Gute Pflegeheime

Zwei Frauen unterschiedlichen AltersEs ist keine leichte Entscheidung, einen nahe stehenden Menschen in ein Pflegeheim zu geben. Leider kann ein Umzug in eine solche Einrichtung bei einer Langzeitpflege aus verschiedenen Gründen notwendig werden – auch wenn die häusliche Pflege bislang ohne große Probleme klappte. Eine extreme Verschlechterung des Gesundheitszustands des Pflegebedürftigen oder sonstige Veränderung im häuslichen Umkreis, die eine angemessene Versorgung zu Hause unmöglich macht, sind nur zwei mögliche Gründe. Ob es jedoch durch den Umzug in ein Heim zu einer positiven Veränderung der Situation des Pflegebedürftigen kommt, hängt stark von der Qualität der Einrichtung ab.

Entsprechend der Pflegestufe Ihres Angehörigen erstattet die Pflegeversicherung einen Teil der Kosten für eine Einrichtung. Den Differenzbetrag zwischen dieser finanziellen Unterstützung und den Kosten des Heims müssen Sie oder Ihr pflegebedürftiger Angehöriger aufkommen. Ist dies nicht möglich, übernimmt das Sozialamt die ausstehenden Kosten entweder komplett oder anteilig.

Pflegebedürftige dürfen sich die Einrichtung frei aussuchen, auch wenn das Sozialamt einen Teil der Kosten dafür übernimmt. Zwar werden besonders luxuriöse Heime nicht auf Kosten der Gemeinschaft finanziert, aber Sie müssen sich auch nicht nach der günstigsten Einrichtung der Gegend umsehen. Kriterien wie räumliche Nähe zu Familienmitgliedern oder Freunden werden durchaus vom Sozialamt berücksichtigt. Sollten diese persönlichen Wünsche jedoch mit hohen Kosten verbunden sein, ist es möglich, dass bestimmte Leistungen nicht oder nur teilweise übernommen werden.

Es ist nicht ganz leicht, ein gutes und den jeweiligen Ansprüchen und Erfordernissen entsprechendes Pflegeheim zu finden. Dennoch gibt es einige Faktoren, die Ihnen bei der richtigen Wahl helfen. Diese haben wir für Sie zusammengestellt:

  1. Wo soll sich das Pflegeheim befinden? Wenn der Pflegebedürftige noch viele Freunde, Verwandte und Bekannte im Heimatort hat, macht es Sinn, sich dort nach einer geeigneten Einrichtung umzuschauen. Ist dies nicht der Fall, ist es mitunter sinnvoller, nach einem Heim in Ihrem Wohnort Ausschau zu halten.
  2. Es empfiehlt sich, bei verschiedenen Einrichtungen anzurufen und um die Zusendung verschiedener Informationsmaterialien wie den Heimprospekt mit der Beschreibung der angebotenen Leistungen, eine Preisliste, die Pflegekonzeption und die Hausordnung zu bitten. Auf Grundlage dieser Informationen können Sie dann eine Vorauswahl treffen.
  3. Es ist wichtig, dass der Träger der Einrichtung mit den Kranken- beziehungsweise Pensionskassen einen Kostenübernahmevertrag abgeschlossen hat. Erkundigen Sie sich bei privaten Einrichtungen nach der Art der Finanzierung und der Qualifikation der Leitung (pflegerische Ausbildung).
  4. Besuchen Sie das/die favorisierten Pflegeheim/e, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Riecht es hier unangenehm, beispielsweise nach Zigaretten oder Urin, wirken die Räumlichkeiten ungepflegt und schmuddelig oder ist kein Bewohner weit und breit zu sehen? In diesem Fall sollten Sie sich besser nach einer anderen Einrichtung umsehen. Falls Sie den Einrichtungsstil für unmodern oder nicht ansprechend halten, sollten Sie bedenken, dass nicht Sie, sondern Ihr Angehöriger hier leben wird und sich wohl fühlen soll. Vielleicht mag dieser gerade den Einrichtungsstil, den Sie hier vorfinden.
  5. Sprechen Sie mit der Heimleitung, dem Pflegepersonal, weiteren Angehörigen von in der Einrichtung lebenden Pflegebedürftigen und – wenn möglich – mit Bewohnern. In diesen Gesprächen können Sie sich ein noch genaueres Bild verschaffen und konkret einige Punkte ansprechen. Einige Punkte, die Sie bei den Gesprächen beachten sollten, sind:
    • Wie wird mit Ihnen als Angehöriger umgegangen? Reagiert man genervt oder misstrauisch auf Ihre Fragen? Gibt es einen Angehörigenbeirat? Werden Angehörige in die Pflege mit einbezogen?
    • Inwiefern kann das Personal auf die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner eingehen? Bestimmt die Heimleitung den Tagesablauf oder die Bewohner?
      Welche Beschäftigungs- und Therapieangebote, beispielsweise Gymnastikkurse oder Bewegungsspiele, Gedächtnistraining oder Kreativkurse, existieren für die Bewohner? Gibt es eine Bibliothek, einen Bewohnertreff, ein Café?
    • Arbeitet das Haus mit einem Hospizdienst zusammen? Wie ist die fachärztliche Betreuung?
    • Es müssen nicht alle Fragen positiv beantwortet werden. Wenn man Ihnen von Seiten der Einrichtungsleitung viele Versprechungen macht, seien Sie skeptisch. Eine Einrichtung ohne Mängel gibt es nicht. Es liegt bei Ihnen und dem Ihnen nahe stehenden Menschen, Prioritäten zu setzen und zu entscheiden, auf was unter Umständen verzichtet werden kann und auf was nicht.
  6. In manchen Einrichtungen besteht die Möglichkeit zum „Probewohnen“ für künftige Bewohner, welches sicherlich die beste Gelegenheit ist, ein Heim kennen zu lernen. Bietet ein Heim solche Kurzzeitpflege-Plätze an, so kann Ihr pflegebedürftiger Angehöriger beispielsweise während Ihres Urlaubs erproben, ob er sich in der Einrichtung dauerhaft wohl fühlen könnte.

Eine Checkliste der Details und Fragen, die Sie bei der Auswahl eines guten Pflegeheims beachten sollten, finden Sie auch unter seniorplace.de Externer Hyperlink und bei Gesundheitpro.de Externer Hyperlink.

Internetseiten zum Thema Pflegeheim

Buchtipps

  • Claus Fussek und Sven Loerzer, „Alt und abgeschoben. Der Pflegenotstand und die Würde des Menschen“, Herder Spektrum.
  • Sigrid Merz, Sybille Arana und Sybille Reins, „Pflegeheim - und jetzt?“, Walhalla U. Praetoria.

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