unser Leitbild

Das
aktuelle Selbstverständnis des IDF und die daraus
resultierende Arbeit basiert auf den folgenden Zielen
und Einsichten:
1. Deutschlandforschung versteht sich als ein
„multidisziplinäres Feld“ (Oskar Anweiler), in dem
zahlreiche Fachgebiete der Kultur- und
Gesellschaftswissenschaften bei der Erforschung der
deutschen Teilung, der Entwicklung von SBZ / DDR und
Bundesrepublik (auch im Vergleich) und der deutschen
Vereinigung seit 1990 kooperieren.
2. Mit seinen Forschungs- und Arbeitsergebnissen
begleitet und fördert das IDF den deutschen
Einigungsprozess, indem Zukunftsperspektiven entwickelt
werden, das Wissen und das Verständnis der Deutschen in
Ost und West für- und umeinander gefördert und eine
interessierte Öffentlichkeit fortlaufend informiert
wird, z. B. durch Publikationen, Exkursionen,
Konferenzen, Vorträge und Ringvorlesungen.
3. Deutschland braucht die internationale Aufmerksamkeit
und das Interesse seiner Freunde und Nachbarn im
Ausland. Daher hat das IDF seit Beginn seiner Arbeit die
Internationalität seiner Projekte in den Mittelpunkt
gestellt. Davon zeugen zahlreiche Verbindungen mit
Hochschulen in Ost- und Westeuropa, die sich etwa im
Rahmen des Modells Bochum zur Weiterqualifizierung
russischer Germanisten, des Promotionskollegs
Ost-West und der Internationalen Sommerakademie an der
Ruhr (2008) ergeben haben.
Geschichte und aktuelle Aufgaben
Das Institut für Deutschlandforschung (IDF) wurde am 25. Oktober 1989 von Professoren der Ruhr-Universität Bochum gegründet, die besondere Forschungsschwerpunkte in Fragen der DDR und der vergleichenden Deutschlandforschung gebildet hatten. Zwar war das zeitliche Zusammenfallen der Institutsgründung mit der friedlichen Revolution und dem demokratischen Umbruch in der DDR vordergründig eher zufällig, doch hat sich das Institut sogleich engagiert den neuen Aufgaben gewidmet, die sich durch die politische Entwicklung in den Jahren 1989 und 1990 stellten.
Neben interdisziplinären Forschungsprojekten, u. a. zur innerdeutschen Migration, zur Erforschung des Staats-sicherheitsdienstes der DDR, zur Kulturgeschichte des geteilten und des vereinten Deutschlands, war von Beginn an auch die Vermittlung von Forschungsergebnissen ein zentrales Ziel des IDF. Diesem dienen zahlreiche Beiträge zur akademischen Lehre wie Ringvorlesungen, Seminare, Übungen und Gastvorträge. Hinzu kommen Angebote, die den Universitätsalltag bereichern: Studienreisen und Exkursionen, kulturelle Ereignisse wie Lesungen, Ausstellungen und Filmwochen sowie Diskussionsforen und eine kleine Hand-bibliothek, bei deren Nutzung kundige Beratung zum Service gehört.
"Deutschlandforschung kann sich, wenn sie denn heute aussagekräftig sein will, nie auf Deutschland beschrän-ken", sondern muss "stets die Verschränkung von Innen und Außen im Blick haben". Diese These des damaligen Bundesaußenministers Frank-Walter Steinmeier vom November 2008 ist im Bochumer IDF längst verwirklicht worden. Daher spielt hier auch das Deutschland-Interesse im Ausland eine wichtige Rolle. Das IDF versteht sich als Dienstleister für ausländische Gastwissenschaftler und Studierende an der Ruhr-Universität, indem fachwissenschaftliche Kontakte – auch über die Ruhr-Universität hinaus – vermittelt und Gäste bei ihren Forschungsrecherchen beraten und unterstützt werden.
Aus dieser Erfahrung haben sich, vor allem in Kooperation mit dem Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur der Ruhr-Universität, wichtige Arbeitsschwerpunkte entwickelt, u. a. die Erarbeitung eines Lehrwerks zur deutschen Landeskunde für ukrainische Germanistik-Studierende in Kooperation mit der Staatlichen Universität Donezk sowie die schon genannten Großprojekte zur Weiterqualifizierung russischer Germanisten und das "Promotionskolleg Ost-West". An dieser "wissenschaftlichen Kontaktbörse zwischen Ost- und Westeuropa" nahmen ab 2001 über 100 junge Forscherinnen und Forscher aus ca. 30 europäischen Staaten (und darüber hinaus) teil. Noch heute bestehen lebhafte Kontakte zu vielen von ihnen, die Bochum und das IDF als ihre zweite akademische Heimat betrachten.
Auch die aktuellen Projekte profitieren von diesem Netzwerk. So wirken an dem laufenden Forschungs-vorhaben einer Kulturgeschichte der Europäischen Revolution von 1989/91 mit dem Titel "Die Erfahrung der Freiheit" zahlreiche internationale Partner aus dem Kreis des Kollegs mit. Es geht um literarische, künstlerische und erinnerungskulturelle Auseinandersetzungen mit dem epochalen Umbruch am Ende des 20. Jahrhunderts. Er hat nicht nur Deutschland, sondern viele Teile Europas verändert – Anlass genug für besondere Sensibilität beim Umfang mit unseren europäischen Nachbarn.
Ebenso aber sieht das IDF seine Verpflichtung in der Region. Denn "tief im Westen" sind immer noch manche Vorbehalte und viel Unverständnis angesichts der tiefgreifenden Transformationsprozesse im Osten Deutsch-lands sowie eine in vielen Studien beklagte erschreckende Unkenntnis über die Geschichte der SED-Diktatur zu registrieren. Mit einem innovativen Zeitzeugenprojekt, das in Kooperation mit der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (Landesverband NRW) durchgeführt wird, trägt das Institut für Deutschlandforschung an den Schulen unseres Bundeslands dazu bei, hier Impulse der Information zu geben.


