellschaftlichen Bereichen engagieren sich ehemalige betriebliche Funktionseliten in der Nacherwerbsphase? (2) Was sind die zentralen Motivlagen für Engagementneigungen dieser Personengruppen? (3) Kann ein Zusammenhang zwischen betrieblicher Erfahrung und ehrenamtlichem Engagement in der Nacherwerbsphase festgestellt werden? (4) Welche Rahmenbedingungen begünstigen oder hemmen zivilgesellschaftliches Engagement ehemaliger betrieblicher Funktionseliten? Vorgesehene Untersuchungsregionen: Nördliches Ruhrgebiet/Emscher-Lippe-Region und Raum Jena.
Projektvorhaben: Soziale Gestaltbarkeitspotentiale atypischer Erwerbsarbeit. Neue Beschäftigungsformen im Spannungsfeld von betrieblichen Flexibilisierungsanforderungen und privater Lebensführung
Seit geraumer Zeit kann ein relativer Bedeutungsverlust des klassischen Normalarbeitsverhältnisses beobachtet werden, der mit einer gleichzeitigen Diffusion flexibler und atypischer Beschäftigungsverhältnisse einher geht. Diese Veränderungen innerhalb des Beschäftigungssystems werden in Politik und Wissenschaft mit der Hoffnung verbunden, dass dadurch grundlegende Strukturprobleme des bundesdeutschen Arbeitsmarktes erfolgreicher bewältigt werden können. In dem Forschungsprojekt "Prekäre Beschäftigungsverhältnisse" sind wir auf zahlreiche Hinweise gestoßen, dass die arbeitsweltlichen Wirklichkeiten atypischer Beschäftigungsformen durch Ambivalenzen und Widersprüche gekennzeichnet sind: Einerseits bergen atypische Beschäftigungsformen erhebliche Prekarisierungsrisiken, weswegen sie auch von vielen Befragten als Bedrohung des individuellen erwerbsarbeitsbezogenen Sozialstatus wahrgenommen werden. Andererseits nähren sie aber auch die Hoffnung auf Reintegration in das Beschäftigungssystem gerade unter jenen Erwerbsgruppen, denen der Zugang gegenwärtig - aus unterschiedlichen Gründen - zu "regulärer" Beschäftigung versperrt ist.
Vor diesem Problemhintergrund zielt dieses Forschungsprojekt auf die Frage nach den sozialen Gestaltbarkeitspotentialen atypischer Beschäftigungsformen im Spannungsfeld von betrieblichen Flexibilisierungsanforderungen und individuellen Ansprüchen an die private Lebensführung ab. Durch welche betrieblichen und lebensweltlichen Rahmenbedingungen können Prekarisierungsrisiken atypischer Beschäftigung eingedämmt, positive Integrationschancen dauerhaft gestärkt und die Attraktivität flexibler Beschäftigung verbessert werden?
Projekt: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse - Ursache von sozialer Desintegration und Rechtsextremismus?
In der Debatte um die Ursachen von sozialer Desintegration und rechtspopulistischen Orientierungen wird die Problemzone Arbeitswelt noch immer sträflich vernachlässigt. Häufig gilt allein der Ausschluss von Erwerbstätigkeit als Ursachenherd. Eine solche Sichtweise übersieht jedoch die Desintegrationspotentiale neuer Arbeitsformen, wie sie im "flexiblen Kapitalismus" (Sennett 1998) sukzessive zur Normalität werden. Flexible Arbeitsverhältnisse erfüllen eine Brückenfunktion, sofern sie die Re-Integration in den Arbeitsmarkt fördern. Zugleich entsteht jedoch eine "Zone der Prekarität" (Castel 2000), in der soziale Unsicherheit zur prägenden Lebenserfahrung wird. Je mehr sich diese "Zone der Verwundbarkeit" verfestigt, desto stärker wirkt sie auf den Bereich der Normarbeit zurück. Unsere These lautet, dass die Rückbindung an Marktrisiken das soziale Integrationspotential der Erwerbsarbeit insgesamt schwächt. Prekäre Arbeit ist durch einen strukturellen Mangel an Anerkennung, Ressourcen und Bürgerrechten gekennzeichnet. Sie entstrukturiert die Zeit- und Lebensplanung und sie fördert Ohnmachtserfahrungen und soziale Missachtung. Dieser Hypothese wird anhand einer qualitativen Untersuchung der Auswirkungen von Prekarisierungs- und Desintegrationstendenzen in der Arbeitswelt nachgegangen. Untersuchungsfelder sind: Automobil- und Zulieferindustrie, Bauwirtschaft, Banken und Dienstleistungen, Einzelhandel. Zusätzlich werden Erhebungen in der "Zone der Entkoppelung" durchgeführt. Die Untersuchung ist ein Teilprojekt im BMBF-Forschungsverbund "Stärkung gesellschaftlicher Integrationspotentiale", der von Prof. Heitmeyer/Universität Bielefeld geleitet wird.
- Veröffentlichungen u.a.:
- Kraemer, K. u. Speidel, F. (2004): (Des-)Integrationseffekte typischer und atypischer Erwerbsarbeit. In: Jahrbuch Arbeit Bildung Kultur, hrsg. vom FIAB - Forschungsinstitut Arbeit Bildung Partizipation, Recklinghausen 2003/2004, 39-64.
- Kraemer, K. u. Speidel, F. (2004): Prekäre Leiharbeit. Zur Integrationsproblematik einer atypischen Beschäftigungsform. In: Vogel, B. (Hg.), Leiharbeit. Sozialwissenschaftliche Befunde zu einer prekären Beschäftigungsform. Hamburg: VSA-Verlag, 119-153.
- Dörre, K./Kraemer, K./Speidel, F. (2004): Prekäre Arbeit. Ursachen, soziale Auswirkungen und subjektive Verarbeitungsformen unsicherer Beschäftigungsverhältnisse. In: Das Argument. Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften, 2004, H. 256, 378-397.
- Dörre, K./Kraemer, K./Speidel, F. (2004): Marktsteuerung und Prekarisierung von Arbeit - Nährboden für rechtspopulistische Orientierungen? In: Bischoff, J. / Dörre, K. / Gauthier, E. et al. Moderner Rechtspopulismus. Ursachen, Wirkungen, Gegenstrategien, Hamburg: VSA-Verlag, 2004, 77-118.
- Kraemer, K. u. Speidel, F. (2005): Prekarisierung von Erwerbsarbeit. Zum Wandel eines arbeitsweltlichen Integrationsmodus. In: Heitmeyer, W. / P. Imbusch (Hg.): Integrationspotentiale einer modernen Gesellschaft, Wiesbaden: VS-Verlag, 367-390.
- Downloads:
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