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Las Vegas 2000
High-Rolling
für jedermann: Achterbahnen in Las Vegas
Seit den 70er Jahren stellen viele Beobachter und
Interessierte eine zweite goldene Ära der Achterbahnen nach den
"Roaring Twenties" fest. Zu jener Zeit gab es in den Vereingten
Staaten circa 1.500 Anlagen dieser Art; jedes noch so kleine Städtchen
hat seinen Vergnügungspark mit einer Achterbahn. Depression und Fernsehen
waren zwei Auslöser für den Niedergang dieser Vergnügungsstätten und
ihrer Fahrgeschäfte. Seit den 70ern baut man jedoch wieder die
sogenannten "roller coasters", wie Achterbahnen in der
amerikanischen Sprache genannt werden. Als weithin sichtbare Signaturen
tragen sie zum Bild der amerikanischen Vergnügungsparks bei und beginnen
nun ihren zweiten Siegeszug rund um die Welt. Als transportable
Rummelplatzattraktionen, in Freizeitparks, in Shopping Malls oder gar auch
in Las Vegas entstehen sie. Die Wüstenmetropole und ihre Nachbarstadt
Stateline beherbergen insgesamt sechs dieser Anlagen. Achterbahnen und
Kasinos? Das mag verwundern. Jedoch bietet Las Vegas optimale
Voraussetzungen: Besucherzahlen, Abenteuerhungrige, Vergnügungssüchtige,
schönes Wetter, die Nähe zu Herstellerfirmen und vor allen Dingen gibt
es hier das nötige Geld. Im Folgenden soll nun ein Überblick über die
Achterbahnen in Las Vegas und Umgebung gegeben werden. "Bitte
anschnallen und zurücktreten, die Fahrt beginnt."
Der Manhattan Express feierte seine Premiere am 3.
Januar 1997. Diese Stahlachterbahn windet sich einmal um den Hotelkomplex
New York-New York und bildet zusammen mit den Wolkenkratzernachbildungen
und der Freiheitsstatue die Silhouette des Hotelkomplexes. Die Fahrt
beginnt im ersten Geschoss des Kasinobereichs im sogenannten Coney Island
Emporium. Das Coney Island Emporium ist ein Bereich, der eher für Kinder
und Jugendliche erschaffen wurde. Hier findet man einen Fastfood Court und
eine Vielzahl von Spielautomaten und Geschicklichkeitsspielen für die
zuvor genannte Zielgruppe. Die Wände des gesamten Bereichs sind mit
Fotoreproduktionen, die das klassische Coney Island darstellen,
verkleidet. An einigen Stellen treten Holzachterbahnattrappen aus der
Decke, die zum einen einen Bezug zum Thema Coney Island bieten, und zum
anderen auch auf die Präsenz der Achterbahn über dem Kasino hinweisen.
Den eigentlichen Eingangsbereich der Fahrattraktion bildet ein Vorraum,
der einer New Yorker Subway-Station nachempfunden ist. Es gibt eine
Schließfachwand, einen Verkaufsshop und den eigentlichen Wartebereich,
der zur Einstiegsplattform führt. Die Wände wurden mit Graffitis mit New
Yorker Thematik und den Logos eines Getränkeherstellers (Pepsi Cola)
besprüht. Kurz vor der Einstiegsplattform befindet sich die Kasse. Der
Fahrpreis beträgt acht Dollar pro Person und ist nur in bar zahlbar.
Die Hotelkette Holiday Inn betreibt in Las Vegas das
Boardwalk Casino. Hierbei handelt es sich um ein Kasino, das in seiner
Aufmachung den Mythos von Coney Island zur Schau stellt. Die Dachfassade
der Kasinofront besteht aus großen Reproduktionen der Erkennungszeichen
des Boardwalk von Coney Island. Neben einer großen Achterbahnattrape
findet man ein Riesenrad, den Fallschirmturm und einen überdimensionalen
Clown. Die Achterbahn fällt eigentlich aus dem Betrachtungsrahmen dieser
Dokumentation heraus, da sie keine funktionstüchtige Anlage darstellt,
soll aber der Vollständigkeit wegen an dieser Stelle erwähnt sein.
Speed – The Ride ist die neueste Achterbahn, die in
Las Vegas entsteht. Sie befindet sich vor dem Eingang zum
Sahara-Hotelkomplex, welcher durch das neue NASCAR-Cafe erweitert wird.
Die Bahn gehört zur jüngsten Generation der "LIM"-Achterbahnen.
"LIM" steht hierbei für Linear Induction Motors, einem
speziellen Antriebssystem, welches durch wechselnde elektromagnetische
Felder einen Zug ähnlich einem Transrapid beschleunigt. Ein altes Element
vieler Achterbahnen, der Kettenaufzug auf einer Anhöhe, entfällt und
wird durch eine gerade Beschleunigungsstrecke ersetzt. Die etwa 460m lange
Streckenführung beginnt im Restaurantkomplex des NASCAR-Cafes mit einer
kurzen Beschleunigungsstrecke. Anschließend verlässt der Zug das
Gebäude zum Strip hin, durchfährt eine Hochkurve und taucht schließlich
unter dem Fußgängerweg vor dem Eingang zum Gebäude in einen Tunnel. Aus
dem Tunnel steigt der Zug gerade in einen 26m hohen Looping, gefolgt von
einer weiteren Beschleunigungsstrecke, die den Zug weiter voran treibt.
Dieser durchquert dann die überdimensionale Neon-Werbetafel des
Sahara-Hotels, führt um dessen Eingangskuppelbereich, um schließlich vor
der Hotelzufahrt eine 80m hohe Vertikalstrecke zu erklimmen. Auf dieser
Strecke rollt der Zug aus, der Fahrgast erlebt hierbei knapp vier Sekunden
lang das Gefühl der Schwerelosigkeit, bevor der Zug rückwärts fällt,
und die gleiche Strecke rückwärts zurückgelegt wird. Letztlich wird der
Zug auf der Beschleunigungsstrecke am Startpunkt ausgebremst und kommt am
Ausgangspunkt wieder zum Halten. Die reine Fahrtzeit wird 45 Sekunden
betragen, und die Fahrt wird den Gast zwischen fünf und sieben Dollar
kosten. Die Anschaffungskosten für Speed – The Ride werden mit circa
sechs bis sieben Millionen Dollar beziffert. Matt Smith, Präsident und
General Manager des Sahara-Hotels, sagt dazu: "We wanted something to
tie into the NASCAR-Cafe in terms of excitement and speed, and there's
nothing with a wow factor like a roller coaster."
Die einmalige Lage der Let it Ride High
Roller-Achterbahn oberhalb einer Aussichtsplattform eines Turmes in 303m
Höhe macht sie zur höchstgelegendsten Anlage der Welt. Der Stratosphere
Tower liegt im nördlichen Teil des Strips fernab der Mega-Resorts im
südlicheren Teil der Straße. Durch seine imposante Höhe setzt er sich
von den anderen Gebäuden in seiner Umgebung dramatisch als
Orientierungspunkt in der Skyline von Las Vegas ab. Diese Möglichkeit,
sich an dem Turm zu orientieren, wird durch das Vorhandensein der zwei
Vergnügungsanlagen auf der Turmspitze noch verstärkt. Das suchende Auge
kann bei Tag und Nacht die Bewegungen der Fahrgeschäfte ausfindig machen.
Der erste Namensteil von Let it Ride High Roller, Let it Ride, ist das
Firmenmotto eines Sponsoren (ein Hersteller von Kasinoautomaten), der
verbleibende Namensteil erinnert an den gern gesehenen Spielertypen (ein
High Roller spielt mit hohen Einsätzen) und enthält ebenfalls die
Anspielung auf gleichzeitig Höhe (High) und Achterbahn (roller coaster).
Oberhalb der Achterbahnanlage befindet sich ein weiteres Fahrgeschäft,
der Big Shot. Hierbei handelt es sich um einen Space Shot, ein
Fahrgeschäft, bei dem eine Gondel mit 16 Personen an einem Turm durch
Kompressoren in die Höhe geschossen wird, um, am höchsten Punkt
angelangt, durch freien Fall wieder zum Ausgangspunkt zu fallen.
Hersteller des Big Shots ist die Firma S&S Sports Power Inc. aus Utah.
Der High Roller wurde durch die Firma S&MC aus Maryland gefertigt.
Beide Attraktionen wurden 1996 eröffnet. Ursprünglich war beim
Hersteller S&MC eine dritte Fahrattraktion in Auftrag gegeben worden.
King Kong sollte eine etwa 23m große Glasgondel in Gestalt des bekannten
Filmaffens sein, in der 48 Fahrgäste an der Außenwand des Turms bis in
eine Höhe von 208m gebracht werden sollten. In dieser Höhe war dann zur
Überraschung der Gäste, als zusätzlicher Kick, vorgesehen, den Boden um
circa sieben Zentimeter abfallen zu lassen, um den Beginn eines Sturzes zu
simulieren. Über den Grund, warum die Anlage bislang nicht gebaut wurde,
lässt sich an dieser Stelle nur spekulieren.
Die Desperado Achterbahn gehört wie viele andere
Anlagen zur Gattung eines schnellvergänglichen Superlativs. Desperado war
von der Eröffnung im August 1994 bis zum Sommer 1996 die höchste
Achterbahn der Welt mit einer Höhe von 69m. Die Bahn befindet sich
außerhalb von Las Vegas im Ort Primm, an der Interstate I-15 an der
Grenze von Nevada zu Kalifornien. Der Ort besteht eigentlich nur aus drei
Kasino-Komplexen: Primadonna, Whiskey Pete’s und Buffalo Bill’s Wild
West Resort, die allesamt zur MGM-Gruppe gehören. Letzteres Resort ist
Heimat eines Mini-Vergnügungsparks, der neben anderen Fahrgeschäften
auch den Desperado beherbergt. Der Desperado ist eine Stahlachterbahn von
Arrow-Dynamics, die auf Überschlagelemente verzichtet, und allein durch
ihre weithin sichtbare Höhe, das Hotelanwesen, das von ihr umfahren wird,
krönt. Die Fahrt beginnt im Amusement-Komplex des Kasinos und verlässt
dieses durch das Dach. Nach zwei Minuten und 43 Sekunden Fahrzeit erreicht
der Fahrgast wieder den Einstieg im Kasinobereich. Name und Thematisierung
der Anlage spiegeln den Wildwest-Charakter der Gesamtanlage des Resorts
wider. Diese Achterbahn kann am ehesten als Beispiel für eine Signatur,
wie sie von Neil beschrieben wird, angeführt werden. In einer Talsohle
gelegen, kann die Bahn und der durch sie umgebene Hotelkomplex bereits aus
weiter Entfernung erahnt werden.
Die Lightning-Bolt Anlage hat eine interessante
Transformation erlebt. Ursprünglich funktionierte die Bahn als
Indoor-Anlage mit einem "Outer-Space-Theming". Schon drei Jahre
nach der Eröffnung im Jahre 1993 wurde die Anlage geschlossen, daraufhin
demontiert, um letztlich als Freiluft-Anlage versetzt, in der
Streckenlänge verdoppelt, und als Attraktion im MGM Grand Adventure
Themenpark als Lightning Bolt im Sommer 1997 wiedereröffnet zu werden.
Der Park selbst wurde als Freiluft-Park errichtet, und erlebte im Laufe
der Jahre eine kontinuierliche Verkleinerung seines Areals zugunsten des
Convention Centers und der Parkhäuser. MGM Grand Adventure ist ein
saisonal betriebener Themenpark, für dessen Besuch ein Eintrittspreis,
"one-price-admission", gezahlt werden muss. Die Achterbahn
selbst ist eher unbedeutend im Vergleich zu den anderen hier besprochenen
Bahnen. Auch im Themenpark gilt dieses Fahrgeschäft nicht als
Hauptattraktion und noch weniger als "signature" der
Gesamtanlage. Als Hauptattraktion und Augenmerk des Parks dient der
Skycoaster, eine Art überdimensionale Bungee-Anlage, die von einem circa
60m hohen Stahlbogen dominiert wird. Die thematische Gestaltung des
Lightning Bolt lehnt sich an das Wildwest-Motto an.
Im Gegensatz zum MGM Grand Adventure ist der Grand Slam
Canyon ein kostenlos zugänglicher Ganzjahres-Indoor-Vergnügungspark
unter der Kuppel des Adventure Domes des Circus Circus Resort. Unter dem
pinken Glaskuppeldach findet man neben der Achterbahn Canyon Blaster noch
eine Wildwasserbahn, eine Schiffschaukel, einen Inverter (ein
Überschlagkarussel) und einige andere Kinderfahrgeschäfte. Der Canyon
Blaster ist historisch gesehen die erste Achterbahn in Las Vegas. Die
Anlage wurde 1993 mit dem Adventure Dome zusammen eröffnet. Es handelt
sich hierbei um eine Looping-Stahlachterbahn mit vier Überschlagelementen
aus dem Hause Arrow-Dynamics. Die Bahn ist baugleich mit der Achterbahn
Python des holländischen Herstellers Vekoma, die man im niederländischen
Freizeitpark De Efteling findet. Die Thematisierung der Anlage wird durch
das Wildwest-Ambiente des gesamten Themenparks bestimmt. Die Bahn
durchfährt ein künstliches Bergmassiv, und der Eingangsbereich befindet
sich in einer Wüstenvegetation mit einem Stationsgebäude im Adobe-Stil.
Trotz ihrer Größe sind auch Achterbahnen nur
Produkte, die neben ihrem Unterhaltungswert primär eine wirtschaftliche
Funktion erfüllen sollen: Durch den Betrieb der Anlage soll für den
Betreiber ein finanzieller Gewinn erbracht werden. In einem Themenpark
geschieht dies durch das Erheben von Eintrittsgeldern und
Zusatzgeschäfte. In Las Vegas ist das nicht anders. Nur dass hier die
Gewichtung meist auf dem Zusatzgeschäft liegt. Achterbahnen werden in Las
Vegas als zusätzlicher Attraktionsfaktor für das eigentliche
Kasinogeschäft genutzt. Im Falle von Desperado, Manhattan Express und
High Roller kann der Fahrgast die Anlage nur erreichen, indem er den
Kasinobereich durchquert, und es gestaltet sich schwierig, den Zugang zu
den Anlagen sofort zu finden. Eine unzulängliche Beschilderung macht es
notwendig, dass der Besucher sich im Kasinobereich umsehen oder gar fragen
muss, um Zugang zum Einstiegsbereich zu erlangen. Bei den beiden
Themenparks liegt die Gewichtung mehr auf dem Unterhaltungsareal, wo
Kinder und Jugendliche sich selbst - ohne Eltern - unterhalten können. In
diesen Bereichen herrscht eine bessere Übersicht auf die einzelnen
Einrichtungen, um auch Kindern und Jugendlichen ein eigenständiges
Orientieren zu ermöglichen. Auffällig ist auch bei allen genannten
Anlagen die Koppelung des Einstiegsbereiches mit dem Fastfood-Sektor des
jeweiligen Hotels. Die wartenden Gäste können während ihrer
Verweildauer bei der Fahrattraktion noch eine Stärkung vor der Rückkehr
in den Kasinobereich zu sich nehmen, um dann länger dort verweilen zu
können.
Der Möglichkeit, die Fahrattraktion in der Aufmachung
einem bestimmten Thema zu widmen, wird auch in Las Vegas konsequent
nachgegangen. Die Thematisierung ergibt sich in der Regel aus dem
Gesamtkonzept der Umgebung. Im New York-New York Kasino sind die
Achterbahnzüge als New Yorker Taxis gestaltet, bei Speed – The Ride
findet man natürlich einen Zug, der einem NASCAR-Rennwagen gleicht. Der
Zug des High Roller windet sich wie eine Roulette-Kugel um die Turmspitze
des Stratosphere Towers, und der Desperado steht wie ein einsamer
Widerstandskämpfer in der Wüste. Alle Thematisierungen tragen zum
Wiedererkennungseffekt und der Gesamtwirkung des Komplexes bei. Zudem
lassen sich thematisierte "rides" auch zusätzlich durch
Merchandising-Artikel besser vermarkten. In puncto Zusatzgeschäft darf
hierbei auch nicht die Möglichkeit, "In-Ride"-Erinnerungsfotos
zu erwerben, ungenannt bleiben. Diese bieten dem Betreiber eine
zusätzliche Einnahmequelle und stellen als Souvenirs ein wichtiges Mittel
zur Werbung für das besuchte Resort dar. Ein wichtiger Aspekt bei der
Betrachtung von Achterbahnen als Produkt ist der Faktor Sicherheit. Der
Reiz für viele Besucher dieser Attraktionen liegt in dem Gefühlschaos -
trotz eines Wagnisses sich in einer kontrollierten Sicherheit zu bewegen
-, das eine Fahrt mit der Achterbahn hervorruft. Wichtig ist hierbei das
Vertrauen, keinen Schaden erleiden zu können. Bei zwei der besprochenen
Anlagen gab es Hinweise in einer lokalen Zeitung, dass gerade diese
Sicherheit nicht stets gegeben war. So kam es im Mai und Dezember 1996 zu
Ausfällen des High Rollers. In einem Fall brach dabei ein Metallzylinder
aus einer Verankerung und zerbrach eine Glasscheibe des Aussichtsdecks,
bei dem anderen Vorfall brach ein Radbolzen, und der komplette Zug wurde
zu einem Nothalt gebracht. Personen kamen in beiden Fällen nicht zu
Schaden. Warren Bates vom Las Vegas Review-Journal bezeichnet die
Sicherheitsvorkehrungen beim Manhattan Express zwar als mehr als
ausreichend, um eine sichere Fahrt für die Gäste zu gewährleisten,
weist aber auch gleichzeitig auf Ausfälle der Anlage aufgrund von
Strukturschwächen hin.
Sicherheitsvorkehrungen werden von allen Betreibern
alles oberstes Gebot angeführt. Hierzu zählen tägliche Überprüfungen
der Anlagen vor Betriebsbeginn, die Schulung des Personals, die
angemeldete und unangemeldete Überprüfung der Anlagen durch Beamte und
Drittfirmen, das Zurückgreifen auf solche Hersteller, die ein
unfallfreies Renommee aufweisen können, sowie die ausreichende
Beschilderung mit Sicherheitshinweisen für die Fahrgäste. Im gleichen
Bericht wird der Verantwortliche für die Fahrgeschäfte im Circus Circus,
Cliff Hay zitiert, wonach die Hotels die Arztkosten für Verletzungen, die
durch den Besuch der Fahrgeschäfte entstehen, übernehmen, um eine
schlechte Presse zu verhindern.
Wichtig bei den Achterbahnen in Las Vegas ist die
Visualisierung der Anlage. Achterbahnen sind in dieser Stadt wie auch die
Neonreklamen "eyecatcher", also Blickfang für potentielle
Besucher eines Kasinos. Im Falle des Manhattan Express, Desperado und
Speed – The Ride ist dieser Faktor sehr hervorstechend. Alle drei
Attraktionen sorgen schon allein durch ihre Höhe für weithin sichtbare
Erkennbarkeit. Sie erscheinen farblich abgesetzt von ihrer Umgebung und
ziehen somit zusätzlich Aufmerksamkeit auf sich. Bei allen drei
Fahrgeschäften ist auch ein Ineinandergehen mit dem Gesamtkomplex
Hotel-Kasino zu erkennen. Alle drei Attraktionen starten im Innern ihrer
Hotelanlagen, was den Betrieb nicht nur unabhängiger von
Wettereinflüssen macht, sondern ihm auch erlaubt, optisch mit der die
Bahnen umgebenden Architektur zu verschmelzen. Neben der
Wetterabhängigkeit ist auch der Faktor Tageszeit ein einschränkendes
Element. Keine der Anlagen wird rund um die Uhr betrieben, auch wenn die
Betriebszeiten einiger Bahnen bis in die späten Abendstunden
hineinreichen.
Ein zentraler Punkt bei allen Produkten ist der Preis.
Eine Achterbahn zu errichten, ist zunächst einmal eine große
Investition. Der Manhattan Express wird zum Beispiel mit 18 Millionen
Dollar Anschaffungskosten beziffert. Hinzu kommen dann noch laufende
Personal-, Wartungs- und Versicherungskosten, deren Summe leider nicht in
Erfahrung zu bringen war. Betrachtet man jedoch die Besetzung der
Arbeitsplätze, so fällt auf, dass vor allem Schüler und jüngere
Erwachsene, wahrscheinlich für geringem Lohn, die hochtechnisierten
Anlagen bedienen. Im Falle des Manhattan Express, so führt Hubble Smith
an, hat sich die Anlage nach knapp zwei Jahren Betriebszeit amortisiert.
Über zwei Millionen Fahrgäste pro Jahr ist die Bilanz. High Roller und
Big Shot haben zusammen fünf Millionen Dollar in der Anschaffung
gekostet, pro Tag wird die Achterbahn von 1.500 bis 3.000 Besuchern
gefahren, der Big Shot befördert täglich zwischen 2.000 bis 4.000
Personen. Zahlen, die nicht den erwarteten Besucherzahlen entsprechen.
Bei den beiden Themenparkbetreibern Circus Circus und
MGM Grand gibt man sich bescheidener bezüglich der Aussagen über
Umsätze und Besucherzahlen. Sarah Ralston, Sprecherin für den Grand Slam
Canyon, führt an, dass die Achterbahn die Hauptattraktion des Themenparks
sei; man erreiche zwar eine respektable Summe mit der Anlage, wichtiger
sei jedoch die Möglichkeit, mehr Besucher durch den Themenpark in den
Kasinobereich hineinzubringen. Sind also die Anlagen in Las Vegas genauso
erfolgreich wie die auf Coney Island zu dessen Blütezeit vor hundert
Jahren?
In Las Vegas herrscht in puncto Achterbahnen der
gleiche Gigantismus, der auch von anderen Parkbetreibern weltweit
angewandt wird, um die Konkurrenz auszustechen. Hier ist ebenfalls die
Philosophie der Superlative spür-, hör- und vor allem sichtbar. Der
Drang nach Neuerem und Verbessertem bestimmt auch hier das eigentliche
Tagesgeschäft. Wer immer wieder begeistern will, muß höher, größer
und schneller sein. Die einzelnen Hotelbetreiberfirmen haben bislang durch
den Bau der vorhandenen Anlagen zu einem abgerundeten Gesamtbild, was Art
und Ausmaß der Vergnügungsanlagen betrifft, beigetragen. Zwar gibt es
größere, schnellere und spektakulärere Achterbahnen anderswo, dennoch
besitzen Anlagen wie Desperado oder Manhattan Express Weltklasseniveau.
Aber Las Vegas funktioniert anders als sonstige
Vergnügungsparks. Dies liegt im Charakter als Metropole des Glückspiels
begründet. Während die Betreiber der anderen Vergnügungsparks
natürlich auch darauf aus sind, den Besuchern Vergnügen für Geld zu
bieten, so stehen dennoch die Vergnügungsanlagen unbestreitbar im
Mittelpunkt der Szenerie. In Las Vegas erscheinen diese oftmals nur als
schmückendes, wenn auch teilweise überdimensioniertes Beiwerk oder
Ornament eines größeren Kasinokomplexes. Hier ist der Kasinobetrieb der
gewinnbringende Faktor. Vielleicht wird die Zukunft eine Veränderung
bringen. Spektakuläre Fahrattraktionen werden zum neuen Gesamtbild der
Stadt und der Kasinolandschaft beitragen. Sie werden sich wie die Hotels
zu einer Gesamtskyline in den Köpfen der Besucher von Las Vegas
formieren, und das kommende Bild der Stadt mitprägen. Vielleicht kann Las
Vegas dann für sich beanspruchen, mit modernen Vergnügungsparks
vergleichbar zu sein. Auf dem Weg dorthin sind zwei Trends erkennbar.
Signaturanlagen werden wahrscheinlich auch in Zukunft erbaut werden.
Hierzu zählen aufwendige Fahrgeschäfte für Erwachsene wie Achterbahnen
à la Speed – The Ride oder Manhattan Express. Als Indoor-Anlagen werden
Simulator-Fahrgeschäfte im Stil von Star Trek: The Experience an
Bedeutung gewinnen. Der Trend, sich als Familienmetropole auch durch
Fahrgeschäfte zu präsentieren, erscheint eher rückläufig. Als Merkmale
hierfür sei die Verkleinerung des Themenparks MGM Grand Adventure und das
Ersetzen der River Nile Adventure Bootsfahrt durch den Nachtklub RA im
Luxor angeführt. Die neu entstandenen Achterbahnen sind eher auf
jugendliche oder erwachsene Fahrgäste ausgelegt, Kinder bleiben fast
unberücksichtigt. Ein Aspekt, der den Bau von Achterbahnen betrifft,
blieb bislang noch ungenannt. Vierzig Prozent aller Besucher von Las Vegas
stammen aus Kalifornien. Dieser Staat hat in den letzten Jahren einen
rapiden Zuwachs an neuen Freizeitparks erlebt. Die dort bereits
bestehenden Freizeitparks haben immens in den Ausbau von Achterbahnen
investiert. So entsteht in diesem Jahr der neue Freizeitpark Disney's
California Adventure, und der Freizeitpark Magic Mountain eröffnete mit
Goliath, der momentan höchsten Achterbahn der Welt - alles nicht weit von
Las Vegas entfernt. Wenn Las Vegas mit dieser Szenerie in Konkurrenz um
Kurzurlauber gehen möchte, müssen Hotelbetreiber in vergleichbare
Anlagen investieren, um bestimmte Besucherschichten nicht an diese
Mitbewerber um das Freizeitbudget der Kalifornier zu verlieren.
Wie übertragbar das Konzept auf andere Städte oder
gar Länder ist, kann an dieser Stelle nicht ausreichend beantwortet
werden. Auffällig ist, dass in vielen Freizeitparks weltweit die
Nachfrage und damit auch das Angebot an spektakulären Fahrgeschäften
steigt. Gold Reef City in Südafrika ist genauso wie Las Vegas eine
Spielerstadt. Für das laufende Jahr ist eine hohe Investition in den Bau
einer "state-of-the-art"-Achterbahn getätigt worden. Auch
deutsche Freizeitparks werden in diesem Jahr viel Geld für den Bau von
Achterbahnen ausgeben. Der Europa-Park baut eine Wasserachterbahn, Warner
Bros. Movie World baut u.a. eine Wilde Maus, der Heidepark eine
Holzachterbahn. In den Niederlanden entsteht der erste europäische Six
Flags Park, Six Flags Holland bei Amsterdam, in dem gleich vier neue
Achterbahnen entstehen werden. Die Besucherzahlen am Ende der Saison
werden belegen, wer mit seiner Investition richtig gelegen hat. Eine
Achterbahn außerhalb eines Freizeitparks als stationäre Anlage um ein
Kasino betrieben, ist bislang noch unberührtes Terrain für deutsche
Verhältnisse. Investitionskosten und Baubestimmungen mögen die primären
Gründe dafür sein. Zudem erscheint eine Rummelplatzattraktion in vielen
Köpfen unvereinbar mit einem Kasinobetrieb. Eventuell könnte aber gerade
diese Koppelung von Entertainment-Bereichen eine Revolution der hiesigen
Spiellandschaft bedeuten und es könnte der Gedanke von Venturi gelten:
"Learning from Las Vegas".
Timeline und Statistiken
August 1993 Eröffnung des ersten Themenparks in
Las Vegas: Grand Slam Canyon im Adventuredome des Circus Circus Hotels.
Erste Achterbahn für Las Vegas: Canyon Slammer
Hersteller: Arrow Dynamics baugleich mit Vekoma's Python (De Efteling/NL)
Adresse: Circus Circus, 2880 Las Vegas Boulevard South, Las Vegas, Nevada
89109
807,6 m Streckenlänge, 31,3 m hoch
2 Loopings, 2 Corkscrews
28 Passagiere pro Zug (7x4)
Theming: Canyonlandschaft, Station in Adobe-Stil
1993 erste Achterbahn im MGM Grand: eine
Indoor-Achterbahn: Lightning Bolt
August 1994 Eröffnung des Desperado. Mit 209ft.
Höhe die höchste (bis 1996) Achterbahn der Welt
Hersteller: Arrow Dynamics
Adresse: Buffalo Bill's Wild West Resort, I-15 South Stateline, PO Box
19129, Jean, Nevada 89109
1966,6 m Streckenlänge, 69,6 m hoch
30 Passagiere pro Zug (5x6), 3 Züge
Theming: Wildwest; 6 Dollar pro Person; In-Ride-Fotos
April 1996 Eröffnung der Let it Ride High
Roller-Achterbahn auf dem Stratosphere Tower in 303m Höhe. Diese
Achterbahn gilt als höchstgelegendste Achterbahn der Welt
Hersteller: S&MC aus Maryland
Adresse: 2000 Las Vegas Boulevard South, Las Vegas, Nevada 89104
Höhe: nicht genannt
Theming: keines, Name: Roulette-Spieler, Roulette-Kugel
Fahrpreis: 6 Dollar plus 3 Dollar für den Tower-Lift, Ermäßigung für
"local residents", Wiederholungstickets für 3 Dollar,
In-Ride-Fotos
03. Januar 1997 Eröffnung des Manhattan Express
rund um das Hotel New York-New York
Hersteller: TOGO, Japan
4 Züge mit jeweils 5 Wagen für je 2x2 Passagiere
18 Millionen Dollar Baukosten
Fahrpreis: 8 Dollar, In-Ride-Fotos
1592,3m Streckenlänge, 67,6m hoch
Theming: gelbe Taxis; Station: New York Subway
Sommer 1997 Wiedereröffnung der verlängerten
Achterbahn Lightning Bolt im MGM Grand Adventures Theme Park
Frühjahr 2000 Eröffnung von Speed – The Ride.
LIM-Shuttle Coaster vor dem Hotel Sahara
Hersteller: Premier Rides aus Baltimore
Andere Fahrattraktionen:
4. Januar 1998 Eröffnung des Star Trek: The
Experience Simulator
Joint Venture zwischen Las Vegas Hilton und Viacom Inc.'s Paramount Park
Inc.
Kosten: 70 Millionen Dollar, davon 30 Millionen für das Space Quest
Kasino (Eröffnung am 16. November 1997)
22 Minuten dauerndes Erlebnis
1.000 Personen pro Stunde bei jeweils 15,95 Dollar
Race for Atlantis
Simulator in den Forum Shops; pro Person 8 Dollar
Secrets of the Luxor pyramide
Simulator im Hotel Luxor; pro Person 5 Dollar
River Nile Adventure
Bootsfahrt durch das Basement der Luxor-Pyramide, 1997 nach vier
Jahren geschlossen und durch den Nachtklub RA ersetzt
Big Shot
Abschuss- und Fallturm auf der obersten Plattform des Stratosphere
Towers
307–367m hoch, 6 Dollar pro Person plus 3 Dollar Lift auf den Tower
Grand Slam Canyon Theme Park: Inverter,
Wildwasserbahn
Ganzjähriger geöffneter Themenpark, Zutritt kostenlos, "all-inklusive"-Tagesticket
oder einzelne Fahrkarten möglich
MGM Grand Adventure Theme Park: Skycoaster, Rafting,
Wildwasserbahn
Saisonal geöffneter Themenpark beim MGM Grand Hotel, Eintritt
erforderlich, "all-inklusive"-Tagesticket
Buffalo Bill’s Resort: Giant Drop,
Wildwasserbahn, Simulator
Ganzjährig geöffneter In- und Outdoor-Park, Zutritt kostenlos, "all-inklusive"-Tagesticket
oder einzelne Fahrkarten möglich
Monorails und Transportbänder zwischen
einigen Hotels
Fotoverzeichnis
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Zug des High Roller; Blick auf Las Vegas
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Skyline des Hotels New York-New York
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Coney Island 1: Achterbahn-Attrappe auf dem
Boardwalk-Kasino
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Coney Island 2: Detailaufnahme Boardwalk
Casino-Attrappe
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Coney Island 3: Wandtapete bei Nathan’s im
Stratosphere Tower
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Looping des Canyon Slammers im Adventure Dome
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Desperado am Buffalo Bill’s Resort: Kasinoansicht
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Desperado am Buffalo Bill’s Resort: Rückseite des
Hotelkomplexes
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Stratosphere Tower: Aussichtsplattform mit
Fahrattraktionen
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Stratosphere Tower: Let it Ride - High Roller
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Stratosphere Tower: Big Shot
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Manhattan Express: erste Abfahrt aus 67m Höhe
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Sahara Hotel: Speed – The Ride: Blick auf
Vertikalschiene
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Sahara Hotel: Speed – The Ride: Blick auf Looping
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Sahara Hotel: Speed – The Ride: LIM-Strecke
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Sicherheit 1: Wandillustration im Grand Slam Canyon
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Sicherheit 2: Sicherheitsbereich beim Let it Ride
High Roller
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Zusatzgeschäft: In-Ride-Erinnerungsfotos
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